Einen würdigen Rivalen für den Genesis GV70 zu finden, erwies sich als schwieriger als erwartet.
So trifft der Genesis GV70 auf den überarbeiteten Jaguar F-Pace – und es stellt sich heraus, dass es ein wirklich aufschlussreiches Duell ist. Der F-Pace erhielt ein vollständig neu gestaltetes Interieur sowie einen neuen 2,0-Liter-Vierzylinder-Ingenium-Diesel der neuesten Generation mit 199 PS – exakt die gleiche Leistung wie das größere 2,2-Liter-Aggregat koreanischer Herkunft im GV70.
Verarbeitungsqualität und Außendesign
Die erste Überraschung: Der Genesis GV70 ist schlechter verarbeitet als der Jaguar. Die Spaltmaße an der hinteren Stoßstange unterscheiden sich links und rechts an der Kotflügelverbindung merklich, und die Motorhaubenspalte sind ähnlich ungleichmäßig. Der F-Pace hingegen gibt keinen Anlass zur Kritik – was angesichts des altbekannten Rufs britischer Autos, die „übers Wochenende” gebaut werden, geradezu ironisch ist.
Der Jaguar sieht unabhängig von seinem Alter scharf aus, besonders in der sportlichen R-Dynamic-Ausstattung mit ausgedehnten schwarzen Außenakzenten. Der GV70 ist ebenfalls mit einem Sport-Paket erhältlich, doch das Design trifft nicht immer ins Schwarze. Als Gesamtbild arbeiten das schwere Heck und die 19-Zoll-Räder, die in den überdimensionierten Radkästen verloren wirken, gegen ihn.

Innenraumqualität und Ergonomie
Der Innenraum des GV70 ist wirklich beeindruckend – irgendwo zwischen dem Oval Office und einer exklusiven VIP-Lounge. Er übertrifft sogar den G80 und GV80 in puncto Ergonomie, da der unhandliche Drehring im Mitteltunnel durch einen ordentlichen Regler-Drehknopf ersetzt wurde. Verarbeitungsqualität und Materialanmutung entsprechen denen der größeren Geschwistermodelle.
Praktische Highlights des GV70-Innenraums umfassen:
- Schweller vollständig von den Türen abgedeckt – keine schmutzigen Hosen
- Sitzposition, die weder zu hoch noch zu niedrig ist
- Sitze, die dank weniger stark geschwungener Rückenlehne komfortabler sind als im GV80
- Massagefunktion, Lordosenstütze und Seitenwangenverstellung – ausschließlich für den Fahrersitz
Der Jaguar kontert vorne mit eigenen Vorzügen:
- Vollelektrische Sitzverstellung für beide Vordersitzinsassen
- Sportlichere Sitze mit besserem Schulterbereich
- Komfortablere Kopfstützen
- Lenkrad mit größerem Ausziehweg, um den kürzeren Sitzlängsverstellweg zu kompensieren
Die Einstiegsgeometrie ist in beiden Fahrzeugen nahezu identisch. Mit verbundenen Augen würde man sie nur am Geruch unterscheiden – jedes hat seinen eigenen, und beide riechen teuer.

Innenraumverarbeitung: Liebe zum Detail
Nach dem Facelift wirkt der F-Pace-Innenraum optisch und haptisch hochwertig. Doch Genesis kümmert sich um die kleinen Dinge auf eine Weise, die Jaguar schlicht nicht tut. Die Tasten des GV70 sind auf ein gleichmäßiges taktiles Feedback abgestimmt; der F-Pace hingegen hat:
- Temperaturregler der Klimaanlage mit spürbarem Spiel
- Lenkradtasten mit vagem, undeutlichem Druckpunkt
- Berührungsempfindliche Tasten, die oft mehrere Versuche erfordern
- Einen Wählhebel, der zu leicht zwischen den Modi wechselt
Das neue Multimediasystem des F-Pace sieht auf dem Bildschirm gut aus und ist funktionsreich, läuft jedoch träge, startet gelegentlich während der Fahrt neu und ruckelt bei der Nutzung von Apple CarPlay oder Android Auto. Genesis hat keines dieser Probleme – allerdings erfordert das breite Display eine Streckung zum Erreichen, die Menüanpassung ist eingeschränkt, die Standardschriftgröße ist klein, und die größere Option wirkt unausgereift.
Motorleistung und Beschleunigung
Der 2,2-Liter-Turbodiesel des GV70 ist lauter und überträgt mehr Vibrationen in den Innenraum als das Ingenium-Aggregat. Aber der Schub, den er liefert, ist bemerkenswert – das zwei Tonnen schwere SUV beschleunigt mit der Vehemenz eines BMW B57D30. Der Drehzahlmesserzeiger dreht wie bei einem Aston Martin, der zweite Gang reicht bis 60 km/h, bevor die Achtgang-Automatik schaltet, und die 100er-Marke wird im vierten Gang erreicht. Racelogic maß 8,7 Sekunden auf 100 km/h – nur 0,4 Sekunden unter dem offiziellen Wert.
Der GV70 zieht stark aus niedrigen und mittleren Drehzahlbereichen durch und bleibt auf der Autobahn mühelos. Das Gaspedal im Sport-Modus spricht sensibel und linear an, und das Getriebe schaltet prompt und entschlossen zurück.

Der mit Aluminiumkarosserie ausgestattete F-Pace wiegt 110 kg weniger und liegt beim Drehmoment nur knapp zurück (430 N•m vs. 441 N•m), benötigt aber 8,9 Sekunden bis 100 km/h. Sein Beschleunigungscharakter unterscheidet sich: Ein träger Start weicht nach einigen Sekunden echtem Schwung. Wie der GV70 überzeugt der F-Pace mehr aus der Fahrt heraus als aus dem Stand, doch beide nehmen bei Autobahngeschwindigkeit früher das Gas zurück.
Im Dynamic-Modus mit dem ZF-Achtganggetriebe in Sport-Stellung verändert sich der F-Pace spürbar – Schaltvorgänge beschleunigen sich, Gänge werden unter Last länger gehalten, und das Ansprechverhalten des Gaspedals verschärft sich merklich.
Fahrverhalten und Fahrdynamik
Der F-Pace erwacht auf kurvenreichen Straßen wirklich zum Leben. Auf anspruchsvollen Abschnitten mit Höhenunterschieden, Querneigungen und unebenen Oberflächen liefert das straff eingestellte Adaptivfahrwerk eine aufregende und souveräne Fortbewegung. Die Lenkung ist direkt und informativ, das Auto dreht unter Gas ein, reagiert jedoch noch williger auf Gaswegnehmen, und die Bremsen – im Stadtverkehr unspektakulär – werden auf freier Strecke zu präzisen und wirksamen Werkzeugen.
Der GV70 fährt an der Grenze weniger natürlich – die Lenkung wirkt leicht schwergängig, und der Kraftaufbau wirkt künstlich. Im alltäglichen sportlichen Fahren überrascht er jedoch wirklich:
- Präzise und reaktionsfreudig auf Weichcompoundreifen
- Spürbare Hinterradantriebscharakteristik mit leichter Übersteuertendenz
- Heckausbrüche, die leicht zu kontrollieren und aufzufangen sind – was ihn auf rutschigen Untergründen zum Vergnügen macht
Fahrkomfort und Stadtverhalten
Hier kämpft der F-Pace am meisten. Im Stadtverkehr ist das Fahrwerk auf normalen Unebenheiten hart, wobei Stöße von Radvibrationen begleitet werden, die sich in Karosseriebewegungen fortsetzen. Der GV70 ist nicht weicher per se – er liest Fahrbahnstruktur und kurze Wellen präzise ab –, aber auf festem Untergrund fährt er nobler. Das passive Fahrwerk wirkt stimmig, bewältigt Bodenschwellen und Fahrbahnfugen leise und hält Radvibrationen vom Boden und der Karosserie fern.

Fazit: Genesis GV70 vs. Jaguar F-Pace
Der GV70 hat etwas, das den vagen „Achtzigern” fehlt: echten Charakter. Eine niedrige, zielstrebige Sitzposition, ein kämpferischer Diesel, ein straffes Fahrwerk und starke Bremsen ergeben zusammen ein stimmiges, ehrliches Performance-Paket. Das macht ihn zum bisher besten Genesis – und der wettbewerbsfähige Preis sowie die Möglichkeit, online zu kaufen, stärken das Argument zusätzlich. Doch ein rauer Fahrkomfort und eine beengte zweite Reihe verhindern, dass er die Klasse anführt.
So vergleichen sich die beiden auf einen Blick:
- Genesis GV70: besserer Fahrkomfort auf asphaltierten Straßen, gleichmäßigere Bedienelemente im Innenraum, stärkerer Schub aus dem Keller, fahrerfreundlicher auf rutschigem Untergrund
- Jaguar F-Pace: belohnender auf kurvenreichen Strecken, sportlichere Sitze, besserer Komfort für den Beifahrer, markanterer Charakter am Steuer
Der GV70 erreicht nicht das Niveau der besten deutschen Rivalen im Segment, hält dem Jaguar aber stand. Der Unterschied ist, dass die Schwächen des Genesis behebbar wirken, während die Zeit des F-Pace abläuft. Der Crossover aus Coventry wird als brillant, unausgewogen und letztlich zu fehlerhaft in Erinnerung bleiben – ein passendes Abschiedsgeschenk vor dem Erscheinen seines vollelektrischen Nachfolgers. Der Genesis hat noch alles vor sich.
Dies ist eine Übersetzung. Das Original können Sie hier lesen: https://www.drive.ru/test-drive/genesis/jaguar/61b88771769f9a3e3a7c6248.html
Veröffentlicht März 03, 2022 • 6 m zum Lesen