Der Toyota Land Cruiser Prado zählt seit Langem zu den leistungsstärksten und angesehensten Leiterrahmen-SUVs auf dem Markt – doch jahrelang war sein Dieselmotor ein Schwachpunkt. Mit einem überarbeiteten 2,8-Liter-Turbodiesel mit 200 PS unter der Haube stellt sich die Frage: Hat der LC150 nun endlich das Zeug dazu, den Mitsubishi Pajero Sport hinter sich zu lassen? Wir haben beide im direkten Vergleich gegeneinander antreten lassen.
Ein vollständiger Vergleichstest ist das jedoch nicht – ich hatte den überarbeiteten Prado lediglich zehn Stunden zur Verfügung. Doch mit einem Pajero Sport als Referenzfahrzeug liegt der Vergleich auf der Hand. Seit dem letzten Aufeinandertreffen der beiden Leiterrahmen-SUVs in unserem Test von 2017 hat Toyota den Fortuner eingeführt, während Mitsubishi einen auf einem Pickup basierenden Pajero Sport auf den Markt brachte – womit sie offiziell in unterschiedliche Segmente verschoben wurden. Dennoch bleibt der Sport der relevanteste Maßstab in dieser Klasse.
Warum der Pajero Sport noch immer die Messlatte setzt
Eine intensive Vorbereitung mit allen drei Kandidaten – dem Pajero Sport, dem Prado in der Vorfacelift-Version und dem Fortuner – machte eines deutlich: Trotz seines Alters ist der Mitsubishi nach wie vor beeindruckend leistungsfähig. Die wichtigsten Stärken des Pajero Sport:
- Klassenbesteste gemessene Fahrleistungen – der 180-PS-Motor ist präzise abgestimmt und vom Stand weg überraschend flott
- Intuitives Fahrverhalten – vermittelt selbst auf Yokohama-Geolandar-A/T-Reifen mit ihrer bekannten Richtungsempfindlichkeit ein sicheres Gefühl
- Sanfter Komfort bei niedrigen Geschwindigkeiten – der Pajero schluckt Unebenheiten bis zu einem gewissen Grad besser als seine Konkurrenten
- Brauchbarer manueller Getriebemodus – nützlich im Gelände, wo präzise Kontrolle entscheidend ist
- Aggressives Traktionskontrollsystem – eines der schnellsten Systeme in diesem Segment

Wo der Prado schon immer die Nase vorn hatte
Schon vor der Motorüberarbeitung besaß der Land Cruiser Prado klare Vorteile gegenüber seinen Konkurrenten in puncto Komfort und Verarbeitungsqualität. Im Vergleich zu Pajero Sport und Fortuner bietet der Prado:
- Einen geräumigeren und funktionaleren Innenraum – die fahrgastfreundlichste Kabine in diesem Segment
- Überlegener Akustikkomfort – auf glatten Straßen deutlich leiser
- Besserer Fahrkomfort auf ebener Strecke – ein ausgewogeneres und gelasseneres Fahrgefühl auf Autobahnen
- Informativere Lenkung – das Lenkrad ist leichtgängig, vermittelt aber besseres Feedback als die Konkurrenz
- Verkaufszahlen, die das bestätigen – der Prado verkauft sich fast doppelt so gut wie der Fortuner; die beliebteste Ausstattungsvariante ist der 2.8 Prestige
Die eine nennenswerte Schwäche des Prado vor dem Facelift: Sein Kinetic Dynamic Suspension System (KDSS), das Hydraulikzylinder in den Stabilisatorgliedern nutzt, ließ ihn über scharfe Unebenheiten steif und holprig wirken – ein ärgerlicher Kompromiss für ein Fahrzeug, das in jeder anderen Hinsicht so ausgereift ist.
Und was ist mit dem Fortuner?
Bevor wir uns dem eigentlichen Vergleich widmen, lohnt es sich, den Fortuner dort einzuordnen, wo er hingehört. Das Bild ist dabei wenig schmeichelhaft:
- Hart und laut – auf schlechten Straßen werden die Insassen durchgeschüttelt
- Dank seiner steiferen Abstimmung überraschend geländegängig bei höheren Geschwindigkeiten
- Hat das empfindlichste Gaspedal der drei Kandidaten
- Die Notsitze im Fond (zugänglich über die fünfte Tür mit Servoantrieb) sind größtenteils symbolischer Natur
- Das Innenraumdesign ist das lebhafteste, doch die Sitzposition ist schlicht unbequem
- Der zuschaltbare Allradantrieb ist schlicht gehalten im Vergleich zu Prado und Pajero Sport
Der Fortuner kostet in etwa so viel wie der Pajero Sport, verkauft sich aber deutlich schlechter – und das ist leicht nachvollziehbar. Er ist es jedoch, der den Prado im Vergleich wie ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aussehen lässt.
Beschleunigungstest: Überarbeiteter Prado mit 200 PS vs. Pajero Sport
Die Motorüberarbeitung – mit einem Plus von 23 PS und 50 Nm auf nunmehr 200 PS und 500 Nm – mag auf dem Papier für einen 2,3-Tonnen-SUV bescheiden wirken. In der Praxis ist der Unterschied bedeutsamer, als die Zahlen vermuten lassen.

Gemessen auf einem Testgelände mit einem Fahrer und vollem 87-Liter-Tank erzielte der überarbeitete Prado auf Dunlop-Grandtrek-AT22-Reifen konstant folgende Werte:
- Toyota Land Cruiser Prado (200 PS): konstant 11,1 s auf 100 km/h; bester Lauf 10,7 s
- Mitsubishi Pajero Sport: bester Lauf 11,5 s auf 100 km/h
- Offizieller Prado-Wert (Deutschland, 204-PS-Einstufung): angegebene 9,9 s
- Offizieller Pajero-Sport-Wert (Russland): angegebene 12,3 s – erreichbar im Hinterradantrieb auf trockenem Untergrund
Wo der Prado im Drag Race früher klar zurücklag, setzt er sich nun knapp durch. Der Abstand ist nicht groß, doch die Verhältnisse haben sich umgekehrt – und das ist bedeutsam.
Motor und Getriebe: Die Unterschiede im Detail
Der Leistungsunterschied erklärt sich größtenteils dadurch, wie Motor und Getriebe ihre Kraft entfalten. Der 1GD-FTV-Vierzylindermotor des Prado besitzt im nutzbaren Drehmomentbereich einen klaren technischen Vorteil:
- Prado-Spitzendrehmoment: verfügbar von 1.600 bis 2.800 U/min – nahezu ein Drittel des gesamten Betriebsbereichs
- Pajero-Sport-Spitzendrehmoment: liegt bei rund 2.500 U/min an – ein engeres Fenster
- Prado-Getriebe: Sechsgang-Automatik – weniger Schaltvorgänge, weniger Zeitverlust zwischen den Gängen
- Pajero-Sport-Getriebe: Achtgang-Automatik – insgesamt sanftere Schaltvorgänge, aber ein spürbarer Ruck beim Einlegen des zweiten Gangs
- Erster Gang des Pajero Sport: sehr kurze Übersetzung von 4,85:1, was ein frühes Hochschalten und eine kurze Verzögerung vor dem Aufbauen von Schwung bedeutet
Zudem reagiert der Prado bei Teillast schlicht besser. Der Pajero Sport verlangt einen kräftigen Gasfuß, um eine Reaktion zu provozieren – im Alltag wirkt er träge, mit langsam ansteigenden Drehzahlen und ohne Sportmodus, um die Ansprache zu schärfen. Das Gaspedal des Prado ist linearer, wenngleich der Drehmomentwandler bei leichter Last noch immer in einer Grauzone verweilt. Keines der Fahrzeuge ist so direkt wie ein Sport-SUV – doch der Prado ist eindeutig der angenehmere Begleiter im Stadtverkehr.

Motorkultur: Leiser – oder nur vergleichsweise besser?
Der überarbeitete 200-PS-Diesel wirkte im Leerlauf subjektiv nicht leiser oder vibrationsärmer als der Vorgängermotor des Prado – zumindest nicht für sich allein betrachtet. Kollegen berichten von einer Verbesserung, doch dies lässt sich nur durch einen direkten Vergleichstest bestätigen. Einige Variablen trüben das Bild:
- Das Vorserien-Testfahrzeug war mit Bridgestone-Dueler-H/T-Reifen ausgestattet – straßenorientierter und akustisch ruhiger
- Der überarbeitete Prado wurde auf Dunlop-Grandtrek-AT22-Reifen getestet – einem Geländereifen, der mehr Abrollgeräusche erzeugt
- Gegenüber dem deutlich lauteren und vibrationsintensiveren Motor des Pajero Sport hebt sich die Laufkultur des Prado in jedem Fall ab
In jedem Fall ist das subjektive Erleben des überarbeiteten Prado ein echter Fortschritt: einfacher im Stadtverkehr zu platzieren, sicherer beim Überholen auf der Autobahn – und nicht länger der Diesel, den Besitzer sich insgeheim als V6 gewünscht hätten.
Geländefahrt: Der Prado in seinem Element
Mehrere Regentage haben den Untergrund in klebrigen Lehm verwandelt – genau das ist das Terrain, in dem der Prado seinen Ruf verdient. Das Geländewerkzeug des LC150 ist umfassend:
- Untersetzungsgetriebe mit Kriechgang
- Vorder- und Hinterachsdifferenzialsperre
- Mehrstufige Traktionskontrolle mit dediziertem Crawl-Modus – äußerst effektiv
- Sportmodus für den Motor – schärft die Gasannahme in Schlamm und Furchen, wo verzögerte Reaktionen zum Stehenbleiben führen
- KDSS-Fahrwerk – reduziert Seitenneigung im Gelände und verbessert die Kontrolle über die Gewichtsverteilung

Unter extremen Bedingungen – tiefen Fahrspuren, steilen Anstiegen, Wasserdurchfahrten – blieb die Hinterachsdifferenzialsperre deaktiviert, um mehr Bewegungsfreiheit zu gewährleisten. Das KDSS-System, das auf der Straße häufig wegen seiner Härte über Unebenheiten kritisiert wird, beweist im Gelände seinen Nutzen: Der Prado neigt sich weniger als ein konventionelles Setup, was die Kontrolle über die Gewichtsverteilung in kritischen Traktionssituationen erheblich erleichtert. Der Sportmodus für den Antrieb ist in diesem Umfeld wohl die wichtigste Einstellung. Das urbane Ansprechverzögerung, das den Prado in der Stadt träge wirken lässt, wird im tiefen Schlamm schlicht gefährlich – zögert man einen Moment, steckt man fest. Mit aktiviertem Sportmodus schärft sich die Reaktion spürbar.
Der Pajero Sport setzt derweil auf seinen bewährten manuellen Automatik-Modus und einen aggressiven Traktionskontrollalgorithmus. Beide Strategien funktionieren, doch das Instrumentarium des Prado wirkt vollständiger und variabler – passend für ein Fahrzeug, das klar auf ernsthaften Geländeeinsatz ausgerichtet ist.
Preis-Leistungs-Verhältnis: Ist der Aufpreis für den Prado gerechtfertigt?
Hier wird es kompliziert. Der überarbeitete Prado ist ein deutlich besseres Fahrzeug als zuvor – doch der Preisunterschied zum Pajero Sport bleibt erheblich. Ob der Aufpreis gerechtfertigt ist, hängt davon ab, was man danebenstellt:
- Prado vs. Pajero Sport: Die Vorteile des Prado in Bezug auf Platzangebot, Verarbeitungsqualität und nun auch Gasannahme sind real – aber nicht überzeugend genug, um den Preisunterschied als selbstverständlich erscheinen zu lassen
- Prado vs. Fortuner: Der Fortuner kostet in etwa so viel wie der Pajero Sport – und daneben wirkt der Preis des Prado deutlich angemessener; der Qualitäts-, Komfort- und Geländevorteil ist sofort spürbar
- Diesel vs. Benziner beim Prado: Genug Besitzer empfanden den 177-PS-Diesel als so mangelhaft, dass sie auf den 249-PS-V6-Benziner wechselten – oft günstiger in der Anschaffung –, nur um ausreichende Fahrleistungen zu erhalten. Der überarbeitete Diesel sollte diesen Trend stoppen
In gewisser Weise ist der Prado ein Preisgefangener. Der Fortuner existiert unterhalb von ihm, der Pajero Sport neben ihm – und der Prado muss seine Position gegenüber beiden gleichzeitig rechtfertigen. Der überarbeitete Diesel stärkt dieses Argument, aber noch nicht mühelos.

Überarbeiteter Pajero Sport: Was hat sich verändert?
Es ist auch erwähnenswert, dass ein aufgefrischter Pajero Sport zeitgleich mit dem überarbeiteten Prado auf den Markt gekommen ist. Die Änderungen sind behutsam, aber willkommen:
- Digitales Kombiinstrument – ein optisches Upgrade gegenüber den alten Analoganzeigen
- Verbessertes Multimediasystem – erweiterte Funktionalität, wenngleich die Bedienung weiterhin vollständig touchbasiert ist
- Überarbeitete Klimasteuerung – physische Drehregler für die Temperatur ersetzen die bisherigen Tasten
- Auto-Hold-Funktion – zur elektromechanischen Feststellbremse hinzugefügt
- Elektrische Heckklappe mit Näherungssensor – ein echter Komfortgewinn
Die Preise für den Pajero Sport dürften infolgedessen moderat steigen. Ob der Fortuner 2.8 nachzieht, ist ungewiss – doch jede Preiserhöhung bei einem der beiden Modelle käme dem Prado zugute, indem sie die wahrgenommene Preiswürdigkeitslücke verringert.
Fazit: Ein besserer Prado – doch der Pajero Sport hat weiterhin seine Daseinsberechtigung
Das 200-PS-Turbodiesel-Update ist genau das, was der Land Cruiser Prado gebraucht hat. Vor diesem Motor hatte die Dieselversion ein ernstes Problem: Es mangelte ihr so sehr an Durchzugsvermögen, dass Besitzer aktiv auf einen weniger leistungsfähigen Antrieb wechselten, um dem zu entkommen. Das ist nicht länger notwendig. Der überarbeitete Prado ist im Alltag dynamischer, im Stadtverkehr leichter handhabbar und auf Autobahngeschwindigkeiten souveräner – ohne dabei auch nur eines der Komfort-, Platz- oder Geländemerkmale einzubüßen, die ihn von Anfang an kaufenswert gemacht haben.
Der Mitsubishi Pajero Sport ist dadurch keineswegs bedeutungslos geworden. Seine gemessenen Fahrleistungen, seine Geländezähigkeit und sein günstigerer Preis halten ihn fest im Rennen. Für Käufer, die Preis-Leistung priorisieren und nicht auf das höhere Raffinement des Prado angewiesen sind, bleibt er eine starke Wahl. Doch der Prado ist endlich das, was er schon immer hätte sein sollen – und das dürfte für Toyotas Verkaufszahlen von Bedeutung sein.
Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel finden Sie hier: https://www.drive.ru/test-drive/toyota/5f92af16ec05c46063000254.html
Veröffentlicht Juli 28, 2022 • 10 m zum Lesen