Die Zeit vergeht — und zwar schnell. Noch vor nicht allzu langer Zeit galt der Honda/Acura NSX als hochmodernes Meisterwerk japanischer Ingenieurskunst und wurde in einem Atemzug mit Jaguar XJ220 und Lamborghini Diablo genannt. Heute, mehr als drei Jahrzehnte später, hat der NSX der ersten Generation offiziell Oldtimerstatus erreicht und ist zu einem begehrten Sammlerfahrzeug geworden. Hier ist die ganze Geschichte, wie Honda einen Mittelmotor-Supersportwagen baute, Ferrari herausforderte — und gewann.
Wie alles begann: das HP-X-Konzept (1984)
Die Geschichte des NSX beginnt 1984, als Honda sich mit dem legendären italienischen Designhaus Pininfarina für ein geheimes Projekt mit dem Codenamen HP-X (Honda Pininfarina Experimental) zusammentat. Die Aufgabe war ehrgeizig: ein Sportwagen mit Mittelmotor und Hinterradantrieb, angetrieben von einem 2,0-Liter-V6, der von Hondas Formel-2-Rennmotor abgeleitet war.
Der einzige Prototyp debütierte auf dem Turiner Autosalon 1984 und zeigte die typisch kühne Formensprache von Pininfarina:
- Ein extrem keilförmiges Profil
- Gerippte Seitenpaneele mit integrierten Lufteinlässen zur Motorkühlung
- Eine vollständig transparente, nach vorn angeschlagene Haube für den Zugang zum Cockpit
- Verdeckte Scheinwerfer und ein futuristischer Innenraum
Das Konzept war zweifellos avantgardistisch — besonders für die Mitte der 1980er-Jahre — aber viel zu radikal für die Serienfertigung.

Hondas Mission: Ferrari mit sechs Zylindern schlagen
Hinter den Kulissen war Honda bereits fest entschlossen, in den Supersportwagenmarkt einzusteigen und sich unter den weltbesten Herstellern zu beweisen. Die Strategie war bewusst gewählt: ein Sechszylinder -Auto bauen, das nicht direkt gegen Ferraris V8-Palette antreten sollte, aber vergleichbare — oder bessere — Fahrleistungen bieten würde.
Mit dieser klaren Zielsetzung erhielt das NSX-Projekt grünes Licht.

Technische Durchbrüche: Aluminium, Titan und VTEC
Das Projekt wurde geleitet von Shigeru Uehara, Hondas Chefingenieur, und Masahito Nakano, dem leitenden Designer. Ihr Ansatz konzentrierte sich vor allem auf ein Material: Aluminium.
Wichtige technische Höhepunkte:
- Vollaluminium-Konstruktion — Honda vermarktete den NSX als weltweit erstes Auto mit vollständig aus Aluminium gefertigter Karosserie und Fahrgestellstruktur
- Fünf verschiedene Aluminiumlegierungen kamen zum Einsatz, darunter die damals noch unerprobte Legierung der „6000er-Serie“
- Titanpleuel — eine Weltpremiere in einem Serienfahrzeug
- Hochfeste Zylinderlaufbuchsen aus Gusseisen für lange Haltbarkeit, ein Detail, das Hondas Marketingabteilung lieber nicht hervorhob

Die berühmteste Innovation des Motors betraf jedoch den Ventiltrieb: das legendäre VTEC -System für elektronische Steuerung von variabler Ventilsteuerzeit und Ventilhub, entwickelt vom Honda-Ingenieur Ikuo Kajitani. So funktionierte es:
- Vier Ventile pro Zylinder mit zwei Nockenwellen
- Drei Nockenprofile pro Ventil, elektronisch ausgewählt
- Umschaltung des Nockenprofils je nach Gaspedalstellung und Motordrehzahl
- Das Ergebnis: gutmütige Alltagstauglichkeit und explosive Leistung bei hohen Drehzahlen
VTEC wurde zu einer der bekanntesten Technologien der Automobilgeschichte, später in unterschiedlichen Formen in Hondas gesamter Modellpalette eingesetzt und weltweit von Wettbewerbern nachgeahmt.

Das Debüt: Chicago 1989, Turin 1990
Der Serien-NSX wurde auf dem Chicagoer Autosalon 1989 vorgestellt, gefolgt von seinem Europadebüt auf dem Turiner Autosalon 1990.
Fahrleistungen, die die Branche verblüfften:
- Motor: 2.977 cm³ V6
- Höchstgeschwindigkeit: 270 km/h (168 mph)
- 0–100 km/h: 5,9 Sekunden
- Drehzahlgrenze: 8.000 U/min in Serie; bis zu 9.000 U/min in der abgespeckten Rennversion
Selbst in voller „Kundenausstattung“ — mit Ledersitzen, Klimaanlage und Audiosystem — übertraf der NSX den Ferrari 328, genau jenes Fahrzeug, das Honda während der Entwicklung als Vergleichsmaßstab nutzte.
Eine abgespeckte, für den Rennsport vorbereitete Version gab es ausschließlich in Japan. Komfortausstattung wurde entfernt und der Motor so abgestimmt, dass er bis 9.000 U/min drehte — bereit für ernsthaften Wettbewerb.

Verkauf, Varianten und das Acura-Emblem
Der NSX kam 1990 mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe in den Handel. Auf den meisten Weltmärkten trug er Honda-Embleme, in Nordamerika und Hongkong wurde er jedoch als Acura NSX verkauft — als Spitzenmodell der damals jungen Marke Acura.
Modellchronik:
- 1990 — Produktionsstart mit Fünfgang-Schaltgetriebe und 3,0-Liter-V6
- 1994 — eine Viergang-Automatik SportShift (F-Matic) kam hinzu
- 1995 — Einführung einer Variante mit Targa-Dach mit herausnehmbarem Dachteil
- 1997 — große technische Überarbeitung: Motor auf 3,2 Liter vergrößert, Sechsgang-Schaltgetriebe, verstärkte Karosserie und umfangreichere Ausstattung
- 2001 — Facelift der Karosserie; die ikonischen Klappscheinwerfer entfielen zugunsten feststehender Leuchten

Von Hand gebaut: die Werke Tochigi und Suzuka
Honda baute den NSX nicht auf einer gewöhnlichen Montagelinie. Eine eigene Fabrik wurde in der Präfektur Tochigi auf der Insel Honshū errichtet und ausschließlich mit sorgfältig ausgewählten erfahrenen Mitarbeitern besetzt, die jeweils mehr als zehn Jahre Honda-Erfahrung hatten.
- 1990–2004 — der Großteil der NSX wurde im Werk Tochigi gefertigt
- 2004 — die Produktion wurde in Hondas Werk in Suzuka verlegt, nahe der weltberühmten Rennstrecke von Suzuka
- Juni 2005 — der allerletzte NSX der ersten Generation lief vom Band

Produktionszahlen: ein seltenes Fahrzeug
Während seiner fünfzehnjährigen Produktionszeit baute Honda lediglich 18.896 Exemplare des NSX der ersten Generation. Das lag weit unter dem ursprünglichen Plan — das Werk Tochigi war für 6.000 Fahrzeuge pro Jahr ausgelegt.
Gerade diese begrenzte Produktion macht den NSX der ersten Generation heute zu einem echten Sammlerstück, dessen Werte auf dem Liebhabermarkt kontinuierlich steigen.

Vermächtnis: Warum der NSX der ersten Generation noch immer wichtig ist
Der ursprüngliche Honda/Acura NSX bewies, dass ein japanischer Hersteller einen Supersportwagen von Weltklasse bauen konnte — schneller, zuverlässiger und im Alltag einfacher zu nutzen als seine italienischen Konkurrenten. Er führte Technologien wie VTEC und die Vollaluminium-Bauweise ein, die später Branchenstandards wurden, und gilt bis heute als einer der angesehensten Sportwagen überhaupt.
Die zweite NSX-Generation erschien erst volle zehn Jahre nach dem Produktionsende des Originals — aber das ist, wie man so sagt, eine ganz andere Geschichte.

Foto: Andrey Khrisanfov
Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel können Sie hier lesen: Oldtimer: Wie der Supersportwagen Honda/Acura NSX entstand
Veröffentlicht Februar 20, 2026 • 7 m zum Lesen