Wer jemals daran gedacht hat, ein gebrauchtes japanisches Auto zu kaufen, kennt das Dilemma: Sie sind mechanisch ausgezeichnet, aber das Lenkrad befindet sich auf der „falschen” Seite. Was die meisten Menschen nicht wissen: In Japan gilt ein Auto mit Linkssteuerung tatsächlich als Statussymbol. Wie ist die Welt also bei etwas so Grundlegendem wie der Frage, auf welcher Straßenseite man fährt, so gespalten?
Der Ursprung von Links und Rechts: Gesellschaftsstand und Händigkeit
Lange bevor es Autos gab, stritt die Menschheit bereits darüber, welche Straßenseite die richtige sei. Zwei wesentliche Faktoren prägten die frühe Antwort: der gesellschaftliche Stand und die Tatsache, dass die meisten Menschen Rechtshänder sind.
- Bürgerliche gingen und fuhren ihre Karren auf der rechten Seite — so war es leichter, Waren auf der rechten Schulter zu tragen und die Zügel mit der stärkeren Hand zu halten.
- Soldaten und Ritter hielten sich zu Pferd auf der linken Seite — mit ihrem Schwertarm am nächsten zu entgegenkommenden Gegnern, und die Schwertscheide auf der linken Hüfte, damit sie beim Aneinandervorbeireiten nicht an anderen hängenblieb.
Da Soldaten stets in der Minderheit waren und Waffen allmählich aus dem täglichen Straßenverkehr verschwanden, wurde das Rechtsfahren langsam zur Norm. Im 18. und 19. Jahrhundert war der Verkehr dicht genug geworden, um gesetzliche Regelungen zu erfordern.
Die ersten Verkehrsgesetze der Geschichte
Entgegen der weitverbreiteten Meinung war es nicht Napoleon, der den Rechtsverkehr in Russland einführte. Im Jahr 1752 kam Kaiserin Elisabeth von Russland dem aufgeklärten Europa zuvor, indem sie ein Dekret erließ, das Kutschen und Kaleschen verpflichtete, auf der rechten Seite gepflasterter Straßen zu fahren.
Großbritannien hingegen fuhr buchstäblich in eine andere Richtung. Zu den wichtigsten Meilensteinen der frühen Verkehrsgesetzgebung gehören:
- 1756 — Das englische Parlament verabschiedete das Gesetz zur Regelung des Verkehrs auf der London Bridge und schrieb das Linksfahren vor. Es führte auch das erste belegte Verkehrsbußgeld der Geschichte ein: 1 Pfund Silber für das Fahren auf der falschen Seite.
- 1773 — Der britische Road Act weitete die Linksfahrregelung auf alle englischen Straßen aus.
- 1872 — Die Briten bauten Japans erste Eisenbahn und folgten dabei natürlich ihrer eigenen Linksfahrkonvention — und die Japaner fahren seitdem links.
Warum wählte Großbritannien die linke Seite? Die am weitesten verbreitete Theorie führt dies auf maritime Navigationsregeln zurück, bei denen Schiffe einander auf der Steuerbord- (rechten) Seite passieren — was bedeutet, dass Schiffe effektiv links bleiben. Der globale Einfluss Großbritanniens verbreitete dann den Linksverkehr nach Indien, Australien, Ost- und Südafrika sowie durch den gesamten Pazifik.

Wie das Lenkrad seinen Platz fand
Frühe motorlose Wagen wurden mit einem bodenmontiertem Hebel gesteuert, der als „Tiller” oder „Leash” bezeichnet wurde — ein körperlich anstrengender Mechanismus, der Fahrer dazu veranlasste, auf der linken Seite des Fahrzeugs zu sitzen, wo sie mehr Hebelwirkung hatten. Im Jahr 1893 ersetzte das Lenkrad diesen Hebel am französischen Panhard, der für das Rennen Paris–Amsterdam gebaut worden war.
Nachdem das Lenkrad eingeführt war, mussten die Hersteller entscheiden, wo es angebracht werden sollte:
- Frühe Positionierung: Das Lenkrad wurde zunächst auf der straßenseitigen Kante des Fahrzeugs platziert — rechts bei Rechtsverkehr, links bei Linksverkehr — damit der Fahrer leichter aussteigen und den Abstand zu Pferdekutschen einschätzen konnte.
- Die Verschiebung: Als das Verkehrsaufkommen zunahm, benötigten Fahrer bessere Sicht auf den Gegenverkehr und überholende Fahrzeuge, sodass das Lenkrad auf die fahrbahnmittige Seite verlegt wurde.
- Der Standard wird gesetzt: Das ikonische Ford Modell T von 1908 wurde zum ersten in Massenproduktion hergestellten Auto mit Linkssteuerung, bei dem der Fahrer auf der verkehrsseitigen Seite sitzt — eine Konfiguration, die schnell zum weltweiten Standard für Länder mit Rechtsverkehr wurde.
Bemerkenswerte Ausnahmen und kuriose Traditionen
Auch nachdem Standards eingeführt worden waren, blieben viele Ausnahmen bestehen — und einige existieren noch heute:
- Lancia in Italien: Bis in die 1960er Jahre stattete Lancia alle seine Modelle mit Rechtssteuerung aus, um auf engen Gebirgsstraßen eine bessere Sicht zu ermöglichen — obwohl Italien ein Rechtsverkehrsland ist. Einige italienische Lastkraftwagen folgen dieser Logik noch immer.
- Postfahrzeuge in den USA und Kanada: Zustellfahrzeuge behalten die Rechtssteuerung, damit Postbedienstete Briefkästen am Straßenrand erreichen können, ohne das Fahrzeug verlassen zu müssen.
- Schwedens dramatischer Wechsel (1967): Schweden fuhr links mit europäisch spezifizierten Fahrzeugen (Linkssteuerung) — eine gefährliche Kombination, die an den Grenzen zu Norwegen und Finnland ständig Probleme verursachte. Bei einer Volksabstimmung 1955 stimmten 83 % der Schweden gegen den Wechsel, doch 1967 setzte das Parlament sich über die öffentliche Meinung hinweg. Am Sonntag, dem 3. September 1967 um 4:50 Uhr hielt der gesamte schwedische Verkehr an, wechselte auf die rechte Seite und fuhr um 5:00 Uhr weiter. Die Unfallzahlen sanken im ersten Monat auf nahezu null — kehrten jedoch innerhalb von zwei Jahren wieder auf den normalen Stand zurück.
- Mosambiks umgekehrter Wechsel: Als einziges modernes Beispiel eines Landes, das vom Rechts- auf den Linksverkehr umgestellt hat, vollzog Mosambik diesen Wechsel, um sich an den Nachbarländern Simbabwe und Südafrika auszurichten.

Grenzüberquerungen: Ingenieurtechnische Lösungen für entgegengesetzte Verkehrsführungen
Wo Länder mit gegensätzlichen Verkehrskonventionen eine Grenze teilen, müssen Ingenieure kreativ werden. Die Lösungen reichen von einfachen Straßenmarkierungen und Beschilderungen an schwach frequentierten Übergängen bis hin zu aufwendigen mehrstöckigen Kreuzungen und eigens dafür vorgesehenen Wechselbrücken auf Hauptverkehrsstraßen. Viele dieser Bauwerke sind zu gefeierten Meisterleistungen der Ingenieurskunst geworden.
Kann man ein Auto mit dem Lenkrad auf der „falschen Seite” in einem anderen Land fahren?
Gemäß dem Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr (1968) ist ein Fahrzeug in jedem Unterzeichnerstaat legal, solange es den Zulassungsstandards seines Heimatlandes entspricht — unabhängig davon, auf welcher Seite sich das Lenkrad befindet. Jedoch haben nicht alle Länder das Übereinkommen unterzeichnet (Oman beispielsweise erkennt es nicht an), und die dauerhafte Zulassung eines nicht-standardmäßigen Fahrzeugs ist eine ganz andere Angelegenheit:
- Australien: Fahrzeuge mit Linkssteuerung sind für den Straßenverkehr verboten. Importe müssen umgebaut werden — es sei denn, es handelt sich um ein Oldtimer-Fahrzeug, das älter als 30 Jahre ist.
- Neuseeland: Für nicht-standardmäßige Fahrzeuge ist eine Sondergenehmigung erforderlich. Diplomaten und Antarktisexpeditionen (die in der Regel importiertes Equipment verwenden) sind davon ausgenommen.
- Kambodscha: Fahrzeuge mit Rechtssteuerung machen etwa 80 % des Fahrzeugbestands aus, doch die Regierung verbot sie 2001 und drohte bei Nichteinhaltung mit Beschlagnahme. Der Umbau des Lenkrads kostet das Äquivalent von ein bis zwei Jahresdurchschnittslöhnen.
- Slowakei und Litauen: Fahrzeuge mit Rechtssteuerung können gemäß EU-Vorschriften nicht zugelassen werden.
- Russland: Die Verkehrsbehörden haben wiederholt versucht, die Einfuhr von Fahrzeugen mit Rechtssteuerung (die häufig aus Japan stammen) zu beschränken — bisher ohne dauerhaften Erfolg.
Das Einzige, worüber sich alle Länder einig sind: die Pedale
Trotz all der Unterschiede bei der Lenkradposition und den Verkehrskonventionen gibt es eine universelle Konstante: die Reihenfolge der Fußpedale. In jedem Land der Welt folgt die Anordnung der ABC-Regel — Gaspedal, Bremse, Kupplung (Accelerator, Brake, Clutch), von rechts nach links. Das bedeutet, dass ein russischer Fahrer, der in Zypern ein Fahrzeug mit Linksverkehr mietet, seine Füße niemals verwechseln wird, selbst wenn sich alles andere fremd anfühlt.
Da Grenzen zunehmend verschwimmen und Fahrzeuge weltweit stärker standardisiert werden, ist es möglich, dass die Welt letztendlich zu einer einheitlichen Lenkradposition findet — etwas, das einige zukunftsorientierte Konzeptfahrzeuge bereits angedeutet haben, indem sie das Lenkrad wieder in die Mitte platzierten.

Dies ist eine Übersetzung. Das Original können Sie hier lesen: https://www.drive.ru/technic/4efb332e00f11713001e3even6.html
Veröffentlicht Dezember 02, 2021 • 7 m zum Lesen