Das Minivan-Segment – jene geräumigen Fünfsitzer-Kombis mit optional ausklappbaren Kofferraumsitzen – ist von den globalen Märkten weitgehend verschwunden. Der Citroën C4 Spacetourer und der Grand C4 Spacetourer gehörten zu den letzten ihrer Art. Die Klasse der Großraumvans, bei denen drei vollwertige Sitzreihen serienmäßig sind, ist jedoch nach wie vor sehr lebendig. In diesem Test stellen wir den chinesischen Neuling GAC GN8 dem Chrysler Pacifica gegenüber – einem Fahrzeug, das bislang noch nicht in unseren Tests vertreten war –, um herauszufinden, welcher Großraumvan Ihr Geld verdient.
Die Kontrahenten im Überblick
Der Chrysler Pacifica ist ein elegant proportioniertes, großes Familienfahrzeug mit einer Länge von 5,2 Metern und wird seit 2016 produziert. Gebrauchte Exemplare mit rund 50.000 Kilometern sind mittlerweile zu attraktiven Preisen weit verbreitet, was den Gebrauchtmarkt zu einem attraktiven Einstiegspunkt macht. Unser Testwagen – zur Verfügung gestellt von der offiziellen Chrysler-Vertretung – war ein Modell aus Juli 2017 mit rund 40.000 Kilometern auf dem Tacho und bot uns damit einen realistischen Einblick in das Gebrauchtwagen-Kauferlebnis.
Der top ausgestattete GAC GN8 GT Premium liegt preislich zwischen einem neuen und einem gebrauchten Pacifica – was diesen Vergleich umso relevanter macht. Trotz seiner eher busähnlichen Silhouette teilt sich der GN8 mit dem Pacifica das 2+2+3-Sitzlayout sowie ähnliche Gesamtabmessungen. Der auffälligste Unterschied: Die Breite des Chrysler übersteigt zwei Meter, was ihm einen deutlichen Vorteil bei der Innenraumgeräumigkeit verschafft.

Innenraum und Komfort: Chrysler Pacifica
Steigt man in den Pacifica ein, wird der schiere Großzügigkeit des Raumangebots sofort deutlich. Jeder der sieben Sitze fühlt sich wirklich menschengerecht dimensioniert an – ganz in bester amerikanischer Tradition. Zu den Highlights des Pacifica-Innenraums zählen:
- Ein breites, dick ummanteltes Lenkrad, das ein hochwertiges, substanzielles Gefühl vermittelt
- Eine Fülle an Ablagefächern, Handschuhfächern und Nischen im gesamten Innenraum
- Durchdacht gestaltete Becherhalter mit Gummi-Halteclips – zu den besten im Segment
- Bildschirme für die Rücksitze, individuelle Klimazonen und Sitzheizung für Passagiere der zweiten Reihe
Allerdings gibt es auch einige Kompromisse. Verschiedene Innenraumelemente erzeugen Knarz- und Klappergeräusche – möglicherweise altersbedingt –, und der Gesamteindruck ist zwar geräumig, aber nicht ohne raue Kanten.

Das Stow’n-Go-System: Der Trumpf des Pacifica
Eines der beeindruckendsten Merkmale des Chrysler Pacifica ist sein Stow’n-Go-Sitzsystem. Der doppellagige Boden verbirgt sowohl die zweite als auch die dritte Sitzreihe vollständig – etwas, das man gesehen haben muss, um es zu glauben. So funktioniert es:
- Die dritte Reihe klappt elektrisch in nur 25 Sekunden zusammen
- Jeder Sitz der zweiten Reihe lässt sich manuell in etwa 10 Sekunden umklappen
- Das Ergebnis: knapp vier Kubikmeter Laderaum mit vollkommen ebenem Boden
Der Kompromiss betrifft jedoch den Passagierkomfort. Alle Sitze sind fester als üblich, um den Klappmechanismus zu ermöglichen. Die geteilten Sitze der zweiten Reihe bieten eine Verstellung des Rückenlehnenwinkels und der Armlehnenhöhe, jedoch keine Längsverschiebung – größere Passagiere werden daher an den Knien Enge spüren. Mit 1,85 Metern Körpergröße verliert auch der Fahrer den größten Teil des Verstellbereichs des Sitzes in Fahrtrichtung, nur um Beinfreiheit für die hintere Reihe zu schaffen.
Interessanterweise ist die dritte Reihe tatsächlich komfortabler als die zweite: Es gibt mehr Beinfreiheit, einen besseren Sitzwinkel und Platz zum Ausstrecken. Der Zugang gestaltet sich jedoch unbequem – man zwängt sich entweder durch eine schmale Lücke bei umgeklappten mittleren Sitzen oder geht durch den Mittelgang der Kabine. Auch die Schiebetüren selbst sind eher schmal. Zu den Merkmalen der dritten Reihe zählen:
- Zwei Sätze von Isofix-Kindersitzverankerungen
- Becherhalter und Lüftungsdüsen
- Ablagefächer über dem Kopf
Der Nachteil: Die Polsterung ist hier am festesten im gesamten Fahrzeug, und die Fahrgeräusche im hinteren Bereich sind spürbar lauter als im übrigen Innenraum.

Innenraum und Komfort: GAC GN8
Der GAC GN8 verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz – er ist darauf ausgelegt, die VIP-Passagiere der zweiten Reihe über alles zu stellen, auf Kosten der universellen Praktikabilität. Die Sitze der zweiten Reihe in der GT-Premium-Ausstattung bieten:
- Ottomane-artige Liegeposition mit Verstellung in alle Richtungen
- Lordosenstütze, Belüftung und Massagefunktionen
- Individuelle Entertainment-Displays mit integriertem Mediaplayer
- Steuerung der Ambientebeleuchtung über die hinteren Bildschirme
Sobald jedoch der Reiz der Massagesitze verflogen ist, werden einige Einschränkungen deutlich. Die Sitze der zweiten Reihe des GN8 eignen sich am besten für Passagiere durchschnittlicher oder geringerer Körpergröße – größere Insassen werden den Platz enger empfinden als erwartet. Die dritte Reihe ist noch stärker eingeschränkt: Sie ist nur über den Mittelgang der Kabine zugänglich, die Bank ist für drei Erwachsene schmal, und das Sitzkissen ist kurz. Zwei Passagiere sitzen bequem, drei werden es eng haben.
Bemerkenswerte Auslassungen beim GN8 im Vergleich zum Pacifica sind unter anderem:
- Keine Fensterrollos oder Klapptische für die hinteren Passagiere
- Nur ein einziger USB-A-Ladeanschluss für die gesamte hintere Kabine
- Keine praktische Flexibilität beim Laderaum – die dritte Reihe klappt nach vorne, lässt sich aber nicht ausbauen
Dieser letzte Punkt ist entscheidend: Der GN8 verfügt für ein fünf Meter langes Fahrzeug praktisch über keine nennenswerte Ladekapazität. Sperrige Gegenstände wie lange Bretter oder große Haushaltsgeräte passen schlicht nicht hinein – etwas, dessen sich die Marke offenbar bewusst ist, da Kofferraumvolumen-Angaben auf den eigenen Produktseiten von GAC auffällig fehlen.

Verarbeitungsqualität, Ergonomie und Fahrerlebnis
Beide Fahrzeuge verfügen über elektrisch betriebene Schiebetüren an den Seiten sowie eine motorisierte Heckklappe, die über Deckentasten oder den Autoschlüssel bedient werden können. Bewegungssensoren an der Heckklappe verhindern ein versehentliches Schließen bei Hindernissen, und der Pacifica ergänzt dies durch Sensoren auch an den seitlichen Schiebetüren. Der GN8 kontert mit einer ausgefeilteren Lösung: Sensoren, die entlang der gesamten Länge der Türdichtungen integriert sind, um Einklemmen zu verhindern.
Was die Qualität der Innenraumverkleidung betrifft, kann sich der GN8 durchaus behaupten – weiche Oberflächen, hochwertiges Leder und gut beschriftete Bedienelemente sind durchgehend vorhanden. Die Hauptausnahme bildet die bedruckte Holzoptik-Verkleidung am Mitteltunnel, die etwas deplatziert wirkt. Der Ein- und Ausstieg ist jedoch aufgrund der ausgeprägteren Türschweller etwas weniger komfortabel; die des Pacifica sind im Vergleich dazu nahezu unmerklich.
Bei der Fahrer-Ergonomie zeigen sich auf beiden Seiten Herausforderungen:
- Pacifica: Das Lenkrad lässt sich nicht weit genug absenken, der rechte Spiegel erfordert aufgrund der breiten Karosserie eine Kopfdrehung von nahezu 90 Grad, und der Drehschalter für die Gangwahl fühlt sich klein und rutschig an. Auch die Navigation durch das Infotainment-Menü ist etwas verwirrend.
- GN8: Die Lenksäule lässt sich in zwei Ebenen verstellen, allerdings mit begrenztem Spielraum. Selbst nach längerer Fahrt braucht es Zeit, eine wirklich komfortable Sitzposition zu finden, und die Anordnung der Tasten am Mitteltunnel ist ähnlich unübersichtlich.

Motor, Getriebe und Fahrdynamik
Unter der Haube verfolgen die beiden Fahrzeuge sehr unterschiedliche Ansätze:
- Chrysler Pacifica: 3,6-Liter-Saugmotor-V6 mit 279 PS, gekoppelt mit einem 9-Gang-Automatikgetriebe
- GAC GN8: 2,0-Liter-Turbo-Vierzylinder mit 190 PS, gekoppelt mit einem 6-Gang-Automatikgetriebe von Aisin
Der V6 des Pacifica klingt beim Start charaktervoll und zieht aus niedrigen Drehzahlen kräftig durch. Der offiziell angegebene Wert für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h liegt bei 8,1 Sekunden, wobei sich das Gefühl von Dynamik bei Autobahngeschwindigkeiten abschwächt. Überholmanöver auf der Autobahn erfordern mehr Planung als erwartet. Das 9-Gang-Getriebe ist das schwächste Glied – schon sanfte Gasstöße bei 80–100 km/h lösen 2–3 Rückschaltungen mit spürbarem Zögern und Ruckeln aus. Es gibt keine Sport- oder manuellen Modi, nur eine „L“-Stellung für steile Gefälle. Positiv schlägt sich die lang übersetzte Gangwahl beim Verbrauch nieder: Unser Bordcomputer zeigte höchstens 12,3 Liter auf 100 Kilometer.
Der Turbomotor des GN8 wirkt im Alltag verfeinerter. Das Ansprechverhalten des Gaspedals ist geschmeidig und linear – leicht verzögert, aber auf vorhersehbare Weise. Das 6-Gang-Getriebe von Aisin schaltet unauffällig und bietet Sport- und Wintermodus, was dem Fahrer eine spürbare Kontrolle über den Charakter des Fahrzeugs gibt. Bei Geschwindigkeiten über 100–120 km/h liegt der GN8 hinter dem Pacifica zurück, doch im Stadt- und Vorstadtverkehr ist er der befriedigendere Antriebsstrang.

Fahrkomfort, Handling und Geräuschpegel
Der Pacifica verhält sich für ein Fahrzeug dieser Größe vorhersehbar. Er fährt sicher geradeaus, mit einem gut zentrierten Lenkrad, das Fahrbahnrillen gut ausgleicht. In Kurven ist die Wankbewegung der Karosserie moderat, und die Linie bleibt bei vernünftigen Geschwindigkeiten stabil. Fährt man forscher, beginnt die Vorderachse frühzeitig zu schieben, und die Lenkung wird ungenau, sobald der seitliche Grip nachlässt. Das Fahrwerk hat einen Mercedes-ähnlichen Charakter – kleine Unebenheiten werden geglättet, größere Bodenwellen spürt man jedoch weiterhin. Auf schlechteren Landstraßen zeigt sich eine leichte Unruhe in der Dämpfung, die möglicherweise mit dem Alter und der Laufleistung unseres Testwagens zusammenhängt. Die herausragende Eigenschaft ist der akustische Komfort: Ein offenbar vorhandenes aktives Geräuschunterdrückungssystem hält den Innenraum bei allen Geschwindigkeiten ruhig, mit nur geringen Windgeräuschen auf der Autobahn.
Das Fahrwerk des GN8 wirkt zielgerichteter für seine Rolle konzipiert. Die Lenkung ist präzise und informativ, mit 3,2 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag (genau wie beim Pacifica), und der Wagen hält seine Linie gut. Größere Fahrbahnunebenheiten werden zunehmend besser abgefedert – das Fahrwerk wird umso besser, je größer die Bodenwellen sind –, wobei kurze, scharfe Unebenheiten auf glatten Straßen mehr Vibrationen übertragen als erwartet. Der Innenraumlärm ist mit dem des Pacifica vergleichbar, mit etwas mehr Windgeräuschen bei Autobahngeschwindigkeit. Die Bodenfreiheit spricht mit 150 mm leicht für den GN8 gegenüber 130 mm beim Pacifica – ein kleiner, aber bedeutsamer Vorteil auf schlecht instand gehaltenen Straßen.
Auch beim Bremsen hat der GN8 einen klaren Vorteil. Die Bremsen des Pacifica fühlen sich schwer und reaktiv an – auf eine Weise, die ständig an sein Leergewicht von über zwei Tonnen erinnert. Die Bremsen des GN8 sind geschmeidiger und feinfühliger dosierbar, was den Alltag am Steuer entspannter macht.
Sicht: Eine gemeinsame Schwäche
Bei beiden Fahrzeugen gibt es erwähnenswerte Sichtprobleme:
- Pacifica: Die A-Säulen sind dick, aber handhabbar; die Seitenspiegel sind jedoch so weit hinten positioniert, dass ein Blick in den rechten Spiegel eine Kopfdrehung von nahezu 90 Grad erfordert – angesichts der breiten Karosserie eine echte Unannehmlichkeit. Ein Totwinkel-Warnsystem hilft, dies auszugleichen.
- GN8: Die Windschutzscheibe ist schmal mit einer ungewöhnlich kleinen Wischfläche, und die A-Säulen sind extrem breit und zur Fahrzeugmitte hin geneigt, was spürbare tote Winkel erzeugt.
Fazit: Welchen Großraumvan sollten Sie kaufen?
Sowohl der Chrysler Pacifica als auch der GAC GN8 sind für sich genommen gut konstruierte Fahrzeuge – sie erfüllen jedoch deutlich unterschiedliche Bedürfnisse.
Entscheiden Sie sich für den Chrysler Pacifica, wenn Sie Folgendes möchten:
- Maximale Vielseitigkeit – das Stow’n-Go-System ist für den Ladebetrieb wirklich beeindruckend
- Einen wirklich großen Innenraum, der sieben Erwachsenen mit angemessenem Komfort Platz bietet
- Einen etablierten Namen mit einem gesunden Gebrauchtwagenmarkt
- Ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis auf dem drei Jahre alten Gebrauchtwagenmarkt
Entscheiden Sie sich für den GAC GN8, wenn Sie Folgendes möchten:
- Ein hochwertiges VIP-Erlebnis für die Passagiere der zweiten Reihe mit Massage, Ottomane und individuellen Bildschirmen
- Ein insgesamt verfeinertes und harmonisches Fahrerlebnis
- Sanftere Bremsen und einen im Stadtverkehr intuitiveren Antriebsstrang
- Moderne Technikmerkmale wie kabelloses Laden und Steuerung der Ambientebeleuchtung
Der Passagierkomfort ist nicht die größte Stärke des Pacifica – feste, unnachgiebige Sitze und eine begrenzte Verstellbarkeit halten ihn zurück –, doch seine schiere Vielseitigkeit und die Innenraumqualität machen ihn als Gebrauchtwagen zu einem hervorragenden Preis-Leistungs-Angebot. Der GAC GN8 wiederum ist eine wirklich beeindruckende Leistung einer chinesischen Marke: minimale Schwachstellen, ein leistungsfähiges Fahrwerk und ein luxuriöses hinteres Abteil. Seine Einschränkungen – ein eingeschränkter Kofferraum, eine schmale dritte Reihe und eine VIP-Bestuhlung, die wirklich nur für Passagiere durchschnittlicher Körpergröße geeignet ist – werden ihn für große Familien ausschließen. Und für all jene, denen er zusagt, bleibt die Frage: Werden sie über einen unbekannten Markennamen hinwegsehen für alles, was der GN8 zu bieten hat?
Dies ist eine Übersetzung. Das Original können Sie hier lesen: https://www.drive.ru/test-drive/chrysler/gac/5f476c38ec05c48a72000097.html
Veröffentlicht September 15, 2022 • 11 m zum Lesen