Der dritte Teil meiner Tesla-Erkundung war schon vor langer Zeit geschrieben. Doch die vorherigen Beiträge (Teil 1, Teil 2) brachten mich zum Nachdenken: Bin ich wirklich von meinem Elektroauto begeistert, oder rede ich mir seine Vorzüge nur ein? Deshalb habe ich den Tesla in den vergangenen zwei Monaten deutlich kritischer betrachtet — nicht mehr als neuartiges technisches Spielzeug, sondern als ganz normales Auto. Das hat mich dazu gebracht, meine gesamte Einschätzung neu zu schreiben.
Ein zweiter Blick auf das Auto selbst
Bei einer kritischen Betrachtung meines Tesla ging ich einmal rundherum und sah ihn mir aus jedem Winkel genau an. Es ist nicht die Art von Auto, nach der man sich beim Weggehen jedes Mal noch einmal umdreht. Im Vergleich zu Konkurrenten, die wegen ihrer schweren Batterien oft etwas unförmig wirken, besitzt das Tesla Model 3 jedoch recht ausgewogene Proportionen. Es ist kein ausgesprochener Blickfang, wirkt aber durchaus ordentlich, besonders mit dem optionalen Spoiler aus Kohlefaser, der etwas mehr Charakter verleiht. Das überarbeitete Model 3 sieht deutlich markanter aus.


Innen: ein Bildschirm, ein Lenkrad und zwei Hebel
Der Innenraum beeindruckt mich aus mehreren Gründen, vor allem aber wegen seines konsequenten Minimalismus. Ein Bildschirm, ein Lenkrad und zwei Hebel — mehr ist kaum vorhanden. Alles wirkt sauber, hell und luftig. Das Raumgefühl im Tesla ist bemerkenswert und entsteht nicht nur durch den Verzicht auf ein Meer aus Tasten und Schaltern, sondern auch durch das Panoramadach, das viel Licht hereinlässt. Die weißen Sitze verstärken diesen Effekt zusätzlich — über ihre Alltagstauglichkeit sprechen wir später.

Sitzbezüge vor und nach der chemischen Reinigung: der Unterschied ist deutlich!
Wenn der erste Überraschungseffekt verflogen ist, entspricht das Platzangebot im Tesla ungefähr dem meines früheren BMW 320d der Baureihe F30. Auch die Sitzposition ist ähnlich angenehm — niedrig und recht aufrecht.


Ergonomie: clevere Ideen und fragwürdige Entscheidungen
Insgesamt verbindet das Tesla Model 3 sehr clevere mit durchaus fragwürdigen ergonomischen Lösungen. Die Kameras in den vorderen Kotflügeln etwa sind hervorragend. Dank einer gut abgestimmten Aerodynamik bleiben sie sauber, und sie dienen nicht nur dem Autopiloten: Beim Betätigen des Blinkers schalten sie sich ein und bleiben bis zum Abschluss des Spurwechsels aktiv, sodass kaum ein toter Winkel bleibt. Aus Gewohnheit prüfe ich trotzdem weiterhin sowohl den Zentralbildschirm mit den Kamerabildern als auch die Spiegel. Der zentrale Bildschirm dient als Steuerzentrale mit sehr guter Grafik, schneller Reaktion und einer Vielzahl von Funktionen — von technischen Daten bis zu Netflix und einfachen Spielen.



Die Scheibenwischerbedienung ist dagegen schlecht gelöst. Einmal wischen? Knopf am Ende des linken Hebels antippen. Scheibenwaschanlage? Fester drücken. Für den Wechsel der Betriebsart muss man durch ein Bildschirmmenü, auch wenn neuere Aktualisierungen inzwischen einige Einstellungen über die Rändelräder am Lenkrad erlauben. Nichts ist jedoch so praktisch wie ein einfacher Hebel, besonders während der Fahrt, wenn nach der Gischt eines vorbeifahrenden Lastwagens die Scheibe sofort frei werden muss. Es gibt auch einen Automatikbetrieb, doch der arbeitet unzuverlässig — mal ignoriert er starken Regen, mal wischt er hektisch über eine trockene Scheibe.

Türgriffe und zwei Kofferräume
Zu den weiteren Ärgernissen gehören die bündig versenkten Türgriffe — besonders im Winter erklärt sich ihre Unpraktikabilität von selbst. Zum Glück funktionieren sie mechanisch, und ein kräftiger Druck reicht meist aus.

Die Kofferraumdeckel vervollständigen meine Liste der Kritikpunkte. Der Tesla hat zwei Kofferräume. Der vordere bekommt im Winter schnell eine Schnee- und Eiskruste, die ihn praktisch unbrauchbar macht; auch das ist eine Folge der Aerodynamik, und selbst hohes Tempo beseitigt den Schnee nicht. Beim hinteren Kofferraum fällt dagegen der gesamte angesammelte Schnee beim Öffnen direkt in den Gepäckraum — vermutlich ein übersehener Nebeneffekt der aerodynamischen Optimierung und alles andere als praktisch.


Die Kofferräume selbst lassen sich recht gut nutzen. Vorn finden wichtige Dinge wie Ladekabel und Scheibenwaschflüssigkeit Platz, außerdem reicht der Raum etwa für einen Rucksack. Hinten kommen größere Gepäckstücke unter, und der geräumige Stauraum unter dem Boden verdient wegen seiner praktischen Nutzbarkeit besondere Erwähnung.


Was dem Auto fehlt
Bei der weiteren Bewertung meines Tesla Model 3 fehlen mir einige Komfortmerkmale, insbesondere eine beheizte Windschutzscheibe und ein beheiztes Lenkrad, die in der kalifornischen Ausführung nicht vorgesehen sind. Auch die nur durchschnittliche Geräuschdämmung könnte man kritisieren, obwohl sie mich nie besonders gestört hat. Ansonsten bietet das Model 3 mehr als genug Komfort: sehr gute Parksensoren und Kameras, bequeme Sitze, viel Stauraum zwischen den Vordersitzen, keinen Mitteltunnel zum Übersteigen und gute Rundumsicht.
Warum jeder Mangel größer wirkt, als er ist
Vielleicht fällt auf, dass ich die Schwächen stärker betone als die Vorteile. Der Grund ist einfach: Einen Tesla zu besitzen ist ein wenig wie ein iPhone zu besitzen. Nichts wirkt unbedingt spektakulär, aber fast alles ist so gestaltet, dass es möglichst intuitiv und bequem funktioniert. Vor diesem Hintergrund erscheint jeder kleine Mangel deutlich gravierender, als er tatsächlich ist.
Und wie fährt er nun wirklich?
Hier überzeugt Tesla ohne Zweifel. Das Auto reagiert jederzeit und unter allen Bedingungen ausgezeichnet. Die Beschleunigung eines Elektroautos macht zunächst großen Spaß, besonders wenn man mit einer Familienlimousine Sportwagen hinter sich lassen kann. Nach ein paar Wochen lässt dieser Reiz jedoch nach. Was bleibt, ist die aktive Sicherheit: Man kann sich leicht in den Verkehr einfädeln oder einer Kollision ausweichen. Innerhalb legaler Geschwindigkeiten erledigt der Tesla alles mühelos.
Fahrverhalten? Ebenfalls eine Stärke. Das kleine, direkt übersetzte Dreispeichenlenkrad liefert klare Rückmeldung, und die Gewichtsverteilung ist hervorragend. Eigentlich sind alle Zutaten für gutes Fahren vorhanden. Es gibt jedoch einen erheblichen Haken: das Gewicht. Ich mochte schon immer kompakte, leichte Autos und halte den Mazda MX-5 für nahezu perfekt. Die 1,8 Tonnen des Tesla sind deutlich spürbar.
Stellen Sie sich einen Ballettabend vor. Sie sitzen im Publikum und sehen grazile Tänzerinnen scheinbar mühelos über die Bühne gleiten. Weil Sie eigentlich lieber Fernsehkomödien mögen, schlafen Sie im zweiten Akt ein. Als Sie wieder aufwachen, ist das Ballett vorbei und ein kräftiger Hausmeister fegt unbeholfen die Bühne. In diesem Bild ist der Mazda MX-5 die Ballerina — und das Tesla Model 3 der schwerfällige Hausmeister.

Gewicht, Federungskomfort und Bremsen
Ein Tesla fährt sich manchmal, als würde man ein schweres Bügeleisen über ein Brett schieben — eine Folge des sehr niedrigen Schwerpunkts durch die Batterie im Fahrzeugboden. Diese Konstruktion bringt mehrere Vorteile, die klassische Benzinliebhaber — Entschuldigung, Michail Iossifowitsch — jedoch nicht unbedingt schätzen. Die Kehrseite von wenig Wanken und straffer Federung ist ein Mangel an Geschmeidigkeit. Auf guten Straßen fährt der Tesla hervorragend, doch schlechter Belag offenbart die Steifigkeit, und die 19-Zoll-Räder mit Niederquerschnittsreifen helfen nicht.
Auch die Bremsen überzeugen mich nicht vollständig. Trotz Rekuperation, die die Radbremsen unterstützen soll, wirkt die Verzögerung unzureichend. Das Model 3 steht aus 100 km/h nach 46 Metern — ganze zehn Meter später als ein BMW F30. Der Unterschied ist erheblich.
Am Ende muss man akzeptieren, dass gute Fahrleistungen und eine direkte Lenkung noch keinen Fahrspaß garantieren. Die Freude kommt an anderer Stelle, etwa durch die hervorragende Stabilität des Allradantriebs auf rutschigem Untergrund. Wo Hinterradantrieb präzises Handling verlangt, kann man im Tesla einfach selbstbewusst beschleunigen.

Fahren mit nur einem Pedal — und was es verlangt
Das Auto ermöglicht außerdem das Fahren mit nur einem Pedal. Möglich wird das durch die Rekuperation, die Bewegungsenergie des Fahrzeugs in elektrische Energie umwandelt. Die Batterie wird dadurch zwar nicht stark nachgeladen, doch das Auto verzögert ausreichend, um diese Fahrweise zu ermöglichen. Man gewöhnt sich schnell daran, den Fuß einfach vom Fahrpedal zu nehmen, um deutlich langsamer zu werden, und benutzt das Bremspedal nur noch selten.
Das bringt eigene Schwierigkeiten mit sich. Bremsscheiben können wegen der seltenen Nutzung rosten, besonders im Stadtverkehr — Tesla hat deshalb einen Betriebsmodus eingeführt, der die Scheiben regelmäßig leicht belastet und oberflächlichen Rost entfernt.
Die Gewöhnung an die Rekuperation verlangt außerdem ein Umlernen bei bestimmten Fahrsituationen, etwa beim Annähern an Bremsschwellen oder in engen Kurven. Sobald man den Fuß vom Fahrpedal nimmt, verzögert das Auto und belastet die Vorderräder stärker. Dadurch können Unebenheiten und Schlaglöcher härter wirken als bei einem herkömmlichen Fahrzeug.
Der Autopilot — soweit er reicht
Trotz dieser Eigenheiten bleibt die Faszination der Tesla-Technik, etwa der teilautonomen Fahrfunktionen, groß. Das volle Potenzial des Autopiloten ist wegen aktueller Einschränkungen der Navigation noch nicht nutzbar, doch Grundfunktionen wie adaptiver Tempomat und Spurhalteassistent erhöhen den Komfort auf Autobahnen deutlich. Gelegentlich hält das Auto eine Steigung für ein Hindernis und bremst unerwartet ab, insgesamt verbessern diese Funktionen das Fahrerlebnis jedoch.

Hat es sich gelohnt?
Unterm Strich hat sich der Besitz eines Tesla für mich als pragmatische Entscheidung erwiesen. Er erfüllt meine Anforderungen an ein Familienauto wirtschaftlich und effizient, ohne die emotionale Bindung, die man häufig mit Autofahren verbindet. Es ist eine rationale, wenn auch etwas leidenschaftslose Beziehung zu einem Auto, das genau das liefert, was es verspricht: effiziente, praktische Fortbewegung, die gelegentlich mit ihren Fähigkeiten überrascht. Sollten sich die Rahmenbedingungen ändern, etwa durch Gebühren für bisherige Vorteile von Elektroautos, könnte meine pragmatische Loyalität schwanken — vielleicht zugunsten aufregenderer, wenn auch weniger effizienter Alternativen. Wie immer wird das Leben zeigen, wohin es geht.
Foto: Nikita Sitnikow
Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel können Sie hier lesen: Tesla für den Benzinliebhaber. Teil drei: Wozu das alles?
Veröffentlicht August 08, 2024 • 10 m zum Lesen