Innerhalb von nur gut einem Jahr wurde der Markt für sportliche Coupé-SUVs im Premiumsegment komplett neu gemischt. Nur das Mercedes GLE Coupé fehlt in diesem Test. Aus den Presseflotten von Audi und BMW haben wir die beliebtesten Dieselversionen geholt, um den Q8 und den X6 zu vergleichen, dazu Benzinmodelle, um einen Dreikampf daraus zu machen. Schließlich wird der Cayenne Coupé nicht mit Dieselmotor angeboten…
Motoren und Antriebsdaten
So stellt sich das Motorenangebot der drei Luxus-Crossover dar:
- Porsche Cayenne Coupé: 3,0-Liter-V6, 340 PS, 450 Nm
- Audi Q8 55 TFSI: 3,0-Liter-V6 (gleiche Plattform wie Porsche), 340 PS, 500 Nm
- BMW X6 xDrive40i: 3,0-Liter-Reihensechszylinder, 340 PS, 450 Nm
- Audi Q8 45 TDI (Diesel): 249 PS, 600 Nm
- BMW X6 xDrive30d (Diesel): 249 PS, 620 Nm
Alle drei Testwagen teilen sich dasselbe Achtgang-Automatikgetriebe ZF 8HP, was den Vergleich des Fahrcharakters umso aufschlussreicher macht.

Preise und Serienausstattung
Unabhängig von der Motorwahl ist der Audi Q8 in der Basisausstattung der günstigste der drei. Allerdings verzichten die Einstiegsmodelle auf vordere Einparksensoren und kommen mit einem vereinfachten Multimediasystem ohne Navigation. Die Lenksäule wird manuell verstellt, und die Sitze sind mit einer Kombination aus Stoff und Kunstleder bezogen.
Der Porsche Cayenne Coupé ist erwartungsgemäß der teuerste. Schon die Basiskonfiguration umfasst:
- Lederpolsterung
- Knieairbag-Polsterung
- Eine Rückfahrkamera
- Ein Panoramadach
Das Lenkrad wird jedoch weiterhin manuell verstellt.
Der preislich mittig angesiedelte BMW X6 rechtfertigt seine Position mit adaptivem Laserlicht, Lederpolsterung, elektrisch verstellbaren Sitzen mit Memory-Funktion, einem beheizbaren Lenkrad und beheizten Armlehnen an den vorderen Türen. Rechnet man diese Extras mit ein, steht der Test-X6 seinen Rivalen in puncto Funktionalität in nichts nach. Alle drei Fahrzeuge verfügen über Luftfederung, aber nur Cayenne und Q8 kombinieren sie mit einem vollständig adaptiven Fahrwerk.
Design und Optik
Sowohl Audi als auch BMW distanzieren sich optisch klar von ihren konservativeren SUV-Geschwistern, dem Q7 und dem X5. Der Porsche Cayenne Coupé erfordert einen zweiten Blick, um ihn vom Standard-Cayenne zu unterscheiden – aber das ist wohl besser, als um jeden Preis nach Originalität zu haschen, wie es der X6 tut. Dessen Design setzt stark auf ein markantes, ansteigendes Heck und einen auffälligen beleuchteten Kühlergrill. Der Audi wiederum inszeniert beim Entriegeln eine kleine Lichtshow und protzt mit rahmenlosen Türen. Die Formsprache des Cayenne Coupé ist zurückhaltender – er möchte lieber nicht mit seinem optionalen erhöhten Heckspoiler gesehen werden.
Innenraum und Praxistauglichkeit
Die verkleideten Schweller bei Q8 und Cayenne bleiben sauber, wobei Porsche-Passagiere beim Einstieg in den Fond dennoch am Radlauf streifen können. Beim X6 liegen die Schweller offen, sodass alle Insassen auf ihren Tritt achten müssen.
Der Platz im Fond ist bei allen drei Modellen großzügig, jedoch mit einigen Unterschieden:
- Audi Q8: Höchste Deckenhöhe, meister Kniefreiheit, geteilt umklappbare Rücksitze mit verstellbarem Lehnenwinkel
- BMW X6: Kompaktester Mitteltunnel
- Porsche Cayenne Coupé: Engster Einstieg wegen des offenen Radlaufs

Ergonomie und Bedienelemente
Ergonomisch fühlt sich für mich der BMW am natürlichsten an, da die Touch-Bedienelemente für Nebenfunktionen gut mit physischen Tasten zusammenspielen. Ein Haken bleibt: Selbst mit ganz abgesenktem Sitz und maximal heruntergezogener Lenksäule sitzt das Lenkrad noch etwas hoch. Beim kürzlich getesteten X5 passten Geometrie und Verstellbereich für kleinere Fahrer wie mich (1,68 m) besser.
Die verwandten Modelle von Audi und Porsche setzen stark auf Touch-Bedienfelder, was sich weniger praktisch anfühlen kann und beim Fahren gelegentlich unsicher wirkt. Der Cayenne treibt es noch weiter: Es gibt keine Möglichkeit, Titel oder Radiosender über das Lenkrad zu wechseln. Eine ideale Sitzposition in Porsches straffen Sportsitzen ist leicht zu finden, allerdings wirken sie für eine größere Statur eng. Im Q8 sitze ich, ähnlich wie im BMW, freier.
Der Innenraum des X6 glänzt reichlich, doch die Tasten auf der glänzenden Mittelkonsole werden kaum genutzt – der große Touchscreen lässt sich beim Fahren einfacher per Dreh-Drück-Steller oder Gesten bedienen. Dadurch bleibt der X6 optisch aufgeräumter, und seine wahrgenommene Verarbeitungsqualität leidet weniger unter Fingerabdrücken und Staub.
Antriebsleistung: BMW
Die BMW-Antriebe sind am einfachsten zu handhaben. Der Benzinmotor hinterlässt dank seiner Ansprechfreudigkeit einen starken ersten Eindruck. Selbst im Comfort-Modus reagiert er willig auf feinste Gasbewegungen. Der Sport-Modus schärft die Ansprechempfindlichkeit weiter, ohne den Crossover nervös wirken zu lassen – die Traktionskontrolle ist beeindruckend gut abgestimmt. Eine aggressive Sport+-Einstellung ist eigentlich nicht nötig, da jede Pedalbewegung bereits einen spürbaren Schub auslöst.

Das Getriebe schaltet schnell und geschmeidig, wobei die Gangwechsel stets spürbar bleiben statt völlig nahtlos zu sein. In Kombination mit dem Benzinmotor muss es aktiver schalten; der Diesel wirkt entspannter. Obwohl der Diesel xDrive30d laut Werksangabe eine Sekunde langsamer von 0 auf 100 km/h beschleunigt als der Benziner 40i (7,2 s gegenüber 6,0 s), fühlt er sich im realen Fahralltag tatsächlich befriedigender an. Das kräftige Drehmoment im unteren Drehzahlbereich sorgt für einen entspannten Antritt und selbstbewusste Beschleunigung im mittleren Bereich, und der Reihen-Turbodiesel klingt überraschend angenehm.
Antriebsleistung: Audi Q8
Der Audi TDI-V6 klingt schlichter, überzeugt aber dennoch mit seiner geschmeidigen Kraftentfaltung. Die Gasannahme reicht jedoch nicht an die Unmittelbarkeit des BMW heran, und das Drehmoment baut sich weniger aggressiv auf. Auch das Automatikgetriebe ist anders abgestimmt und priorisiert Laufruhe – die Gangwechsel geschehen fast unbemerkt.
Subjektiv wirkt der Diesel-Q8 sogar dynamischer als die 340-PS-Benzinversion, obwohl der angegebene 0-auf-100-km/h-Wert des 45 TDI (7,8 s) vermuten lässt, dass er der langsamste im Test sein müsste. In der Praxis leidet das Benzinmodell „55″ unter einer verzögerten Gasannahme, die es träge wirken lässt – der angegebene Sprintwert von 6,4 Sekunden ist kaum zu glauben, wenn der Audi auf leichten Pedaldruck kaum reagiert. Beim Diesel-Q8 zeigt sich dieses Zögern überhaupt nicht.
Obwohl sie sich Plattform und Antrieb mit dem Porsche teilen, fühlen sich Audi und Cayenne Coupé beim Fahren völlig unterschiedlich an – sie besetzen im Vergleich zum BMW gegensätzliche Enden des Sportlichkeitsspektrums. Nur bei niedrigem Tempo ähnelt der Cayenne dem Q8 und liefert den Schub gelassen. Darüber hinaus reagiert er deutlich aktiver auf Gasbefehle und belohnt entschlossene Eingaben auf eine Weise, die der Audi nicht bietet.

Antriebsleistung: Porsche Cayenne Coupé
Der Kontrast zwischen entspannter Fahrt und echtem Tempo fällt beim Cayenne Coupé viel deutlicher aus. Bei Vollgas stürmt er regelrecht los. Während der Audi im Dynamikmodus die Verzögerung bei der Gasannahme nicht ganz kaschieren kann, mobilisiert der Porsche im Sport-Modus sofort seine Kräfte – und noch mehr im Sport+-Modus (das Sport-Chrono-Paket ist beim Coupé serienmäßig).
Auch das Getriebe wandelt sich komplett: Aus ruhigen Schaltvorgängen werden harte, entschlossene Wechsel. Trotz einer längeren Endübersetzung als beim Q8 wirkt der Porsche hier als das schnellste Auto – der angegebene Sprintwert von unter 6 Sekunden auf 100 km/h ist absolut glaubhaft. Man merkt auch ohne direktes Rennen nebeneinander sofort, welches Auto das schnellste ist.
Fahrverhalten und Federungskomfort
Porsche ist der echte Sportwagen in diesem Trio. Die Lenkung hat einen präzisen, klar definierten Mittelpunkt und eine leicht schwergängige Auslegung, ohne die Logik ihrer Kraftunterstützung zu beeinträchtigen. Die Reaktionen sind schnell und exakt, wobei die Hinterachslenkung kaum spürbar ist. Der Cayenne führt nicht nur Ihre Befehle aus – er trägt Sie förmlich durch die Kurven. Die optionale aktive Wankstabilisierung hält die Karosserieneigung im Zaum, ohne das Fahrbahngefühl zu opfern, selbst auf Winterreifen wie den Pirelli Scorpion Winter.
Ein ausdrucksstärkerer Auspuffklang wäre wünschenswert – ein Tastendruck auf dem Bildschirm öffnet Bypass-Klappen für mehr Bass, doch es dürfte insgesamt lauter sein. Beim Fahrkomfort hinkt der Cayenne hinterher: Fahrbahnunebenheiten dringen deutlich in den Innenraum, und der Sport-Modus macht ihn übermäßig empfindlich gegenüber kleinen Unebenheiten. Größere Unebenheiten, einschließlich Bodenschwellen, meistert er dennoch klaglos.

Auf 20-Zoll-Reifen des Typs Michelin Pilot Alpin 5 bewältigt der X6 die Fahrbahnoberfläche spürbar besser als beide Rivalen. Mittlere Unebenheiten registriert er kaum, und größere federt er souverän ab. Der einzige Kritikpunkt, besonders nach der Fahrt im Porsche, wäre etwas mehr Isolierung von kleinen Vibrationen und der Fahrbahntextur. Größere Unebenheiten sind selbst bei höherem Tempo kein Problem, und über raue, unbefestigte Straßen gleitet er geschmeidig. Das dürfte, abgesehen vom Audi Q7, der komfortabelste Crossover im Segment sein.
Auch der Q8 bleibt hier etwas zurück, was teilweise an seinen 22-Zoll-Rädern mit Hankook-Ventus-S1-Evo3-SUV-Reifen liegt. Er ist nicht so straff wie der Porsche und bleibt eher für einen weicheren Federungskomfort in Erinnerung, doch seine Sportlichkeit reicht nicht ganz an den BMW heran, und der Fahrkomfort hinkt ebenfalls hinterher. Der Q8 klammert sich mit derselben Hartnäckigkeit an die Straße wie der Cayenne.
Der Lenkaufwand baut sich bei Audis leichter, aber nicht übermäßig direkter Auslegung (2,4 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag) sanft und vorhersehbar auf. Sie hält eine gewisse Distanz zum Fahrer und lädt nicht dazu ein, die Haftungsgrenzen auszuloten. Fordert man sie dennoch heraus, rutscht der Q8 dank Allradantrieb berechenbarer weg, während der Cayenne Coupé über die Vorderachse ins Rutschen gerät.
Anders als der X6, der aktive Wankstabilisatoren nur in Verbindung mit Luftfederung bietet, hat der Q8 sie überhaupt nicht im Angebot. Dennoch widerstehen beide Fließheck-SUVs der Wankneigung gut und bleiben in Kurven souverän. Der BMW fühlt sich dabei insgesamt engagierter an – man spürt mehr Beteiligung am Geschehen als beim Audi. Seine Lenkung ist etwas „länger” übersetzt (2,7 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag) und schwergängiger, mit einem leichten Spiel um die Mittelstellung, das den präzisen, natürlichen Reaktionen jedoch keinen Abbruch tut.

Der BMW dreht bereitwillig in Kurven ein und versucht unter Last nicht, seine Linie zu begradigen – ein Vorteil des elektronisch gesteuerten Hinterachssperrdifferenzials. Übertreibt man es jedoch mit der Kurvengeschwindigkeit, drängt die Vorderachse irgendwann nach außen. Bemerkenswert ist, wie durchdacht sich jede Rückmeldung anfühlt – man spürt echte Kontrolle über ein großes Fahrzeug, und das nicht nur wegen der außergewöhnlich breiten, griffigen Reifen. Die Bremsleistung ist bei allen drei Autos stark.
Geländetauglichkeit
Auf moderatem Gelände sind die luftgefederten Crossover geometrisch gut gerüstet. Die wichtigsten Bodenfreiheitswerte:
- Porsche Cayenne Coupé: 245 mm (kürzeste Überhänge, aber kein klarer Vorteil beim Böschungswinkel)
- Audi Q8: 254 mm
- BMW X6: Vergleichbare Geometrie wie der Cayenne, zusätzlich ein Notfall-Luftfederungsmodus, der die Bodenfreiheit auf 286 mm erhöht
Audi und Porsche bieten beide einen speziellen Geländemodus, der die Traktion mit sanfterer Gasannahme feinjustiert. BMWs Offroad-Paket ergänzt mehrere geländespezifische Voreinstellungen. Unabhängig vom gewählten Programm reagiert die Elektronik des X6 am schnellsten – bei diagonaler Verschränkung zögert er überhaupt nicht und schlägt sich auf unwegsamem Gelände nahezu so gut wie der Cayenne Coupé.
Die Traktionskontrolle des Audi braucht spürbar länger, um zu reagieren, und greift weniger geschmeidig ein, wodurch der Q8 dieselben Hindernisse ohne die müheloses Leichtigkeit des BMW bewältigt – und das, obwohl die BMW-Testwagen drehmomentstarke Dieselmodelle waren. Bemerkenswert ist, dass der Q8 hier das einzige Fahrzeug mit einem echten differentialbasierten Allradsystem ist; Cayenne und X6 setzen auf eine kupplungsbasierte Zuschaltung der Vorderachse, die sich im Gelände als effizienter erweist.

Garantie und Wartung
- Porsche und BMW: 2 Jahre Garantie, keine Kilometerbegrenzung
- Audi: 4 Jahre Garantie, bis zu 120.000 km
- Q8 und Cayenne: Wartungsintervall alle 15.000 km
- X6: Zustandsabhängige Wartungsanzeige (kein festes Intervall)
Fazit: Welches Modell sollten Sie wählen?
Porsches Abkehr vom Diesel-Cayenne lässt manche Käufer nach Alternativen Ausschau halten. Rein imagemäßig betrachtet ersetzen weder Audi noch BMW das Prestige des Porsche-Emblems vollständig. Doch dieser Test zeigt, dass ein halber Schritt nach unten im Markt aufgeschlossenen Käufern echte Vorteile bringt. Sowohl Q8 als auch X6 bieten hinter dem Lenkrad eine hohe Lebensqualität – man muss weder im Alltagskomfort Abstriche machen noch für die leicht aggressive Sportlichkeit des Cayenne draufzahlen. Das überlässt man den Enthusiasten.
Lässt man Geschmacksfragen zum Design außen vor, ist die Wahl zwischen Q8 und X6 nicht eindeutig:
- Wählen Sie den Audi Q8, wenn Sie Wert legen auf: Mehr Platz im Fond und ein mutiges, technikbetontes digitales Cockpit. Mit den serienmäßigen 20-Zoll-Rädern erreicht er wahrscheinlich denselben Fahrkomfort wie der BMW.
- Wählen Sie den BMW X6, wenn Sie Wert legen auf: Ein ergonomischeres, engagierteres Fahrerlebnis in jeder Ausstattungslinie – und ein Auto, mit dem man einfach unkomplizierter durch den Alltag kommt.
Für welches Modell man sich auch entscheidet, eines ist klar: Die Benzinmotoren in diesem Segment ergeben finanziell wenig Sinn. Sie sind teurer in der Anschaffung, werden höher besteuert und bieten keinen echten Leistungsvorteil gegenüber ihren Diesel-Pendants.
Dies ist eine Übersetzung. Das Original können Sie hier lesen: https://www.drive.ru/test-drive/audi/bmw/porsche/5e2f1da4ec05c4185400002c.html
Veröffentlicht März 09, 2023 • 12 m zum Lesen