Der Markt der B-Segment-Limousinen erlebt dieses Jahr einen echten Umbruch, da seine Bestseller mit frischen Updates aufwarten. Wir haben zwei der meisterwarteten überarbeiteten Modelle direkt gegeneinander antreten lassen: die Hyundai Solaris Limousine und den Skoda Rapid Liftback. Der Solaris gibt uns einen Vorgeschmack darauf, was seinen Plattform-Bruder Kia Rio erwartet, während der Rapid einen Ausblick auf den stark vereinheitlichten Polo der nächsten Generation gibt. Beide Testwagen waren mit 1,6-Liter-Saugmotoren und Sechsgang-Automatikgetrieben ausgestattet, und ihre Preise liegen in einer ähnlichen Kategorie — das macht diesen Vergleich zu einem wirklich fairen Duell.
Ausstattungslinien und getestete Konfigurationen
Um das Beste aus beiden Facelifts herauszuholen, haben wir für beide Autos die jeweils höchste verfügbare Ausstattungslinie gewählt:
- Hyundai Solaris Prosafety — eine spezielle Top-Version mit erweiterten Sicherheits- und Komfortmerkmalen
- Skoda Rapid Style — die Spitzenausstattung, ergänzt um eine Reihe optionaler Extras
Es sei angemerkt, dass ein Großteil der Zusatzausstattung bei beiden Autos auch für mittlere Ausstattungslinien verfügbar ist. Skoda bietet eine breitere und flexiblere Optionsliste, während Hyundai dazu neigt, Funktionen in feste Pakete mit weniger Einzelwahlmöglichkeiten zu bündeln.
Außendesign: Beide wirken schärfer
Beide Autos haben ein merklich aggressiveres, zeitgemäßeres Frontdesign erhalten, wobei schärfere LED-Scheinwerfer nun Teil der visuellen Identität sind. Die wichtigsten Unterschiede in der Umsetzung:
- Der Solaris wirkt von vorne markanter, dank seines auffälligen Stoßfängerdesigns und des unverwechselbaren 3D-Kühlergrills, der das Kennzeichen integriert. Das Heck ist dagegen kaum vom Vorfacelift-Modell zu unterscheiden.
- Der Rapid hat am Heck sichtbarere Fortschritte gemacht — die Rückleuchten reichen jetzt bis zur Kofferraumklappe und verleihen ihm einen merklich sauberen und moderneren Look.
- LED-Scheinwerfer sind beim Rapid serienmäßig; beim Solaris bleiben sie der Prosafety-Ausstattung vorbehalten.
- LED-Rückleuchten gehören bei Skoda ebenfalls zur Grundausstattung, während Hyundai sie erneut nur der Topversion vorbehält.

Innenraumqualität und Komfort
Steigt man ein, verfolgen die beiden Autos merklich unterschiedliche Ansätze bei Komfort und Materialqualität.
Der Innenraum des Rapid wirkt insgesamt hochwertiger, besonders in der Style-Ausstattung mit ihrem silbernen Einsatz auf der Beifahrerseite. Moderne Designakzente haben dem Cockpit tatsächlich einen frischeren Eindruck verliehen. Allerdings dominiert Hartplastik fast jede Oberfläche außer den Armlehnen, und die Sitze haben sich ergonomisch nicht verbessert — der Lendenwirbelbereich bleibt unverstellbar. Die Sitzposition ist etwas beengt: Trotz der vorhandenen Verstellmöglichkeiten sitzt das Lenkrad näher an den Pedalen als beim Hyundai, und das war schon immer so.
Auch der Innenraum des Solaris hat sich verbessert. Zu den Highlights gehören:
- Kunstlederpolsterung — wirkt hochwertig, sorgt aber bei längeren Fahrten für einen schweißnassen Rücken
- Elektrisch verstellbare Lendenwirbelstütze — bereits ab der Basisausstattung verfügbar und auf längeren Fahrten wirklich nützlich, trotz des härteren, flacheren Sitzpolsters
- Elektromechanisch einklappbare Außenspiegel
- Fernstart des Motors mit Memory-Funktion für alle Heizelemente — wird nicht durch Blinker bestätigt und funktioniert nur in den Topausstattungen mit Keyless-Entry
- Ein verbesserter Dachhimmel, der den des Rapid übertrifft
Ein Kritikpunkt: Bei den Luftausströmern des Solaris strömt selbst in „geschlossener” Stellung noch Luft durch. Ein kleiner, aber hartnäckiger Ärgernis.
Infotainment und Technik
Beide Autos erhalten aktualisierte Multimediasysteme, doch bei der Alltagstauglichkeit gibt es einen klaren Sieger.
Der Solaris bekommt ein acht Zoll großes Mediendisplay, das in der Realität weniger aufdringlich wirkt als auf Fotos. Zudem verfügt er über ein eingebautes Navigationssystem — im Segment ein Novum neben dem Rapid. Die Umsetzung hat jedoch Schwächen:
- Der Touchscreen benötigt merklich mehr Druck, um Eingaben zu registrieren
- Das Navigationssystem arbeitet unzuverlässig — ein Tippen auf das Symbol führt oft zu gar keiner Reaktion oder zu einer Fehlermeldung
Das optionale Mediensystem des Rapid bietet bessere Grafik, ein durchdachteres Interface-Design und eine deutlich schnellere Touch-Reaktion. Der einzige Nachteil ist eine gelegentlich instabile Bluetooth-Verbindung.
Beim Lenkrad besitzt der neue Zweispeichen-Lenkrad des Rapid dreh- und drückbare Bedienwalzen — ein Detail, das sich wirklich hochwertig anfühlt. Allerdings gibt es einen kleinen Qualitätsmangel: Bei der ersten Nutzung löste sich ein Zierstopfen im unteren Bereich.
Besondere Ausstattungsmerkmale
Mehrere Merkmale beider Autos sind entweder Segment-Premieren oder für die jeweilige Marke in dieser Preisklasse exklusiv:
Exklusive Merkmale des Hyundai Solaris Prosafety:
- Fernstart des Motors mit vollständigem Heizungs-Memory
- Eingebaute Satellitennavigation
- Elektrische Lendenwirbelstütze (bereits ab Basisausstattung)
- Elektromechanisch einklappbare Außenspiegel
Exklusive Merkmale des Skoda Rapid Style:
- Front Assist — das erste radarbasierte Abstandsregelsystem mit automatischer Notbremsung im Budgetsegment
- Fernlichtassistent — eine weitere Segment-Premiere
- Vollständig beheizbarer Rücksitz (gegenüber nur beheizter Sitzfläche beim Solaris)
- Digitales Kombiinstrument (demnächst als Option erhältlich)
- Klimaautomatik, die leise und präzise arbeitet

Kofferraum und Praxistauglichkeit: Klarer Sieg für den Rapid
Hier setzt sich der Skoda deutlich ab. Die Liftback-Karosserie verschafft dem Rapid einen erheblichen Praxisvorteil:
- Größeres Kofferraumvolumen und ein weit komfortablerer Zugang dank der Liftback-Heckklappe
- Optionale Durchladeöffnung für lange Gegenstände
- Organizer unter dem Ladeboden (gegenüber blankem Blech beim Hyundai)
- Eingebaute Gepäckhaken und Klettverschlüsse
- 12-Volt-Steckdose im Kofferraum
Der Kofferraum des Solaris ist funktional, aber im Vergleich eher schlicht. Beide Autos kosten ähnlich viel — was den Praxisvorteil des Rapid umso schwerer zu ignorieren macht.
Platzangebot im Fond: Wer ist besser für Passagiere?
Der Rapid ist die bessere Wahl für Fondpassagiere, und das nicht knapp. Für einen 188 cm großen Passagier auf der Rückbank gilt:
- Der Solaris ist wirklich beengt — sowohl Knie als auch Kopf berühren den Vordersitz. Das überrascht angesichts seiner Beliebtheit als Taxi durchaus.
- Der Rapid bietet ein paar Fingerbreit mehr Kniefreiheit und etwa 2,5 cm mehr Kopffreiheit.
Auch bei den Komfortmerkmalen im Fond liegt der Rapid vorn:
- Getränkehalter und eine mittlere Armlehne im Fond (beim Solaris fehlt beides)
- Zwei Rückentaschen pro Seite (beim Solaris nur eine)
- Griffige Türgriffe im Innenraum, die sich einfach angenehmer anfühlen
Keines der beiden Autos bietet elektrische Fensterheber hinten.

Motor- und Getriebeleistung
Das Fahrverhalten hat sich bei keinem der beiden Updates wesentlich verändert, konzentrieren wir uns also auf die wichtigsten Unterschiede zwischen den beiden Antriebssträngen:
- Der Solaris fährt mit einem 1,6-Liter-Motor mit 123 PS vor — merklich mehr Punch als der Rapid bei Vollgasbeschleunigung
- Der Rapid nutzt ein 1,6-Liter-Aggregat mit 110 PS, wobei Skoda gegen Aufpreis auch einen spritzigeren 1,4-TSI-Turbo (125 PS) mit DSG-Getriebe anbietet
- Beide Sechsgang-Automatikgetriebe sind bei konstantem Tempo angemessen, wirken aber bei unregelmäßiger Fahrweise ruckartig — Gangsuche und zögerliche Rückschaltungen treten bei beiden auf, deutlicher beim Rapid
- Der Hyundai bietet eine stärkere Motorbremswirkung, was manche Fahrer bevorzugen werden
Beide Autos halten problemlos 140–150 km/h auf der Autobahn. Der Rapid liegt bei Tempo satter auf der Straße und hält die Spur mit minimalem Lenkeingriff. Der Solaris erfordert kleine, aber häufige Korrekturen, mit einem etwas unpräzisen Gefühl um die Lenkradmitte. Bei sportlicher Kurvenfahrt zeigt der Hyundai tatsächlich weniger Untersteuern — ein unerwartetes Plus für dynamischer orientierte Fahrer.
Fahrkomfort und Geräuschentwicklung
Beide Autos rollen auf 16-Zoll-Rädern — ein Plus gegenüber den bei den meisten Budget-Konkurrenten serienmäßigen 15-Zoll-Rädern. So schlagen sie sich im realen Fahrbetrieb:
- Der Solaris federt straffer, absorbiert aber holprige Landstraßen dank guten Federwegs gut. Auf grobem Asphalt überträgt er mehr hochfrequente Vibrationen über Lenkrad und Pedale, und der Motorklang ist im Leerlauf und generell im Innenraum präsenter.
- Der Rapid wirkt auf glatten Autobahnen etwas kultivierter, mit einer leicht welligen Bewegung, die eher gelassen als schwammig wirkt. Bei starken Unebenheiten und Fahrbahnfugen leidet er stärker, und die Karosseriegeräusche sind rauer.
- Der Solaris ist in der Stadt insgesamt lauter — Reifenlärm füllt den Innenraum und übertönt bei der Beschleunigung bis etwa 100–120 km/h das Motorengeräusch.
- Bei Autobahngeschwindigkeit nimmt beim Rapid das Windgeräusch merklich zu, wodurch sein akustischer Vorteil schrumpft.
Insgesamt ist der Fahrkomfort bei beiden weitgehend vergleichbar — welcher Vorteil überwiegt, hängt eher vom Straßentyp ab als davon, dass ein Auto eindeutig besser wäre.

Fazit: Welches Auto ist Ihr Geld wert?
Beide Autos haben sich ihr Update verdient, sind dabei aber an unterschiedlichen Punkten gelandet.
Der Skoda Rapid hat ein gründlicheres und stimmigeres Facelift durchlaufen. Er behebt die meisten seiner früheren Schwächen und bietet nun bessere Praxistauglichkeit, mehr Platz im Fond, klügere Technik und eine reichhaltigere Ausstattung zum gleichen Preis. Die verbleibenden Kritikpunkte — die beengte Lenkradposition, kleine Außenspiegel und der hohe Mitteltunnel — sind vergleichsweise gering und behebbar.
Das Update des Hyundai Solaris ging einen etwas anderen Weg — es setzt eher auf stilistische Akzente wie Kunstlederpolsterung, statt langjährige Probleme wie Innenraumgeräusche und Platzmangel im Fond anzugehen. Der kräftige Motor, der einzigartige Fernstart und die elektrische Lendenwirbelstütze sind echte Verkaufsargumente, reichen aber nicht aus, um den Abstand beim Gesamtwert aufzuholen.
Zumindest bei diesen Topausstattungen gewinnt der Skoda Rapid beim Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer im Budgetsegment einkauft und für sein Geld möglichst viel Auto möchte, für den ist der Rapid die stärkere Empfehlung.
Dies ist eine Übersetzung. Das Original können Sie hier lesen: https://www.drive.ru/test-drive/hyundai/skoda/5ef4beefec05c49b2f00010a.html
Veröffentlicht November 17, 2022 • 9 m zum Lesen