Der Lexus RX ist ein unangefochtener Marktführer im Segment der Premium-Mittelklasse-Crossover — sein engster Rivale, der BMW X3, verkauft sich um etwa ein Drittel schlechter. Doch von den knapp zehntausend im Jahr 2019 verkauften RX-Modellen waren nur 162 die verlängerte, dreireihige RX 350L-Version. Mit fast fünf Metern Länge und vollständiger Serienausstattung tritt er im Segment der großen Luxus-Crossover an — und genau dort tut er sich schwer. Um herauszufinden, warum, haben wir ihn mit dem Volvo XC90 verglichen, einem siebensitzigen Rivalen, der in Größe, Preis und Anspruch ähnlich ist — der jedoch etwas bietet, das der Lexus nicht kann: einen D5-Dieselmotor.
Exterieur-Design: Auffällig vs. Zurückhaltend
Der Volvo XC90 wirkt selbst mit dem R-Design-Bodykit konservativ, während der Lexus mit seiner charakteristischen, kantigen Formsprache Blicke auf sich zieht. Beide Fahrzeuge stammen aus dem Jahr 2015, doch der Lexus ist optisch besser gealtert. Sein verlängerter Heckbereich — über 9 Zentimeter länger als beim Standard-RX — stört die Proportionen kaum. Der Volvo wirkt zwar elegant, verliert im Vergleich zum japanischen Rivalen aber Punkte bei der Konsistenz der Spaltmaße und der Verarbeitungsqualität der Karosserie.
Innenraumkomfort und Platzangebot
Oft als ideale Alternative zum Familien-Van vermarktet, verfolgen diese beiden Luxus-Siebensitzer sehr unterschiedliche Ansätze beim Passagierkomfort.

Sowohl die erste als auch die zweite Sitzreihe des Lexus bieten bequeme, weich einsinkende Sitze. Sportlichkeit sucht man vergebens, der Komfort ist maximal. Es gibt zahlreiche Einstellmöglichkeiten, die Rückbank ist geteilt und im Verhältnis 60:40 verschiebbar.
Zweite Reihe
- Volvo XC90: Alle drei Rücksitze lassen sich unabhängig voneinander verschieben, verstellen und umklappen. Der Abstand der inneren Isofix-Halterungen beträgt 53 Zentimeter — besser geeignet, um einen Kindersitz zwischen zwei Passagieren zu platzieren. Ein Mitteltunnel schränkt jedoch den Komfort auf dem mittleren Sitzplatz ein.
- Lexus RX 350L: Die zweite Reihe kommt ohne Tunnel aus und bietet eine breite, einladende, weiche Sitzbank — insgesamt der komfortablere Platz. Der Abstand der inneren Isofix-Halterungen beträgt 47 Zentimeter, also etwas geringer. Die im Verhältnis 60:40 geteilte Rückbank lässt sich verschieben, aber nicht einzeln umklappen.
Dritte Reihe
Um zur dritten Reihe zu gelangen, müssen bei beiden Fahrzeugen die Sitze der zweiten Reihe manuell umgeklappt werden. Der Mechanismus des Volvo ist auffallend schwergängig — nicht jeder wird damit mühelos zurechtkommen. Beim Lexus fahren die Sitze der dritten Reihe elektrisch aus, wobei nach rund 15 Sekunden Betätigung die beiden Sitze in leicht unterschiedlichen Positionen enden — einer tiefer und weiter hinten, der andere höher und rund 10 Zentimeter näher an der zweiten Reihe. Es stellt sich heraus, dass beides bewusst voreingestellte Optionen sind, die sich durch erneutes Drücken der Taste vor dem Ausfahren auswählen lassen.
- Volvo XC90: Obwohl insgesamt gut fünf Zentimeter kürzer, bietet der XC90 spürbar mehr Platz in der dritten Reihe. Die Sitze bieten Hüftstütze, die Deckenhöhe reicht für durchschnittlich große Passagiere aus, und eine separate dritte Klimazone ist serienmäßig. Eine Vier-Zonen-Klimaautomatik ist als Option erhältlich.
- Lexus RX 350L: Die Passagiere der dritten Reihe sitzen tief, mit beengter Kopffreiheit und winzigen, bullaugenartigen Fenstern. Die zweite Reihe muss nach vorne geschoben werden, um überhaupt Beinfreiheit zu schaffen — bei einer Körpergröße von etwa 1,75 Metern stoßen die Knie dann an die Rückenlehne. Eine separate Klimazone mit eigenen Luftdüsen ist zwar willkommen, das Gesamterlebnis bleibt aber beengt.
Fahrkomfort und Fahrdynamik

Trotz des äußeren Erscheinungsbilds — der sportlich wirkende Lexus gegenüber dem nüchternen Volvo — ist der Fahrcharakter beider Fahrzeuge genau umgekehrt zu dem, was man erwarten würde.
- Der Lexus RX 350L läuft auf einer serienmäßigen Federung mit adaptiven Stoßdämpfern und 20-Zoll-Rädern mit einer Breite von 23,5 Zentimetern. Das Ergebnis ist ein äußerst weiches, wellenartiges Fahrgefühl, das die meisten kleinen und mittleren Unebenheiten mühelos absorbiert. Der Wechsel in den Sport- oder Sport+-Modus bringt kaum einen spürbaren Unterschied. Die Lenkung ist leichtgängig und wenig präzise. Bei Schwellen ab etwa 30–40 km/h neigt das Fahrwerk zum Nachfedern und Schwimmen — klassische amerikanische Komfortabstimmung. Ein wirklich einlullendes, entspannendes Auto.
- Der Volvo XC90 (R-Design mit optionaler Luftfederung) fährt sich merklich straffer — näher an einer deutschen Business-Limousine. Er folgt Unebenheiten im Asphalt sehr genau, und die breiten 27,4 Zentimeter messenden Reifen können durch Fahrbahnrillen abgelenkt werden. Die Lenkung ist präzise, die Karosserie neigt sich leicht, reagiert aber vorhersehbar. Das R-Design-Paket beinhaltet keine Anpassung des Fahrwerks, sodass die straffe Abstimmung unabhängig vom Fahrmodus erhalten bleibt.
Motorleistung und Geräuschpegel
Beide Fahrzeuge nutzen dasselbe Aisin-Achtgang-Automatikgetriebe, doch Motor und Antriebscharakter unterscheiden sich erheblich.
- Lexus RX 350L (V6-Benziner): Reagiert bereitwillig auf Gaspedalbefehle, besonders im ersten Teil des Pedalwegs. Der Saugmotor erzeugt unter Last einen angenehmen, charaktervollen Klang. Das Getriebe kann jedoch stocken und bei geringer Gaszugabe aggressiv herunterschalten. Die Bremsen wirken in den Standardmodi eher fest.
- Volvo XC90 D5 (Diesel): Die Gasannahme erfolgt etwas verzögert, dafür sehr berechenbar. Der Dieselmotor erzeugt ein konstantes, leises Brummen — jederzeit hörbar, nicht nur beim Beschleunigen. Das Getriebe verhält sich geschmeidig und gleichmäßig. Das Bremsgefühl ist natürlicher und besser dosierbar.
Trotz unterschiedlicher Herangehensweise ist der Geräuschpegel in beiden Fällen vergleichbar: Der Lexus verwendet schalldämmendes Glas nur vorne, während der Volvo optional an allen vier Türen Akustikverglasung bietet. In beiden Fällen ist der Kabinenkomfort bei Reisegeschwindigkeit beeindruckend.
Innenraumerlebnis und Infotainment

Innenraum des Volvo XC90. Sportsitze vorne mit verstärktem Seitenhalt sind im R-Design-Paket enthalten. Eine verstellbare Seitenwangenbreite gibt es nicht, die Wangen sind recht fest und können auf langen Fahrten an den Seiten drücken. Die Rückbank ist für drei Personen konturiert, doch der mittlere Sitz fühlt sich eher wie ein Hocker an, und der Tunnel stört zusätzlich.
Der Einstieg in den Lexus fällt dank der niedrigen, türverdeckten Schweller leicht — größere Fahrer sollten jedoch auf die vorstehende vordere Verkleidung achten, um sich nicht die Knie zu stoßen. Einmal drinnen, umhüllt einen der Sitz mit weichem Leder, umgeben von angenehmem Holzdekor. Das Lenkrad fühlt sich weich an, wobei im Winter nur die Griffbereiche beheizt werden. Eine elektrische Lenkradverstellung an der Lenksäule — beim Volvo nicht vorhanden — gehört bereits zur Grundausstattung.
Das Infotainmentsystem des Lexus ist jedoch ein Schwachpunkt: analoge Instrumente ohne digitalen Tacho und ein touchpad-basiertes Multimediasystem, das während der Fahrt frustrierend und wenig intuitiv zu bedienen ist. Die ständigen, nicht abschaltbaren Blitzerwarnungen verstärken den Ärger zusätzlich.
Das digitale Kombiinstrument und der hochformatige Touchscreen des Volvo wirken eine Generation moderner. Der Preis dafür ist ein fast vollständiges Fehlen physischer Tasten — selbst Sitzheizung und Rundumsichtkamera müssen über Menüs bedient werden. Das teilautonome Fahrsystem Pilot Assist und ein leistungsfähigerer adaptiver Tempomat verschaffen dem XC90 insgesamt einen klaren technologischen Vorsprung.
Geländetauglichkeit
- Lexus RX 350L: Es gibt keine dedizierten Geländefahrmodi. Die Taste zur Zuschaltung des Hinterradantriebs hat nur begrenzte praktische Wirkung, da die Traktionselektronik kaum versucht, eine Differenzialsperre zu simulieren. Die Bodenfreiheit ist mit rund 20 Zentimetern ordentlich, und der weiche Federungskomfort hilft bei leichtem Gelände — doch damit endet die Geländetauglichkeit auch schon.
- Volvo XC90: Ein deutlich geländegängigeres Fahrzeug abseits befestigter Wege. Im Komfortmodus steht er 2 Zentimeter höher als der Lexus; im Geländemodus steigt die Bodenfreiheit auf beeindruckende 25,4 Zentimeter. Die kürzeren Überhänge (der Radstand des XC90 ist 20 Zentimeter länger, während die Karosserie insgesamt kürzer ist) verbessern die Böschungs- und Rampenwinkel. Eine wirksame Traktionskontrolle lässt den XC90 auch dann selbstbewusst vorankommen, wenn zwei Räder in der Luft hängen.
Praxistauglichkeit: Kofferraum und Details

Kofferraumvolumen, Verarbeitungsqualität der Verkleidung und die Möglichkeiten zum Umklappen der Sitze sind bei beiden Fahrzeugen weitgehend vergleichbar. Einige bemerkenswerte Unterschiede:
- Die elektrische Heckklappe des Lexus öffnet langsam, geräuschvoll und stoppt in einer Höhe, bei der Personen ab etwa 1,75 Metern Gefahr laufen, sich den Kopf zu stoßen.
- Die Heckklappe des Volvo arbeitet geschmeidig und stoppt in einer großzügigeren Höhe.
- Der Lexus verstaut sein Notrad unter dem Boden, außen angebracht — praktisch, um Stauraum unter dem Kofferraumboden freizuhalten, macht den Radwechsel jedoch unordentlicher und umständlicher.
- Bei den Wartungsintervallen liegt der Volvo deutlich vorn: Ein Service ist alle 20.000 km fällig, beim Lexus bereits alle 10.000 km — obwohl beide dieselbe Garantie von drei Jahren bzw. 100.000 km bieten.
Fazit: Lexus RX 350L vs. Volvo XC90
Nach der Zeit mit beiden Fahrzeugen geht der Lexus RX 350L als klarer Sieger in puncto Fahrkomfort und Innenraumluxus hervor. Die federweichen Sitze, die ruhige Kabine und der mühelose V6-Motor machen ihn wirklich entspannend zu fahren — und dafür verzeihen die meisten Käufer in diesem Segment eine beengte dritte Reihe und veraltete Technik. Der mangelnde Markterfolg des RX 350L wirkt geradezu ungerecht.
Der Volvo XC90 wiederum ist das technisch ausgereiftere und vielseitigere Fahrzeug — geländetauglicher, geräumiger in der dritten Reihe und vollgepackt mit Fahrassistenztechnik. Doch ganz ohne Schwächen ist auch er nicht: das straffe Fahrverhalten trotz Luftfederung, die theoretisch mehr Komfort verspricht; eine zu stark menügesteuerte Bedienung; und ein insgesamt etwas weniger hochwertiges Fahrgefühl.
Letztlich richten sich diese beiden siebensitzigen Luxus-SUVs an unterschiedliche Käufer:
- Entscheiden Sie sich für den Lexus RX 350L, wenn Komfort, Ruhe im Innenraum und mühelose Fahrten im Alltag für Sie Priorität haben.
- Entscheiden Sie sich für den Volvo XC90, wenn Sie ein dynamischeres Fahrerlebnis, mehr Platz in der dritten Reihe, moderne Technik und echte Geländetauglichkeit wünschen — und die straffere Fahrwerksabstimmung sowie die Kraftstoffersparnis eines Dieselmotors keine Rolle spielen.
Dies ist eine Übersetzung. Das Original können Sie hier lesen: https://www.drive.ru/test-drive/lexus/volvo/5f2bc0b7ec05c42f63000131.html
Veröffentlicht Oktober 06, 2022 • 9 m zum Lesen