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Harley-Davidson Touring Series: Enthüllung der Faszination amerikanischer Cruiser

Harley-Davidson Touring Series: Enthüllung der Faszination amerikanischer Cruiser

Die Amerikaner waren schon früher auf dem Balkan — und nicht ohne ihre Mitwirkung zerfiel Jugoslawien in mehrere Staaten, wobei der Schmerz des vergangenen Bürgerkriegs bis heute nachwirkt. Nun sind die Yankees mit neuen Harley-Davidson-Motorrädern nach Kroatien zurückgekehrt. Über die Probefahrt mit der Sportster-Familie habe ich bereits berichtet; jetzt geht es um die Touring-Baureihe.

Zwei Bagger, zu 95 Prozent dasselbe Motorrad

Bagger! Echte Modeobjekte, die das Bild ihrer Vorgänger aus den 1950er- und 1960er-Jahren erfolgreich ausnutzen. Obwohl Street Glide und Road Glide ziemlich unterschiedlich aussehen, sind sie zu 95 Prozent dasselbe Motorrad. Die Road-Version hat einen etwas größeren Gabelnachlauf, und ihre Verkleidung sitzt weit vorn und führt ein vom Lenker unabhängiges Eigenleben.

Haifischnase und Fledermausflügel

Diese Front mit ihren zwei zusammengekniffenen ovalen Augen polarisiert: Manche lieben sie, andere hassen sie. Ich gehöre zur ersten Gruppe. Diese Road erinnerte mich sofort an das Buick-Riviera-Coupé der ersten Generation, bei dessen Anblick ich meinen Willen verliere und sofort auswandern möchte. Bei Harley-Davidson besitzt dieses Symbol von Größe jedoch einen eigenen Namen: Haifischnase.

Harley-Davidson Road Glide mit rahmenfester Haifischnasen-Verkleidung
Harley-Davidson Road Glide
Die beiden ovalen Scheinwerfer der Road Glide
Harley-Davidson Street Glide

Bei der Street sitzt die Verkleidung traditionell am Lenker, und der Scheinwerfer ist rund. Diese Form der Front wird Fledermausflügel genannt. Ein eigenartiges Paar also: Haifischjunge und Batman.

Harley-Davidson Street Glide mit am Lenker befestigter Fledermausflügel-Verkleidung
Harley-Davidson Road Glide mit Haifischnasen-Verkleidung und doppelten LED-Scheinwerfern
Der runde Scheinwerfer der Street Glide
Fledermausflügel-Verkleidung und Scheinwerfer einer roten Harley-Davidson Street Glide

Für große Fahrer gebaut

Beide sind für große Kerle gedacht. Riesige Trittbretter reichen gefühlt bis nach Arizona, und die Sofa-Sitze könnten mühelos einen Kapitän in XXXL aufnehmen — der Beifahrer bekommt nur die halbe Fläche, unverhohlener Sexismus. Nur der Lenker der Fledermaus sitzt etwas näher am Fahrer als der des Hais.

Breite Sitzbank und Trittbretter eines Harley-Davidson-Baggers
Auf diesen Trittbrettern verliert sich selbst ein Fuß in Größe 46. Außerdem sind sie vollständig von Vibrationen entkoppelt — bequemer ist nur ein Auto
Fahrersitz und Soziussitz der Street Glide
Originalsitz der Harley-Davidson Street Glide. Er besitzt eine ausgeprägte anatomische Mulde mit gut entwickelter Lendenstütze. Das verhindert beim kräftigen Beschleunigen des massiven Motors ein Zurückrutschen

Heißt das, dass kleinere, schmalere und weniger korpulente Besitzer unbequem sitzen werden? Ja, aber eher im Kopf als körperlich: ausgestreckte Arme und weit gespreizte Beine unterstreichen nur die bescheidenen Ausmaße des Markenverehrers.

Fahrer auf der Road Glide mit weit ausgestreckten Armen und Beinen
Das Armaturenbrett erinnert an einen amerikanischen Lastwagen aus den 1980er-Jahren.
Road Glide und Street Glide gemeinsam auf einer kroatischen Straße
Die Spiegel der Harley-Davidson Street Glide bieten keine besonders klare Sicht: Rund 30 Prozent ihrer Fläche werden von der Spiegelung der Handschuhe eingenommen.

Der Milwaukee-Eight 107

Dieses Paar ist so sehr vom amerikanischen Geist durchdrungen, dass man die Marke selbst gefesselt und mit verbundenen Augen auf dem Sitz erkennen würde. Der Milwaukee-Eight 107 mit knapp zwei Litern Hubraum (1.745 cm³ beziehungsweise 107 Kubikzoll) brummt geschäftsmäßig und bewegt gemächlich seine Stoßstangen. Die Nockenwelle liegt tief, und es gibt nur eine. Doch selbst dieses Relikt hat der Fortschritt erreicht. Nein, Traktionskontrolle und verstellbare Zündkennfelder gibt es nicht, aber jeder Zylinder hat zwei Zündkerzen und vier Ventile, außerdem ist sogar eine Ausgleichswelle vorhanden, die die typischen Vibrationen tatsächlich reduziert. All das wird luftgekühlt, und am Ende stehen 90 PS — nicht viel für Leviathane mit fast 400 kg fahrfertigem Gewicht.

Luftgekühlter Milwaukee-Eight 107 V-Zweizylinder
Harley-Davidson Street Glide: Milwaukee-Eight-V-Zweizylinder, Gussräder mit ABS-Bremsscheiben und -sätteln, verchromter Motorschutzbügel
Verchromte Stoßstangenrohre und Kühlrippen des Motors
Lebender Mohikaner: untenliegende Nockenwelle, Ventilstößelstangen — immerhin mit hydraulischem Ventilspielausgleich — und Luftkühlung
Auspuff und Hinterradfederung des Harley-Davidson-Touring-Fahrwerks
Harley-Davidson Milwaukee-Eight 107: V-Zweizylinder mit 45 Grad Zylinderwinkel, Luftkühlung oder kombinierter Luft-Flüssigkeits-Kühlung, etwa 89–90 PS und beeindruckendem Drehmoment von rund 150 Nm

Auf der Straße

Doch wo sollte man es auf solchen Tourern eilig haben? Erst der stärkere „114“-Motor mit kombinierter Flüssigkeits-Luft-Kühlung und höherer Verdichtung lässt es richtig krachen. Mit dem „107“ lebt man lieber im Moment — umso leichter, weil bei 3.250 U/min satte 150 Nm zur Verfügung stehen und fast alles bereits ab 2.000 U/min anliegt. Man fährt ihn wie einen Fernverkehrslaster.

Bei 70 km/h legte ich den höchsten Gang der Sechsgangbox ein, genoss das typische Geräusch wie beim Durchladen einer Pumpgun und entspannte mich: Drehmoment würde reichen. Tempomat, wirksamer Windschutz … Das Leben ist schön! Man kann den Gasgriff bis zum Anschlag drehen, viel heftiger wird die Beschleunigung nicht; oberhalb von 130 km/h kehrt Ruhe ein. Harley-Fahrer sprechen verächtlich über japanische Sportmotorräder, und dies hier ist ganz entschieden keines.

Wenn man unbedingt will, zeigt der Tacho auch 180 km/h. Aber vermutlich fahren nur Journalisten diese Motorräder so.

Road Glide mit Tempo auf einer Küstenstraße
Harley-Davidson Road Glide auf der Straße
Street Glide in Schräglage in einer Kurve
Harley-Davidson Street Glide auf der Straße

Bremsen und Federung

Die „zusätzlichen“ zwölf Kilogramm an der Haifischnasen-Version Road Glide sind spürbar. Wirklich merken wird man sie aber nur am Limit, wenn man in jeder Kurve die mächtigen Trittbretter abschleift und auf einem Motorrad zum Preis eines guten Geländewagens das Schicksal herausfordert. Wozu? Die drei 300-mm-Bremsscheiben mit Vierkolbensätteln sind derselben Meinung: Im normalen Betrieb reichen sie mehr als aus, aber wer aggressiv damit arbeitet, muss nicht lange auf Überhitzung warten.

300-mm-Bremsscheibe und Vierkolbensattel am Vorderrad
Das gelochte Metallgitter auf den Bremssätteln dient der Optik und soll die Kühlung nicht behindern. Gerade die wird bei hartem Bremsen zum Problem.

Die Federung verbindet erstaunlicherweise Gemächlichkeit mit kurzem Federweg. Letzteres bedeutet allerdings keine messerscharfe Handlichkeit: Beide Maschinen legen sich merklich in die Kurve, wie es sich für schwere Motorräder dieser Klasse gehört. Rüttelt es? Auf schlechten Straßen ja. Guten Asphalt bügeln diese Monster dagegen mit der Gelassenheit von Flugzeugträgern glatt, die von kleinen Fahrzeugen in Pastetengröße umgeben sind.

Gabel und Vorderrad der Road Glide
Seitenkoffer sind ein wesentlicher Bestandteil des Bagger-Stils. Sie sind zudem schmal genug, selbst in den schlimmsten Staus nicht im Weg zu sein
Hintere Stoßdämpfer und Seitenkoffer des Touring-Fahrwerks
Harley-Davidson-Seitenkoffer bestehen aus hochfestem, schlagzähem ABS-Kunststoff. Sie sind vollständig dicht und schützen das Gepäck vor starkem Regen, Schlamm und Straßenstaub

Instrumente, Audio und Chrom

Die Instrumente verstärken die Ähnlichkeit mit amerikanischen Fernverkehrslastern aus der Mitte der 1980er-Jahre — Peterbilt, Kenworth, Mack — noch weiter: Klassische Rundinstrumente in Chromrahmen sind großzügig verteilt. Wirklich heraus sticht nur das Multimediasystem Boom!Box 6.5GT mit sechseinhalb Zoll großem Touchscreen, auf dem man selbst mit Handschuhen problemlos wischen kann. Das System versteht sechs Sprachen, darunter Russisch, und besitzt endlich eine Navigation, die auch in unseren Heimatregionen funktioniert. Sprachbefehle erkennt es ebenfalls, doch das habe ich nicht ausprobiert: Ich war nie ein Freund von Helmsprechgarnituren.

Boom!Box-6.5GT-Touchscreen und verchromte Instrumente
Die Ähnlichkeit mit Fernverkehrslastern der 1980er wird durch die Instrumente noch verstärkt — klassische Anzeigen hinter Gläsern mit Chromrahmen

Wie klingt die Audioanlage? Laut. Selbst für mein anspruchsloses Ohr ist das die treffendste Beschreibung, und ein bekannter Audiophiler würde keine zwei Sekunden aushalten. Was soll man machen: Motorräder mit hochwertiger Audioausstattung ab Werk sind fast Science-Fiction — in meiner Erinnerung gab es nur die Harley-Davidson CVO Street Glide für unglaubliche 3,5 Millionen Rubel. In allen anderen Fällen ist teures Nachrüsten nötig.

Lautsprecher des Boom!Box-Audiosystems in der Verkleidung
Harley-Davidson Road Glide

Eine Harley zu sehen, die keine gnadenlosen Umbauten erfahren hat, ist beinahe unmöglich: Jeder Besitzer möchte auffallen und seinem Lieblingsmotorrad maximale Individualität verleihen, denn niemand kauft so etwas mit dem letzten Geld. Die Werkskataloge für Zubehör sind dicker als die schwersten Lexikonbände, und wenn man dem Kult erst beigetreten ist, verschwindet man für immer darin und gibt alles her — einschließlich der Seele — für verchromtes Zubehör.

Verchromtes Zubehör an einem Harley-Davidson-Touring-Modell
Harley-Davidson Street Glide

Preise und Konkurrenten

Übrigens macht die Touring-Baureihe im gesamten Verkaufsportfolio der Marke in Russland etwa 30 Prozent aus. Wir werden die charakteristische Silhouette des schweren Tourers also definitiv auf unseren Straßen sehen — obwohl die Street Glide bei 2,2 Millionen Rubel startet und die Road Glide 150.000 Rubel teurer ist.

Und die Konkurrenz? Alle großen „Japaner“ dieser Klasse haben unseren Markt schon vor langer Zeit verlassen, und in diesem Format bleibt nur das amerikanisch-italienische Paar: Die Indian Chieftain, in Philosophie und Eigenschaften sehr ähnlich, beginnt bei 2.293.000 Rubel, während die technisch anspruchsvollere Moto Guzzi MGX-21 Flying Fortress mit 1.919.000 Rubel deutlich günstiger ist. Doch selbst dieses Duo brachte es zusammen auf weniger als 20 verkaufte Exemplare, während Harley im vergangenen Jahr fast dreihundert seiner Bagger absetzte.

Harley-Davidson Road Glide und Street Glide nebeneinander
Harley-Davidson Road Glide und Harley-Davidson Street Glide

Technische Daten

MotorradHarley-Davidson Street GlideHarley-Davidson Road Glide
Abmessungen, mm
Länge
Breite
Höhe
Radstand
Sitzhöhe
Bodenfreiheit

2450
960
1350
1625
695
135

2430
980
1310
1625
695
140
Lenkkopfwinkel/Gabelversatz, Grad/mm26/17026/173
RahmenStahl, RohrrahmenStahl, Rohrrahmen
Fahrfertiges Gewicht, kg376388
Anzahl und Anordnung der Zylinder⠀2, V-förmig2, V-förmig
Bohrung/Hub, mm100/111100/111
Verdichtungsverhältnis10.0:110.0:1
Hubraum, cm³17451745
Anzahl der Ventile88
Maximale Leistung, PS/kW/U/min90/66/545090/66/5450
Maximales Drehmoment, Nm/U/min150/3250150/3250
Kraftübertragung6 Gänge, Mehrscheibenkupplung im Ölbad, Riemen6 Gänge, Mehrscheibenkupplung im Ölbad, Riemen
VorderradaufhängungTeleskopgabel, Rohre Ø 49 mmTeleskopgabel, Rohre Ø 49 mm
HinterradaufhängungZwei Stoßdämpfer, Einstellung: FedervorspannungZwei Stoßdämpfer, Einstellung: Federvorspannung
VorderradbremseZwei Scheiben Ø 300 mm, 4-Kolben-SättelZwei Scheiben Ø 300 mm, 4-Kolben-Sättel
HinterradbremseScheibe Ø 300 mm, 4-Kolben-SattelScheibe Ø 300 mm, 4-Kolben-Sattel
Vorderrad130/60-19″130/60-19″
Hinterrad180/65-16″180/65-16″
Tankinhalt, Liter22.722.7
KraftstoffAI-95-98AI-95-98

Foto: Harley-Davidson

Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel können Sie hier lesen: Was die Bagger Harley-Davidson Road Glide und Street Glide verbindet: unterwegs auf den Straßen Kroatiens

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