Bei null Grad Celsius schafft der Mini Cooper SE etwa 140 Kilometer und lädt an einer normalen 220-Volt-Haushaltssteckdose pro Stunde ungefähr 7,5 Kilometer Reichweite nach. Dem steht allerdings ein wichtiger mildernder Umstand gegenüber: Dieses Fahrzeug ist eine Mini-Maus, genauer gesagt ein Dreitürer.
Wie ich an ein Exemplar kam
Meine Jagd nach diesem Auto begann, nachdem ich meinen Kollegen gesagt hatte, ich sei bereit, die Rubrik „Elektrohund“ zu übernehmen und über Elektroautos zu schreiben, die in Russland noch nicht verkauft wurden. Ermutigt von einer ersten Ausfahrt im Peugeot e-208 wandte ich mich an einen italienischen BMW- und Mini-Händler. Mein Plan war, zunächst den Mini Cooper SE für ein paar Tage und danach den BMW iX auszuleihen; beide Modelle sollten im folgenden Frühjahr auf unseren Markt kommen.
Meine Rückkehr war weniger triumphal als erhofft. Die Halbleiterkrise hatte Händler unter dem Druck unzufriedener Kunden und im Kampf ums Überleben dazu gezwungen, selbst ihre Vorführwagen zu verkaufen. Dann erfuhr ich aus Bruchstücken der Firmenkorrespondenz, dass der gewünschte elektrische Mini für zwei Wochen in Moskau ausgeliehen werden konnte und aus Deutschland gebracht worden war.
Also flog ich aus Italien los, um diese Gelegenheit zu nutzen.
Optisch unterscheidet sich der Mini Cooper SE von den übrigen Fahrzeugen mit der F56-Karosserie des Modelljahrs 2013 durch eigene Felgen sowie die weiteren Zieränderungen der aktuellen, bereits überarbeiteten Ausführung.

Ein Pedal und keinerlei Kriechfunktion
Die große Entdeckung auf der Straße war, dass dies das erste erwachsene Elektroauto ist, dem ich begegnet bin und das überhaupt keinen Kriechmodus besitzt — nicht einmal tief in den Benutzereinstellungen versteckt, wo das Lösen des Bremspedals das Auto normalerweise mit 7–8 km/h anrollen lässt. Das Einpedalfahren wird hier konsequent bis zum Ende gedacht, und es ist hervorragend umgesetzt.

Die Rekuperationsbremsung ist kräftig und bringt das Auto so intuitiv und vorhersehbar bis zum vollständigen Stillstand, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben Freude an einem Stau hatte. Ich fuhr vom Südwesten Moskaus bis in den Norden, ohne ein einziges Mal das Bremspedal zu berühren. Vom Mini inspiriert, schaltete ich sogar den Kriechmodus in meinem Tesla Model 3 aus.
Wo Tesla es immer noch besser macht
Ich wünschte, ich hätte das erst nach der Veröffentlichung dieser Zeilen getan — dann hätte der elektrische Mini vielleicht die Chance gehabt, als Sieger hervorzugehen. Im Haltemodus stoppt der Tesla so, als säße ein beim FSO geschulter Profi am Steuer, der im letzten Moment den Bremsdruck verringert, sodass keinerlei Ruck entsteht. Und während ein stehender Mini am Hang lobenswerterweise nicht zurückrollt, kann er nach vorn rollen, wenn man kurz unaufmerksam ist; ich wäre beinahe auf ein Taxi aufgefahren. Der Tesla rollt nicht.

Der adaptive Tempomat und sein Haken
Schaltet man den adaptiven Tempomaten des Mini ein, hält er das Auto auch an einer Steigung zuverlässig fest — allerdings mit einem Haken. Man lernt schnell, dass man nach mehr als drei Sekunden Stillstand im Verkehr den Tempomaten mit der bequem unter dem linken Daumen liegenden Res-Taste wieder aufwecken muss. So soll bestätigt werden, dass der Fahrer weiterhin aufmerksam beteiligt ist und bewusst weiterfahren möchte. Ich halte das für übertriebene Vorsicht; Hände am Lenkrad sollten genügen.
Gefallen hat mir hingegen, dass der Mini im adaptiven Tempomat im Gegensatz zum Tesla sehr gelassen auf Fahrer in der Nachbarspur reagiert, die die Markierung berühren. Der Tesla bremst auf die Geschwindigkeit des hineinragenden Fahrzeugs ab, was nervt und einen manchmal zwingt, die Geschwindigkeit wieder manuell zu übernehmen. Der Mini zuckt nicht einmal. Das Problem ist, dass er mit genau derselben Gleichgültigkeit, beinahe aggressiv, auf ein Auto reagiert, das vollständig vor einem in die eigene Spur gewechselt ist. Gelegentlich entscheidet er, dass es unzumutbar sei, einem langsameren Fahrzeug zu folgen, und beschleunigt plötzlich kräftig, ganz ohne Warnung. Und der Mini — zumindest in dieser Ausstattung — kann weder selbst die Spur wechseln noch sie ordentlich halten.
Ja, natürlich. Ein echtes Fahrerauto.


Beschleunigung und Lenkung
Die Beschleunigung liegt auf dem Niveau eines benzinbetriebenen Mini Cooper S, und um keinen Zweifel an den 7,3 Sekunden auf 100 km/h aufkommen zu lassen, sind die Reaktionen zu Beginn des Pedalwegs besonders scharf abgestimmt. Mir gefällt das.

Das Fahrverhalten, genauer gesagt die Rückmeldung der Lenkung, hat mich nicht beeindruckt. Ich vermute, dass nicht nur die Winterreifen schuld sind, sondern auch die elektrische Unterstützung für die zusätzlichen 235 kg neu abgestimmt wurde. Bei kleinen Lenkwinkeln wird die Lenkung enttäuschend leicht, und auch der Sportmodus hilft nicht. Vergleicht man ihn jedoch eher mit einem nervösen Peugeot e-208 als mit einem Tesla Model 3, vermittelt das Lenkrad — und besonders die Bremse — ein vollständiges Verständnis für das Auto.
Was in der Betriebsanleitung steht
Ich werde nicht im Stil von „grünem Gemüse“ durch die Benutzereinstellungen gehen und die Begeisterten auch nicht einfach auf die Anleitung verweisen. Ich habe sie selbst gelesen — glücklicherweise war sie bereits auf Russisch verfügbar — und musste erkennen, dass ich die Autoblogger zu schnell verspottet hatte. Einige Zitate zu den oben erwähnten Themen.
„Servotronic ist eine geschwindigkeitsabhängige Servolenkung. Bei niedrigen Geschwindigkeiten bleibt die Lenkkraft höher als bei hohen Geschwindigkeiten. Das erleichtert beispielsweise das Einparken und sorgt bei hohem Tempo für ein direkteres Fahrverhalten.“
Dass Übersetzer und Redakteure nicht recht Bescheid wissen, ist noch das kleinere Problem. Aber eine hydraulische Servolenkung! Was sagen Sie dazu, Elon Musk?
Oder die Beschreibung des Sportmodus:
„Funktionsprinzip: stufenweise sportliche Einstellung des Antriebs für größere Wendigkeit während der Fahrt.“
Wie genau? Wechselt das System auf einen anderen Algorithmus für eine aktive Hinterradlenkung? Vergrößert es den maximalen Einschlagwinkel der Vorderräder? Verkürzt es den Radstand?
Und zum adaptiven Tempomaten:
„Arbeitsbereich des Radarsensors. Die Erkennungsfähigkeiten der Kamera sind begrenzt. Daher können Warnungen fehlerhaft oder verspätet erfolgen.“
Geht es nun um die Kamera oder um das Radar? Ein merkwürdiges Buch.
Über Nacht laden: zwölf Stunden
Um halb eins nachts fuhr ich mit 36 % Ladestand in die Tiefgarage. Laut Bordcomputer reichte das noch für 47 Kilometer. Mir stand eine einphasige 220-Volt-Steckdose zur Verfügung, und da diese ausreicht, einen fast drei Tonnen schweren Tesla Model S mit 85-kWh-Batterie einsatzbereit zu halten, müsste der Mini mit seiner T-förmigen 32,6-kWh-Batterie den Morgen eigentlich vollgeladen begrüßen.

Und was für ein praktischer, vielseitiger mobiler Ladeanschluss mitgeliefert wird. Das Kabel zur Steckdose ist nicht fest mit dem Gerät verlötet, sondern per Steckverbinder angeschlossen. Deshalb kann man es in Sekunden gegen ein Kabel mit Stecker für eine stärkere blaue einphasige Steckdose oder für eine rote dreiphasige 380-Volt-Steckdose austauschen. Noch besser: Beim Laden wird nicht nur eine Phase genutzt, sondern alle drei, mit 11 kW. Für eine dreiphasige Wandladestation muss man also kein Geld verschwenden. Man musste nur noch im Menü bestätigen, dass das Auto mit maximaler Geschwindigkeit laden sollte, und…


Was soll dieser Unsinn? Wenn man der Anzeige auf dem matten Kombiinstrument glaubt — und wem sonst sollte man glauben, jedenfalls nicht der Anleitung — werden 100 % und 134 km Reichweite in zwölf Stunden erreicht. Zwölf. Selbst wenn man den „Bierglas-Effekt“ berücksichtigt, bei dem die letzten 20 % der Energie genauso lange brauchen wie die ersten 80 %, und der hier übrigens gar nicht zu erkennen ist, wirkt das abschreckend.

Preis und Urteil
Und nun der letzte Nagel: erwartete Preise von 3,6 bis 4 Millionen Rubel. Für etwas mehr als vier Millionen hätte man aus Deutschland einen fast neuen Tesla Model 3 importieren können — mit zwei Motoren und Autopilot — und diese kleine elektrische Maus, die sich Elektroauto nennt, hätte kaum noch ein Argument gehabt.
Andererseits besitzt der Mini im Gegensatz zum Tesla:
- eine Anzeige im Sichtfeld des Fahrers
- serienmäßige Navigation auf der Kartenplattform Here — BMW ist einer der Miteigentümer — die in Russland funktioniert
- Apple CarPlay und damit zahlreiche Anwendungen




Der Mini Cooper SE hat zudem die Chance, Kultstatus zu erreichen. Er wirkt wie das letzte Elektroauto, das die alte Schule bis an die äußerste Grenze dessen baut, was auf der Plattform und in der Karosserie eines Verbrennerautos möglich ist. Der nächste Mini, die vierte Generation, wurde für 2023 erwartet und dürfte sehr wahrscheinlich in erster Linie als Elektroauto auf einer eigens dafür entwickelten Architektur entstehen; Verbrennerversionen wären dann nur noch nachträgliche Ableitungen.
Auf diesen elektrischen Mini lohnt es sich zu warten.
Nachtrag: Ich habe gerade erfahren, dass der adaptive Tempomat aus der russischen Ausstattungsliste gestrichen wurde. Ich würde vorschlagen, diese lobenswerte Praxis auf die gesamte Mini-SE-Baureihe auszuweiten — angefangen bei der Betriebsanleitung. Das mobile Ladegerät und die Kabel dürfen bleiben. Die würde ich kaufen.

Technische Daten
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Modell | Mini Cooper SE |
| Karosserieform | Dreitüriger Schrägheckwagen |
| Abmessungen (mm) — Länge | 3850 |
| Abmessungen (mm) — Breite | 1727 |
| Abmessungen (mm) — Höhe | 1432 |
| Radstand (mm) | 2495 |
| Bodenfreiheit (mm) | 128 |
| Leergewicht (kg) | 1440 |
| Zulässiges Gesamtgewicht (kg) | 1775 |
| Position des Motors | Quer eingebaut, im vorderen Überhang |
| Maximale Leistung (PS/kW) | 184/135 |
| Maximales Drehmoment (Nm) | 270 |
| Art der Antriebsbatterie | Lithium-Ionen |
| Position der Batterie | T-förmig, unter dem Fahrzeugboden |
| Batteriekapazität (kWh) | 32.6 |
| Maximale Ladeleistung Wechselstrom (kW) | 11 |
| Maximale Ladeleistung Gleichstrom (kW) | 50 |
| Antriebsart | Vorderradantrieb |
| Serienmäßige Reifengröße | 195/55 R16 |
| Höchstgeschwindigkeit (km/h) | 150* |
| Beschleunigung 0—100 km/h (s) | 7.3 |
| Maximale Reichweite (WLTP, km) | 225.3 |
| Energieverbrauch (WLTP, kWh/100 km) | 15.2 |
*Elektronisch begrenzt
Foto: Michail Podoroschanski | Nikita Kolobanow
Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel können Sie hier lesen: Электрический пёс, часть третья: Подорожанский, Mini Cooper SE и адаптивный круиз-контроль
Veröffentlicht Januar 16, 2025 • 9 m zum Lesen