Auf Deutsch bedeutet Kardan-Lastwagen „Lastwagen mit Kardanwelle“. Dieses Fahrzeug ist einer der ältesten erhaltenen Lastwagen der Welt – ein Daimler aus dem Jahr 1899!
Wie die allerersten Lastwagen aussahen
Sein Motor lief mit Benzin aus der Apotheke, und seine eisenbeschlagenen Räder polterten laut über das Kopfsteinpflaster. Das waren die prägenden Merkmale der frühesten Lastwagen. Daimlers erster Lastwagen – im Grunde ein motorisierter Karren mit dem Motor im Heck – erschien 1896. Schon wenige Jahre später hatte sich jedoch die Bauweise herausgebildet, die wir bis heute wiedererkennen: vorne der Motor, dann der damals noch offene Fahrerplatz und dahinter eine offene Ladefläche.

Daimlers erster Lastwagen, 1896


Daimlers Lastwagen auf der Pariser Ausstellung, 1898
Kardanwelle statt Ketten
Der Daimler auf diesen Fotografien gehört zur dritten Serie, und sein Antrieb war für die Zeit ungewöhnlich: weder Ketten- noch Zahnradantrieb, sondern eine Kardanwelle – ein Kardanantrieb – mit Vorgelegeachsen. Die Vorderräder wurden durch einen Mechanismus gelenkt, der einem modernen System näherstand als der kettenverbundenen Lenkung früherer Modelle.

Die Bremsklötze wurden gegen die Hinterräder gedrückt, die mit Eisen beschlagen waren
Bremsen gab es – natürlich mechanische – in Form primitiver äußerer Klötze, die direkt auf die Hinterräder drückten. Der Kraftstofftank hatte eine ungewöhnliche Form: ein langer Zylinder, unter dem Fahrgestell aufgehängt.

Wenn Sie den Lastwagen betrachten, sehen Sie die Acetylen-Scheinwerfer, die Kurbel vor dem Trommelkühler und natürlich die Kardanwelle. Unter dem Aufbau befindet sich ein zyli…


Der Motor hatte einen damals modischen Röhrenkühler in Form einer großen Trommel sowie die damals neue „elektrische Zündung“ mit Zündkerze statt des üblicheren Glührohrs. Bei diesem älteren Verfahren wurden Rohre im Inneren der Zylinder mit brennenden Holzspänen erhitzt, was den Fahrer mit Ruß bedeckte und die Straße vor ihm im Rauch verschwinden ließ.

Im Motorraum befindet sich ein patentierter Daimler-Benzinmotor

Die Tafel an der Front lesen
Welchen Motor genau dieser Lastwagen erhielt, ist nicht überliefert, doch Daimler-Lastwagen jener Zeit konnten zwei oder vier Zylinder haben und leisteten zwischen 4 und 12 Pferdestärken. Davon hingen sowohl die Nutzlast – bis zu 5 Tonnen – als auch der Preis ab, der zwischen 7.320 und 11.500 Deutschen Mark lag.
Einige Angaben zu diesem Exemplar lassen sich von einer Tafel an seiner Front ablesen:
„W. Gew. 1660 Kg“ und „L. Gew. 1000 Kg“ beziehen sich wahrscheinlich auf Wagengewicht und Lastgewicht „P.S. 5“ mit einer kleinen „4“ bezeichnet vermutlich die Leistung – 5,4 Pferdestärken Die Bedeutung von „M. № 1695“ bleibt unklar – es könnte für Modellnummer oder Herstellungsnummer stehen. Bemerkenswert ist, dass Daimler vor 1900 insgesamt nur rund 200 Fahrzeuge produziert hatte, Personenwagen und Omnibusse eingeschlossen
Schild auf der Haube
Von den Stuttgarter Wasserwerken nach Dresden und zurück
Werksunterlagen zeigen, dass der Lastwagen am 11. März 1899 an einen städtischen Betrieb in Stuttgart geliefert wurde – nämlich an die örtlichen Wasserwerke, also im Grunde an die kommunale Wasser- und Abwasserverwaltung. Ein Foto aus jener Zeit zeigt einen gewaltigen Werkzeugkasten auf der Ladefläche mit Schraubstock, Rohrschneider und Gewindeschneider. Das Fahrzeug blieb bis 1923 im Dienst, wurde dann durch eine neuere Maschine ersetzt und kehrte zu Daimler zurück, um in der späteren Museumssammlung …

Ein Lastwagen bei der Arbeit für die Stuttgarter Wasserversorgung
1944, als alliierte Bombenangriffe auf Stuttgart niederfielen, wurde ein Teil der Sammlung nach Dresden verlagert, in das Gebiet, das später zur DDR werden sollte. Dort blieb der Lastwagen im Dresdner Verkehrsmuseum bis 1991, trotz wiederholter Versuche von Daimler-Benz, ihn schon zu DDR-Zeiten zurückzubekommen.
Erst nach der deutschen Wiedervereinigung wurden 16 historische Fahrzeuge an Daimler zurückgegeben. Seitdem gehört der Lastwagen zur privaten historischen Sammlung von Mercedes-Benz und wird zu besonderen Anlässen gezeigt – darunter das 125-jährige Jubiläum des ersten Daimler-Lastwagens, das 2021 in London begangen wurde, denn jener erste Lastwagen war von einem britischen Kunden gekauft worden.
Zum Jubiläum schickte das Unternehmen einen Transporter mit zwei Veteranen an Bord: eine Nachbildung von Daimlers erstem Lastwagen von 1896, 1990 zu Kosten von 100.000 Deutschen Mark gebaut, und den Kardan-Lastwagen selbst. Das Mercedes-Benz Museum in Stuttgart besitzt übrigens noch einen weiteren originalen Daimler-Lastwagen aus jener Epoche – einen älteren, gebaut 1898.

Ein Kardan-Lastwagen von 1899 neben einer Nachbildung von Daimlers erstem Lastwagen von 1896
Der älteste Lastwagen in Russland
Der älteste noch erhaltene originale Lastwagen in Russland ist ein deutscher Magirus 3K1 aus vorrevolutionärer Zeit, gebaut 1912. Er wird bei den Mosfilm-Studios aufbewahrt und ist noch fahrbereit. Seit den 1970er- oder 1980er-Jahren war er in einer langen Reihe von Filmen zu sehen. 2023 wurde er restauriert: Man führte Reparaturen aus, setzte neue Windschutzscheiben ein und polierte das Messing. Noch immer trägt er seine ursprünglichen Gummireifen. Manchen Berichten zufolge begann er sein Leben als F…

Der älteste erhaltene Lastwagen in Russland ist der Magirus 3K1 von 1912 (Foto: Mosfilm)
Kardan-Lastwagen: Die wichtigsten Fakten
Was es ist: ein Daimler-Lastwagen von 1899, einer der ältesten erhaltenen Lastwagen der Welt Der Name: Kardan-Lastwagen – „Lastwagen mit Kardanwelle“, benannt nach dem Antrieb, der ihn ungewöhnlich machte Antrieb: Kardanwelle und Vorgelegeachsen statt Ketten oder Zahnrädern Motor: je nach Ausführung zwei oder vier Zylinder, 4 bis 12 Pferdestärken; die Tafel dieses Exemplars nennt 5,4 Zündung: Zündkerzen, zu einer Zeit, als das Glührohr noch üblich war Erster Besitzer: die Stuttgarter Wasserwerke, geliefert am 11. März 1899; im Einsatz bis 1923 Sein Weg: ab 1944 in Dresden; 1991 unter den 16 historischen Fahrzeugen, die an Daimler zurückgegeben wurdenHäufig gestellte Fragen
Was bedeutet Kardan-Lastwagen? Auf Deutsch „Lastwagen mit Kardanwelle“. Der Name verweist auf das Merkmal, das ihn von seinen Zeitgenossen unterschied: Kardanantrieb statt Ketten oder Zahnräder.
Wie alt ist er genau? Er wurde am 11. März 1899 ausgeliefert. Daimlers allererster Lastwagen erschien 1896, und das Mercedes-Benz Museum in Stuttgart besitzt ein Original von 1898.
Woher kam das Benzin? Aus der Apotheke. So wurde Kraftstoff schlicht verkauft, als die allerersten Lastwagen unterwegs waren.
Warum war er so lange in Dresden? Ein Teil der Sammlung wurde 1944 während der Bombardierung Stuttgarts dorthin ausgelagert. Der Lastwagen blieb während der DDR-Zeit im Dresdner Verkehrsmuseum und kehrte erst 1991 nach der Wiedervereinigung zurück.
Kann man ihn sehen? Er gehört zur privaten historischen Sammlung von Mercedes-Benz und wird bei besonderen Veranstaltungen gezeigt, etwa beim 125-jährigen Jubiläum des ersten Daimler-Lastwagens 2021 in London.
Foto: Daimler Truck
Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel können Sie hier lesen: Кардан-ластваген: рассказываем про один из самых ранних сохранившихся грузовиков Daimler
Veröffentlicht Juni 12, 2025 • 6 m zum Lesen