Der neue Volkswagen Polo Liftback markiert einen bedeutenden Wendepunkt für das Modell — so sehr, dass man durchaus von einem Generationssprung sprechen kann. Ja, die lokalisierte Version basiert nach wie vor auf der in die Jahre gekommenen PQ25-Plattform statt auf der modernen MQB-Architektur, die anderswo in der Welt zum Einsatz kommt, und ja, sie teilt sich viel DNA mit dem Skoda Rapid, der bereits 2012 auf den Markt kam. Doch sobald die anfängliche Enttäuschung verfliegt, bleibt ein wirklich verbesserter, ausgereifterer Kompaktwagen übrig, der einen genaueren Blick verdient.
Exterieur-Design: Kraftvoll, chromreich und budgetsprengend
Der Polo gibt eine selbstbewusste Figur ab — für das Budgetsegment ansehnlich und gewichtig. Zu den wichtigsten äußeren Highlights zählen:
- Eine massive Front mit einem markanten, verchromten Kühlergrill
- Glänzende Chromleisten unter den Seitenfenstern bei den höheren Ausstattungslinien
- Vollständige LED-Beleuchtung vorne und hinten bei allen Versionen
- Integrierte Nebelscheinwerfer innerhalb der Haupt-LED-Cluster (die Dioden-Abschnitte am nächsten zum Grill)
- Linsenscheinwerfer, die bei den Top-Ausstattungen die Standardeinheiten ersetzen
Zum Vergleich: Der Skoda Rapid bleibt bei den Basisversionen bei Halogen-Nebelscheinwerfern und Halogen-Fernlicht — womit der Polo an der Front die optisch hochwertigere Wahl ist.
Innenraumqualität: Modern, praktisch und dem Vorgänger meilenweit voraus
Steigt man ein, wird die Verbesserung gegenüber dem alten Polo sofort deutlich. Die Kabine wirkt deutlich zeitgemäßer, auch wenn, wie bei den meisten Budget-Fahrzeugen, weiche Materialien auf Sitze und Armlehnen beschränkt bleiben. Die Frontblende ist einzigartig für den Polo — sie wird nicht mit dem Rapid geteilt — und das Multimediasystem sitzt, dem modernen Design-Trend entsprechend, weit oben am Armaturenbrett.

Zu den herausragenden Innenraummerkmalen des neuen Polo zählen:
- Digitales Kombiinstrument — dasselbe digitale Cockpit wie im Jetta, ein Novum in dieser Klasse ohne direktes Gegenstück bei der Konkurrenz
- Mattes Infotainment-Display mit leicht abweichender Grafik im Vergleich zum Rapid — vermutlich das intuitivste Multimediasystem in diesem Segment
- Dickes, leicht ovales Lenkrad mit zwanzig Bedienelementen, ästhetisch verwandt mit dem Golf 8 (wenngleich in geringerer Verarbeitungsqualität, näher am Niveau des Passat)
- Verbesserte Rücksitze mit mehr Kniefreiheit, L-förmigen Kopfstützen für bessere Sicht nach hinten, einer mittleren Armlehne und einer Skiluke für lange Ladegüter
- Rahmenlose Scheibenwischer und verbreiterte Außenspiegel, übernommen von Skoda
- Einziehbare Rückfahrkamera, die sich zur Reinhaltung im Emblem verbirgt — ein cleveres und willkommenes Detail
Eine ärgerliche Auslassung: Die Assistenztaste am Lenkrad ist funktionslos. Dem Polo fehlt derzeit das bereits im Rapid verfügbare Notbremssystem, und ein Druck auf die Taste zeigt lediglich die Meldung „Der Schlüssel funktioniert nicht” an. Eine seltsame Erinnerung daran, was fehlt.
Die Vordersitze bieten mehr seitlichen Halt als in der Vorgängergeneration, wobei das Gestell mit dem Rapid geteilt wird — was bedeutet, dass die gleiche Vertiefung im Lendenbereich bestehen bleibt und keine Einstellmöglichkeit für die Lordosenstütze vorhanden ist. Ein Komfortkompromiss, der unverändert übernommen wurde.

Fahreindrücke: Geschmeidiger, aber weiterhin von der PQ25-Plattform limitiert
Die erste Testfahrt dauerte nur 40 Minuten, reichte aber aus, um sich einen klaren Eindruck zu verschaffen — später bestätigt durch die Ingenieure von Volkswagen selbst. Der Polo teilt sich Antriebseinheiten, Fahrwerksabstimmung, Radgrößen und Bremsen mit dem Rapid, weshalb direkte Vergleiche zwischen beiden sehr aufschlussreich sind.
Im Vergleich zum alten Polo ergeben sich folgende Fahrwerksänderungen:
- Etwas weichere Federn für mehr Fahrkomfort
- Straffere Stabilisatoren für bessere Aufbaukontrolle
- Geringfügig bessere Absorption kleinerer Fahrbahnunebenheiten
Die Verbesserung ist real, aber bescheiden. Die grundlegende Schwäche der PQ25-Plattform — der geringe Federweg — bleibt bestehen. Bei Geschwindigkeiten über 30–40 km/h sorgen Gummi-Bodenschwellen für einen harten Schlag, bei dem man befürchtet, die Koppelstangen könnten sich lösen. Der Polo fühlt sich schlicht außerhalb gut asphaltierter Stadtstraßen nicht zuhause.
Geräuschdämmung und Motorleistung
Die Geräuschdämmung hat sich dank einer neuen, massiven Spritzwand-Matte spürbar verbessert — eine Korrektur, die notwendig wurde, weil die alte Matte mit dem europäischen Rechtslenker-Polo geteilt wurde und überflüssige Löcher aufwies. Auch die Dachdämmung wurde verstärkt.
Der Testwagen war mit einem 1.4-TSI-Motor ausgestattet, der ein charakteristisches mechanisches Brummen aufweist. Dennoch waren Wind- und Fahrgeräusche bei Geschwindigkeiten bis zu 90–95 km/h gut kontrolliert. Vollständigere Schlussfolgerungen müssen einem ausführlicheren Test vorbehalten bleiben.
Zu Motor und Getriebe:
- Die Kombination aus 125-PS-1.4-TSI und DSG ist zügig, ansprechend und macht Spaß beim Fahren
- Die Variante 110-PS-1.6 mit Automatik (auch im Rapid verbaut) wirkt im Vergleich träge und ruckelig
- Schlüsselloser Zugang und Start-Stopp-Taste sind jetzt bei den Top-Versionen verfügbar, wobei die Starttaste in der Nähe des Zündschlosses sitzt, ganz im Stil von Skoda

Polo vs. Rapid: Wie schlagen sie sich bei Ausstattung und Preis-Leistung?
Stellt man vergleichbar ausgestattete Versionen beider Fahrzeuge gegenüber, werden die unterschiedlichen Schwerpunkte deutlich:
Der Volkswagen Polo setzt auf Technik und Stil:
- Digitales Kombiinstrument
- Vollständige LED-Beleuchtung inklusive integrierter Nebelscheinwerfer
- Einziehbare Kamera im Emblem
- Hochwertigere Innenraumästhetik
Der Skoda Rapid setzt Prioritäten auf Sicherheit und Praktikabilität:
- Seitenairbags und Sonnenrollos ab den mittleren Ausstattungslinien verfügbar
- Hintere Scheibenbremsen serienmäßig ab den unteren Ausstattungslinien (Trommelbremsen nur beim 90-PS-Motor)
- Notbremssystem inklusive
- Sportsitze optional erhältlich
- Verzurrhaken und Befestigungspunkte im Kofferraum ohne Aufpreis
- Heckwischer serienmäßig
Beim Polo sind hintere Scheibenbremsen bei allen Liftback-Versionen außer der Top-Ausstattung ein kostenpflichtiges Extra, und der Heckwischer ist selbst bei der voll ausgestatteten Exclusive-Version ein Aufpreis-Extra. Der Polo kostet zudem mehr als ein vergleichbar ausgestatteter Rapid — ein Aufpreis, den man für Technik und Markenimage zahlt, nicht für zusätzliche Praktikabilität.
Fazit: Ein besserer Polo — aber ist er die richtige Wahl?
Der neue Volkswagen Polo Liftback ist im Vergleich zu seinem Vorgänger in fast jeder relevanten Hinsicht wirklich besser. Er ist komfortabler, attraktiver, angenehmer zu fahren, und der Innenraum wirkt nicht mehr wie ein nachträglicher Gedanke. Die Lehren aus dem Rapid wurden angewandt — teilweise.
Verbleibende Kritikpunkte, die erwähnenswert sind:
- Keine Getränkehalter
- Keine praktische Stelle, um ein Smartphone zu befestigen oder aufzuladen
- Eingesunkene Rückenlehnen an den Vordersitzen
- Vier elektrische Fensterheber wurden durch einen einzigen für den Fahrer ersetzt — ein rätselhafter Rückschritt
- Der Heckwischer bleibt selbst bei den Top-Ausstattungen ein Aufpreis-Extra
Dennoch bringt die Liftback-Karosserieform echte Vorteile: eine geräumigere und vielseitigere Kabine als bei der alten Limousine, einen riesigen Kofferraum mit einer richtigen Hecktür-Klappe und insgesamt ein moderneres, gehobeneres Gefühl. Sollten die Käufer diesen Polo ebenso herzlich aufnehmen wie seinen Vorgänger — und es spricht alles dafür, dass sie es tun werden — könnte dies der gesamten Branche signalisieren, dass die Ära der klassischen dreistufigen Kompaktlimousine endgültig zu Ende geht.
Dies ist eine Übersetzung. Das Original können Sie hier lesen: https://www.drive.ru/test-drive/volkswagen/5f16e030ec05c4421c0000db.html
Veröffentlicht Oktober 20, 2022 • 7 m zum Lesen