Die jährliche Oldtimer-Galerie von Ilja Sorokin fand in Sankt Petersburg statt. Obwohl die überwiegende Mehrheit der Exponate Personenkraftwagen waren, gab es auch einige große Nutzfahrzeuge und Maschinen zu sehen.
Provinziell – im besten Sinne
Die diesjährige Oldtimer-Galerie erinnerte mich an die belgische Busausstellung Busworld Mitte der 1990er-Jahre: nicht riesig, im guten Sinne provinziell – mit Feldern rund um die Hallen und Ständen, an denen sogar Jeans und Altai-Honig verkauft wurden – und mit einer ausgesprochen gemütlichen Atmosphäre. Man geht auf einen Stand, trifft Bekannte, und schon steckt man eine halbe Stunde in einem entspannten Gespräch über das Leben und Autos.

Einige der ausgestellten Personenwagen beeindruckten sogar mich als Nichtfachmann: etwa der Stand mit einem Moskwitsch und mehreren Schiguli, die wie riesige Modellautos in Schachteln inszeniert waren, oder das herrlich verrostete amerikanische „Krokodil“, ein Nash. Hauptthema der Ausstellung war das Festival der Technikmuseen – und die großen Nutzfahrzeuge stellen wir in unserem kurzen Überblick vor.

Panzerwagen für Petrograd
Was wäre Petrograd ohne einen Panzerwagen! Die Darsteller des militärhistorischen Vereins „1. Maschinengewehrkompanie“ – der ersten Einheit im zaristischen Russland, die mit gepanzerten Fahrzeugen ausgerüstet war – zeigten recht authentische Nachbauten eines Austin-Putilowez-Panzerwagens, auf dessen Turm nur noch Wladimir Iljitsch [Lenin] fehlte, sowie eines Renault-FT-17-Panzers aus dem Ersten Weltkrieg.

Traktoren von Porsche und FIAT
Traktoren von Porsche und FIAT? Auch die gab es. Das Museum für Traktorengeschichte aus Tscheboksary zeigte unter anderem einen Porsche Allgaier A111 mit einem Einzylinder-Dieselmotor von nur 12 PS – Ferdinand Porsche hatte den Traktor 1937 entworfen, produziert wurde er jedoch erst nach dem Krieg von 1949 bis 1955 – sowie einen FIAT 25R von 1951 mit einem Vierzylinder-Diesel von 25 PS. Interessanterweise findet man beide Modelle noch heute in fahrbereitem Zustand auf Feldern in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien.

Eine Kopeika und ein Leningrader Oberleitungsbus
Ein Mann aus der Nutzfahrzeugwelt unter lauter Personenwagen: Michail Kruglikow, Vertriebsdirektor des Kipperwerks Betsema bei Moskau, kam mit seinem hervorragend restaurierten WAS-2101 „Kopeika“ von 1980 aus seiner Privatsammlung zur Ausstellung. Zu dieser gehören mehrere Schiguli und eine Wolga. Der Wagen hat 150.000 Kilometer Laufleistung.

Das Museum des städtischen Elektroverkehrs auf der Wassiljewski-Insel war mit dem stattlichen Oberleitungsbus SIU-5G vertreten, über den wir erstmals 2005 geschrieben hatten. SIU-5 fuhren von 1966 bis 1982 in Leningrad. Dieses Exemplar von 1967 wurde im Jahr 2000 als Schuppen genutzt aufgefunden – ausgerechnet unweit eines Oberleitungsbusdepots – und anschließend wieder fahrfähig restauriert. Damit Kinder ihre Energie loswerden konnten, ohne das seltene Fahrzeug Schraube für Schraube zu zerlegen, stand neben dem Oberleitungsbus ein nachgebautes Fahrgestell mit Rahmen, auf dem sie nach Herzenslust herumklettern durften.

Der selbstgebaute Mini-Ikarus
Jeder weiß, dass es in der UdSSR selbstgebaute Personenwagen gab. Hier steht jedoch ein selbstgebauter Bus. Katschasum Chatschaturoowitsch Alchasow aus Naltschik wollte nach 30 Jahren am Steuer eines Ikarus im Ruhestand seinen eigenen Mini-Ikarus fahren. Der Bau des Fahrzeugs AS-1 AKH-60 – „Awtomobil Samodelny Perwy“, also „Erstes selbstgebautes Auto“, gefolgt von den Initialen des Erbauers und seinem Alter zu Beginn der Arbeiten – dauerte fünf Jahre, von 1986 bis 1991.

Der einzigartige selbstgebaute Kleinbus AC-1 „AKX-60“ (auch als „Mini-Ikarus“ bekannt)
Woraus er gebaut wurde
Die verwendeten Teile stammten aus unterschiedlichsten Quellen: Lenkrad und Antriebsstrang aus einer Wolga GAS-24, wobei der Motor mitten im Innenraum sitzt – eine durch rechtliche Feinheiten erzwungene Lösung, denn ursprünglich war ein Heckmotor für den Mini-Ikarus vorgesehen.


Der Vorderachskörper stammt von einem UAS-451 „Buchanka“ mit Hinterradantrieb, die Antriebsachse von einer Wolga GAS-21, allerdings mit einem Differential von UAS, die Sitze aus einem „Rafik“-Kleinbus und die Schaltbetätigung aus einem Saporoshez… Und selbstverständlich besitzt er Luftfederung, wie es sich für einen echten Bus gehört. Die Karosserie ist selbsttragend, und die ursprünglichen Scheiben wurden in einem Fuhrparkbetrieb angefertigt.

Das Emblem zeigt ein Hufeisen, das Symbol von Naltschik. Heute wird dieses einzigartige Fahrzeug im Museum des Leningrader Kraftverkehrs aufbewahrt. Gemeinsam mit den Museumsmitarbeitern traf ich 2019 seinen Erbauer, „Opa Alchas“ – er ist auf dem Foto unten zu sehen –, als wir einen alten KAwS-Bus aus Naltschik überführten.

Zeichnungen, ein Kiosk und dreißig Jahre Gazelle
Ein Teil der Karosserie eines ausgewachsenen Ikarus diente als Souvenirkiosk des kürzlich gegründeten Museums des Leningrader Kraftverkehrs.

Große Fahrzeuge als Zeichnungen: Trofim Tokarew arbeitet im Museum des Kraftverkehrs und widmet seine Freizeit dem sorgfältigen Zeichnen der Exponate nach dem Original. Die Ergebnisse sind großartig.

GAS feierte auf der Ausstellung das 30-jährige Jubiläum der Gazelle und zeigte aus diesem Anlass drei Anderthalbtonner: einen vom Grund des Ladogasees geborgenen und restaurierten GAS-AA; eine Jubiläums-Gazelle von 1995, das 15-millionste seit Gründung des Werks produzierte Fahrzeug; sowie die aktuelle Gazelle NN. Übrigens begann wenige Tage vor der Ausstellung in Nischni Nowgorod die Produktion von Anlassern und Lichtmaschinen – und zwar nicht nur für GAS-Fahrzeuge.


Die Wolga, die beinahe ein Lastwagen war
Auch die Wolga war einmal beinahe ein kleiner Lastwagen. Dieses Fahrgestell mit Fahrerhaus, das gerade restauriert wird und noch keinen Aufbau besitzt, gehört zum Modell Burlak. Es gab ihn in drei Varianten: als Pick-up, als isolierten Kastenwagen und als Kombinationswagen für Güter und Personen. Der erste Burlak-Prototyp entstand im Sommer 1994, doch zur Serienproduktion kam es nie – dem Werk fehlten schlicht die Kapazitäten. 1996 endete die Montage. Die letzten beiden Exemplare wurden 2004 aus dem GAS-Reservebestand gekauft, eines davon steht auf dieser Ausstellung. Die Restaurierung übernimmt RetroBus aus Sankt Petersburg.

Zwei Wege, es falsch zu machen
Ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte: Dieses Moskwitsch-Cabriolet mit weißem Innenraum, modernen aufgeklebten „Miliz“-Beschriftungen und dem Wappen der UdSSR sowie nicht originalen Nebelscheinwerfern am Stoßfänger ist keine Nachbildung, sondern eine Parodie. Erstens gab es keine Moskwitsch-Cabriolets bei der Polizei; zweitens stammen die gezeigten Aufkleber und das Emblem aus einer deutlich späteren Zeit – sie wurden nach einer staatlichen Norm von 1975 angebracht.

Auch ein Barkas B1000 aus der DDR hatte Pech: Er geriet in die Hände von Umbaufreunden, die daraus einen tiefgelegten Straßenumbau mit auffälligen Rädern machten. Wie die Jugend sagt, sieht er zwar „cool“ aus, doch um ein bei uns so seltenes Fahrzeug ist es schade. Es gehört ins Museum!

Keine Autos, aber ebenfalls interessant
Das Museum der Garage für besondere Zwecke zeigte spezielle Motorräder, darunter eine experimentelle elektrische Kalaschnikow (links) und die neueste Aurus Merlon (ebenfalls elektrisch), die in diesem Jahr die deutschen BMW-Motorräder im Regierungskorso ersetzen soll. Sie besitzt 200 km Reichweite, beschleunigt in 4 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht 240 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Foto: Fjodor Lapschin
Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel können Sie hier lesen: Ein wenig Großes: unser Nutzfahrzeug-Bericht von der Oldtimer-Galerie 2024
Veröffentlicht September 09, 2025 • 8 m zum Lesen