Die Mercedes-Sattelzugmaschine Actros L wurde mit neuer Optik vorgestellt: Die Front ist nun wie aus einem Guss gestaltet, ohne klar abgegrenzten Kühlergrill, und der Stoßfänger trägt seitliche „Schnurrbärte“ mit LED-Matrixscheinwerfern. Mercedes erprobt den elektrischen eActros 600 bereits seit mehreren Monaten, und es gab Gerüchte, seine Frontgestaltung sei nur eine Attrappe, die eine andere Konstruktion verberge. Nun zeigt sich: Das Design ist echt und wird nicht nur bei elektrischen Actros-Versionen, sondern auch bei Dieselfahrzeugen eingesetzt. Offenbar haben die jüngsten weltweiten Ereignisse Mercedes dazu gebracht, seine Ambitionen etwas zu zügeln, auch wenn der Traum vom umweltfreundlicheren Transport noch nicht ganz aufgegeben wurde.

Motoren, Achsen und die neue ProCabin
Die Dieselmodelle verwenden Mercedes-Reihensechszylinder nach Euro 6 mit bis zu 620 PS, darunter den besonders sparsamen OM471 der dritten Generation mit bis zu 520 PS. Als Getriebe dient das bekannte automatisierte Mercedes PowerShift. Angeboten werden die Achsformeln 4×2 und 6×2 in drei Varianten — mit mit nicht angetriebener gelenkter Mittelachse, mit fester nicht angetriebener Nachlaufachse hinten oder mit Nachlaufachse und Zwillingsbereifung — sowie 6×4.



Die neu gestaltete ProCabin wurde zur Verbesserung der Aerodynamik um 80 mm verlängert und wird ausschließlich mit ebenem Boden sowie in drei Höhen angeboten: Stream mit 197 cm Innenhöhe, Big mit 199 cm und Giga mit 213 cm. Zu den Neuerungen gehören zwei Kühlschränke unter der Liege. Die 15 cm dicke „Premium“-Matratze, die geschlossene Front und das beim Öffnen der Tür im Dunkeln auf die Fahrbahn projizierte Logo erinnern an die chinesische Sattelzugmaschine Dongfeng GX, über die wir demnächst berichten werden.




Sicherheitssysteme und zwei Actros-Baureihen
Die Sicherheitssysteme erfüllen die im Juli in Kraft tretenden EU-Vorgaben: Sechs Radarsensoren und eine Frontkamera decken einen Winkel von 270 Grad ab. Der aktive Bremsassistent der sechsten Generation reagiert wirkungsvoller auf Fußgänger und Radfahrer und überwacht mehrere Fahrspuren bis zu 250 Meter voraus. Der aktive Seitenwächter der zweiten Generation warnt vor Gefahren seitlich des Lastwagens und kann bis 30 km/h automatisch bremsen, während der Frontschutzassistent verhindert, dass der Fahrer beim Rangieren auf Hindernisse auffährt.
Der Innenraum mit Kameraspiegeln und Bildschirm bleibt unverändert, doch bis zum Frühjahr 2025 erhält der Lastwagen ein „Multimedia-Cockpit“ mit Sprachsteuerung. Die Produktion beginnt im Dezember, parallel werden weiterhin herkömmliche Actros gebaut. Damit ist Mercedes nach Volvo der zweite europäische Hersteller, der zwei Lkw-Baureihen anbietet — eine mit klassischen und eine mit neuartigen Fahrerhäusern.

Sotschi erneuert seine Busflotte
Die Busflotte von Sotschi wird erneuert: Alte Fahrzeuge, darunter ukrainische Bogdan-Kleinbusse auf Isuzu-Fahrgestell, werden durch MAZ-Busse ersetzt. In Minsk gebaute Busse sind in der Stadt nichts Neues — vor den Olympischen Spielen 2014 wurden 200 halb-niederflurige MAZ-103 geliefert.

MAZ-303
In Autoreview Nr. 10 von 2021 berichteten wir über die Erprobung des fortschrittlichen MAZ-303 in Sotschi. Er ist mit einem Mercedes-Dieselmotor und einem ZF-Automatikgetriebe ausgestattet und beeindruckte mich sowohl als Fahrgast als auch als Fahrer. Übrigens fahren zwei solcher MAZ-303, noch aus der Zeit vor den Sanktionen, seit mehreren Jahren auf Linien in Sankt Petersburg, darunter Wagen Nr. 001.

MAZ-203

In Sotschi entschied man sich jedoch für traditionellere Busse der 200er-Reihe, allerdings mit Gasantrieb. Sie sehen „wie die Moskauer“ aus: blau lackiert und mit ähnlichen Frontmasken sowie kleinen runden Scheinwerfern versehen. Insgesamt werden 140 Busse geliefert — 119 große MAZ-203 und 21 kürzere MAZ-206. Die kurzen Fahrzeuge erhalten chinesische Komponenten, einen Weichai-Gasmotor und ein Fast-Gear-Getriebe, während die großen MAZ mit Mercedes-Motoren und Allison-Automatikgetrieben ausgerüstet werden, vermutlich dank Parallelimporten. Die Sanktionen haben sie nicht aufgehalten! Gazprom hat außerdem zwei neue Tankstellen für komprimiertes Erdgas eröffnet.

MAZ-206


Bogdan A092
Verkäufe im ersten Quartal
Die Verkaufszahlen für Nutzfahrzeuge in den ersten drei Monaten dieses Jahres liegen vor: Laut ASM Holding wachsen die Märkte weiter.
Leichte Lastwagen
Den stärksten Zuwachs mit 41,8 % beziehungsweise 22.668 Fahrzeugen verzeichnet der Markt für leichte Lastwagen. Unangefochtener Marktführer ist GAZ mit fast 60 % beziehungsweise 13.277 Fahrzeugen, darunter 7.819 Gazelle Next, 1.803 Gazelle Business, 531 Sobol NN und 238 Gazelle NN. Konkurrent Sollers verkaufte lediglich 1.873 Fahrzeuge — 1.449 Atlant und 424 Argo —, UAZ setzte 1.190 Profi ab. Elektrofahrzeuge tun sich in diesem Segment schwer: In drei Monaten wurden nur fünf zugelassen, darunter eine Gazelle und ein EVM auf Basis des UAZ Profi.
Busse und Elektrobusse
Die Auslieferungen von Elektrobussen sind dagegen stark gestiegen: Während im ersten Quartal des Vorjahres kein einziger Elektrobus zugelassen wurde, waren es im gleichen Zeitraum dieses Jahres 299 — 189 KAMAZ, 77 LiAZ, 22 Volgabus und 11 belarussische BKM. Der gesamte Busmarkt wuchs um 24,1 % auf 5.323 Fahrzeuge, wobei PAZ mit Modellen wie 3205, Vector Next und 4234 seinen traditionellen Spitzenplatz behauptet.

Schwere Lastwagen
Auch der Lkw-Markt wuchs auf 29.784 Fahrzeuge, ein Plus von 11 %, wobei inzwischen 55 % des Marktes auf chinesische Hersteller entfallen. An der Spitze liegt Sitrak mit 5.991 Fahrzeugen, +47,5 %, darunter 4.312 beliebte C7H-Sattelzugmaschinen, gefolgt von KAMAZ mit 5.038 Fahrzeugen, 25,6 % weniger. Nach eigenen Angaben verkaufte KAMAZ im ersten Quartal auf dem russischen Markt allerdings deutlich mehr Lkw, nämlich 8.488, +1,5 %; möglicherweise sind darin Fahrzeuge für Sonderstrukturen enthalten. Auch die Produktion der neuen KAMAZ-K5-Generation steigt: In den ersten drei Monaten 2023 wurden 427 Fahrzeuge gebaut, im gleichen Zeitraum dieses Jahres bereits 1.618.

Auch die weiteren Plätze unter den ersten fünf belegen chinesische Marken: Shacman mit 3.673 Fahrzeugen, +0,4 %, FAW mit 2.888, +21,9 %, und Dongfeng mit 1.745, ein Zuwachs von 603,6 %. Unter den übrigen Modellen sind die Sattelzugmaschinen Valdai 45 bemerkenswert — in Nischni Nowgorod gebaute Foton Auman — von denen bislang nur 21 verkauft wurden, während der chinesische Auman auf 633 Stück kommt. Auch die Verkäufe von Mercedes-Actros-Sattelzugmaschinen sind deutlich gestiegen, auf 817 Stück, offenbar durch Modelle aus China. KAMAZ steigert allmählich den Absatz mittelschwerer und leichter Lkw auf Basis von JAC-Modellen: verkauft wurden 342 Compass 9, 326 Compass 12 und 232 leichte Compass 5.

Foto: Hersteller | Fjodor Lapschin
Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel können Sie hier lesen: Lkw-Sektor im Überblick: neuer Mercedes Actros, Verkaufsstatistik und mehr
Veröffentlicht April 10, 2025 • 6 m zum Lesen