Der neue Renault Duster mag fast identisch mit den 450.000 Fahrzeugen aussehen, die ihm vorangingen – kaum jemand würde ihm auf der Straße einen zweiten Blick schenken. Doch unter dieser vertrauten Karosserie hat sich dieser Crossover der zweiten Generation so dramatisch weiterentwickelt, dass er mühelos ein neues Markenzeichen tragen könnte. Verschwunden ist der alte Duster – unbequem am Steuer, ungeschickt auf guten Straßen, aber ein Arbeitstier auf schlechten. Seltsamerweise trägt nun der Kaptur diese Eigenschaften. Es ist, als hätte der Geist des ursprünglichen Duster im Körper eines teureren Renault ein neues Zuhause gefunden.
Innenraumkomfort und Verarbeitung: Duster führt das Feld an
Man sagt: „Das Theater beginnt mit der Garderobe” – und bei diesen Crossovern beginnt alles mit der Sitzposition. Der neue Duster setzt sofort einen höheren Maßstab:
- Das Lenkrad lässt sich in alle Richtungen einstellen und sitzt in einem natürlicheren Winkel
- Der Fahrersitz lässt sich tiefer absenken als je zuvor
- Der Sitz selbst schmiegt sich an den Körper, anstatt ihn wegzudrücken
- Der Innenraum ist sorgfältiger verarbeitet, mit harten, aber soliden (nicht hohlen) Kunststoffen im gesamten Fahrzeug
- Stilvolle Details umfassen metallisierte Bedienknöpfe der Klimaanlage und einen Schalthebel mit Stahlkappe, der auch in einem Hot Hatch nicht fehl am Platz wäre
Der Duster der zweiten Generation ist etwas schmaler und niedriger als sein Vorgänger, und der Radstand ist um gerade drei Millimeter gewachsen – doch das Interieur wirkt wirklich geräumig. Eingestellt auf einen Fahrer von 175 cm Körpergröße, bleiben im Fond noch drei Zentimeter Kniespielraum, acht Zentimeter Kopffreiheit und ein erfreulich niedriger Mitteltunnel, von dem der mittlere Rücksitzpassagier profitiert. Der einzige Schwachpunkt: Die Rückenlehne der Rücksitze ist zu aufrecht und ein wenig zu fest.
Renault Kaptur: Mehr Stil, mehr Kompromisse
Der Kaptur hinterlässt mit seiner zweifarbigen Karosserie, den passenden Felgen und den Metallic-Zierleisten einen stärkeren optischen Eindruck. Der Innenraum ist heller, und das Armaturenbrett ist ungewöhnlich gestaltet, dabei aber gut ablesbar – das zentrale Display ist vorteilhaft positioniert, und die längs verstellbare Armlehne ist ein willkommenes gemeinsames Merkmal mit dem Duster.
Der Komfort im Kaptur hat jedoch seine Tücken. Renault hat eine Tiefenverstellung der Lenksäule ergänzt, doch das Lenkrad sitzt noch immer in einem steilen Winkel und zieht den Fahrer näher an sich heran. Das Ergebnis:
- Die Knie sind stärker angewinkelt, wenn man die Pedale betätigt
- Die hohe, geschwungene Rückenlehne drückt den Körper des Fahrers nach vorne
- Lange Fahrten kosten Kraft – Rücken und linkes Bein ermüden schneller
- Rücksitzpassagiere haben weniger Platz: Die Knie berühren den Vordersitz, und die Kopffreiheit schrumpft auf lediglich 5,8–6,4 cm


Motor und Fahrleistungen: Gleiche Leistung, sehr unterschiedliche Ergebnisse
Sowohl der Duster als auch der Kaptur teilen sich einen 150 PS starken 1,33-Liter-Turbomotor, doch ihre Getriebe erzählen sehr unterschiedliche Geschichten.
Der Duster mit Sechsgang-Schaltgetriebe war eine echte Offenbarung. Er ist der schnellste Duster, der je gebaut wurde:
- 0–100 km/h in nur 9,7 Sekunden – eine ganze Sekunde besser als die Werksangabe
- Wirkt sowohl beim Anfahren als auch bei mittleren Geschwindigkeiten, im Stadtverkehr und auf der Autobahn lebhaft
- Die Schaltung ist präzise und leichtgängig – eine andere Welt im Vergleich zum hakenden Getriebe des Vorgängers
Der Kaptur mit CVT bietet eine sanfte und berechenbare Kraftübertragung, bleibt aber in puncto Beschleunigung dahinter:
- 0–100 km/h in 10,7 Sekunden – langsamer als die werksseitig angegebenen 10,4 Sekunden
- Beim aggressiven Anfahren aus dem Stand gibt es ein leichtes Zögern
- Die Traktion ist angenehm und lässt sich unter normalen Fahrbedingungen gut dosieren
Fahrverhalten und Fahrdynamik
Das Fahrverhalten des Duster ist ein großer Fortschritt gegenüber seinem Vorgänger. Die Lenkung vermittelt ein deutliches Straßengefühl, das Fahrzeug hält auch in schnellen Kurven – selbst auf unebenen Strecken – zuverlässig die Spur, und das Fahrwerk reagiert bei Belastung vorhersehbar. Die Bremsen sind kräftig, progressiv und konstant. In jeder Fahrdisziplin ist der Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Duster enorm.
Der Kaptur liegt irgendwo in der Mitte – besser als der alte Duster, aber hinter dem neuen:
- Mehr Wankbewegungen sowohl in Längs- als auch in Querrichtung
- Die Lenkung ist weitgehend vom Straßengefühl abgekoppelt – das Fahren wirkt etwas distanziert
- Die Mittellage des Lenkrads ist unscharf und erfordert bei höheren Geschwindigkeiten ständige kleine Korrekturen
- Die Bremsen funktionieren gut, doch der Pedalweg ist länger als beim Duster

Fahrkomfort: Hier glänzt der Kaptur wirklich
Hier wird das Argument der Wiedergeburt am überzeugendsten. Der Federungskomfort des Kaptur ist außergewöhnlich – wohl nicht nur der beste in seinem Segment, sondern eine oder zwei Klassen darüber:
- Kleinstschlaglöcher und kleine Fahrbahnunebenheiten werden vollständig absorbiert
- Mittelgroße Schlaglöcher werden auf ein kaum wahrnehmbares Hintergrundrauschen reduziert
- Auf aufgeweichten Schotterpisten glitt der Kaptur ohne einen einzigen harten Stoß hindurch
Der Duster hingegen zeigt auf sehr unebenen Untergründen seine Grenzen. Wo der Kaptur dahinfliegt, muss der Duster manchmal bis auf 20 km/h verlangsamen, um ein Aufsetzen des Fahrwerks zu vermeiden. Im normalen Fahralltag verringert sich der Unterschied jedoch erheblich. Der Duster bewältigt Straßenwellen und mittelgroße Schlaglöcher beeindruckend gut – diese Schwäche tritt nur auf wirklich anspruchsvollen Untergründen zutage.
Geländegängigkeit: Duster dominiert nach wie vor
Abseits des Asphalts bleibt der Duster das fähigere Fahrzeug. Wichtige Geländeeigenschaften:
- 210 mm Bodenfreiheit
- Böschungswinkel vorne 31° und hinten 33°
- Zuschaltbarer Allradantrieb mit elektromagnetischer GKN-Hinterachskupplung
- Ein drehmomentstarker Motor mit kurzem ersten Gang, der teilweise einen Untersetzungsgang ersetzt
- Gut kalibrierte Elektronik, die vordere und hintere Differenzialsperren simuliert
Bemerkenswert: Der Kaptur hielt in allen von uns bewältigten Geländeabschnitten mit dem Duster Schritt. Er verfügt über denselben Motor und dasselbe Allradantriebssystem mit Auto-Modus und positiver Kupplungssperre – doch seine Assistenzsysteme reagieren langsamer, die geometrische Bodenfreiheit ist geringer, es gibt keinen serienmäßigen Unterbodenschutz, und das CVT ersetzt das Schaltgetriebe. Weder das Getriebe noch die Kupplung überhitzten beim Test – eine extremere Ausfahrt würde das Gleichgewicht jedoch wohl deutlich zugunsten des Duster verschieben.

Welches Modell sollten Sie kaufen?
Die Nachfrage nach dem neuen Duster ist so hoch, dass Händler Aufpreise verlangen – und Käufer diese bereitwillig zahlen. Diese Begeisterung ist berechtigt. Der Duster der zweiten Generation ist ein ausgewogener, komfortabler und wirklich leistungsfähiger Crossover, der in puncto Verarbeitung, Fahrverhalten und Fahrdynamik einen riesigen Schritt nach vorne gemacht hat. Er spricht nun ein breiteres, jüngeres Publikum an, das das ursprüngliche Modell niemals in Betracht gezogen hätte.
Wer den Duster als zu nüchtern empfindet, bekommt mit dem Kaptur ein hochwertigeres Paket:
- Reichhaltigeres Exterieur-Design mit zweifarbigem Lack und Premium-Felgendesigns
- Ein hochwertigeres Ambiente im Innenraum
- Exklusive Ausstattung: LED-Scheinwerfer, schlüsselloses Zugangssystem, integriertes Navigationssystem und ein Bose-Audiosystem
- Klassenführender Fahrkomfort auf unebenen und unbefestigten Straßen
- Ausreichende Allradleistung für den alltäglichen Geländeeinsatz
Die Kombination aus Turbomotor und CVT des Kaptur funktioniert im Alltag reibungslos und lässt den Fahrer auch auf moderatem Gelände nicht im Stich. Sein herausragender Vorzug bleibt jedoch der Fahrkomfort – so außergewöhnlich, dass er allein schon Grund genug sein könnte, den Kaptur allem anderen in seiner Klasse vorzuziehen.

Dies ist eine Übersetzung. Das Original können Sie hier lesen: https://www.drive.ru/test-drive/renault/60bfc0c7dce2281125f41bc4.html
Veröffentlicht Juni 09, 2022 • 7 m zum Lesen