„Wenn unser Kestrel sprechen könnte, würde er wohl prahlen: ‚Ich bin immer pünktlich!‘“ So hätte heute der Werbespruch für dieses durch und durch englische Modell lauten können. Zu seiner Bauzeit gab es in unserer Region allerdings keinen passenden Markt dafür.
Ein Vogelname für ein schnelles Auto
Diese kleine Portion britischer Vogelkunde steckt schon im Namen des Wagens. Eine Meise bleibt eine Meise, ein Zeisig bleibt ein Zeisig, aber „kestrel“ bedeutet bei uns Turmfalke — ein schneller, scharfäugiger Greifvogel, dem sowohl Spatzen als auch Wühlmäuse aus dem Weg gehen. Der englische Hersteller Riley hielt diesen Namen offenbar für passend, als er das geschlossene 1,5-Liter-Modell für zügige Fahrt vorstellte.
In der Modellpalette gab es bereits klangvolle Namen: Brooklands nach der berühmten Rennstrecke, Stelvio nach dem Alpenpass mit eindeutig sportlichem Beiklang und sogar Ascot nach der Rennbahn unter königlicher Schirmherrschaft. Dabei handelte es sich um offene Tourenwagen oder sportliche zweitürige Limousinen. Der neue Wagen war ein Viertürer, erweiterte die 1,5-Liter-Reihe und erhielt den Namen des Vogels.

Der Kühlerfigurenschmuck zeigt einen startenden Turmfalken. Der Ausschnitt in der Frontpartie ist mit einem Schutzgitter abgedeckt.

Eine ausgesprochen konservative Frontgestaltung. Die Scheinwerfer stammen hier von Rotax, der Nebelscheinwerfer ganz unten dagegen von Notek. Einen vorderen Stoßfänger gibt es überhaupt nicht

Der „Aerostil“ der Mitte der 1930er Jahre in britischer Ausprägung: abfallendes Dach und glatte Seiten, während Kotflügel und Trittbretter noch deutlich aus dem Hauptkörper herausragen. Auch die graue Karosseriefarbe weckt gewisse ornithologische Assoziationen, obwohl ein echter Turmfalke farblich ganz anders aussieht — sein Gefieder ist gefleckt und rötlich getönt
Von Fahrrädern zu eigenen Motoren
Der Name Riley stand zunächst auf Fahrrädern. Die ersten motorisierten Fahrzeuge unter diesem Namen erschienen 1898 und wurden von französischen De-Dion-Bouton-Motoren angetrieben — damals eine ganz gewöhnliche Lösung, denn sehr viele Fahrzeuge in der Alten Welt nutzten solche Aggregate. Ab 1903 baute das Unternehmen eigene Motoren und war nicht mehr von fremden Zulieferern abhängig.
Die Räder, die jeder haben wollte
Das Riley-Werk in Coventry war vor allem für seine Speichenräder berühmt, ein Können, das in der Fahrradzeit perfektioniert worden war und mit dem Aufkommen des Automobils stark gefragt war. Mercedes, Panhard und Hispano-Suiza kauften sie. Ebenso Rolls-Royce, der Hersteller der „besten Autos der Welt“. Räder mit kräftigen Drahtspeichen wurden so dominant, dass dieser Bereich schließlich in ein eigenes Unternehmen ausgegliedert werden musste, völlig getrennt vom Automobilbau, damit er die eigenen Fahrzeuge der Marke nicht überschattete.

Blick auf den Fahrerplatz. Der schwarze Bereich direkt unter dem Lenkrad ist der Getriebewähler


Die Instrumente wirken recht zusammengewürfelt: Es gibt Anzeigen von Jaeger und Smiths, und beim Amperemeter ist die Herkunft unklar. Das offenbar einzige originale Instrument ist die Öltemperaturanzeige unten in der Mitte; dort steht Riley weiß auf schwarzem Grund
Der Motor
Die Riley-Wagen waren so überzeugend, dass Walter Owen Bentley sich mit seinem Neun-PS-Modell zu den zufriedenen Kunden zählte. Der Vierzylindermotor mit 1.458 cm³ ging auf eine für ihre Zeit fortschrittliche Konstruktion von 1926 zurück: schräg stehende hängende Ventile, halbkugelige Brennräume und zwei von Zahnrädern angetriebene Nockenwellen.

Das Dach besitzt ein Schiebedach

Bequeme Rückbank für zwei Personen. Auffällig: keine Aschenbecher und keine Zigarettenanzünder. Dafür bestehen die Fensterrahmungen ebenso wie die Armaturentafel aus Naturholz
Eine Überarbeitung von 1935 steigerte die Leistung auf fünfzig PS, bei manchen Versionen auf fünfundfünfzig. Nach weiteren Verbesserungen blieb dieser Motor bis 1957 in Riley-Fahrzeugen im Einsatz. Das hier gezeigte Exemplar besitzt ein Vorwahlgetriebe des Fremdzulieferers Armstrong-Siddeley. Ebenfalls erwähnenswert ist die zentrale Bijur-Schmieranlage.

Der Vierzylinder mit hängenden Ventilen leistet rund 50 PS. Die Kraftstoffversorgung übernehmen zwei S.U.-Vergaser; auch deren Hersteller wurde später Teil der Nuffield-Organisation

Geschluckt und schließlich ausgelöscht
Kaum drei Jahre nachdem dieses Fahrzeug das Werk verlassen hatte, wurde Riley Teil der neu gegründeten Nuffield-Organisation, zusammen mit Morris, Wolseley und MG. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Marke 1948 gemeinsam mit Austin in der neu benannten British Motor Corporation Ltd. auf.
Anfangs behielten die Marken im Konzern noch eine gewisse gestalterische Eigenständigkeit. Mit der Zeit wurden die Fahrzeuge jedoch im Geist der „Produktionsrationalisierung“ und der versprochenen Einsparungen weitgehend vereinheitlicht und unterschieden sich vor allem noch durch Kühlergrill und Innenausstattung. Der Name Riley wurde 1969 aufgegeben: Der Marktanteil war auf 1 % gefallen und sank weiter. Am Ende standen nur noch drei Modelle im Programm, darunter der viertürige Vierzylinder Kestrel 1300 Mk.II — ein bescheidenes und wenig auffälliges Auto.




Das Reserverad sitzt auf dem Kofferraumdeckel und wird von einem eigenen Deckel abgedeckt. Der Kofferraum öffnet sich — oder besser gesagt, klappt ein Stück — nach unten. Auch der hintere Stoßfänger fehlt
Riley Kestrel: die wichtigsten Fakten
- Der Name: ein Turmfalke — ein falconartiger Greifvogel, gewählt für ein Auto, das schnell sein sollte, in einer Reihe, die bereits Brooklands, Stelvio und Ascot umfasste
- Karosserie: eine viertürige Limousine als Viertürer-Ergänzung der 1,5-Liter-Reihe von Riley
- Motor: vier Zylinder, 1.458 cm³, aus einer Konstruktion von 1926 — schräg stehende hängende Ventile, halbkugelige Brennräume, zwei zahnradgetriebene Nockenwellen
- Leistung: fünfzig PS nach der Überarbeitung von 1935, fünfundfünfzig bei manchen Versionen; der Motor blieb bis 1957 im Einsatz
- Getriebe: ein von Armstrong-Siddeley zugekauftes Vorwahlgetriebe
- Weitere Besonderheiten: zentrale Bijur-Schmierung und zwei S.U.-Vergaser
- Das Unternehmen: Riley seit 1898, eigene Motoren seit 1903, später Teil der Nuffield-Organisation, ab 1948 British Motor Corporation Ltd., Markenname 1969 aufgegeben
Häufig gestellte Fragen
Warum heißt das Auto Kestrel? Riley benannte seine Wagen nach Rennstrecken und Pässen — Brooklands, Stelvio, Ascot — und wählte für diese viertürige 1,5-Liter-Limousine stattdessen den Namen eines schnellen, scharfäugigen Greifvogels.
Was machte die Riley-Motoren interessant? Der 1.458-cm³-Vierzylinder stammte aus einer Konstruktion von 1926 mit schräg stehenden hängenden Ventilen, halbkugeligen Brennräumen und zwei zahnradgetriebenen Nockenwellen — für die Zeit fortschrittlich und robust genug, um bis 1957 gebaut zu werden.
Lieferte Riley wirklich Räder an Rolls-Royce? Ja. Die in Coventry gefertigten Drahtspeichenräder gingen an Mercedes, Panhard, Hispano-Suiza und Rolls-Royce, und dieser Geschäftszweig wurde so groß, dass er schließlich vollständig vom Automobilbau getrennt wurde.
Was geschah mit der Marke? Sie kam zunächst zur Nuffield-Organisation und 1948 zur British Motor Corporation Ltd. Die Standardisierung ließ die Fahrzeuge schließlich vor allem noch durch Kühlergrill und Ausstattung voneinander abweichen; bei einem Marktanteil von nur noch 1 % wurde der Name 1969 eingestellt.
Foto: Sean Dugan, Hyman Ltd.
Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel können Sie hier lesen: Riley Kestrel Saloon 1935 года в рассказе Андрея Хрисанфова
Veröffentlicht Februar 13, 2025 • 6 m zum Lesen