Volkswagen baut seine Fertigung in China aus und gestaltet gleichzeitig sein Modellprogramm um. In diesem Volkswagen Tayron Test prüfen wir, ob die legendäre Verarbeitungsqualität der Marke den Umzug übersteht – und ob der Tayron den Tiguan wirklich ersetzen kann.
Volkswagens wachsende Fertigungspräsenz in China
China beherbergt inzwischen 17 aktive Volkswagen-Werke – nur eines weniger als Deutschland selbst. Im Jahr 2022 verkauften die Marken des Volkswagen-Konzerns in China 3.184.500 Fahrzeuge, nur knapp weniger als die Gesamtverkäufe in ganz Europa einschließlich Osteuropa. Wurde der Volkswagen Tiguan einst in Kaluga montiert, läuft der Volkswagen Tayron nun im FAW-Volkswagen-Werk in Tianjin vom Band. Neben den ausladenden Tagfahrlicht-Linsen (DRL) verfügt der Tayron über Leuchtstreifen zwischen Scheinwerfern und Rückleuchten, die beide Embleme miteinander verbinden.


Tayron vs. Tiguan: Größe, Plattform und Motorenpalette
Von der Größe her liegt der Tayron zwischen dem regulären Tiguan und dem längeren Tiguan Allspace.

Der Tayron ist 8 cm länger als der Tiguan, der Radstand wurde um 52 mm gestreckt – Karosserieteile lassen sich daher im Falle eines Unfalls nicht zwischen den beiden Modellen austauschen. Fahrwerk, Motor und Getriebe bleiben jedoch gleich. Die wichtigsten Eckdaten der Modellreihe:
- 330 TSI (Testwagen): 2,0-Liter-Turbomotor EA888, 186 PS, Frontantrieb. Trotz des Kürzels „330″ bezieht sich dieses gemäß chinesischer Namenskonvention auf das Drehmoment, nicht auf den Hubraum.
- 380 TSI: derselbe 2,0-Liter-Motor, abgestimmt auf 220 PS, Allradantrieb – die Topversion, die bei Avilon-Händlern erhältlich ist.
- 280 TSI: 1,4-Liter-TSI-Motor (Baureihe EA211), 150 PS, Frontantrieb.
- Getriebe: Siebengang-DSG-Doppelkupplungsgetriebe in der gesamten Baureihe.
Alle Motoren und Getriebe für Volkswagen-Modelle des chinesischen Marktes werden vor Ort produziert.

Innenraum und Serienausstattung
Die mittlere Ausstattungslinie 330 TSI ist großzügig ausgestattet, weist aber ein paar überraschende Auslassungen auf, die für den chinesischen Markt typisch sind. Zur Serienausstattung gehören:
- 18-Zoll-Leichtmetallräder
- Vollständige LED-Außenbeleuchtung
- Schlüsselloser Zugang mit Sensoren an beiden Vordertüren
- Panorama-Schiebedach
- Sieben Airbags
- Drei-Zonen-Klimaautomatik
- Elektrisch verstellbare Vordersitze
- Digitales Kombiinstrument
- 12-Zoll-Multimedia-Touchscreen
- Elektrisch beheizbares Lenkrad
Auffällig fehlend: beheizbare Vordersitze und eine beheizbare Windschutzscheibe – beides in China nur als Option erhältlich, weshalb ihr Fehlen bei einem Testwagen dieser Ausstattungsstufe etwas verwundert.

Im Vergleich zu anderen von uns getesteten, in China gebauten Fahrzeugen sticht die Sitzgeometrie des Tayron hervor. Die Sitze haben lange Sitzflächen mit verstellbarem Neigungswinkel, gut platzierte Seitenwangen und eine dichte Polsterung – wenngleich der Kunstlederbezug nicht wirklich wie echtes Leder wirkt.

Infotainment-System: Englische Menüs und kabelloses Apple CarPlay
Die Befürchtung, das Display würde standardmäßig chinesische Schriftzeichen anzeigen, erwies sich als unbegründet. Alle Menüs erscheinen in klarem, großem englischem Text. Die einzige Eigenart: Bei jedem Start wird man aufgefordert, sich mit einer chinesischen ID zu registrieren, doch ein Tippen auf „Später erinnern” schaltet nahezu den vollen Funktionsumfang frei. Einstellungen, UKW-Radio und Bluetooth-Kopplung mit dem Telefon sind alle schnell und intuitiv.


Am besten gefällt, dass iPhone-Nutzer vollen kabellosen Apple-CarPlay-Support erhalten – nicht nur auf dem zentralen Display, sondern gespiegelt auch im digitalen Kombiinstrument. Chinesische Schriftzeichen tauchten nur gelegentlich auf, etwa als Hieroglyphen in der RDS-Zeile bestimmter Radiosender.

Platzangebot im Fond und Praxistauglichkeit des Kofferraums
Das Platzangebot im Fond ist großzügig, mit 5-6 cm Kniefreiheit selbst hinter einem großgewachsenen Fahrer. Vertraute Annehmlichkeiten im Tiguan-Stil bleiben erhalten, darunter:
- Eigene Klimaautomatik-Bedieneinheit für den Fond
- Kleiderhaken an Dachhimmel und Mittelsäule
- Großzügige, weich ausgekleidete Türtaschen
- Vollständig versenkbare elektrische Fensterheber hinten
- Um bis zu 18 cm verschiebbare Rücksitze zum Ausgleich zwischen Personen- und Laderaum


Der Kofferraum ist etwas größer als beim Tiguan, ohne jegliche Kompromisse. Praktische Details sind unter anderem Griffe zum Umklappen der Sitze, ein zweistufig verstellbarer Ladeboden, Verzurrhaken, spezielle Aussparungen in den Seitenverkleidungen für einen Laderaumvorhang sowie eine durchgehende Vliesauskleidung statt nacktem Kunststoff.


Fahrerlebnis: Motor, Getriebe und Fahrmodi
Die Kombination aus dem 2,0-Liter-Turbomotor EA288 und dem „nassen” Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe DQ381 wird Tiguan- und Kodiaq-Besitzern vertraut vorkommen. Die Schaltvorgänge bleiben für ein sparsames Fahren bei niedrigem Tempo schnell und geschmeidig, der Motor reagiert ohne Verzögerung, und das Fahren in der Stadt fühlt sich dank sanfter Gasannahme angenehm an.

Für ein sportlicheres Gefühl erlauben der Sport- oder Custom-Modus, Antriebsstrang, Lenkkraft und aktiven Tempomat unabhängig voneinander einzustellen. Der Tempomat selbst funktioniert gut und lässt sich für die Stadtfahrt problemlos in eine Geschwindigkeitsbegrenzer-Funktion umschalten.

Volkswagen Tayron 330 TSI: Beschleunigung und Testergebnisse
Volkswagen-Enthusiasten wollen immer wissen: Halten die offiziellen Werte stand? Für den 330 TSI gibt Volkswagen 8,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h an. Die Leistungsangaben für den chinesischen Markt stimmen nicht immer mit realen Testergebnissen überein, also haben wir selbst gemessen.

Bei ausgeschalteter Traktionskontrolle („ASR”) aktiviert das gleichzeitige Betätigen beider Pedale die Anzeige „Launch Control aktiviert”. Der Motor dreht auf 3.300 U/min hoch, und beim Lösen der Bremse schießt der Tayron mit quietschenden Vorderreifen nach vorn – wobei die Elektronik recht abrupt eingreift und die Kraftstoffzufuhr unterbricht, während die gelbe Kontrollleuchte der Traktionskontrolle blinkt. Selbst mit ein paar Zehnteln, die durch diesen Eingriff verloren gehen, kam der Tayron nahe an die Werksangabe heran und erreichte 100 km/h in 9,1 Sekunden. Ohne Launch Control liegt ein normaler Start konstant bei etwa 10 Sekunden. Die elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit erreichte 202,7 km/h (212 km/h laut Tacho) – für einen Familien-Crossover mehr als ausreichend, wobei für alle, die mehr wollen, Stage-1- und Stage-2-Tuning zur Verfügung stehen.

Die wichtigsten Testergebnisse auf einen Blick
- Höchstgeschwindigkeit: 202,7 km/h
- 0-50 km/h: 3,6 s
- 0-100 km/h: 9,1 s (mit Launch Control) / 9,7 s (normaler Start)
- 0-150 km/h: 19,4 s
- 0-200 km/h: 48,1 s
- Stehender Start 400 m: 16,6 s
- Stehender Start 1.000 m: 29,9 s
- 60-100 km/h (D): 4,9 s
- 80-120 km/h (D): 6,1 s
- Bremsweg aus 100 km/h (kalte Bremsen): 38,2 m, Verzögerung 10,1 m/s²
- Ausrollen ab 50 km/h: 831 m
- Ausrollen 130-80 km/h: 1.169 m
- Ausrollen 160-80 km/h: 1.765 m
Bremsen und Reifen: Verbesserungspotenzial
Ein Bereich, den man im Auge behalten sollte, sind die werksseitig montierten Reifen: Der Tayron rollt auf koreanischen Hankook Ventus S1 evo3 SUV-Reifen, doch deren Herkunft „Made in China” lässt auf eine vereinfachte Gummimischung schließen. Anfängliches Durchdrehen der Räder und, noch auffälliger, eine eher enttäuschende Bremsleistung untermauern diesen Eindruck. Der Bremsweg aus 100 km/h lag bei knapp über 38 Metern, verglichen mit gut 35 Metern beim Tiguan bzw. Kodiaq auf Continental- beziehungsweise Pirelli-Reifen. Ein Reifenwechsel wäre unsere wichtigste Empfehlung.

Erfreulich ist hingegen, dass das ABS einwandfrei funktioniert und das Bremsen unter normalen Fahrbedingungen natürlich und vorhersehbar wirkt. Das Bremspedal spricht gut an, mit einem nahezu linearen Verhältnis zwischen Pedaldruck und Verzögerung.
Lenkung und Fahrverhalten: Wo sich der Tayron vom Tiguan unterscheidet
Was jeden Volkswagen zu einem Vergnügen beim Fahren macht, ist eine gut abgestimmte Lenkung, und der Tayron enttäuscht hier nicht: ansprechend, präzise und frei von unnötiger Ruppigkeit. Das Lenkrad vermittelt klar, was die Vorderräder und das Auto als Ganzes gerade tun.


Im Alltag entspricht das Fahrverhalten dem Maßstab der Crossover-Klasse. Fährt man jedoch nahe an die Grenze, fehlt dem Tayron die für den Tiguan typische Verspieltheit. Während ein Tiguan Bergstraßen auch mit kontrolliertem Schlupf schnell und knackig meistern kann, selbst bei voll aktivierter Stabilitätskontrolle, verliert der Tayron stattdessen über die Lenkung an Schwung. Ein scharfer Lenkeinschlag nahe der Kurvengrenze bremst spürbar die Geschwindigkeit, und ein simulierter Spurwechsel führte zu einem unerwarteten Ausbrechen samt abrupter Bremsung. Anstatt sanft ein einzelnes Rad abzubremsen, greift das Stabilitätssystem gleich an zwei oder drei Rädern ein und reduziert die Geschwindigkeit um bis zur Hälfte.

Das Fahrwerk hält keine Überraschungen bereit: angenehme Dämpfung über Asphaltwellen bei insgesamt durchschnittlichem, für das Segment typischem Komfortniveau. Vibrationen sind über Nähte und Fugen spürbar, und auf holprigen, unebenen Feldwegen sollte man es – wie bei jedem Tiguan – nicht eilig haben.

Preis und Ausstattungslinien des Volkswagen Tayron
- Tayron 280 TSI (150 PS, Frontantrieb): ab 3,6 Millionen Rubel
- Tayron 330 TSI (186 PS, Frontantrieb, wie getestet): ab über 4 Millionen Rubel
- Tayron 380 TSI (220 PS, Allradantrieb): über 5 Millionen Rubel
Fazit: Ist der Volkswagen Tayron ein würdiger Tiguan-Ersatz?
Insgesamt behauptet sich der Volkswagen Tayron als wirklich würdiger Ersatz für den Tiguan – er bietet mehr Innenraum und Kofferraumvolumen, das vertraute Fahrverhalten von Volkswagen, ein gut ausgestattetes Cockpit sowie ein vollständig englischsprachiges Infotainmentsystem mit kabellosem Apple CarPlay. Seine Schwächen sind gering: wenig überzeugendes Kunstleder, ein paar fehlende Komfortoptionen, mittelmäßige Werksreifen und ein etwas weniger verspieltes Fahrverhalten am Limit. Für Käufer, die die Praxistauglichkeit des Tiguan mit zusätzlichem Platzangebot suchen, ist er eine überzeugende Wahl.

Herstellerangaben sind blau hervorgehoben/Autoreview-Messungen sind schwarz hervorgehoben. Maße in Millimetern.
*Tatsächliches Fahrzeuggewicht ohne Fahrer, mit vollem Tank und allen Betriebsflüssigkeiten
**Innenbreite auf Schulterhöhe in der ersten/zweiten Sitzreihe.
Volkswagen Tayron 330 TSI: Vollständige technische Daten
- Karosserieform: Fünftüriger Kombi
- Sitze: 5
- Kofferraumvolumen: 506-1.590 l (bei umgeklappter zweiter Sitzreihe)
- Leergewicht: 1.730 kg
- Motor: Benzin, Direkteinspritzung, Turboaufladung
- Motoreinbaulage: Vorne, quer
- Zylinder: 4, in Reihe
- Hubraum: 1.984 cm³
- Ventile: 16
- Max. Leistung: 186 PS / 137 kW bei 4.100-6.000 U/min
- Max. Drehmoment: 320 Nm bei 1.500-4.050 U/min
- Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG)
- Antrieb: Frontantrieb
- Vorderradaufhängung: Einzelradaufhängung, Federbein, McPherson
- Hinterradaufhängung: Einzelradaufhängung, Feder, Mehrlenker
- Bremsen vorne: Belüftete Scheiben
- Bremsen hinten: Scheiben
- Reifen: 235/55 R18
- Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h (Herstellerangabe)
- 0-100 km/h: 8,7 s (Herstellerangabe)
- Kraftstoffverbrauch: 9,3 l/100 km (innerorts) / 6,2 l/100 km (außerorts) / 7,3 l/100 km (kombiniert)
- Tankvolumen: 63 l
- Kraftstoffart: Benzin, Super (95 Oktan)
Foto: Dmitry Pitersky
Dies ist eine Übersetzung, den Originalartikel finden Sie hier: Тигуанозамещение: наши испытания кроссовера Volkswagen Tayron
Veröffentlicht September 27, 2023 • 11 m zum Lesen