Die Wahl zwischen dem Mercedes-Benz GLA und dem GLB ist schwieriger, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Beide sind kompakte Crossover, beide tragen dasselbe 250-4Matic-Allradantrieb-Emblem und beide bewegen sich in einer ähnlichen Preisklasse – dennoch bieten sie hinter dem Steuer spürbar unterschiedliche Erfahrungen. Wir haben beide Modelle ausgiebig getestet und liefern Ihnen den ehrlichen, direkten Vergleich, den Mercedes Ihnen nicht geben wird.

Für wen ist dieser Mercedes? Das Argument für die Markentreue
Es wird immer Käufer geben, die einen Mercedes wollen – und zwar Schluss. Keinen Audi Q3, keinen BMW X1, nicht einmal einen Volvo XC40. Für alle, die dem Kompakt-Crossover-Segment mit dem Drei-Zacken-Stern treu bleiben, lautet die eigentliche Frage heute nicht: Welche Marke? – sondern: Welches Modell? Und die Antwort ist alles andere als offensichtlich.
Der GLA ist ein sportlicher Crossover im Schrägheck-Stil, der auf Einzelkäufer abzielt, die Fahrdynamik und Stil in den Vordergrund stellen. Der GLB ist eine höhere, kombiähnliche Alternative, die sich stärker an Praktikabilität und Passagierkapazität orientiert. Gleicher Antrieb, unterschiedliche Philosophie.
GLA vs. GLB: Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
Bevor wir ins Detail gehen, hier ein schneller Überblick darüber, wie die beiden Modelle in den für Käufer wichtigsten Kategorien abschneiden:
- Karosserieform: Der GLA ist ein Crossover im Schrägheck-Stil; der GLB hat eine höhere Kombi-/SUV-Form
- Sitzplätze: Der GLA bietet fünf Sitzplätze; der GLB kann optional sieben Plätze bieten (dritte Sitzreihe wird selten bestellt)
- Kofferraumvolumen: Der GLB bietet einen geräumigeren Kofferraum sowie eine in Längsrichtung verstellbare Rückbank
- Fahrcharakter: Der GLA ist fahrerorientierter; der GLB ist auf Komfort und den Alltag ausgelegt
- Kabinenbreite: Identisch – drei Personen nebeneinander auf der Rückbank ist in beiden Modellen gleich beengt
- Preis: Bei ähnlicher Ausstattung in etwa vergleichbar
- Verfügbarkeit: Der GLA 250 ist ab Lager problemlos erhältlich; der GLB 250 wurde aufgrund geringer Nachfrage in einigen Märkten aus dem Angebot genommen (Dieselversionen bleiben weiterhin beliebt)
Innenraumqualität: Premium-Anspruch vs. Budget-Realität
Steigt man in einen der beiden Crossover ein, ist die Anmutung vertraut – und das ist so gewollt. Mercedes verwendet einheitliche Komponenten über mehrere Modellreihen hinweg, und das Premium-Gefühl kommt größtenteils von gemeinsamen Teilen, die von größeren und teureren Modellen übernommen wurden: Lenkrad, Klimabedienfeld, das MBUX-Multimediasystem und die Belüftungsdüsen entsprechen alle der erwarteten Qualität. Die Teile, die spezifisch für die GLA/GLB-Familie sind, erzählen jedoch eine andere Geschichte – überwiegend Hartplastik ohne besondere Note.
Die Sitze haben sich erheblich verbessert. Die alte Kritik an flachen, wenig stützenden Mercedes-Sitzen gilt hier nicht mehr. Sowohl der GLA als auch der GLB bieten nun echten Seitenhalt für Oberkörper und Hüften. Der GLA-Sitz hat eine festere Polsterung und stärker ausgeformte Lordosenwangen und ist mit einem Reibvlies-Stoff verkleidet, der Wildleder imitiert. Der GLB-Sitz gibt etwas mehr nach, was manche auf längeren Fahrten bevorzugen werden.
Ein anhaltender Ärger: Die Fahrertür beider Fahrzeuge erfordert einen kräftigen, gezielten Schlag, um richtig zu schließen. Das ist bei Mercedes nichts Neues, und es bleibt in dieser Preisklasse eine nicht entschuldbare Eigenheit. Abgesehen davon sorgt das kompaktere Innenraumkonzept des GLA für eine bessere Abdichtung beim Schließen – er hält einfach mehr Außengeräusche fern.

Motor und Getriebe: Dieselbe Einheit, unterschiedliche Charaktere
Beide Crossover verwenden denselben 2,0-Liter-Turbovierzylinder mit 224 PS, gekoppelt an ein Acht-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG-ähnlich) und 4Matic-Allradantrieb. Auf dem Papier sind sie identisch. In der Praxis sind sie unterschiedlich genug abgestimmt, um einen echten Unterschied zu machen.
GLA 250 4Matic – Fahrleistungs-Highlights:
- Leergewicht ca. 1.601 kg
- 0–100 km/h in 7,1 Sekunden (gemessen mit Racelogic)
- Das Getriebe schaltet aggressiver, mit spürbaren Rucklern zwischen den Gangwechseln bei starker Beschleunigung
- Der Individual-Fahrmodus ermöglicht echte manuelle Getriebesteuerung
- Der Motor ist hörbarer – leichte Vibrationen im Leerlauf, ein spürbares Summen unter Last und etwas Auspuffrasseln bei niedrigen Drehzahlen
- Im Sportmodus hält der Motor die Drehzahl zwischen 2.500–3.000 U/min, bevor er sich näher an 4.000–5.000 U/min einpendelt
GLB 250 4Matic – Fahrleistungs-Highlights:
- Rund 70 kg schwerer als der GLA
- 0–100 km/h einige Zehntelsekunden langsamer aufgrund des Mehrgewichts
- Das Gasansprechverhalten ist weicher und Hochschaltvorgänge kaum wahrnehmbar – das Getriebe fühlt sich wie eine völlig andere Abstimmung an
- Kein Individual-Fahrmodus; Schaltwippen sind vorhanden, aber das Fahrzeug schaltet stets selbsttätig hoch, auch im manuellen Modus
- Die Motorlaufkultur ist spürbar besser – weit weniger störend beim Cruisen und im Leerlauf
Das Doppelkupplungsgetriebe teilt eine Schwäche in beiden Fahrzeugen: Es stockt, wenn man kurz nach dem Gaswegnehmen wieder Gas gibt. Im Komfortmodus imitiert es ein klassisches Automatikgetriebe, aber diese weichen Pausen beim Warten auf den Ladedruck können träge wirken. Der Kickdown im Sportmodus löst ebenfalls eine kurze Verzögerung aus, bevor das Getriebe ein oder zwei Gänge zurückschaltet und der Turbolader aufheult.

Fahrverhalten und Fahrdynamik: Wo der GLA die Nase vorn hat
Beide Crossover sind unter normalen Bedingungen überraschend dankbar zu fahren – mehr als ihre Premium-Lifestyle-Positionierung vermuten lässt. Sie reagieren schnell auf Lenkeingaben, halten ihre Linie in Kurven zuverlässig und wirken bei höheren Geschwindigkeiten nicht nervös. Für einen kompakten Mercedes-SUV ist das ein echtes Lob.
Der GLA Sport, ausgestattet mit einem kürzeren Lenkungsübersetzungsverhältnis und 19-Zoll-Continental-PremiumContact-6-SSR-Reifen, ist die klare Fahrerwahl. Die Lenkung baut ausgehend von der Mittellage natürlich auf, nimmt mit zunehmendem Einschlag vorhersehbar zu und filtert Fahrbahngeräusche heraus, vermittelt dabei aber dennoch ein bedeutungsvolles Fahrbahnfeedback. Das erinnert an die besseren Volkswagen-Setups – Golf-GTI-Mk6-Territorium –, was für einen SUV ein hohes Lob ist.
Der GLB lenkt ausreichend, aber ohne Esprit. Die Mittelpunktposition fehlt die knackige Rückmeldung des GLA, und auf unebenen Oberflächen überträgt sich ein leichtes Zittern vom Lenkradkranz durch ungefederte Massen – wahrscheinlich eine Folge der flexibleren Karosseriestruktur. Der längere Radstand und die weichere Abstimmung machen ihn im täglichen Pendelverkehr beherrschbarer und berechenbarer, aber weniger ansprechend für alle, die wirklich Freude am Fahren haben.
Ein Bereich, in dem beide Fahrzeuge Schwächen zeigen: Ausweichmanöver in Notsituationen. Das ESP-System greift früh und aggressiv ein, wenn Wankbewegungen erkannt werden, und sendet einen korrigierenden Bremsimpuls an das äußere Vorderrad. Anstatt dem Fahrer zu erlauben, das Hindernis zu umlenken, übernimmt die Elektronik, und das Fahrzeug schiebt mit eingelenkten Rädern weiter, während es gegen die eigene Federung kämpft. Der GLA ist bei diesen Eingriffen anfälliger für diagonale Karosserieschaukelbewegungen; der GLB neigt sich stärker, erholt sich aber am Limit dank seiner breiteren Bridgestone-Alenza-001-Bereifung (235/55 R18) mit besser vorhersehbarem Verhalten.

Fahrkomfort und Geräusche: Der GLB ist sanfter, aber nicht leise
Wenn Fahrkomfort Ihre Priorität ist, liegt der GLB vorn – aber keines der Fahrzeuge ist das, was man als üppig komfortabel bezeichnen würde. Beide fahren auf Notlaufreifen mit straffen, auf Handling ausgelegten Fahrwerksabstimmungen, und beide werden Sie an jedem Schlagloch und jeder Dehnungsfuge auf schlechter Straße erinnern. Die Unterschiede sind real, aber moderat.
GLA – Fahrkomfort und Geräuschcharakteristik:
- Straffere, sportlichere Federung mit geringeren Karosseriebewegungen
- Niedrigquerschnittige 19-Zoll-Reifen erzeugen ab ca. 70 km/h erhebliches Reifengeräusch – dominant gegenüber allen anderen Geräuschquellen
- Bodenschwellen bei ca. 30 km/h verursachen harte, unangenehme Stöße im Innenraum
- Bessere Abschirmung gegen äußere Geräusche dank festerer und steiferer Karosseriestruktur
GLB – Fahrkomfort und Geräuschcharakteristik:
- Insgesamt weicher, komfortabler auf unebenen Stadtstraßen und über Bodenschwellen
- Kein einzelnes dominantes Reifengeräusch – eine breitere Mischung von Geräuschen ist hörbar, einschließlich Karosserieresonanzen und Polterlärm von beiden Achsen
- Bodenschwellen-Grenzwert ähnlich – bei ca. 30 km/h treten starke Karosseriestöße auf
- Beim Überfahren von Hindernissen unter Bremsung sind die Stöße von der Intensität her etwas weicher, klingen aber lauter und beunruhigender
- Bei ca. 2.200 km Laufleistung waren bereits cricketartige Innenraumknarzer aufgetreten – ein Zeichen einer weniger sorgfältig zusammengebauten Karosserie
Der Gesamteindruck des GLB-Fahrwerks ist der eines bewusst abgesofteten Fahrzeugs – wie eine leicht unscharf gestellte Version des GLA. Die Geräusche sind vielfältiger, die Karosseriebewegungen größer und die Reaktionen etwas unbestimmter. Ob das ein Manko oder ein Vorteil ist, hängt vollständig davon ab, was man sucht.

Bremsen und Stabilität: Sicher in der Geradeausfahrt
Die Bremsen beider Fahrzeuge vermitteln im Alltag Vertrauen. Das Pedal spricht kurz und mäßig sensibel an – leicht zu dosieren im Stadtverkehr und reaktionsschnell unter festem Druck. Bei Bremsungen aus höheren Geschwindigkeiten ist die Hauptsorge nicht die Bremskraft, sondern die Geradlaufstabilität: Der kürzere Radstand des GLA macht ihn beim harten Bremsen auf einer Fahrbahn mit Querneigung anfälliger für Gieren.

Technologie und Konnektivität: MBUX enttäuscht bei der iPhone-Integration
Beide Crossover verfügen über das MBUX-Infotainmentsystem, das auf dem Papier und in der Ausstattungsliste beeindruckend wirkt. Im realen Alltag hat es einen anhaltenden Fehler, den man ansprechen muss: Die iPhone-Integration ist inkonsistent. Selbst bei Kabelverbindung erkennt das System gelegentlich zuvor gekoppelte Geräte nicht. Für Käufer, die auf CarPlay als tägliche Notwendigkeit angewiesen sind, ist das eine deutliche Frustration.
Multimedia, Klimasteuerung und Lenkrad werden mit größeren Mercedes-Modellen geteilt und tragen deren erwartete Qualität. Das sind die Highlights. Der Rest der Bedienoberfläche – insbesondere die für diese Modellfamilie spezifischen Bedienelemente – wirkt weniger ausgereift.
Fazit: GLA oder GLB – Welcher Mercedes-Kompakt-Crossover ist der Richtige für Sie?

Trotz gemeinsamer Plattform und identischer Antriebsstränge sind GLA und GLB wirklich unterschiedliche Fahrzeuge für unterschiedliche Käufer. Hier ist ein einfacher Weg, es zu betrachten:
- Wählen Sie den GLA 250 4Matic, wenn Sie ein stärker fahrerorientiertes Erlebnis möchten, eine sportlichere Silhouette bevorzugen, Lenkgefühl und Fahrverhalten priorisieren und mit einem strafferen, lauteren Fahrkomfort leben können.
- Wählen Sie den GLB 250 4Matic, wenn Sie mehr Platz auf der Rückbank benötigen, regelmäßig Passagiere befördern, einen entspannteren Fahralltag schätzen und die höheren Kombiverhältnisse bevorzugen.
- Ziehen Sie den GLB Diesel in Betracht, wenn Sie viele Kilometer fahren – das ist die Version, die die meisten Käufer tatsächlich wählen, und sein nüchternerer Charakter passt besser zum Kombi-Konzept.
Beide Fahrzeuge liefern etwas Seltenes in ihrer Klasse: echten Charakter. Sie sind engagierter zu fahren, als ihre Lifestyle-Verpackung vermuten lässt, und ehrlicher über ihre Schwächen als es das Marketing von Mercedes üblicherweise ist. Der GLA ist das Fahrzeug, das wirklich lebendig wirkt; der GLB ist das Fahrzeug, das den Alltag erleichtert. Keiner von beiden wird Sie in Verlegenheit bringen – und als erster Mercedes ist jeder eine solide Wahl.
Schwerer zu ignorieren ist der breitere Wandel, der sich durch die gesamte Mercedes-Baureihe zieht. Hartplastik, Montageungenauigkeiten, durchschnittliche Fahrwerksverfeinerung – das sind keine vereinzelten Kritikpunkte mehr. Sie werden zur neuen Norm. Vielleicht ist es an der Zeit, die Erwartungen neu zu kalibrieren: Wenn kompakte Modelle wie GLA und GLB nun die Richtung von Mercedes von der Einstiegsebene aufwärts vorgeben, dann könnten das, was wir einst als Kompromisse betrachteten, schlicht der neue Standard sein. Und gemessen an diesen Maßstäben übertreffen beide Crossover die Erwartungen deutlich.
Dies ist eine Übersetzung. Das Original können Sie hier lesen: https://www.drive.ru/test-drive/mercedes/5fa17586ec05c4b402000140.html
Veröffentlicht Juli 21, 2022 • 10 m zum Lesen