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Duell der E-Klasse: BMW 535i E34 gegen Mercedes-Benz E280 W124

Duell der E-Klasse: BMW 535i E34 gegen Mercedes-Benz E280 W124

Als ich diese Reihe von Tests klassischer Autos begann, rechnete ich eigentlich nicht mit Überraschungen. Schließlich ist klar, dass ein VAZ „Neuner“ einem Moskwitsch von 1941 überlegen ist und eine Wolga kaum als handlich gelten kann. Doch bei ausländischen Modellen wurde es deutlich spannender. Wussten Sie, dass der Mercedes W123 ein echtes Fahrerauto ist, während der klassische Mustang vor allem gut aussieht? Nun kommen wir zu einem scheinbar vorhersehbaren Paar: BMW 535i der Baureihe E34 und Mercedes-Benz E280 der Generation W124. Rechnen Sie lieber mit Überraschungen.

BMW 535i E34

Unter der Haube und darüber hinaus

Die beste Art, E34 und W124 kennenzulernen, besteht nicht nur im Fahren, sondern auch darin, beide auf einer Hebebühne zu betrachten. Dort erkennt man am besten, wie aufwendig konstruiert wurde und wie viel Entwicklungsarbeit in den Modellen steckt. Die meisten Exemplare zeigen heute deutlich mehr Verschleiß, als man vermuten würde, wodurch die Unterschiede noch stärker hervortreten.


Interessant ist, dass auf Basis des M30B35 der schnellste E34-Sedan entstand: der Alpina B10 Biturbo. Zwei Garrett-T25-Turbolader steigerten die Leistung von 211 auf 360 PS. Von null auf 100 km/h vergingen nur etwas mehr als fünf Sekunden, die Spitze lag bei 290 km/h. Da fragt man sich unweigerlich, wie ausgeprägt wohl das Turboloch war.

Der Mercedes W124 ist ein Musterbeispiel für Überkonstruktion. Seine robuste Bauweise stammt aus dem Jahr 1984 und orientierte sich zunächst am kompakten W201. Der W124 besitzt große Längsträger, massive Hilfsrahmen, McPherson-Federbeine mit getrennten Federn und Dämpfern, eine aufwendige Fünflenker-Hinterachse, kräftige Lenker, Kugelgelenke, einen glatten Unterboden, zwei elastische Kupplungen an der Kardanwelle und Hydrolager für den Antriebsstrang. Beim Blick unter den E34 fragt man sich fast nach den Baujahren: Kann der W124 wirklich drei Jahre älter sein? Die BMW-Lösung wirkt deutlich konventioneller und technisch älter; grundlegende Neuerungen kamen erst mit der 1990 eingeführten Baureihe.


Der Innenraum des „Fünfers“, besonders mit dem Dreispeichen-Sportlenkrad, ist wesentlich fahrerorientierter als die Abstimmung des Fahrwerks vermuten lässt. Tiefe Sitzposition, durchdachte Ergonomie: Für die Bedienung von Klima oder Audio muss man kaum den Blick von der Straße nehmen. Nach dem Facelift wurden die angenehmen runden Drehknöpfe durch Rändelräder ersetzt, ähnlich wie bei Mercedes. Und es ist der letzte „Fünfer“ mit Fensterhebertasten auf dem Mitteltunnel.

Vor dreißig Jahren hatte man in München praktisch die perfekte Gestaltung der Instrumente gefunden. Schade, dass man sie später absichtlich verschlechtern musste – man muss nur die gezeichneten Skalen aktueller BMW betrachten. Der rote Bereich des Drehzahlmessers beginnt direkt nach 6.000 U/min; der M30B35 dreht nicht besonders gern hoch.

Die einfachere BMW-Konstruktion hinderte den M3 E30 allerdings nicht daran, den Mercedes 190E Evo zu übertreffen. Komplexität allein bedeutet also nicht automatisch besseres Fahrverhalten. Deshalb halte ich mich mit einem Urteil noch zurück.


Bei den Abmessungen entspricht der E34-„Fünfer“ praktisch dem heutigen „Dreier“ – und ähnlich sieht es mit der Beinfreiheit hinten aus: Wer überdurchschnittlich groß ist, sollte dort keinen großen Komfort erwarten.

Vor dreißig Jahren war Rauchen modern: In jeder hinteren Tür sitzt ein Aschenbecher, und Feuerzeuge gibt es sowohl vorn als auch hinten.

BMW 535i E34: Konstruktion eines Klassikers

Der BMW 535i E34 mit dem bekannten M30-Einwellenmotor gilt vielen als einer der besten „Fünfer“. Ein Zug am Hebel hebt elegant die Vorderkante der Motorhaube an. Die Gestaltung des Motors, vor allem der Ansaugkrümmer, der durchaus in ein Designmuseum passen könnte, zeigt den Detailanspruch von BMW. Trotz 3,4 Litern Hubraum und sechs Zylindern mit je 92 mm Bohrung wirken 208 PS bei 1.607 kg Fahrzeugmasse eher bescheiden; der Mercedes wiegt 1.585 kg. Doch mit Fünfgang-Handschaltung, Sperrdifferenzial und frischem Asphalt unter den Rädern wirkt das Potenzial des Autos wieder lebendig.

Aber ist er wirklich so sportlich?


Der Kofferraum ist praktisch und groß; zwei typische Gummibänder auf dem Boden haben bis heute überlebt – genau wie in meinem E82 Coupé.

Es gab Zeiten, in denen ein Reserverad die BMW-Designer nicht störte.

Hat Ihr jüngerer Klassiker noch den vollständigen originalen Werkzeugsatz? Der Inhalt dieser Kassette ist für jeden Besitzer eines alten BMW eine Frage des Stolzes.

Nicht nur ein Auto, sondern ein „Werkzeug“

Dieser BMW 535i könnte eines der besten Exemplare des Landes sein. Über mehrere Jahre wurde er sorgfältig nahezu in den Originalzustand zurückversetzt. Der Innenraum riecht nach hochwertigem Leder und strukturiertem Kunststoff, die Sitze umschließen angenehm, und das Armaturenbrett trägt echte klassische Instrumente – etwas, das in modernen BMW selten geworden ist.

Der Reihensechszylinder klingt im Leerlauf tiefer als der V8 eines BMW 740i. Das Getriebe arbeitet für einen BMW ungewöhnlich präzise und ohne die typischen langen Schaltwege, auch wenn der Schleifpunkt der Kupplung feinfühlig ist. Das Drehmoment macht das Anfahren leicht, doch spektakuläre Beschleunigung sollte man nicht erwarten – dies ist kein moderner Sportwagen. Auf der Teststrecke übertrifft der „Fünfer“ dennoch seine Werksangaben: 100 km/h nach 7,6 Sekunden, 237 km/h Spitze und selbst bei hohem Tempo bleibt er gelassen.


Lassen Sie sich von der dramatischen Aufnahme nicht täuschen – ein serienmäßiger E34 wehrt sich auf trockenem Asphalt gegen eine solche Fahrweise.

Doch es gibt einen Haken. Der 535i reagiert träge auf Lenkbefehle. Fast scheint es, als würde sich das Auto schnellen Manövern widersetzen und in engen Kurven große Lenkwinkel verlangen. Schnelles, reaktives Fahren? Nicht gerade seine Stärke. Dieser BMW fordert nicht zum Angriff auf; er ist kompetent und sicher, aber irgendwie enttäuschend gewöhnlich.

BMW 535i E34

BMW gegen Mercedes: die schwer messbaren Dinge

Im Vergleich zum Mercedes, den ich mit Vergnügen von Moskau bis zur Teststrecke fahren durfte, wirkt der BMW erstaunlich blass. Der Mercedes erfüllt nicht nur die Erwartungen, sondern verleiht jeder Fahrt ein Sicherheitsgefühl, eine gewisse Noblesse und eine seltsam angenehme Schwingungsfrequenz der Karosserie, die bei Mercedes-Liebhabern offenbar unbewusst etwas auslöst.

Mercedes-Benz E280 W124

Der BMW-Innenraum wirkt trotz seiner technischen Details dagegen weniger beseelt als der des Mercedes. Der E280 fährt nicht einfach – er gleitet mit einer Feinheit, die jede Reise mühelos und jeden Kilometer sanfter erscheinen lässt.


Früher mochte ich die Innenräume der Mercedes aus dieser Zeit nicht, heute schätze ich diesen minimalistischen Stil. Schade, dass gute Stoffe aus modernen E-Klassen verschwunden sind; für mich wirkt eine solche Ausstattung gemütlicher als Leder.

So schmerzhaft es für mich ist: Der BMW 535i E34 mag ein Meisterwerk seiner Zeit sein, doch in diesem direkten Vergleich erreicht der Mercedes-Benz E280 W124 den Maßstab nicht nur – er setzt ihn.


Klassische Instrumente mit Uhr bleiben wegen ihrer besonderen äußeren Beleuchtung im Gedächtnis, fast wie auf einer Theaterbühne. Die BMW-Lösung, bei der die Symbole selbst leuchten, ist sicher moderner, doch Mercedes schafft auf nächtlichen Straßen eine ganz besondere beruhigende Stimmung.

Antriebskunst und ausgeglichene Fahrleistungen

Für einen vollkommen sauberen Vergleich hätte ich idealerweise einen W124 vor dem Facelift mit einem Einwellen-Reihensechszylinder genommen. Unser Auto besitzt jedoch den moderneren M104 mit 193 PS. Aus dem Stand mag er dem Rivalen leicht hinterherhinken, doch der bessere Gaswechsel sorgt für mehr Elastizität, und auch unser Mercedes hat eine Fünfgang-Handschaltung. Was seine Fahrleistungen wirklich auszeichnet, ist jedoch die unauffällige Art der Beschleunigung – sie ist beinahe nicht wahrnehmbar.

Selbst in maximaler Ausstattung gibt es im W124 nicht viele Tasten. Das unscheinbarste Detail im Mercedes ist der Schalthebelknauf; zudem passen seine langen Schaltwege nicht recht zur schnellen Reaktion der übrigen Bedienelemente.
Der Sitz mit gefederter Polsterung und breiter Lehne empfängt einen wie ein vertrauter Sessel, hält den Körper in Kurven aber kaum fest.
Drehschalter für die Scheinwerfer und Leuchtweitenregulierung im Mercedes-Benz E280 W124
Serienmäßige zentrale Innenleuchte mit Schiebedachbedienung und Gurtanzeige im Mercedes-Benz E280 W124

Die unauffällige Kraft des W124

Dieser Mercedes fährt mit unglaublicher Sanftheit an, fast wie ein Elektroauto. Bis 5.000 U/min bleibt der Motor nahezu lautlos, und nur der Drehzahlmesser verrät, was unter der Haube geschieht. Jeder Druck aufs Gaspedal erfolgt ohne spürbare Übergänge, als gäbe es überhaupt keine mechanische Kraftübertragung – kein Getriebe, keine Kardanwelle, kein Differenzial. Mercedes beherrscht die Kunst, Mechanik zu verbergen, sodass sich das Fahren weniger wie die Bedienung einer Maschine und mehr wie der Umgang mit einem fein abgestimmten Luxuswerkzeug anfühlt.


Diese 24-Ventil-Motoren der M104-Familie gelten als einige der zuverlässigsten der Geschichte. Beachten Sie die Heizung im Behälter der Scheibenwaschanlage – Mercedes ist voller solcher durchdachten Lösungen.

Die sogenannte Alligatorhaube lässt sich beinahe senkrecht aufstellen.

Diese Sanftheit darf jedoch nicht mit Schwäche verwechselt werden. Wenn nötig, überschreitet der W124 problemlos 200 km/h und kann an der Ampel sehr schnell die Führung übernehmen. Außerdem wirkt sein Fahrverhalten deutlich moderner als das des BMW.


Höhe der Rückbank, Position der Armlehnen in den Türen und Winkel der Lehne sind hervorragend abgestimmt. Die Beinfreiheit in der E-Klasse entspricht ungefähr der einer heutigen Camry.

Lenkung und Stabilität im Vergleich

Schon beim ersten Lenkeinschlag wird deutlich, dass diese Autos aus unterschiedlichen technischen Epochen stammen. Die E-Klasse reagiert spürbar schneller, fast auf dem Niveau moderner Fahrzeuge. Die direkte Lenkung des Mercedes kann zunächst beinahe zu energisch wirken, wird aber schnell zu einer geschätzten Eigenschaft: Sie liefert präzise Rückmeldung, ohne an Information zu verlieren. Trotz deutlicher Karosserieneigung, ähnlich wie beim BMW, bleibt die Spurtreue hervorragend, wozu auch die aufwendige Fünflenker-Hinterachse beiträgt, die das kurvenäußere Rad besser arbeiten lässt.

Mercedes-Benz E280 W124 bei der Straßenerprobung

Innovative Lösungen und besondere Fahreigenschaften

Unser Testwagen war mit dem optionalen ASD ausgestattet, dem Automatischen Sperrdifferenzial. Das selbstsperrende Hinterachsdifferenzial nutzt einen hydraulischen Mechanismus zur Verbesserung der Traktion und wirkt besonders unter 38 km/h. Bei Bedarf sperrt es vollständig und erhöht beim engagierten Fahren beinahe unmerklich Grip und Kontrolle. Diese Technik zeigt, wie mühelos der Mercedes kontrollierte Leistungsdrifts beherrscht und dabei übliche Vorstellungen über sein Fahrverhalten auf den Kopf stellt.


Das Volumen dieses Kofferraums lässt sich nicht vergrößern: Hinter der Rückenlehne steht der Kraftstofftank senkrecht.

Natürlich gibt es eine Mulde für ein vollwertiges Reserverad.

Originale Händlerunterlagen sind bei jedem jüngeren Klassiker eine angenehme Zugabe.

Unvergleichlicher Mercedes-Komfort

Die E-Klasse überzeugt nicht nur mit Fahrleistungen, sondern auch mit einem außergewöhnlichen, typisch Mercedes-artigen Komfort. Von der weichen Federung bis zur guten Geräuschdämmung setzt sie hohe Maßstäbe. Überraschenderweise arbeitet auch die BMW-Federung auf Unebenheiten sehr ordentlich, reagiert aber auf kurze Stöße etwas empfindlicher – ungewöhnlich angesichts des relativ hohen Reifenquerschnitts.

Mercedes-Benz E280 W124

Fazit: das Vermächtnis des W124

Entschuldigung an alle BMW-Fans, aber in den 1980er-Jahren herrschte Mercedes – nicht nur über den deutschen Rivalen, sondern sogar über viele eigene spätere Generationen. Kein späteres E-Klasse-Modell hat diese Mischung aus Eleganz, Leistung und technischer Innovation so selbstverständlich wiederholen können wie der W124. Der Umgang mit diesem Auto, vom fühlbaren Vergnügen der Handschaltung bis zur historischen Bedeutung seiner Konstruktion, erinnert an die goldene Ära von Mercedes. Wer einen Klassiker sucht, der den Gipfel vergangener Automobilkunst wirklich verkörpert, findet im W124 den endgültigen Maßstab der E-Klasse.

Mercedes-Benz E280 W124 und BMW 535i E34

Foto: Dmitry Pitersky

Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel können Sie hier lesen: BMW 535i der Baureihe E34 und Mercedes-Benz E280 der Generation W124: Welcher ist der wahre Maßstab der E-Klasse?

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