Meine Handflächen umklammern das mit Wildleder bezogene Lenkrad. Die Stabilitätskontrolle ist ausgeschaltet. Der Tacho zeigt 300 km/h, und auf meiner Stirn bildet sich Schweiß. Das graue Coupé hoppelt über die Hochgeschwindigkeits-Teststrecke wie ein aufgeschreckter Hase, und was als aufregende Neugier begann — wie schnell würden wir den Geschwindigkeitsbegrenzer bei 320 km/h erreichen? — ist zu etwas Einfacherem und Ursprünglicherem geworden: Angst. Ich hatte erwartet, dass der Mercedes-Benz SL 65 AMG Black Series die ultimative Ausprägung dieses ikonischen Roadsters sein würde. Doch irgendwo auf dem Weg ist etwas schiefgegangen.

Die Philosophie der Black Series: Rennstreckenfokus statt roher Leistung
Anfang der 2000er-Jahre begann Mercedes-Benz, zwei unterschiedliche Zweige von Hochleistungsvarianten zu entwickeln. Der eine brachte leistungsstarke, aber straßenorientierte AMG-Modelle hervor. Der andere führte zur Black Series — einer Baureihe, die kompromisslos auf die Rennstrecke und den puristischen Fahrer ausgerichtet war.
Der Name wurde aus der Bankenwelt übernommen, wo eine schwarze Kreditkarte über Gold und Platin rangiert. Und die Prioritäten der Black Series folgen einer ähnlichen Logik: Es geht nicht um maximale PS-Zahlen, sondern um:
- Fahrwerksabstimmung und Präzision statt bloßer Kraft
- Maximale Gewichtsreduzierung mit allen notwendigen Mitteln
- Rennstreckentaugliche Technik, für den Straßeneinsatz angepasst
Das erste Black-Series-Modell erschien Ende 2006 — der SLK 55 AMG Black Series, ein ehemaliger Roadster, der sein klappbares Metalldach gegen ein festes Hardtop aus Carbonfaser eingetauscht hatte. Berichten zufolge mussten die Händler den serienmäßigen Klappdachmechanismus entsorgen, der im Kofferraum mitgeliefert wurde.

Eine kurze Geschichte der Black-Series-Baureihe
Ein Jahr später folgte der CLK 63 AMG Black Series — ein Auto, das bei den damaligen Testfahrern echte Begeisterung auslöste. Es war ein ehrlicher, emotionaler und präziser Sportwagen, der selbst mit AMG-Emblem im typischen Mercedes-Programm fast deplatziert wirkte. Arndt Maier, der leitende Spezialist für Fahrwerksabstimmung hinter den AMG-Black-Series-Fahrzeugen, betrachtete den CLK als seinen persönlichen Favoriten — obwohl er auch am C 63 AMG Coupé Black Series und am SLS AMG Black Series gearbeitet hatte. Sein letztes Projekt bei Mercedes war der elektrische SLS. Danach überrascht es kaum, dass er zur M-Division von BMW wechselte.
Hat Maier auch den SL R230 Black Series mitgeprägt? Leider nein.

Der SL R230: Ein unwahrscheinlicher Ausgangspunkt
Der SL-Roadster der Generation R230 stand schon immer auf meiner persönlichen Shortlist der besten jemals gebauten Autos. Sowohl der SL 600 — mit seinem beinahe elektroautoartigen Drehmomentschub — als auch der SL 55 AMG, der praktisch jede Form automobilen Genusses für Petrolheads liefern kann, sind herausragende Maschinen. Lässt sich etwas, das bereits so gut ist, noch besser machen? Theoretisch hätte der SL 65 AMG Black Series die Antwort sein sollen. Doch er ist das einzige Black-Series-Fahrzeug mit Zwölfzylindermotor, und er wurde nicht bei AMG entwickelt.

Der eigentliche Erbauer: HWA
Aus Gründen historischer Genauigkeit hätte dieses Auto vermutlich ein ganz anderes Emblem verdient: SL 65 HWA.
HWA steht für Hans-Werner Aufrecht — einen der Mitbegründer von AMG. Nachdem AMG von Mercedes-Benz übernommen worden war, ging Aufrecht nicht in den Ruhestand. Stattdessen gründete er die HWA AG und baute weiterhin Rennwagen mit dem dreizackigen Stern. Ab 1998 konstruierte HWA siegreiche DTM-Fahrzeuge für Fahrer wie Bernd Schneider, Gary Paffett und Paul di Resta. Das Unternehmen entwickelte außerdem:
- Das Kundensport-Coupé SLS GT3
- Die CLA 45 AMG Racing Series
- Die äußerst erfolgreichen Renncoupés Mercedes-AMG GT3 und GT4
Und im HWA-Werk in Affalterbach wurden alle 350 Exemplare des SL 65 AMG Black Series von Hand montiert.

Was die Black-Series-Behandlung beim SL tatsächlich bedeutet
Wie zuvor beim SLK wurde das klappbare Metalldach durch ein festes Hardtop aus Carbonfaser ersetzt — und zusammen mit dem Dach verschwanden viele der Technologien, die den normalen SL so besonders machten.
Was entfernt oder ersetzt wurde:
- Der elektrohydraulische SBC-Bremskraftverstärker — angesichts seiner bekannten Probleme wohl eine durchaus willkommene Streichung
- Die hydraulische ABC-Federung (Active Body Control), ersetzt durch KW-Gewindefahrwerke
- Die serienmäßigen Stabilisatoren, ersetzt durch extrem massive Stabis an Vorder- und Hinterachse
- Ein großer Teil der Schalldämmung

Was hinzugefügt wurde:
- Dämpfer mit externen Ausgleichsbehältern an jedem Rad
- Starre Kugelgelenke in der gesamten Radaufhängung
- Ein Ölkühler, der hinter dem Frontsplitter mit der Fläche nach unten montiert ist
- Zwei Kühler für das Hinterachsdifferenzial (das Differenzial besitzt einen Sperrmechanismus)
- Massive vordere Kotflügel aus Carbonfaser, die die 19-Zoll-Räder mit 265 mm breiten Michelin-Pilot-Sport-Cup-2-Reifen abdecken
Diese ABC-Federung verdient einen besonderen Nachruf. Das Hydrauliksystem — Pumpe, Behälter, Leitungen und Aktuatoren — wiegt rund 50 kg, ist aber maßgeblich dafür verantwortlich, was einen normalen SL so besonders macht. Es schluckt Unebenheiten und reagiert zugleich messerscharf in Kurven — und das ganz ohne einen einzigen Stabilisator. Der Ersatz durch Gewindefahrwerk und Stabis mag auf dem Datenblatt gut aussehen, verändert den Charakter des Autos aber grundlegend.
Die Black Series ist außerdem 15 cm breiter als ein normaler SL 65 AMG. Man fragt sich, ob das HWA-Team gelegentlich daran erinnert werden musste, dass es ein Straßenauto und nicht noch einen DTM-Rennwagen baute.

Der Motor: 670 PS aus einem Biturbo-V12
Unter der langen Carbonhaube sitzt der M275-Biturbo-V12 — derselbe Motor wie im normalen SL 600, hier jedoch mit überarbeiteten Turboladern, modifizierter Ansaugung und einer neuen Abgasanlage.
Die wichtigsten Antriebsdaten:
- 670 PS (deutlich mehr als beim Serienfahrzeug)
- 1.000 Nm Drehmoment (durch das Fünfgang-Automatikgetriebe begrenzt)
- Getriebe: Fünfgang-Automatik — der vierte Gang reicht bis 280 km/h
- Der Motor dreht frei bis 6.000 U/min
Der Motor erwacht überraschend sanft zum Leben — deutlich zurückhaltender als die donnernden AMG-V8 jener Zeit. Im Innenraum ließe sich ohne die optionalen Schalensitze mit fester Rückenlehne kaum erkennen, dass dies kein normaler SL ist. Klimaautomatik, ein ordentliches Audiosystem und — als nette Zugabe — Türeinsätze aus Carbonfaser sowie eine nummerierte Plakette auf der Mittelkonsole. Man könnte es Carbonfaser-Hedonismus nennen.
Das Leergewicht beträgt 1.880 kg — stattliche 240 kg weniger als beim normalen SL 65 AMG, nach heutigen Maßstäben aber noch immer kein Leichtgewicht.

Auf der Straße: Jedes Schlagloch wird persönlich
Schon auf den ersten Metern wird klar, dass die Gewichtsersparnis nicht bei Karosserieteilen und Dachmechanik endete. Die Schalldämmung ist praktisch verschwunden. Jedes Sandkorn auf der Straße scheint seinen Weg in den Innenraum zu finden; jeder Riss im Asphalt wird direkt an die Wirbelsäule weitergereicht. Instinktiv suchte ich auf der Mittelkonsole nach einer Dämpferverstellung — und fand nichts außer den Tasten für den manuellen Getriebemodus.
Das ist vermutlich das härteste Straßenauto, das ich je gefahren bin. Der SL 65 AMG Black Series könnte als Qualitätskontrollgerät für frisch verlegten Asphalt dienen — er findet jeden Fehler. Auf den löchrigen Zufahrtsstraßen des Testgeländes war das Fahrgefühl zeitweise wirklich unangenehm.

Fahrleistungen: Schnell, aber mit Einschränkungen
Die Michelin-Pilot-Sport-Cup-2-Reifen können selbst im warmen Zustand 1.000 Nm aus dem Stand schlicht nicht bändigen. Schon ein Start mit halbem Gas führt zu durchdrehenden Rädern:
- 0–100 km/h: 4,14 Sekunden (Werksangabe 3,8 s — dafür müsste man die Reifen praktisch zerstören)
- 0–200 km/h: 11,2 Sekunden
- Erreichte Höchstgeschwindigkeit: 318,2 km/h (Begrenzer bei 320 km/h)
Der Sprint von 100 auf 200 km/h in rund 7 Sekunden klingt nach heutigen Maßstäben vielleicht nicht spektakulär — Autos wie der BMW M340i schaffen Ähnliches —, doch wirklich absetzen kann sich die Black Series oberhalb von 250 km/h, wo sie kaum nachlässt. Sie zieht einfach weiter, direkt durch die 300-km/h-Marke, ohne Drama und ohne Zögern.
Beim dritten Hochgeschwindigkeitslauf hatte ich mich genug an die Vibrationen gewöhnt, um das Gaspedal gedrückt zu halten. Doch die Reserven fühlten sich sehr klein an, und das Auto fügte meiner Sammlung ein paar graue Haare hinzu. Das hier ist ausdrücklich kein Autobahn-Cruiser. Ich kann mir problemlos einen wohlhabenden Fahrer vorstellen, der in einen Porsche 911 Turbo S steigt und mühelos 200 schnelle Kilometer bis ins Büro zurücklegt. Dieselbe Strecke in diesem SL würde sich wie eine Arbeitsschicht anfühlen.

Handling: Beeindruckendes Tempo, frustrierende Balance
Hier liegt die eigentliche Enttäuschung. Mit serienmäßiger Achsgeometrie und dem standardmäßigen Gewindefahrwerk zeigt der SL 65 AMG Black Series ein dauerhaftes, hartnäckiges Untersteuern, das auf einer anspruchsvollen Strecke das Vertrauen untergräbt.
Die Fahreigenschaften, nüchtern bewertet:
- Lenkgefühl: angemessene Gewichtung, aber zu große Totzone um die Mittellage
- Einlenkverhalten: widerwillig; die Front schiebt fast jedes Mal nach außen
- Gasannahme in Kurven: eingeschränkt — durch die sehr langen Übersetzungen bewirkt Gaswegnehmen kaum eine Drehbewegung des Autos
- Trail Braking: hilft, doch selbst bei starkem Bremsen kommt das Heck kaum heraus
- Leistungsentfaltung: fühlt sich erst oberhalb von 3.000 U/min wirklich kräftig an — anders als beim normalen SL 600, der sein volles Drehmoment bereits ab Leerlauf liefert
Die lange Übersetzung zieht sich als Thema durch das gesamte Auto. Allein der vierte Gang reicht ungefähr von 160 bis 280 km/h. Dadurch lässt sich die Fahrzeugbalance in der Kurvenmitte über die Gaspedalstellung nur sehr schwer beeinflussen.
All das lässt sich vermutlich mit sorgfältiger Achseinstellung und Dämpferabstimmung beheben. Doch im Auslieferungszustand belohnt das Auto den Fahrer nicht so, wie es ein Fahrzeug mit diesem Stammbaum und diesem Preisschild tun sollte. Der CLK 63 AMG Black Series — mit Arndt Maiers Hand am Fahrwerk — war eine Offenbarung. Dieser hier fühlt sich wie eine verpasste Chance an.

Fazit: Ein Sammlerstück, das vergessen hat, Spaß zu machen
Der Mercedes-Benz SL 65 AMG Black Series ist ein bemerkenswertes Objekt. Alle 350 Exemplare wurden von HWA in Handarbeit gebaut, er ist die einzige jemals gefertigte Black Series mit Zwölfzylindermotor, und seine Geradeausleistung ist wirklich einschüchternd. Doch der Wechsel von der hydraulischen ABC-Federung zu einem Gewindefahrwerk hat vieles von dem entfernt, was den Basis-SL außergewöhnlich machte, und es durch einen auf öffentlichen Straßen unerbittlichen Fahrkomfort sowie eine auf der Rennstrecke frustrierende Balance ersetzt.
Der SL 65 AMG Black Series zusammengefasst:
- ✅ Brutal schnell oberhalb von 250 km/h
- ✅ Exklusiv — nur 350 Exemplare gebaut, alle in Handarbeit
- ✅ Die einzige Black Series mit V12
- ✅ Dramatische Präsenz und darunter tatsächlich wilde Technik
- ❌ Eine Federung, die Fahrer und Beifahrer auf echten Straßen gleichermaßen bestraft
- ❌ Hartnäckiges Untersteuern an der Vorderachse im Serien-Setup
- ❌ Vieles von dem verloren, was den Basis-SL magisch wirken ließ
- ❌ Nicht die Trackday-Waffe, die das Aussehen verspricht
Wer die Seele dessen sucht, was das Black-Series-Programm ursprünglich erreichen wollte, sollte weiterhin nach dem CLK 63 AMG Black Series Ausschau halten. Der SL 65 ist außergewöhnlich — aber aus den falschen Gründen.

Foto: Wladimir Melnikow
Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel können Sie hier lesen: Mercedes-Benz SL 65 AMG Black Series: Test auf dem Prüfgelände
Veröffentlicht August 14, 2026 • 10 m zum Lesen