Auf der Suche nach einem nicht-premium Mittelklasse-Crossover? Der Hyundai Santa Fe und der Kia Sorento sind naheliegende Optionen – aber sie haben einen Haken. Mit empfohlenen Preisen zwischen 39.000 und 45.500 US-Dollar bieten beide leistungsstarke Motoren und taugliche Allradsysteme, sogar mit einer dritten Sitzreihe. Das Problem? Händler schlagen regelmäßig Aufpreise von über 13.000 US-Dollar drauf, und wer eines bestellt, bekommt selten einen verbindlichen Liefertermin oder Preis. Was also, wenn eine weniger bekannte Marke mehr Platz, mehr Sitze – und dabei noch Geld gespart – bieten würde? Die Antwort: der Exeed VX, eine überzeugende Alternative, die Ihre Aufmerksamkeit verdient.
Technische Daten und Antrieb: Ein direkter Vergleich
Für den Preis eines mittelgroßen SUVs liefert der Exeed VX einen fünf Meter langen Crossover mit sieben Sitzen. Unser Testfahrzeug war mit einem 249 PS starken turbogeladenen 2,0-Liter-Benzinmotor ausgestattet. Wir stellten ihn dem Santa Fe 2.2 Turbodiesel gegenüber – der drehmomentstärksten Option in Hyundais Lineup, das außerdem 2,5- und 3,5-Liter-Saugbenzinmotoren umfasst. Der Diesel leistet rund 50 PS weniger als das Aggregat des Exeed, punktet jedoch mit überlegenem Drehmoment: 440 Nm vs. 385 Nm. Beide Crossover teilen ähnlich ausgelegte Antriebsstränge – Doppelkupplungsgetriebe und einen Lamellenkupplungs-Hinterachsantrieb.
Exterieur-Design: Größe vs. Stil

Der Exeed VX thront auf erhöhten Stoßfängern und Schwellern – durchaus nützlich für die Bodenfreiheit. Seine schiere Größe rückt ihn in die Nähe des Hyundai Palisade, doch das Design hält nicht ganz mit. Flache Seitenflächen und eine kastige Heckklappe verleihen ihm eher die Silhouette eines erhöhten Minivans als die eines echten SUVs. Die Verarbeitungsqualität gibt ebenfalls Anlass zur Sorge: Die Spaltmaße sind am Aufbau auffällig ungleichmäßig.
Der Santa Fe hinterlässt einen stärkeren optischen Eindruck. Highlights der Top-Ausstattung Calligraphy umfassen:
- Markante doppelstöckige LED-Optik
- Karosseriefarbene Stoßfänger mit plastisch gestalteten Radlaufschutzleisten
- 20-Zoll-Leichtmetallräder im „Wurfsternen”-Design
- Sauberere und gleichmäßigere Spaltmaße und Oberflächen
Innenraumqualität und Ergonomie

Im Innenraum des Exeed VX erkennt man bekannte Einflüsse – ein Doppel-12,3-Zoll-Display unter einer gemeinsamen Glasfläche, das an Mercedes-Benz erinnert, sowie ein haptisches Klimabedienfeld à la Land Rover (Chery unterhält schließlich ein Joint Venture mit der britischen Marke). Auf den ersten Blick wirkt es hochwertig, doch die Ergonomie lässt zu wünschen übrig:
- Der zentrale Touchscreen ist zu weit vom Fahrer entfernt positioniert
- Keine eigentlichen physischen Bedienelemente am Mitteltunnel – nur Zurück- und Home-Schnelltasten
- Alle Berührungsflächen reagieren mit spürbarer Verzögerung
- Lenkradtasten sitzen zu nah am Kranz und führen zu unbeabsichtigten Betätigungen
Der Fahrersitz selbst ist angenehm – tief montiert, solide gebaut, mit dezenter seitlicher Abstützung und einem komfortablen Profil. Breite Türöffnungen und aufrechte A-Säulen erleichtern das Ein- und Aussteigen. Der Einstellbereich des Lenkrads ist bescheiden, reicht aber für die meisten Fahrer aus.
Der Innenraum des Santa Fe erzählt eine andere Geschichte. Die Calligraphy-Ausstattung hebt das Erlebnis spürbar an:
- Zweifarbige Nappa-Leder-Sitzpolsterung
- Echter Aluminium-Zierrat am Mitteltunnel
- Alcantara-Dachhimmel
- Hochauflösende Doppeldisplays mit hochwertiger Bildqualität
- Unterstützung für Apple CarPlay und Android Auto (der Exeed unterstützt nur Apple-Geräte)
Das Lenkrad des Santa Fe lässt sich in einem breiteren Bereich verstellen, und der Sitz verfügt über eine weichere Polsterung, bessere Lendenwirbelunterstützung und eine Oberschenkelauflage – was ihn insgesamt zur ergonomisch ausgereifteren Wahl macht. Die Türtaschen hingegen sind ärgerlich schmal.
Passagierraum: Komfort in zweiter und dritter Reihe

Hier glänzt der Exeed VX wirklich. Die zweite Reihe bietet:
- Deutlich mehr Bein- und Kopffreiheit als der Santa Fe
- Einen größeren Verstellbereich in Längsrichtung
- Genug Breite, um drei Erwachsene bequem zu befördern
- Einen breiten, niedrigen Mitteltunnel, auf dem der mittlere Passagier die Füße abstellen kann
Das Sitzkissen ist bequem, die Rückenlehne jedoch etwas zu stark gewölbt. Die dritte Reihe ist die eigentliche Überraschung – sie ist selbst für Erwachsene über 1,80 m tatsächlich nutzbar, mit einfachem Zugang und ohne unerwünschten Kontakt mit den Vordersitzen oder der Decke.
Die zweite Reihe des Santa Fe hat ihrerseits ihre Vorzüge. Die Kabinenbreite übertrifft sogar die des Exeed, der Bodentunnel ist flacher, und Seitenfensterrollos sind eine nette Zugabe. Der Sitz selbst ist weicher und umhüllender – man könnte darin einnicken. Doch die dritte Reihe ist eine andere Geschichte. In den Siebensitzer-Ausstattungen Prestige und High-tech ist die hintere Bank in jeder Richtung beengt und zwingt die Passagiere in eine unbequeme Kniehoch-Haltung. Die Top-Ausstattung Calligraphy bietet gar keine dritte Reihe.
Fahrleistungen und Fahrdynamik
Auf dem Papier sehen die Werte des Exeed wettbewerbsfähig aus – 0–100 km/h in 8,5 Sekunden gegenüber 9,2 Sekunden für den Santa Fe Diesel. In der Praxis sieht es anders aus. Das robotisierte Getriebe des Exeed wird von der Elektronik so vorsichtig geregelt, dass der Santa Fe bereits davonzieht, bevor der VX überhaupt richtig angefahren ist. Der Abstand wächst von da an nur noch.
Die drei Fahrmodi des VX haben jeweils erhebliche Schwächen:
- Eco und Normal – das Gasansprechverhalten ist übermäßig verzögert und eignet sich nur für den Stop-and-go-Verkehr
- Sport – reaktionsfreudiger, aber zu aggressiv; Gangwechsel sind trotz sanfterer Ausführung langsam
Die Zwischenspurtbeschleunigung ist ebenso aufschlussreich. Beim Kickdown ab 60 km/h zieht der Santa Fe sofort davon. Erst ab 120–130 km/h beginnt der Benzinmotor des Exeed, den Abstand zu verringern.
Die vier Fahrmodi des Hyundai – Comfort, Sport, Smart und Eco – sind alle im Alltag nutzbar. Das Acht-Gang-Doppelkupplungsgetriebe reagiert knackig, schaltet schnell, und der Sport-Modus begrenzt die Nutzung des höchsten Gangs effektiv, um den Motor im Leistungsbereich zu halten.

Fahrkomfort und Geländetauglichkeit

Keiner der beiden Crossover glänzt beim Fahrkomfort – beide leiten scharfe Stöße von Rissen, Fugen und größeren Schlaglöchern weiter, und ab 30 km/h auf unebenen Schotterpisten entstehen Innenraumgeräusche. Der Exeed federt insgesamt etwas straffer ab, wobei der Unterschied nicht dramatisch ist. Zudem leidet er stärker unter Längs- und Querbewegungen der Karosserie.
Ein Vorteil für Santa-Fe-Käufer: die Reifengrößenflexibilität. Ab Werk sind 17-Zoll-Räder erhältlich, die den Fahrkomfort spürbar verbessern. Der Exeed kommt serienmäßig nur mit 19- oder 20-Zoll-Rädern – eine komfortablere Option gibt es nicht.
Im Gelände haben beide SUVs nennenswerte Einschränkungen. Die Vorderachse des Exeed neigt dazu, sich auf losem Schnee festzugraben, bevor die Hinterachse greift, und bei Verschränkungssituationen wird es unpassierbar. Der Santa Fe hat eine bessere geometrische Bodenfreiheit und einen glatteren Unterboden, und sein simuliertes Sperrdifferenzial arbeitet effektiver – doch das hintere Lamellenkupplungspaket überhitzt bei anhaltendem Langsamgeländeeinsatz beunruhigend schnell.
Handling: Straßenlage und Lenkung
Auf Asphalt ist der Santa Fe souveräner – er wechselt bereitwillig die Richtung, die Seitenneigung ist moderat, und das Bremsen vermittelt Sicherheit. Die Schwäche liegt in der Lenkung, die wenig Rückmeldung gibt und vage wirkt – ein Merkmal, das viele koreanische SUVs teilen. Das Stabilitätsprogramm ist nicht abschaltbar und konservativ abgestimmt, was sportliches Fahren kaum zulässt.
Der Exeed macht auf rutschigen Untergründen tatsächlich eine bessere Figur, dank vorhersehbarem Allradverhalten und einem vollständig deaktivierbaren Stabilitätsprogramm. Das Bremsgefühl ist anständig, wenngleich der Pedalweg länger als ideal ist. Auf trockenem Asphalt wirkt der VX jedoch unfertig – weich, unruhig und anfällig für Drehmomentzug, der das Gefühl erzeugt, als würde ein zweites Händepaar zufällig ins Lenkrad eingreifen.
Fazit: Sollten Sie den Exeed VX dem Hyundai Santa Fe vorziehen?
Der Exeed VX hat echte Schwächen – der Antriebsstrang benötigt eine Neukalibrierung, Lenkung und Fahrwerk brauchen Verfeinerung, und die Ergonomie im Innenraum könnte deutlich besser sein. Trotz seiner Größe ist er ohne ein ordentlich abgestimmtes Traktionskontrollsystem im Gelände wenig beeindruckend.
Dennoch bietet er für seinen Preis von 45.500 US-Dollar ein wirklich überzeugendes Paket:
- Sieben vollwertige Sitze mit nutzbarem Drittreihplatz für Erwachsene
- Ein großer, praktikabler Kofferraum
- Ein hochwertig wirkender Innenraum mit zwei großen Displays
- Höherer Akustikkomfort als beim Santa Fe
- Eine 7-Jahre-/200.000-km-Garantie
Der Santa Fe ist das ausgefeiltere und fahrerisch vergnüglichere Auto – doch die Preisgestaltung zeichnet ein anderes Bild. Für 45.500 US-Dollar bekommt man entweder den leistungsschwächeren 2,5-Liter in einer gut ausgestatteten Version oder den starken Dieselmotor in der kargen Lifestyle-Konfiguration. Die Calligraphy-Ausstattung, die den Santa Fe von seiner besten Seite zeigt, klettert auf 65.700 US-Dollar. Und über alle Ausstattungslinien hinweg leidet der Santa Fe nach wie vor unter rauem Fahrwerk, schwachem Allradantrieb und unpräziser Lenkung.
Wer mit den Eigenheiten des Exeed leben kann und kein Sportauto braucht, bekommt mehr Platz und mehr Garantie für deutlich weniger Geld – und auf dem heutigen Markt ist das ein Angebot, das man in Betracht ziehen sollte.
Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel finden Sie hier: https://www.drive.ru/test-drive/exeed/hyundai/61cc2ead6966c12d74e0e20a.html
Veröffentlicht Februar 17, 2022 • 8 m zum Lesen