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Der Porsche Taycan 4S Electric Sedan im Winter-Lappland: Ein Kälte-Test

Der Porsche Taycan 4S Electric Sedan im Winter-Lappland: Ein Kälte-Test

Dieser Artikel ist eine Fortsetzung unserer Porsche-Taycan-Testreihe – kein eigenständiger Test. Der Winter in Lappland bietet Bedingungen, die zu einzigartig sind, um sie zu ignorieren: Die Straßen sind entweder purses Eis oder festgefahrener Schnee, und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 80 km/h. Der hier getestete Porsche Taycan 4S war mit der optionalen 800-Volt-Batterie mit 93 kWh ausgestattet – derselben Einheit, die auch im Turbo und Turbo S verbaut ist – anstelle des Standardpakets mit 79,2 kWh. Da Temperaturen von bis zu -10 °C über Nacht vorhergesagt wurden, ließen wir das Auto über Nacht ungeladen am Hotel stehen, um seine Wintertauglichkeit auf die Probe zu stellen.

Batterieleistung bei Kälte: Was die Porsche-Ingenieure sagen

Porsche-Ingenieure behaupten, dass der Taycan bei Temperaturen bis zu -50 °C funktionieren kann. Allerdings gibt es bei extremer Kälte einige wichtige Einschränkungen zu beachten:

  • Unter -15 °C empfiehlt Porsche dringend, den Taycan im geparkten Zustand angeschlossen zu lassen.
  • Je kälter es wird, desto mehr Energie wird verbraucht, um die Batterie vor der Fahrt aufzuheizen.
  • Nach einem Kaltstart benötigt die Batterie einige Minuten, um sich so weit zu erwärmen, dass sie den Motoren die volle Leistung liefern kann.

In der Praxis konnten wir keinen wirklichen Kaltstart selbst testen – das Auto war vorgewärmt und wurde aus „logistischen Gründen” eine Stunde vor der Übergabe vom Netz genommen.

Porsche Taycan 4S Innenraum — Ergonomie und Sitze
Die Ergonomie und die straffen, gut stützenden Sitze sind typisch Porsche. Eine bequeme Sitzposition im Fond ist nur für Passagiere unter 185 cm realistisch – und selbst dann ist es eine echte Herausforderung, sich durch die schmale Tür zu zwängen und die Füße unter dem Vordersitz zu verstauen.

Reale Winterreichweite: Wie weit kommt der Taycan 4S?

Ein bemerkenswertes Manko im sonst beeindruckenden Bildschirm-Setup des Taycan: Es gibt keine eigene Anzeige für die Energiebilanz. Man kann nicht ohne Weiteres sehen, wie viel Reichweite durch Sitzheizung, Spiegelheizung oder andere Verbraucher verloren geht. Das ergab unser Praxistest:

  • Wir legten im entspannten Tempo im Normal-Modus etwa 145 Kilometer zurück.
  • Bei einer Reisegeschwindigkeit von 80–90 km/h ergab sich eine projizierte Höchstreichweite von rund 290 Kilometern.
  • Das sind rund 20 % weniger, als ein Kollege unter sommerlichen Bedingungen ermittelt hatte – aber immer noch ein respektabler Wert für eine Elektrolimousine bei Minusgraden.

Kabinenkomfort und Winter-Ausstattung

Trotz der eisigen Bedingungen draußen hielt der Taycan 4S seine Insassen durchgehend warm und komfortabel. So schlugen sich die Winterfunktionen im Detail:

  • Heizung und Standheizung funktionierten effektiv und hielten den Innenraum durchgehend warm.
  • Matrix-LED-Scheinwerfer erhellten die dunklen Polarstraßen mit beeindruckender Klarheit.
  • Die Reinigungsanlage der Rückfahrkamera entfernte Schneeablagerungen auf der Linse zuverlässig.
  • Die Türgriffe sind mit einer vorstehenden Unterkante gestaltet, wodurch sie sich auch im gefrorenen Zustand gut greifen lassen.
  • Eine Frontscheibenheizung fehlt auffällig – ein echtes Manko bei winterlichen Fahrbedingungen.
  • Die Scheibenwischer frieren tendenziell häufiger fest, da der warme Luftstrom eines klassischen Motorraums fehlt.

Der Wechsel in den Range-Modus zeigt sofort spürbare Auswirkungen: Die Scheinwerfer werden gedimmt, und die Heizung arbeitet in energiesparenden Impulsen statt durchgehend.

Fahrmodi, Batterietemperatur und Leistungsabgabe

Der Taycan 4S steuert die Batterietemperatur je nach gewähltem Fahrmodus unterschiedlich – und das wirkt sich direkt auf die verfügbare Leistung aus. So unterscheiden sich die Modi:

  • Normal-Modus: Die 8-kW-Elektroheizung bleibt aus; eine Wärmepumpe nutzt die Abwärme der Motoren und Wechselrichter, um den Innenraum zu erwärmen. Die Batterietemperatur bleibt moderat bei etwa 5–10 °C.
  • Sport-Modus: Die Batterie wird aktiv auf 20–25 °C aufgeheizt, um mehr Leistung zu ermöglichen. Verfügbare Leistung: 435 PS (79,2 kWh) bzw. 490 PS (93 kWh).
  • Sport-Plus-Modus: Gleiche Batterieheizung wie im Sport-Modus, aber aggressivere Gas- und Stabilitätsabstimmung. Der Launch Control gibt die volle Leistung von 530 PS (bzw. 571 PS mit der großen Batterie) frei – allerdings nur für einen 2,5-Sekunden-Schub.

Winterreifen-Performance und Fahrverhalten auf Eis

Nach einer 30-minütigen Schnellladung auf 85 % ging es weiter zu den Eisstrecken. Der Taycan 4S war mit 20-Zoll-Reifen Goodyear UltraGrip Performance ausgestattet – unbespikt, angepasst an die niedrigen Rollwiderstandsanforderungen des Taycan. Wichtige Beobachtungen:

  • Der Grip auf Eis war für einen europäischen harten Winterreifen überraschend gut.
  • Die Reifen sind auffällig laut und nicht besonders komfortabel.
  • Auf unebenen Winterstraßen überträgt die steife Karosserie des Taycan Reifenabrollgeräusche und kleine Stöße in den Innenraum – dasselbe Problem, das bereits beim Sommertest festgestellt wurde.
Porsche Taycan 4S bei der Fahrt auf Schnee und Eis im winterlichen Lappland
Im Normal-Modus ist das Ansprechverhalten des Gaspedals angenehm linear – ideal für Winterfahrten. Die überaus schwergängige Lenkung erschwert es jedoch, subtile Übergänge im Untergrund zu spüren, etwa den Wechsel von Schnee zu Eis.

Fahrdynamik auf Eis: Drifts, Stabilitätskontrolle und Handling

Einer der größten Vorteile des Taycan gegenüber konkurrierenden Elektroautos ist die Möglichkeit, das Stabilitätskontrollsystem vollständig zu deaktivieren – über einen eigenen (wenn auch ungünstig platzierten) Knopf. Sobald die Elektronik ausgeschaltet ist, verhält sich der Taycan auf Eis wie ein klassischer Porsche – reaktionsfreudig, feinfühlig einstellbar und belohnend. Das fiel besonders auf:

  • Auf Eis entfällt der Vorteil des niedrigen Schwerpunkts, doch das Gewicht von über zwei Tonnen des Taycan wird tatsächlich zum Werkzeug – es hilft, die Last umzuverteilen und das Auto in Kurven auszubalancieren.
  • Im Sport-Modus sind Drifts progressiv und gut kontrollierbar.
  • Der Sport-Plus-Modus ist schärfer und weniger verzeihend – anspruchsvoller, aber für erfahrene Fahrer lohnend.
  • Dem Frontmotor kann mehr Drehmoment zugeteilt werden, um das Auto aktiv aus Drifts von über 90 Grad herauszuziehen – eine beeindruckende und einzigartige Fähigkeit.

Der einzige Haken: Energieverbrauch beim Spaß haben

Spritziges Fahren auf Eis hat seinen Preis in Sachen Energieverbrauch. Im vollen Driftmodus verdreifachte sich der Stromverbrauch des Taycan 4S – das bedeutet, eine volle Batterie würde bei intensivem Fahren nur etwa 110 Kilometer reichen. Erwähnenswert ist zudem, dass der optionale synthetische Motorsound, der über die Lautsprecher zusammen mit dem natürlichen elektrischen Surren abgespielt wird, überzeugte Benzinliebhaber wohl kaum begeistern dürfte.

Im Vergleich zu Verbrenner-Sportwagen wirkt der Taycan 4S in dieser Umgebung wie ein begabtes Wunderkind, das in einem Herrenclub aufgetaucht ist: technisch brillant, zu fast allem fähig – doch ohne jene rohe, unmittelbare Authentizität. Winterliche Bedingungen machen diesen Kontrast eher noch deutlicher.

Dies ist eine Übersetzung. Das Original können Sie hier lesen: https://www.drive.ru/test-drive/porsche/5df378e3ec05c4c7180000ad.html

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