Die neue BMW 1er-Reihe hat es nie auf unseren Markt geschafft. Die Limousine bleibt China und Mexiko vorbehalten. Da der Kompaktvan Active Tourer eingestellt wurde, ist der BMW 2er Gran Coupé nun das einzige Pkw-Modell, das neben der Mini-Familie auf der UKL2-Frontantriebsplattform aufbaut. Diese 4,5 Meter lange Limousine mit rahmenlosen Türen startet zu einem überraschend zugänglichen Preis. Wir haben die Basisversion 218i Online Edition getestet – ohne Sonderausstattung, ohne Aufpreis – und damit den derzeit günstigsten BMW-Pkw, den man kaufen kann.
Exterieur: Scharfe Optik zum kleinen Preis
Das Gran Coupé wirkt nicht nach Einstiegsklasse, selbst mit den serienmäßigen 17-Zoll-Rädern. Die Spaltmaße sind eng, und unter dem hinteren Stoßfänger sitzt ein echtes Auspuffendrohr – ein Detail, das zählt. BMWs kantiges, polarisierendes Design ist Geschmackssache, und das extrem kurze, abfallende Heck in Kombination mit der hoch aufragenden, geschwungenen Motorhaube lenkt den Blick direkt auf die Vorderachse – passend, denn genau dorthin fließt die Kraft.
Antrieb: Dreizylinder-Turbo mit Siebengang-Getriebe
Unter der Haube arbeitet ein quer eingebauter 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbomotor mit 140 PS, gekoppelt an ein automatisiertes Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Die wichtigsten Leistungsdaten im Überblick:
- Bis zu 230 Nm Drehmoment im Overboost-Modus (ab dem dritten Gang)
- Ausreichende Zugkraft im Stadtverkehr, wirkt aber auf der Autobahn angestrengt
- Kaltstarts gehen mit spürbaren Vibrationen und Zittern einher
- Das Start-Stopp-System sorgt beim Wiederanlassen für einen halbsekündigen Ruckler
- Im Leerlauf und bei konstanter Fahrt verschwindet die Dreizylinder-Unwucht weitgehend
Die Gasannahme ist präzise und berechenbar, mit nur leichtem Zögern beim Anfahren aus dem Stand. Der Motorklang hat überraschend viel Charakter – ein tiefes Brummen auf dem Parkplatz und ein souveränes Growlen bei höherem Tempo.
Innenraumqualität und Ergonomie

Der Einstieg in den Vordersitz fällt größeren Fahrern etwas schwer – die B-Säule sitzt weiter vorn als erwartet. Ist man erst einmal platziert, fühlt sich die seitliche Sitzführung sofort vertraut an für alle, die schon einmal BMW gefahren sind. Bemerkenswerte Innenraumdetails:
- Elektrische Sitzkissenverstellung an der Rückseite der Vordersitze – eine echte Überraschung für diese Preisklasse
- Feste Lordosenstütze mit nur begrenzter Verstellbarkeit
- Klassisches BMW-Lenkrad, bodenscharniertes Gaspedal und ungegatetes Gangwahlschalter
- Klassisches analoges Kombiinstrument hinter dunklem Glas – ein Highlight im Zeitalter der Bildschirme
- Weicher, angenehmer Kunststoff sogar an den hinteren Türverkleidungen
Ein paar Details erinnern daran, dass dies die Einstiegsstufe der BMW-Palette ist. Die Textur rund um das Kombiinstrument zeigt ein eher generisches Rautenmuster, die Zierleisten wirken mittelklassig, und der Startknopf ist bündig in die Mittelkonsole eingelassen – allein durch Tasten schwer zu finden. Die Klimabedienung nutzt kleine silberne Tasten, die sich im Kunststofffinish leicht von der umliegenden Verkleidung unterscheiden.
Fahrdynamik: Ehrliches Frontantriebsverhalten
Die Lenkung ist leichtgängiger als typisch für BMW, was das Rangieren bei niedrigem Tempo jedoch entspannter macht – 2,75 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag. Die Reaktionen sind präzise und direkt, die Wankneigung minimal, und der Antriebseinfluss auf die Lenkung beim Beschleunigen ist gut beherrscht. Es gibt jedoch einige Kompromisse:
- Straßenwölbung und Straßenbahnschienen führen zu spürbaren Abweichungen von der gewünschten Linie
- Die Hinterachse wirkt auf unebenem Untergrund in der Kurve unruhig
- Die Vorderreifen quietschen bereits früh in engeren Kurven
- Auf nasser Fahrbahn schiebt die Vorderachse bei überschrittenem Grip nach außen – klassisches Untersteuern
- Die passive Mehrlenker-Hinterachslenkung wird erst bei hohem Tempo in langgezogenen Kurven wirksam
Im Alltag verhält sich das Gran Coupé wie ein Frontantriebsfahrzeug – weil es genau das ist. Fahrer, die das klassische Heckantriebs-BMW-Gefühl schätzen, sollten sich das 2er Coupé ansehen, das weiterhin heckangetrieben erhältlich ist, allerdings zu einem höheren Preis.

Fahrkomfort: Ein gemischtes Bild
Selbst für ruhige Fahrer bleibt der Komfort des Gran Coupé uneinheitlich. Die passiven Dämpfer bewältigen Bodenwellen recht gut, tun sich aber anderswo schwer:
- Reifenlärm ist im Stadttempo deutlich präsent und lässt erst oberhalb von etwa 130–145 km/h nach
- Hochfrequente Vibrationen sind am Lenkradkranz spürbar
- Kurze, scharfe Unebenheiten werden direkt in die Kabine übertragen
- Schlaglöcher und Fahrbahnübergänge werden mit einem harten, mitunter unangenehmen Schlag quittiert
Diese fehlende Stimmigkeit im Fahrwerkscharakter fiel uns bereits beim 8er Gran Coupé auf. Ob es sich um eine bewusste Abstimmungsentscheidung oder eine Einschränkung der Plattform handelt – das Fahrerlebnis wirkt dadurch leicht in sich widersprüchlich.
Praxistauglichkeit: Grenzen einer kompakten Limousine

Die schlanke Silhouette des Gran Coupé fordert im Fond und im Kofferraum ihren Tribut. Der Platz für Fondpassagiere ist wirklich knapp bemessen:
- Der Einstieg nach hinten ist unbequem – wenig Abstand zwischen Türsäule und Sitzkante
- Die Kopffreiheit ist begrenzt; größere Passagiere spüren die abfallende Dachlinie
- Die Kniefreiheit ist für überdurchschnittlich große Personen knapp
- Das Kofferraumvolumen wird mit 430 Litern angegeben, doch diese Zahl schließt das Unterbodenfach mit ein
- Die tatsächlich nutzbare Tiefe zwischen Kofferraumboden und Ladekante ist spürbar gering
- Der Kofferraumboden ist nicht höhenverstellbar
- Ein Reserverad ist nicht vorhanden
Positiv hervorzuheben ist, dass die Rücksitzlehne serienmäßig im Verhältnis 40:20:40 geteilt ist – eine wirklich nützliche Konfiguration, die keinen Aufpreis kostet.
Fazit: Für wen ist der BMW 218i Gran Coupé wirklich gedacht?
Der BMW 218i Gran Coupé ist kein Auto für Fahrenthusiasten, und er gibt auch nicht vor, einer zu sein. Käufer, die Heckantriebsdynamik, ein scharfes Fahrverhalten oder den klassischen BMW-Charakter suchen, sollten sich anderweitig umsehen. Doch für alle, die das Markenemblem, die Ästhetik der rahmenlosen Türen und ein markantes Design zu einem wettbewerbsfähigen Einstiegspreis wollen, macht das 218i Gran Coupé eine gute Figur.
Die nächste Stufe – eine BMW 3er-Basisversion – ist deutlich teurer und bietet ein weicheres, leiseres, ausgereifteres Erlebnis. Die auf dem chinesischen Markt erhältlichen 1er- und 2er-Limousinen liefern vermutlich einen stimmigeren Gesamtcharakter. Doch in Märkten, in denen diese Modelle nicht verkauft werden, ist das 218i Gran Coupé der zugänglichste Weg in einen BMW-Showroom – und blamiert die Marke dabei nicht.
Dies ist eine Übersetzung. Das Original können Sie hier lesen: https://www.drive.ru/test-drive/bmw/5eeb30e1ec05c4f53500018e.html
Veröffentlicht Dezember 01, 2022 • 6 m zum Lesen