Als der Renault Arkana auf den Markt kam, war bereits klar, dass der Kaptur bald mit einer aktualisierten Plattform folgen würde – einer, die ihn mit dem Duster der nächsten Generation verbindet. Das angepasste Fahrwerk des überarbeiteten Kaptur behält seine gewohnte Laufruhe bei, und wir haben es im direkten Vergleich mit dem Modell vor dem Facelift getestet. Um ehrlich zu bleiben, habe ich einen Kollegen mit praktischer Ingenieurserfahrung bei Renault sowie ein Kamerateam mitgebracht, um alles zu dokumentieren.
Was Besitzer über den neuen 150-TCe-Motor sagen
Vor der Veröffentlichung haben wir das Publikum um Fragen gebeten, um ein vollständigeres Bild zu erhalten. Statt Fragen bekamen wir jede Menge Kritik zu hören – die Kommentatoren äußerten sich überwiegend kritisch zum neuen 150-PS-1,33-Liter-Turbomotor in Kombination mit einem CVT (stufenlosem Automatikgetriebe). Die zentrale Sorge: Wird diese Kombination genauso zuverlässig sein wie der saugende 2,0-Liter-Motor mit seinem herkömmlichen Automatikgetriebe?

Langzeittest: Kann das CVT seine Kritiker widerlegen?
Eine endgültige Antwort haben wir erst nach Abschluss eines einjährigen Tests – dem längsten, den wir je mit einem einzelnen Auto durchgeführt haben. Ein Jahr in unseren Händen entspricht mindestens drei, möglicherweise fünf Jahren in denen eines sorgfältigen Privatbesitzers. Sollte das CVT tatsächlich eine Schwachstelle sein, wird sich das schnell zeigen. Der erste Eindruck ist jedoch eindeutig: Der überarbeitete Kaptur lässt sich einfach leichter und angenehmer fahren.
Motor und Getriebe: 2.0-Automatik vs. 1,33-Turbo-CVT
Der 2.0 vor dem Facelift traf ein paar Tage vor dem Vergleichstest ein, sodass ich Zeit hatte, mich über eine ganze Tankfüllung hinweg wieder mit ihm vertraut zu machen. Das Urteil über seine Viergang-Automatik: Sie schaltet weder besonders schnell noch reagiert sie besonders linear. Das moderne CVT im überarbeiteten Kaptur bietet eine deutlich präzisere Traktionskontrolle. Die wichtigsten Unterschiede bei den Leistungsdaten:
- Drehmoment: 250 N·m beim 150 TCe gegenüber 195 N·m beim atmosphärischen 2.0
- Das Turbo-Drehmomentband ist deutlich breiter, was Überholvorgänge wesentlich unaufgeregter macht
- 0–100 km/h: Der überarbeitete Kaptur ist etwa zwei Sekunden schneller – der reale Vorteil zeigt sich jedoch noch deutlicher bei der Zwischenbeschleunigung
In Kombination mit einem leichteren, vibrationsgedämpften Lenkrad entsteht durch den neuen Antriebsstrang der Gesamteindruck eines reaktionsfreudigeren und komfortableren Alltagsautos. Der überarbeitete Innenraum ist deutlich ergonomischer, wobei die Verarbeitungsqualität der Materialien gegenüber der Konkurrenz weiterhin einen Schritt zurückliegt.
Fahrverhalten: Facelift vs. Vor-Facelift auf realen Straßen
Es gibt einen Bereich, in dem der ältere 2.0 noch einen Vorteil hat: den Federungskomfort über scharfe Unebenheiten. Das Modell vor dem Facelift bewältigt Bodenschwellen bei höherer Geschwindigkeit souveräner.
- 2.0 vor dem Facelift: kann Bodenschwellen bequem bis zu 60 km/h überwinden
- Überarbeiteter 150 TCe: Bei denselben Hindernissen sollte man auf etwa 50 km/h abbremsen
Dennoch bleiben beide auf schlechten Landstraßen bemerkenswert komfortabel – ein Terrain, auf dem sich etwa der auf Sportlichkeit getrimmte Arkana einfach mit roher Kraft durchsetzt. Für einen hochbeinigen Crossover ist das Fahrverhalten des Kaptur wirklich respektabel: Die Wankneigung ist gut kontrolliert, und das überarbeitete Modell reduziert das niederfrequente Nicken im Vergleich zum 2.0 spürbar.

Lenkgefühl: Ein lohnenswerter Kompromiss?
Die 17-Zoll-Räder des überarbeiteten Modells nehmen kleinere Fahrbahnunebenheiten etwas stärker auf, doch das Lenkrad bleibt von diesen Rückmeldungen nahezu vollständig verschont – ein bewusster Kompromiss. Die leichtgängige Lenkung erfordert bei Autobahngeschwindigkeit eine kurze Eingewöhnung; bei weitläufigen Autobahnkurven muss man erst die richtige Lenkeingabe finden, statt sofort ein Gefühl der Verbundenheit zu spüren. Innerhalb eines Tages gewöhnt man sich jedoch daran – und das schwerergängige Lenkrad des Vor-Facelift-Modells wirkt im Vergleich dann unnötig belastet.
Bei der Abstimmung der elektrischen Servolenkung gibt es weiterhin Verbesserungspotenzial. Konkret:
- Das Gefühl in der Mittelstellung hat keine klar definierte neutrale Position
- Das Rückstellmoment bei hohen Querbeschleunigungen könnte progressiver ausfallen
- Die Lenkrückmeldung ändert sich zwischen einem entspannten Bogen und einer engagierten Kurveneinfahrt kaum spürbar
Nichts davon wird den typischen Kaptur-Käufer stören. Der entscheidende Vorteil: Das Einparken gelingt jetzt mit zwei Fingern – und genau das wollen die meisten Menschen.
Geländetauglichkeit: Hält das Facelift mit?
Unsere Geländestrecke war nicht die anspruchsvollste, doch beide Kaptur-Modelle meisterten unebene, schlammige Pisten ohne ins Schwitzen zu geraten. Wenn überhaupt, hatte das überarbeitete Modell die Nase vorn: Das Lenkrad wehrte sich nicht auf unebenem Untergrund, und die Gasannahme war präzise genug, um das zusätzliche Drehmoment des Turbomotors ohne unnötigen Radschlupf zu nutzen.
Für alle, die es weiter treiben möchten, gibt es eine wichtige Einschränkung. Die Riemenscheibenkonstruktion des CVT ist kein Freund ernsthafter Geländeeinsätze. Wer den Kaptur vor allem als robuste, dem Duster nahestehende Maschine betrachtet, sollte das vor der Fahrt in schwereres Gelände berücksichtigen.

Die Frage nach dem Schaltgetriebe: Ist der 2.0 MT6 endgültig Geschichte?
Für Käufer, die gezielt den 2.0 mit Schaltgetriebe wollten, schließt sich das Zeitfenster rasch. Der Händlerbestand reicht höchstens noch ein paar Monate – und in der überarbeiteten Modellreihe gibt es kein Schaltgetriebe mehr, obwohl Renault über die komplette Technik dafür verfügt (das TL8-Getriebe und die passenden Übersetzungen existieren).
Etwa ein Viertel der bisherigen Käufer entschied sich für die Konfiguration 2.0 MT6 4×4. Renaults offenbare These lautet, dass viele von ihnen sich aus Widerwillen gegen die alte Automatik für drei Pedale entschieden – nicht aus echter Vorliebe. Sollte das neue CVT diese Käufer überzeugen, kehrt das Schaltgetriebe womöglich nie zurück. Doch der Markt wird entscheiden. Schließlich ist die Überarbeitung des Kaptur eine direkte Reaktion auf Kundenfeedback – und wenn die Nachfrage nach einem Schaltgetriebe laut genug ist, hat Renault die Mittel, es zu liefern.
Wiederverkaufswert und langfristige Besitzkosten
Die Überarbeitung wird die Gebrauchtwagenpreise des auslaufenden 2.0-Automatikmodells mit ziemlicher Sicherheit nach oben treiben – gute Nachrichten für aktuelle Besitzer. Selbst wenn sich die turboaufgeladene CVT-Version in den Händen des Ersteigentümers als vollkommen zuverlässig erweist, könnte der Wiederverkauf aufgrund anhaltender Zurückhaltung der Käufer schwieriger sein.
Renault bekämpft dieses Wahrnehmungsproblem in der Arkana-Baureihe erfolgreich, wo die 150-PS-Versionen durchweg am beliebtesten sind. Doch der Kaptur zieht ein anderes Käuferprofil an – eines, das sich stärker konzentriert auf:
- Reparaturkosten nach Ablauf der Garantie
- Langfristige mechanische Zuverlässigkeit
- Liquidität beim Wiederverkauf
Die Wartung eines von Mercedes stammenden Motors sowie eines CVT, das relativ häufige Ölwechsel benötigt, ist nicht für jeden geeignet. Es würde nicht überraschen, wenn sich der Absatzmix zugunsten der 1,6-Varianten verschieben würde – dort bringt das Facelift spürbare Verbesserungen zu einem geringeren Preisaufschlag, ganz ohne die Fragezeichen bei der Zuverlässigkeit.

Fazit: Welchen Kaptur sollten Sie wählen?
Der überarbeitete 150-TCe-Kaptur ist das ausgereiftere, leistungsfähigere Alltagsauto. Er ist schneller, komfortabler am Steuer und im Stadt- und Autobahnverkehr angenehmer im Umgang. Die langfristige Haltbarkeit des CVT bleibt eine offene Frage – eine, die unser einjähriger Test überzeugender beantworten wird als jede kurze Testfahrt.
- Wählen Sie den überarbeiteten 150 TCe, wenn Ihnen Alltagstauglichkeit, Leistung und Ergonomie am wichtigsten sind
- Wählen Sie den 2.0 vor dem Facelift, wenn Ihnen Stoßabsorption bei hohem Tempo, mechanische Einfachheit oder ernsthafter Geländeeinsatz wichtig sind
- Erwägen Sie das 1,6-Facelift, wenn Ihnen Besitzkosten und Wiederverkaufswert am wichtigsten sind
Dies ist eine Übersetzung. Das Original können Sie hier lesen: https://www.drive.ru/test-drive/renault/5eef8db3ec05c4bb52000000.html
Veröffentlicht November 24, 2022 • 7 m zum Lesen