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Sollers SF1 als Kleinbus im Test: Familien-Minivan oder Nutzfahrzeug?

Sollers SF1 als Kleinbus im Test: Familien-Minivan oder Nutzfahrzeug?

Ist der Sollers SF1 ein praktischer Familien-Van oder ein Arbeitsfahrzeug mit ein paar zusätzlichen Sitzen? Um das herauszufinden, waren wir mehrere Tage mit der siebensitzigen Personenversion unterwegs, haben ihre Beschleunigung gemessen und uns Verarbeitungsqualität, Innenraum und Fahreindruck genau angesehen.

Der aufgeladene 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner ist identisch mit dem Motor des Crossovers Moskvich 3, ist hier aber längs eingebaut und neu abgestimmt. Sollers plant, die Montage dieser Motoren in Russland noch vor Jahresende aufzunehmen, und das Moskauer Autowerk könnte einer der Abnehmer dieser vor Ort montierten Motoren werden.

Was ist der Sollers SF1? Ein JAC Refine M3 in Lizenz

Der Sollers SF1 ist eine Lizenzversion des chinesischen JAC Refine M3, eines Vans, der seit 2014 auf dem Markt ist und mehrmals überarbeitet wurde. In China gibt es den Refine M3 in zahlreichen Varianten:

  • Zwei Karosserielängen
  • Vier Antriebe: ein Saugbenziner, ein Turbobenziner, ein serieller Hybrid und eine vollelektrische Version
  • Mehrere Ausstattungslinien

Den Sollers SF1 gibt es nur als Van mit langem Radstand und mit einem einzigen Antrieb: einem 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbomotor mit Schaltgetriebe. Käufer haben die Wahl zwischen drei Karosserievarianten:

  • Kastenwagen – eine reine Lastenversion mit geschlossenem Blechaufbau
  • Kombi – zwei Sitzreihen plus Laderaum
  • Personen-Minivan – sieben Sitze (die von uns getestete Version)
Das Dach ist aus drei Teilen zusammengeschweißt. Zwei Quernähte im hinteren Teil der Karosserie zeigen, dass das Dach aus mehreren Stücken besteht. Der Grund: Das chinesische Originalmodell gibt es auch mit kurzem Radstand, und der Hersteller hat darauf verzichtet, in ein eigenes, großes Presswerkzeug für die lange Version zu investieren.

Produktion und Korrosionsschutz

Der SF1 wird im ehemaligen Ford-Werk in Jelabuga gebaut. Das Werk verfügt über einen vollständigen Produktionszyklus einschließlich Schweißen und Lackieren der Karosserien.

Ein Punkt verdient Beachtung: Die Karosserie ist nicht verzinkt. Unser Schichtdickenmessgerät bestätigte, dass der SF1 allein auf eine kathodische Tauchlackierung setzt, bei der die Karosserie in ein Bad getaucht wird. Das bietet einen Grundschutz gegen Korrosion, doch Käufer in Regionen mit rauem Klima sollten das bedenken.

Pkw-Status: Weniger Einschränkungen im Straßenverkehr

Offiziell ist die Personenversion des Sollers SF1 als Pkw der Bauart Kombilimousine zugelassen und nicht als Nutzfahrzeug. In der Praxis bringt das echte Vorteile:

  • Keine Verkehrsbeschränkungen, wie sie für Lkw gelten
  • Eine Gesamthöhe von nur 1.900 mm, ähnlich wie bei manchen SUVs mit Leiterrahmen
  • Zufahrt zu den meisten Parkhäusern und automatischen Waschanlagen
Die hinteren Blattfedern bestehen aus vier Lagen und sind beim Kastenwagen und beim Minivan identisch. Die tatsächliche Bodenfreiheit beträgt 183 mm unter dem Hinterachsgehäuse und 184 mm unter dem Kunststoff-Motorschutz.

Fahrwerk und Aufhängung: Wurzeln im Nutzfahrzeugbau

Die Karosserie ist selbsttragend, das Fahrwerk aber entspricht einer typischen Transporter-Konstruktion:

  • Vorderachse: Doppelquerlenker
  • Hinterachse: eine Starrachse an Blattfedern
  • Antrieb: Hinterradantrieb
  • Reifen: Kama Trace mit der Kennzeichnung „C“ (Commercial), die einen verstärkten Aufbau haben

Wegen dieser robusten Reifen beträgt der empfohlene Luftdruck 4,5 bar (etwa 65 psi) – für einen Pkw sehr viel.

Platzangebot: Raum für alle

Die Nutzfahrzeug-Herkunft des SF1 ist auch im Passagierbereich zu erkennen, doch beim Platzangebot ist sie überwiegend ein Vorteil:

  • Passagiere bis etwa 1,9 m Körpergröße sitzen bequem, sowohl auf den beiden Einzelsitzen der zweiten Reihe als auch auf der Bank der dritten Reihe
  • Der Boden ist völlig eben
  • In jeder Reihe gibt es reichlich Kopf-, Knie- und Fußraum
  • Selbst wenn alle sieben Plätze besetzt sind, bleibt hinter der dritten Reihe ein großzügiger Gepäckraum für Taschen und Koffer
Die Sitze der zweiten Reihe haben klappbare Armlehnen, einen begrenzten Verstellbereich nach vorn und hinten sowie Isofix-Halterungen. Eine Sitzheizung hinten gibt es nicht.

Variabilität der Sitze: Der Schwachpunkt

Bei der Variabilität der Sitze schneidet der SF1 schwächer ab als ein echter Familien-Minivan:

  • Die geteilte Rückenlehne der dritten Reihe lässt sich umklappen, hinterlässt aber eine 400 mm hohe Stufe im Ladeboden
  • Die Rückenlehnen der zweiten Reihe lassen sich nur neigen
  • Alles andere lässt sich ohne Werkzeug nicht verändern

Um mehr Laderaum zu schaffen, muss man zum Schraubenschlüssel greifen und die zweite und dritte Reihe vom Boden abschrauben. Für eine Familie, die regelmäßig zwischen Personen- und Lastentransport wechselt, ist das ein echter Nachteil.

Türen, Fenster und Klimatisierung

Einige weitere Einschränkungen werden deutlich, sobald man den SF1 im Alltag nutzt:

  • Keine Schiebetür links, nicht einmal gegen Aufpreis
  • Elektrische oder manuelle Fensterheber nur in den Vordertüren
  • Die hinteren Seitenfenster lassen sich ein Stück nach außen ausstellen, aber nur, um Luft aus dem Innenraum zu lassen
  • Eine Dacheinheit mit zusätzlichen Luftdüsen und eigenem Gebläse bläst Luft in den hinteren Teil des Innenraums

Bei unserem Test im Frühherbst kam die serienmäßige Heizung und Lüftung unter dem Armaturenbrett allein gut mit der Innenraumtemperatur zurecht.

Hier steht der Sitz in seiner vordersten Position, daher ist der Zugang zur dritten Reihe schwierig. Die hintersten Plätze erreicht man besser über den Mittelgang.

Innenraumgestaltung und Sitzposition

Das Armaturenbrett ist einfach, aber nicht völlig karg, und es gibt sogar ein paar Details in Chromoptik. Allerdings verkratzen die harten Kunststoffe leicht. Unser Tester hinterließ mit seiner Armbanduhr eine lange Spur auf einer Türverkleidung, obwohl er sie nur leicht berührte.

Die Sitzposition hat einige klare Schwächen, vor allem für größere Fahrer:

  • Die Längsverstellung des Sitzes ist begrenzt. Der Bereich reichte gerade so, aber nur mit ganz nach hinten geschobenem Sitz
  • Es gibt keine Sitzhöhenverstellung
  • Selbst in der höchsten Position liegt das Lenkrad fast auf den Knien des Fahrers
  • Die Oberkante der Frontscheibe liegt tief im Sichtfeld des Fahrers

Auch das Einsteigen ist ungewöhnlich und erfordert etwas Übung. Anders als bei den meisten hohen Fahrzeugen setzt man sich zuerst auf den hohen Sitz und senkt dann den Kopf, um ihn durch die Türöffnung hereinzubringen. Der Sitz selbst ist straff und bietet guten Halt, ist aber nicht besonders bequem.

Alles hier ist einfach, fühlt sich hart an und klingt hohl. Das Lenkrad ist in der Höhe verstellbar, allerdings nur in einem sehr kleinen Bereich.

Ausstattung: Nur das Nötigste

Wer moderne Gadgets sucht, ist beim SF1 an der falschen Adresse. Das bekommen Sie – und das nicht:

  • Zündung mit Schlüssel. Es gibt weder schlüssellosen Zugang noch einen Startknopf
  • Analoge Rundinstrumente statt eines digitalen Kombiinstruments
  • Mechanische Handbremse
  • Lenkrad ohne Tasten
  • Kein Touchscreen
  • Ein einfaches Radio, das zum Nachrichtenhören taugt
  • Eine einzige kleine Ablage unter dem Radio für das Handy – und sonst kein Platz dafür

Das erinnert daran, dass in China immer noch einfache, altmodische Fahrzeuge gebaut werden.

Fahren im Sollers SF1: Schaltgetriebe und Kupplung

Das manuelle Fünfganggetriebe funktioniert gut. Die Gänge lassen sich präzise wechseln, und man verschaltet sich kaum.

Das Kupplungspedal erfordert mehr Übung. Wirksam ist nur das erste Drittel des Pedalwegs, und die Kupplung greift sehr spät, sodass man beim Anfahren leicht zu viel Gas gibt. Nach einem Tag bedient man sie aber ganz automatisch.

Es gibt auch einen nützlichen Vorteil. Beim Einparken oder im zähfließenden Verkehr muss man das Gaspedal gar nicht berühren. Man lässt die Kupplung einfach sanft kommen, und der Van rollt im Leerlauf gleichmäßig an.

Das Kombiinstrument ist einfach, aber sehr informativ. Der Funktionsumfang des Bordcomputers ist begrenzt.

Motorleistung und Beschleunigung von 0–100 km/h

Der 1,5-Liter-Turbomotor leistet 136 PS und 175 Nm Drehmoment. So schlägt er sich auf der Straße:

  • Unter 1.500 U/min: Der Motor wirkt deutlich träge
  • Über 1.500 U/min: Der Motor erreicht sein volles Drehmoment, und der SF1 beschleunigt souverän
  • Übersetzung: Alle fünf Gänge sind sehr kurz, daher schaltet man in der Stadt viel
  • 0–100 km/h: 14,5 Sekunden in unserem Test. Der Van erreichte 100 km/h im dritten Gang, knapp vor dem Drehzahlbegrenzer. Diese Beschleunigungszeit ähnelt der vieler Lada-Modelle
  • Fünfter Gang in der Stadt: Man kann ihn ab 65–70 km/h nutzen, selbst mit Beladung. Wir waren mit vier Passagieren unterwegs, und der Motor kam ohne Mühe zurecht

Auf der Autobahn: Lärm und Ermüdung

Die kurze Übersetzung, die in der Stadt hilft, wird auf der Autobahn zum Nachteil. Wegen der kurzen Achsübersetzung dreht der Motor mit 3.000 U/min bei 100 km/h im fünften Gang.

Zusammen mit der dünnen Geräuschdämmung machen die hohen Drehzahlen lange Autobahnfahrten anstrengend:

  • Lautes Motorgeräusch
  • Windgeräusche
  • Laute Abrollgeräusche der Reifen
  • Ein deutliches Brummen des Antriebsstrangs unter Last

In der Stadt lässt sich der Lärm leichter ertragen. Auf längeren Fahrten erinnert er deutlich daran, dass der SF1 im Grunde ein Nutzfahrzeug ist.

Sollers SF1: Vor- und Nachteile

Vorteile:

  • Viel Platz für sieben Erwachsene, auch für große Passagiere
  • Großer Gepäckraum, selbst wenn alle Plätze besetzt sind
  • Als Pkw zugelassen, ohne Lkw-Beschränkungen
  • Geringe Höhe von 1.900 mm, daher passt er in Parkhäuser und Waschanlagen
  • Präzises Schaltgetriebe und leichtes Fahren bei sehr niedrigem Tempo
  • Einfaches, robustes Fahrwerk in Nutzfahrzeugqualität

Nachteile:

  • Keine Verzinkung der Karosserie
  • Sehr begrenzte Variabilität der Sitze. Zum Ausbauen müssen die Sitze abgeschraubt werden
  • Keine Schiebetür links, und nur die vorderen Fenster lassen sich vollständig öffnen
  • Schlechte Sitzposition für große Fahrer, keine Sitzhöhenverstellung
  • Harte, leicht verkratzende Kunststoffe im Innenraum
  • Der Motor ist bei niedrigen Drehzahlen schwach und dreht auf der Autobahn hoch
  • Schwache Geräuschdämmung
Der Laderaum hinter der dritten Reihe ist ein echter, nutzbarer Raum und nicht nur ein nomineller, auch wenn die einzige Zusatzausstattung darin eine Leuchte ist.

Fazit: Familien-Van oder Nutzfahrzeug?

Der Sollers SF1 als Kleinbus bietet viel Platz für Passagiere und Gepäck, umgeht Lkw-Beschränkungen und ist einfach und robust konstruiert. Seine Hinterachse an Blattfedern, die karge Ausstattung, die begrenzte Variabilität der Sitze und der Lärm auf der Autobahn zeigen jedoch, dass er in erster Linie ein Nutzfahrzeug ist.

Am besten eignet sich der SF1 für Käufer, die viele Personen zu einem vernünftigen Preis befördern müssen, etwa große Familien mit begrenztem Budget, Shuttledienste oder kleine Unternehmen. Wer den Komfort eines Pkw und moderne Ausstattung sucht, sollte zu einem anderen Fahrzeug greifen.

Foto: Igor Vladimirsky
Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel können Sie hier lesen:
Пассажирский Sollers SF1: семейный вэн или комтранс? Наш тест с замерами

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