Die Wahl zwischen dem BMW X3 xDrive30i und dem Audi Q5 2.0 TFSI ist keine leichte Aufgabe. Beide verfügen über einen Zwei-Liter-Vierzylinder mit vergleichbarer Leistung – doch die Unterschiede beim Fahrkomfort, dem Innenraumgefühl und der Fahrdynamik erzählen eine differenziertere Geschichte. Um den Vergleich praxisnah zu gestalten, haben wir auch den BMW X3 xDrive30d mit adaptiven Stoßdämpfern hinzugezogen, womit der X3 mit zwei zusätzlichen Zylindern und bis zu 250 N•m mehr Drehmoment in den Vergleich startet. So schneiden sie ab.
Exterieur-Design: Wie sie auf der Straße wirken
Auf den ersten Blick ist der neue Audi Q5 kaum von seinem Vorgänger zu unterscheiden – doch die Familienähnlichkeit zum Q7 verleiht ihm eine gewisse Präsenz. Der BMW X3 hingegen wuchs um fünf Zentimeter in der Länge (mit entsprechend verlängertem Radstand), was ihn größer macht als die erste Generation des X5 – obwohl er aus der Entfernung noch immer mit dem X1 verwechselt werden kann.

Innenraumqualität und Ausstattung: Komfort vs. Charakter
Die Innenräume dieser beiden Crossover verfolgen grundlegend unterschiedliche Ansätze beim Premium-Erlebnis.
BMW X3 Innenraum
Der Innenraum des X3 hat sich weiterentwickelt, ohne sich neu zu erfinden. Die wichtigsten Stärken und Schwachstellen:
- Erhöhte Sitzposition mit ausgezeichneter Übersicht über die Motorhaube
- Geräumige Vordersitze mit einem für das Segment ungewöhnlich großzügigen Raumgefühl
- Rundes Lenkrad mit steiferen Lenksäulenhebeln, ähnlich wie bei der BMW 5er-Reihe
- Die Positionen von Klimaanlage und Audioeinheit wurden getauscht; die Temperaturregelung der oberen Lüftungsdüsen ist nun tief im Menü vergraben
- iDrive mit Touchscreen und Gestensteuerung bleibt eines der besten verfügbaren Infotainment-Systeme
- Die Basisausstattung enttäuscht: schlichtes Armaturenbrett, ein 6,5-Zoll-Display mit breitem Rahmen, keine serienmäßigen Sitzservos oder silberne Schlüsselverkleidung
- Keine elektrische Lenksäule, Massagesitze, beheizte Windschutzscheibe oder Längsverstellung der Rücksitzbank – selbst nicht gegen Aufpreis in der Basisausstattung
Audi Q5 Innenraum
Der Q5 wirkt innen heller und luftiger, mit einigen bemerkenswerten Stärken und Schwächen:
- Hervorragende Rundumsicht dank schmaler Säulen und großer Spiegel
- Selbst in der Basisausstattung wirkt der Q5 einladend: Die analogen Instrumente sind scharf gezeichnet und das serienmäßige Display macht einen aufgeräumten Eindruck
- Helles Leder und holzartige Einlagen mildern die strenge Büro-Ästhetik, die vom A4 übernommen wurde
- Die Sportsitze sind ein Highlight, das sich lohnt
- MMI-Interface hinkt dem iDrive in der Bedienfreundlichkeit hinterher
- Der Gangwahlhebel ist weniger ergonomisch als bei BMW
- Knarren der Verkleidung über Bodenwellen ist ein wiederkehrender Störfaktor
- Der hintere Knieraum ist in etwa gleich wie beim X3, aber der BMW bietet mehr Kopf- und Schulterfreiheit
Motor- und Antriebsleistung

Audi Q5 2.0 TFSI: Temperamentvoll, aber zögerlich
Der 2.0 TFSI-Benzinmotor im Q5 klingt charaktervoll – sogar temperamentvoller und lauter als der 340-PS-V6-Turbo im neuen A7. Die Beschleunigung ist wirklich aufregend, und wer mit Enthusiasmus fährt, findet im schnell schaltenden Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe einen willigen Partner. Allerdings:
- Das Gaspedalansprechen friert im Stop-and-go-Verkehr spürbar ein
- Das Doppelkupplungsgetriebe kann bei niedrigen Geschwindigkeiten zögerlich wirken
- Jeder Diesel-X3 – selbst der Vierzylinder – bietet eine geschmeidigere Traktionskontrolle im Stadtverkehr
BMW X3 xDrive30d 3.0 TDI: Die dominierende Kraft
BMWs 3,0-Liter-Turbodiesel spielt schlicht in einer anderen Liga. Mit 249 PS (identisch mit dem alten N57-Aggregat), aber mehr Drehmoment aus dem neuen B57-Motor, ist das Erlebnis überzeugend:
- Das Motorgeräusch ist unspektakulär, aber deutlich leiser als im Vorgänger-X3
- Nur eine leichte Vibration erreicht den Lenkradkranz
- Die Beschleunigung beeindruckt nicht nur – sie macht süchtig
- Das Achtgang-ZF-Automatikgetriebe ist perfekt abgestimmt – sowohl für entspanntes Familienfahren als auch für sportliche Ausflüge
- Selbst der Einstiegs-xDrive20d bietet ein tadelloses Antriebserlebnis
Fahrkomfort und Fahrwerk: Hier wird es interessant

BMW X3: Enttäuschender Komfort, gemischte Fahrdynamik
Trotz des beeindruckenden Antriebsstrangs wirft das Fahrwerk des X3 ernsthafte Fragen auf:
- Im Komfortmodus zappelt das Fahrwerk ständig und nimmt selbst kleinste Fahrbahnunebenheiten auf – selbst mit 18-Zoll-Runflat-Reifen auf glattem Asphalt
- Der neue X3 ist weicher als sein Vorgänger und bewältigt schlechten Asphalt kompetent, doch eine anhaltende niederfrequente Vibration ermüdet auf längeren Strecken
- Das Serienfahrwerk – das die meisten Käufer wählen – ist gegenüber der Vorgängergeneration keine Verbesserung
- Die optionale progressive Lenkung enttäuscht: Das Ansprechen ist zunächst geschmeidig, dann scheint das Lenkrad sich selbst zu drehen, was das Fahrzeug unpräzise wirken lässt
- Trotz sportlichem Anspruch fehlen dem X3 die Agilität und Leichtfüßigkeit der 5er-Reihe-Plattform
- Fazit: Der ältere X3 macht – Karosserieneigung hin oder her – tatsächlich mehr Fahrspaß
Audi Q5: Luftfederung als entscheidender Vorteil
Die Geschichte des Q5 hängt völlig davon ab, welches Fahrwerk man wählt:
- Mit Luftfederung: Lenkpräzision und Fahrfreude konkurrieren mit dem Porsche Macan; der Fahrkomfort nähert sich dem Q7-Niveau; enge Kurven werden mit der Souveränität einer Sportlimousine genommen; selbst scharfe Schlaglöcher werden unter 20-Zoll-Rädern sanft absorbiert; im Stadtverkehr liefert er nahezu Oberklasse-Komfort
- Mit Serienstahlfedern: Der Zauber verschwindet – das Fahrwerk wird spürbar härter als selbst der Basis-X3, mit hörbaren Schlägen über Bodenunebenheiten
Q5 mit Luftfederung sind im Händlerbestand selten und finden sich typischerweise in höheren Ausstattungslinien – doch das Upgrade lohnt sich absolut, danach zu suchen.
Allradsysteme: quattro ultra vs. xDrive
Beide Crossover nutzen Allradantrieb, jedoch mit sehr unterschiedlichen Philosophien:
- Der Audi Q5 verwendet das neue quattro ultra-System mit einer Zwischenachskupplung, die die Hinterachse bedarfsgerecht zuschaltet – alltagstauglich, leistungsfähig genug, um aus einem Schneesturz herauszukommen oder einen kontrollierten Drift zu beherrschen, aber die ausgeprägte Untersteuertendenz unter Last macht das sportliche Fahren weniger direkt als beim klassischen Torsen-basierten quattro
- Das BMW xDrive-System glänzt im Schnee und beim sportlichen Fahren – ein sanftes Gasgeben genügt, um das Fahrzeug zu rotieren und eine Kurve präzise zu halten; echte Rallye-Fahrer-Gelassenheit ist tatsächlich erreichbar
Allerdings priorisieren die meisten Crossover-Käufer im Preissegment von 30.000–40.000 € den alltäglichen Komfort gegenüber Rennstrecken-Kunststücken – und in dieser Hinsicht liegt der Q5 beim Gesamtfahrvergnügen noch immer knapp vor dem X3.
Abschließendes Urteil: Welchen sollte man kaufen?
Trotz des herausragenden Dieselmotors und des überlegenen Infotainment-Systems des BMW X3 ist es der Audi Q5 – richtig ausgestattet mit Luftfederung –, der das rundum überzeugendere und genussreichere Fahrerlebnis bietet. Er löst Audis Versprechen „Vorsprung durch Technik” tatsächlich ein, wenn man die richtige Ausstattung wählt.
Für alle, die den idealen Q5 suchen, ist die Empfehlung klar: Die Serienfedern überspringen, die quattro ultra-Benzinversion meiden und auf den Q5 3.0 TDI mit Luftfederung und dem klassischen Torsen-quattro warten. Diese Kombination verspricht alles, was dieser Vergleich andeutete – und noch mehr.
Dies ist eine Übersetzung. Das Original kann hier gelesen werden: https://www.drive.ru/test-drive/audi/bmw/5a8dc585ec05c4a840000019.html
Veröffentlicht März 31, 2022 • 6 m zum Lesen