
Die goldene Ära der DTM-Tourenwagenmeisterschaft erreichte Anfang der 1990er-Jahre ihren Höhepunkt, und die Rennwagen jener Zeit genießen heute legendären Status in der Automobilwelt. Immer wieder erscheinen Revival-Projekte, die dieser Epoche Tribut zollen — das bekannteste dürfte der auf dem Mercedes-Benz 190E basierende HWA Evo Restomod sein. Doch nicht nur deutsche Technik sorgte damals auf den DTM-Strecken für Aufsehen. Einer der größten Stars der Meisterschaft war der italienische Alfa Romeo 155 V6 TI — und nun hat der italienische Karosseriebauer SGT Automobili diesen Geist wieder zum Leben erweckt.

Was ist der 55 by SGT?
Das Projekt heißt 55 by SGT und ist kein klassisches Restomod. Statt ein altes Auto wiederzubeleben, nutzt SGT Automobili den modernen Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio als Basis. Auch wenn das wie ein Bruch mit der Authentizität wirken mag, sollte man bedenken, dass auch der ursprüngliche Alfa Romeo 155 V6 TI nicht ganz das war, was er zu sein schien.

Das Erbe des Alfa Romeo 155 V6 TI
Der serienmäßige Alfa Romeo 155 debütierte 1992 und wurde von den Markenfans eher kühl aufgenommen:
- Er basierte auf der frontgetriebenen Plattform des Fiat Tipo
- Er bot einen vergleichsweise gewöhnlichen 525-Liter-Kofferraum
- Beides passte nur schwer zum sportlichen Erbe von Alfa Romeo
Trotz dieses holprigen Starts entstanden aus dem 155 schnell leistungsstarke Varianten, deren Höhepunkt der vollwertige Rennwagen 155 V6 TI war. Der 1993 vorgestellte 155 V6 TI teilte mit dem Straßenauto lediglich die Karosseriesilhouette — darunter stammte alles aus Ferraris Formel-Rennabteilung. Das Ergebnis war vernichtend: Das Auto gewann gleich seine erste DTM-Saison und siegte in 12 von 20 Läufen.

Wie der 55 by SGT Tribut zollt
Wie sein Vorfahr ist auch der 55 by SGT weit mehr, als man auf den ersten Blick sieht. SGT Automobili hat den Giulia Quadrifoglio umfassend umgebaut mit:
- Einem verbreiterten Karosserie-Kit aus Carbon im Stil des ursprünglichen 155 V6 TI
- Neu gestalteter Front- und Heckpartie mit Beleuchtung im Retro-Stil
- Einer verstärkten Karosseriestruktur aus Carbon und Carbotitanium — demselben Material, das in den Hypercars Pagani Zonda verwendet wird
- Einer Steigerung der Karosseriesteifigkeit um 25 % infolge dieser strukturellen Verbesserungen

Zwei Versionen, eine radikale Vision
Der 55 by SGT ist in zwei Ausführungen erhältlich:

Stradale (Straße)
- 2,9-Liter-V6 mit Biturbo-Aufladung und 620 PS — 100 PS mehr als der serienmäßige Giulia Quadrifoglio
- Allradantrieb mit speziellem Drift-Modus , der die gesamte Leistung an die Hinterachse leitet
- Leergewicht von 1.590 kg

Trofeo (Rennstrecke)
- Derselbe V6, gesteigert auf 750 PS und 800 Nm Drehmoment
- Rennspezifikations- Zusätzliche Aerodynamikelemente, die bis zu
- 460 kg Abtrieb erzeugen
- Reduziertes Leergewicht von 1.490 kg
Beide Versionen besitzen dasselbe Allradsystem mit Drift-Modus und bieten dem Fahrer damit das Beste aus beiden Welten.

Innenraum: für die Rennstrecke gebaut
Der Innenraum des 55 by SGT versucht gar nicht erst, sich als Luxuslimousine auszugeben:
- Die Rückbank wurde entfernt, um Platz für einen Überrollkäfig
- Vorn sind Renn-Schalensitze montiert
- Eine maßgeschneiderte Mittelkonsole aus Carbon trägt Kippschalter im Motorsport-Stil
- Der Innenraum ist mit Carbon, Leder und Alcantara ausgekleidet, dazu kommen überall rote Akzente

Preis und Exklusivität
Projekte mit diesem Anspruch sind nicht billig. Der 55 by SGT kostet rund 500.000 € — ohne Spenderfahrzeug. Die Produktion wird strikt auf nur 55 Exemplare begrenzt, davon sind 10 als besondere „Welcome Edition“ ausgewählten Kunden vorbehalten. Vier dieser zehn Fahrzeuge sind bereits verkauft.

Der 55 by SGT ist ein seltenes Beispiel dafür, wie moderne Ingenieurskunst und historische Hommage richtig zusammenfinden — mit zeitgemäßer Performance und der unverwechselbaren visuellen DNA eines der ikonischsten DTM-Rennwagen.
Foto: Alexey Byrkov
Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel können Sie hier lesen: Der Alfa Romeo Giulia wurde zum DTM-Retro-Rennwagen
Veröffentlicht Juli 03, 2026 • 5 m zum Lesen