Nein, das ist nicht das berüchtigte Auto aus dem bekannten Film mit dem weiblichen Namen „Christine“. Das Filmfahrzeug war ein Modell aus dem folgenden Jahr, luxuriöser ausgestattet und vollständig ein Produkt der Fiktion. Stephen King, Autor des Romans, auf dem der Film basiert, kannte sich mit Autos nicht besonders gut aus. Er begann sein Buch in der Mitte und fügte Anfang, Ende und viele Details erst später hinzu — das Ergebnis war ein Auto, das eher fantastisch als realistisch war. Die Ähnlichkeit ist trotzdem unverkennbar…
Plymouth Savoy KP-31-2 Sport Coupe von 1957
„Du ähnelst ihr wie eine Schwester, aber natürlich bist du nicht sie — leider.“ — Maxim Leonidov
Warum King einen Plymouth wählte
Stephen King erklärte in einem Interview, dass er für die Hauptfigur seines ersten „Auto-Romans“ ein auffälliges Fahrzeug suchte, das bei amerikanischen Lesern noch keinen Kultstatus erreicht hatte. Einen Chevrolet von 1957 lehnte er deshalb als „zu legendär“ ab. Stattdessen wählte er den Plymouth Fury, vor allem wegen seines passenden Namens, der genau zu der bösartigen Schönheit passte, die er sich vorstellte.

Das Modell von 1957 ist leicht an den Scheinwerfern mit unterschiedlichen Durchmessern und den senkrechten Schlitzen unter dem Stoßfänger zu erkennen. Weniger auffällig ist das senkrechte Zierelement in der Mitte des falschen Kühlergrills — eine stark stilisierte Darstellung der Segel der Mayflower, des Schiffs der amerikanischen Pilgerväter. Auch dieses Detail ist typisch für Plymouth-Fahrzeuge des Jahres 1957.
Der Fury aus dem Roman konnte nicht existieren
King hat möglicherweise das richtige Auto gewählt und ihm damit unabsichtlich Kultstatus verschafft, besonders nach Erscheinen des Films. Doch der Plymouth Fury, wie er im Roman beschrieben wird, existierte nicht und konnte nicht existieren. 1957 und 1958 gab es den Fury ausschließlich als Zweitürer, als teuerste Version der Baureihe und nur in hellem Beige — wichtig, weil im Roman ständig die Farbe „Roter Herbst“ erwähnt wird und der Film das Auto ebenfalls so zeigt.
Natürlich hätte ein unzufriedener Besitzer sein Auto umlackieren können, doch im Film rollt der Wagen bereits in Rot und Weiß vom Fließband. Um diese falsche Darstellung zu zeigen, bauten die Filmemacher eine riesige Fließbandkulisse in einer verlassenen Möbelfabrik. Dreharbeiten im Chrysler-Werk kamen nicht infrage, und dessen Anlagen waren längst modernisiert worden — schließlich entstand der Film erst 1983.



Die vordere Sitzbank ist geräumig und bequem, bietet aber keinerlei Seitenhalt — woher sollte der auch kommen? Auf dem Armaturenbrett gibt es zu viele Anzeigen, als dass man sie mit „Katzenaugen“ vergleichen könnte. Der per Tasten bediente Getriebewähler links vom Lenkrad besitzt keine Stellung „Parken“.
Unser Auto ist ein Savoy, kein Fury
Unsere Bilder zeigen nicht den teuren Fury, sondern den günstigeren Savoy, der 1957 in Rot-Weiß erhältlich war — nicht 1958, wie mehrere eindeutige Details der Frontgestaltung belegen. Für das Titelbild einer Ausgabe seines ersten Buches posierte King neben genau einem solchen Auto, obwohl der Roman ein völlig anderes Fahrzeug beschreibt.
Wo die Fantasie des Autors die Technik überholte
„Nun, ‘du ähnelst ihr wie eine Schwester’ — da kann man sie leicht verwechseln…“ Doch je weiter der Autor sein „Auto mit schlechtem Charakter“ beschreibt, desto mehr Absurditäten häufen sich. Seine mangelnde Sachkenntnis wird deutlich, und die Handlung wird schließlich so kompliziert, dass sie kaum verfilmbar ist.
Türen, die sich selbst verriegeln
Nehmen wir die dramatische Szene, in der das Auto plötzlich alle Türen selbst verriegelt — eine Funktion, die normalerweise von der Fahrertür aus bedient würde, die es bei diesem Modell aber gar nicht gab. King beschreibt ein dramatisches Klicken, wenn gleichzeitig kleine „Soldaten“ an den Türen herunterfallen. Wie sollte man das filmen, wenn Plymouth damals keinerlei solche Verriegelung besaß? Um eine Tür zu verriegeln, drückte man einfach den Griff hinein; zum Entriegeln zog man ihn heraus. Für den gewünschten Effekt mussten die Filmemacher solche „Soldaten“ daher an einem Auto einer völlig anderen Marke zeigen.



Selbst bei den günstigeren Plymouth-Modellen von 1957 war die Innenausstattung recht aufwendig. Auf der Oberkante der Türen gibt es keine „Soldaten“. Dieses Exemplar besitzt eine Klimaanlage, die unter dem Armaturenbrett hängt; darüber befindet sich der Stellmotor der serienmäßigen Heizung.
Ein „Hydramatic“-Hebel in einem Chrysler
Oder Kings Erwähnung eines „Hydramatic-Getriebehebels“, der sich selbst aus der Parkstellung bewegt. Welcher Hebel und welches „Hydramatic“ bei einem Chrysler-Produkt? Solche Systeme stammten von General Motors oder in Ausnahmefällen von einigen Ford-Modellen. Chryslers Getriebe hießen Turboflite und wurden über ein sauberes Tastenfeld links vom Fahrer bedient — eine Parkstellung gab es überhaupt nicht. King hätte alte Plymouth-Prospekte lesen sollen, wenn er wenigstens etwas Genauigkeit wollte. Stattdessen erschuf er eine Chimäre mit unklarem Motor, fremdem Getriebe, Druckknopf-Türgriffen — ähnlich denen eines Wolga GAZ-21, die erst 1962 erschienen — und zwei zusätzlichen Türen.
Was der Film weglassen musste
Einige vom Autor erfundene Details mussten gestrichen werden, als der Roman in Filmsprache übertragen wurde. Wie sollte man den Schrecken eines eingeschlossenen Mädchens zeigen, das von grünen, runden Kontrollleuchten beobachtet wird, „wie von Katzenaugen“? Das Armaturenbrett besaß vier runde Instrumente plus einen hufeisenförmigen Tachometer — nicht gerade die Anordnung, mit der sich ein „starrender“ Effekt auf Alexandra Paul erzeugen ließ, die das verängstigte Schulmädchen spielte.


Der Motor dieses Exemplars ist ein V8 mit 4,93 Litern Hubraum und 215 PS. Der Kofferraum ist groß und geräumig, allerdings recht flach.
Wie man ein Auto filmt, das sich selbst repariert
Die übernatürlichen Fähigkeiten des Autos — eigener Wille, selbstständige Bewegung und Selbstreparatur beim Rückwärtsfahren — nachzustellen war schwierig, wurde aber einfallsreich gelöst. Für die Dreharbeiten kamen mehr als zwei Dutzend identisch vorbereitete Plymouth zum Einsatz. Manche wirkten, als würden sie ohne sichtbaren Fahrer fahren, weil die Scheiben mit undurchsichtiger Folie bedeckt waren oder ein Stuntfahrer flach unter einer Sitzattrappe lag, während die Bedienelemente unter das Armaturenbrett verlegt worden waren.
Andere zeigten die Regeneration mit einem einfachen Trick: Das gedrehte Material wurde rückwärts abgespielt, sodass zersprungenes Glas scheinbar von selbst heilte. Nicht alle Autos überlebten. Eines erhielt hydraulische Pressen im Innenraum, die die Karosserie buchstäblich von innen zusammenknüllten. Im Film sah es dann so aus, als würde sich ein von einem Müllwagen beinahe plattgedrücktes Auto vor den Augen des Publikums wieder „entfalten“. Bei diesem Film konnte man wirklich nicht sagen, dass „bei den Dreharbeiten keine Autos zu Schaden kamen“.
Versuchen Sie heute einmal, einen Plymouth Fury von 1957 oder 1958 im korrekten Beige zu finden — fast alle sind rot-weiß und „im Christine-Stil“ gestaltet. Und das betrifft nicht nur Fury-Modelle: Sehen Sie sich unsere Bilder noch einmal an.
Die magische Macht der Kunst!

Die Farbkombination dieses Autos wirkt ausgesprochen „Christine-artig“: die Karosserie in „Toreador“-Rot — nicht in Stephen Kings auffälligem „Roten Herbst“ — und das Dach in „Iceberg“-Weiß. Die breiten Längseinsätze an den Seiten fehlen jedoch und wurden durch eine schmale Zierleiste ersetzt: Schließlich ist dies nur ein Savoy und kein Belvedere.
Foto: Sean Dugan, Hyman Ltd.
Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel können Sie hier lesen: Plymouth Savoy von 1957 — fast wie in Stephen Kings Roman
Veröffentlicht September 11, 2024 • 6 m zum Lesen