Der Volkswagen Jetta der siebten Generation bringt eine neue Plattform, ein aufgefrischtes Interieur und aktualisierte Technikfeatures wie Apple CarPlay und Android Auto mit. Doch fährt er sich besser als sein Vorgängermodell? Wir haben den neu gestalteten Jetta in Mexiko zur Probefahrt genommen, um herauszufinden, wie er bei Motorleistung, Fahrkomfort, Handling und Verarbeitungsqualität im Innenraum abschneidet.
Produktion und Motor: Eine globale Lieferkette
Das Interessanteste am Volkswagen Jetta der siebten Generation ist auf den ersten Blick die Produktionslogistik. Volkswagen entschied sich gegen eine Lokalisierung des Modells in Nischni Nowgorod, was bedeutet, dass in Mexiko gebaute Fahrzeuge mit in Russland hergestellten Motoren ausgestattet werden. Saugmotoren mit vier Zylindern und 1,6 Litern Hubraum (MPI, CWVA) aus der EA211-Familie, die seit Herbst 2015 in Kaluga produziert werden, werden über den Ozean zum Montagewerk in Puebla, Mexiko, verschifft. Von dort kehren sie unter der Motorhaube brandneuer Limousinen wieder in ihre Heimat zurück.
Unsere Testwagen waren mit dem 150 PS starken 1,4-TSI-Turbomotor (CZDA) ausgestattet. Das Getriebeangebot variiert je nach Markt:
- Russland: ausschließlich Sechsgang-Automatikgetriebe
- Andere Märkte: Achtgang-Automatik oder DSG-Doppelkupplungsgetriebe
- In Russland werden keine automatisierten Schaltgetriebe (DSG) angeboten
Die Zielgruppe dürfte den Wechsel zur klassischen Hydromechanik begrüßen, da sie diese als langlebiger ansieht. Für mich persönlich ist das jedoch ein Rückschritt – jahrelange Weiterentwicklung hat DSG-Getriebe zuverlässig gemacht und die Rauheit, die sie früher plagte, weitgehend beseitigt.

Motorleistung: Geschmeidig, aber weniger aufregend
Ich erinnere mich noch gut daran, wie viel Spaß es gemacht hat, den alten Jetta mit diesem Turbomotor zu fahren. Beim Fahren des neuen Modells stellt sich dieses Gefühl nicht mehr ein. Der 1,4-Liter-Vierzylinder zieht normal, sogar gut durch, wirkt in Kombination mit dem Automatikgetriebe jedoch charakterlich gedämpft. Die Leistung baut sich so geschmeidig und ruhig auf – fast schon langweilig –, dass man den Turbomotor leicht mit einem Zweiliter-Saugmotor verwechseln könnte. Dennoch lässt sich die Beschleunigung gut dosieren, wenn man über das Gaspedal-Ansprechverhalten hinwegsehen kann. Im Sport-Modus verringert sich diese Verzögerung etwas, verschwindet aber nie ganz.
Fahrkomfort und Fahrwerksabstimmung
An der Fahrwerksabstimmung spürt man, dass Volkswagen nach einer Balance zwischen Geschmeidigkeit und Effizienz sucht – eine Priorität sowohl für den mexikanischen als auch den russischen Markt. Das Auto gibt kleine Fahrbahnunebenheiten manchmal zu detailliert wieder und kann bei kurzen, scharfen Schlaglöchern rütteln. Quer verlaufende Unebenheiten erzeugen störende Vibrationen der 17-Zoll-Räder. Positiv ist, dass der Jetta unmarkierte Bodenschwellen ohne Drama meistert.
Innengeräusche: Leise in der Stadt, lauter auf der Autobahn
Im gemäßigten Stadtverkehr bleibt der Innenraumlärm in vertretbaren Grenzen. Der Motorklang ist gut gedämmt, und das Fahrwerk ist über Unebenheiten leise. Auf der Autobahn ändert sich das jedoch. Das Abrollgeräusch der Bridgestone-Ecopia-EP422-Reifen wird bei 70 bis 79 km/h wahrnehmbar und wird mit steigender Geschwindigkeit lauter, bis es schließlich in den Vordergrund rückt. Auch Windgeräusche kommen hinzu, doch erst ab etwa 120 km/h werden aerodynamische Störungen spürbar.
Wie sich die globale Positionierung des Jetta verändert hat
Bevor wir zum Handling kommen, lohnt sich ein Blick darauf, wie Volkswagen den Jetta weltweit neu positioniert hat. Die sechste Generation gab es in zwei klar getrennten Ausstattungsstufen:
- Europa (Oberklasse): eigene Motorenpalette, Mehrlenker-Hinterachse, fortschrittliche Elektronik und hochwertige Innenausstattung
- Amerika (Einstiegsklasse): vereinfachte Limousinen mit Verbundlenker-Hinterachse, einem einzigen statt zwei CAN-Bussen und härteren Kunststoffen
- China: eine vollständig eigenständige Baureihe, unabhängig entwickelt und vertrieben

Die neue Generation behält dieses Zweistufenkonzept bei. Nun ist es der hochwertig ausgestattete Jetta GLI, der in die USA geht, gebaut mit Komponenten aus leistungsstärkeren Golf-Modellen: einer Mehrlenker-Hinterachse aus dem Kompaktmodell, einem ernstzunehmenden GTI-Motor und R-Line-Bremsen. Die Standardmodelle, die in den USA parallel zum GLI verkauft werden, richten sich vor allem an preisbewusste Märkte. Zu einem früheren Zeitpunkt des Jahrzehnts war der Jetta als mögliche Grundlage für eine eigene Fahrzeugfamilie positioniert – doch der Dieselgate-Skandal beendete diese Pläne. Während dieser Zweig im Westen nie wuchs, fasste er anderswo Fuß: Eine eigenständige neue Jetta-Marke wurde inzwischen erfolgreich in China eingeführt.
Handling: Berechenbar, aber nicht aufregend
Der Vorkrisen-Jetta mit seiner Mehrlenker-Hinterachse fuhr sich angenehm. Der Wechsel zu einer günstigeren MQB-Verbundlenkerachse ist nicht ideal, hat sich aber auch nicht verschlechtert. Lenkpräzision und Vorhersehbarkeit entsprechen weiterhin den Erwartungen: ein leichtes, mäßig direktes Lenkrad, ein klar definierter Mittelpunkt und ein logischer Widerstandsaufbau beim Einlenken. Der Jetta reagiert so, wie man es von einem Volkswagen erwarten würde. Dennoch fühlt sich dieser „Fortschritt“ angesichts seiner Ursache nicht wie eine echte Verbesserung an.
Die seltenen Kurven, die die geraden Straßen der Halbinsel Yucatán verbinden, laden nicht gerade dazu ein, eine interessantere Route zu suchen. Die Limousine biegt einfach folgsam ab und richtet ihre Linie unter Beschleunigung wieder gerade. Sie geht geschmeidig in ein kontrollierbares Ausbrechen über, doch den Nervenkitzel des Fahrens an der Grenze sollte man nicht erwarten. Die Bremsen leisten immerhin gute Arbeit, mit einer vollauf zufriedenstellenden Verzögerung.
Innenraum-Upgrades und neue Technikfeatures
Eine Testfahrt mit dem Jetta in Mexiko hinterlässt das Gefühl unerfüllter Erwartungen. Dennoch wurden einige kundenrelevante Aspekte tatsächlich verbessert:
- Verbesserte Qualität der Innenraumverkleidung
- Verbesserte Funktionalität des Multimediasystems
- Neue Unterstützung für Apple CarPlay und Android Auto
- Optionales beheizbares Lenkrad (je nach Ausstattungslinie)
- Optionale beheizbare Rücksitze (je nach Ausstattungslinie)

Was fehlt: Ein paar Rückschritte
Anders als die Vorgängergeneration, die sich bei ihrem Marktstart 2011 wie ein völlig neues Modell anfühlte, obwohl sie konstruktiv nicht neu war, wirkt dieser Nachfolger nicht besonders frisch. Und einige Details haben sich sogar verschlechtert:
- Die zentralen Luftausströmer sind verschwunden, was den Vorteil der größeren Beinfreiheit im Fond wieder zunichtemacht
- Die Kopfstützen im Fond sitzen nun dauerhaft angehoben und blockieren die Sicht durch den Rückspiegel
- Das Kofferraumvolumen hat sich nicht vergrößert und wirkt weniger sorgfältig verarbeitet als zuvor
Verkaufszahlen: Kann der neue Jetta mithalten?
Der ausscheidende Jetta war nie ein Segmentführer, und die Verkaufszahlen bestätigen dies. Im Jahr 2018 wurden nur 3.813 Einheiten verkauft – fast dreimal weniger als die 11.068 verkauften Kia Cerato Limousinen im gleichen Zeitraum. Er lag zudem hinter dem lokal gebauten Hyundai Elantra (5.344 Einheiten) und dem Ford Focus (4.743 Einheiten) sowie dem importierten Toyota Corolla (5.199 Einheiten):
- Kia Cerato: 11.068 Einheiten
- Hyundai Elantra: 5.344 Einheiten
- Toyota Corolla: 5.199 Einheiten
- Ford Focus: 4.743 Einheiten
- Volkswagen Jetta: 3.813 Einheiten
Trotz der neuen Plattform bezweifle ich, dass diese Jetta-Generation ihren Vorgänger verkaufstechnisch übertreffen wird. Käufer, die wirklich eine Limousine benötigen, dürften sich eher nach einer günstigeren Fahrzeugklasse umsehen.
Jetta vs. Skoda Octavia: Wie schneidet er ab?
Im Golf-Segment ist der Verkaufsführer immer noch keine Limousine – es ist der Skoda Octavia Liftback. Zufällig nahm ich direkt nach dieser mexikanischen Testfahrt des Jetta an der statischen Präsentation des neuen Octavia in Prag teil. Meine Erkenntnis: Selbst wenn der tschechische Fünftürer teurer ausfällt als der plattformverwandte Jetta, finde ich kein einziges Argument zugunsten des Volkswagen. Neben dem Octavia wirkt der Jetta schlicht blass.
Fazit
Der neu gestaltete Volkswagen Jetta bringt echte Verbesserungen bei Technik und Materialien im Innenraum, doch sein Fahrcharakter hat etwas von dem Funken verloren, der die Vorgängergeneration so unterhaltsam machte. In Kombination mit den schwachen Verkaufszahlen gegenüber Rivalen wie dem Kia Cerato, dem Hyundai Elantra und dem Toyota Corolla steht der neue Jetta vor einer schwierigen Aufgabe – zumal der Skoda Octavia in derselben Klasse die Messlatte höherlegt.
Dies ist eine Übersetzung. Das Original können Sie hier lesen: https://www.drive.ru/test-drive/volkswagen/5dd665a8ec05c46e190000ee.html
Veröffentlicht Mai 11, 2023 • 7 m zum Lesen