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Vespa Primavera Touring 150 im Test: Geheimnisse des legendären italienischen Rollers

Vespa Primavera Touring 150 im Test: Geheimnisse des legendären italienischen Rollers

Geboren 1946 in Italien, allen bestehenden Normen zum Trotz, veränderte dieser Roller die Welt. Eine selbsttragende Stahlkarosserie trug Motor und Rad, gepaart mit einem Dreiganggetriebe. Die Maschine rollte durch Jahrzehnte und Filmgeschichte, durch Kulturen und Kontinente, und dieses italienische Wunderwerk wurde überall kopiert. Das ist die Vespa — und in unserem Fall die Vespa Primavera Touring 150.

Vespa Primavera Touring 150

Die Wjatka VP-150: Der sowjetische Roller nach Vespa-Vorbild

In der UdSSR kamen echte Vespas nie offiziell an. Westliche Länder kauften die Lizenzen direkt von den Italienern: Spanien, Frankreich, England und Deutschland bauten alle ihre eigenen Versionen. Die sowjetische Wjatka VP-150, produziert von 1957 bis 1966, wurde ehrlich gesagt einfach “abgeschaut”. Selbst spätere Roller aus dem Werk Wjatsko-Poljansk „Molot“ — die Wjatka VP-150M (gebaut bis 1974) und die Elektron (Produktion 1979 eingestellt) — trugen noch einen Hauch dieser funkelnden italienischen Essenz.

Wjatka VP-150
Vespa

72 Jahre Erbe: Was die moderne Primavera besonders macht

Die Vespa ist auch nach 72 Jahren quicklebendig, und die Kontinuität zwischen den Generationen ist bemerkenswert gut erhalten. Die moderne Primavera Touring 150 verwendet noch immer dieselbe selbsttragende Karosserie — ein Beweis für die Weitsicht des Flugzeugingenieurs Corradino d’Ascanio, der solch mutige und unkonventionelle Lösungen schon vor Jahrzehnten anwandte. Auch der Einzylindermotor mit Zwangsluftkühlung ist geblieben. Was sich geändert hat:

  • Das Dreiganggetriebe wurde durch einen Variator ersetzt
  • Der Vergaser wich einem Einspritzsystem
  • Der vordere Bremssattel verfügt nun über ein einfaches Einkanal-ABS
  • Die altmodische hintere Trommelbremse bleibt, ohne ABS-Unterstützung
Die praktischen Gepäckträger halten bis zu 4 kg, aber Vorsicht vor Überladung. Der Deckel des Handschuhfachs ist riesig, doch lasst euch nicht täuschen: Viel Platz ist darin nicht.

Komfort- und Ausstattungsmerkmale

Die Vespa Primavera Touring 150 3V ABS E4 — die hier vorgestellte Touring-Version — kommt mit einer durchdachten Reihe praktischer Details:

  • Ein USB-Anschluss im Handschuhfach, groß genug für ein durchschnittliches Smartphone
  • Federbelastete Gepäckträger vorn und hinten
  • Ein ausklappbarer Haken für Taschen am Vordersitz
  • Eine kleine Windschutzscheibe, die sich als überraschend wirksam erweist

Auch die Ergonomie war eine angenehme Überraschung. Ich hatte nicht erwartet, auf einer so eleganten „italienischen Schönheit” eine bequeme Sitzposition zu finden, aber es gelang mir problemlos, und auch für einen Sozius ist hinten reichlich Platz.

Stil geht Hand in Hand mit Informationsgehalt, und der Tankfüllstandssensor gefällt.

Kommt man von Sportmotorrädern, ist das hier eine völlig andere Welt. Weder Leistung noch Schräglage, weder Höchstgeschwindigkeit noch irgendeine Konstellation elektronischer Fahrhilfen spielen wirklich eine Rolle.

Das Handschuhfach fasst problemlos ein mittelgroßes Smartphone, dazu gibt es einen USB-Anschluss – eine clevere Lösung.

Motorleistung und Fahrdynamik

Die Dynamik wirkt bis etwa 70 km/h lebendig — darüber hinaus läuft alles wie in Zeitlupe ab, auch wenn der Tacho mit 110 km/h schmeichelt (der tatsächliche Wert liegt eher bei 105 km/h). Mit 154,8 Kubikzentimetern Hubraum und 12,9 PS reicht der Motor gerade so für zügigen Stadtverkehr, und selbst bei Vollgas habe ich niemanden aufgehalten. Die eigentliche Frage ist, wie lange der Motor durchhält, wenn man ihn dauerhaft „im roten Bereich” fährt.

Lenkerschalter und Lenker des Vespa Primavera Rollers

Fahrverhalten, Handling und Bremsen

Es hilft, die Einstellung hinter dem Lenker zu ändern. Man muss es nirgendwohin eilig haben; sobald man mental herunterschaltet, stellt sich ein echtes Gefühl von Harmonie und Stil ein. Vibrationen sind selbst bei maximaler Motordrehzahl praktisch nicht spürbar, und der Motor selbst bleibt leise und unaufdringlich. Ein Verbrauch von nur 2,5 Litern auf 100 Kilometern erlaubt eine gemächliche Betrachtung all dessen, was sich meditativ um einen herum bewegt.

Allerdings verlangen die kleinen Räder erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber Fahrbahnunebenheiten, und Bodenwellen werden eher „flüsternd” überquert als geglitten. Auf der positiven Seite legt sich der Roller so mühelos in Kurven und wechselt die Richtung, als würde er die Bewegungen deiner Augenbrauen lesen. Auf glatten Straßen liefert das einfache Fahrwerk akzeptablen Komfort. Mit einer kompakten Breite von nur 735 mm schlüpft die Primavera wie ein sehr schnelles Fahrrad zwischen den Autoreihen hindurch.

Die Bremsleistung wird weniger durch die bescheidene 200-mm-Frontscheibe mit ihrem Einzel-Zweikolben-Sattel oder durch die altertümliche hintere Trommelbremse begrenzt — sie wird durch die Reifen begrenzt. Mit nur 11 Zoll sehen sie aus, als würden sie besser zu Spielzeugautos passen.

Ein Integralhelm passt unter den Sitz – nicht geräumig für einen Roller, aber es geht.

Nach der Fahrt mit der Vespa blieb ein ungewöhnliches Gefühl zurück — als würde irgendwo in mir klassische italienische Musik spielen.

Das ABS ist unschätzbar wertvoll, doch die hintere Trommelbremse arbeitet ohne es: Das System wirkt nur auf das Vorderrad. Die Hebelfederung ist eine Tradition, die auch die Rad-Demontage und -Montage vereinfacht.

Marktposition und Wettbewerber

Lässt man taiwanesische Modelle außen vor, gibt es in diesem Segment kleinvolumiger Roller praktisch keine nennenswerte Konkurrenz — die echten Player sitzen alle in Europa, und dort läuft es für sie auch ziemlich gut. Doch ob im Ausland oder zu Hause, die schlanke Primavera (Vespa bedeutet aus dem Italienischen übersetzt „Wespe” oder „Hornisse”) kostet mehr als die meisten ihrer Rivalen. Das liegt daran, dass sie das echte Original ist, gebaut für wahre Kenner. Im vergangenen Jahr wurden rund 50.000 dieser Maschinen für Ästheten in der Alten Welt verkauft.

Vespa Primavera Touring 150

Vespa Primavera Touring 150 3V ABS E4: Vollständige technische Daten

  • Abmessungen: Länge 1860 mm, Breite 735 mm, Höhe 1145 mm
  • Radstand: 1340 mm
  • Sitzhöhe: 780 mm
  • Bodenfreiheit: 125 mm
  • Gabelwinkel/Nachlauf: N/D (keine Daten)
  • Rahmen: Selbsttragende Stahlkarosserie
  • Leergewicht: 126 kg
  • Zylinder: 1, stehende Anordnung
  • Zylinderdurchmesser/Hub: 58/58,6 mm
  • Verdichtungsverhältnis: 10,9:1
  • Hubraum: 154,8 cm³
  • Ventile: 3
  • Höchstleistung: 12,9 PS / 9,48 kW bei 7750 U/min
  • Max. Drehmoment: 12,8 Nm bei 6500 U/min
  • Getriebe: Stufenlos, Variomatik, Riemenantrieb
  • Federung vorn: Teleskopgabel, 120 mm Federweg
  • Federung hinten: Monofederbein, einstellbare Federvorspannung, 117 mm Federweg
  • Bremse vorn: Scheibe Ø 200 mm, Zweikolben-Bremssattel
  • Bremse hinten: Trommel Ø 140 mm
  • Höchstgeschwindigkeit: 105 km/h (gemessen von Autoreview)
  • Vorderrad: 110/70-11″
  • Hinterrad: 120/70-11″
  • Tankinhalt: 8 Liter
  • Kraftstoffart: Benzin AI-95

Autor: Wladimir Sdorow
Foto: Nikita Kolobanow

Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel finden Sie hier: Итальянская «оса» за 5500 евро: Vespa Primavera Touring 150 и ее секреты

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