Was für ein Vergnügen! Es wirkt, als hätte jemand aus einer Laune heraus beschlossen, ein Puppenhaus auf ein Ford-Fahrgestell zu setzen. Solche großen Spielzeuge haben normalerweise aufwendig gestaltete Innenräume voller Puppenmöbel und Zubehör. Dieses hier verbirgt jedoch nur eine schlichte Zweisitzerkabine. Was genau sehen wir also vor uns?
Rollende Häuser — und was dies nicht ist
Vor Jahrzehnten erschien in Litauen ein Buch mit dem Titel „Riedantys Namai“, auf Deutsch „Rollende Häuser“. Reich bebildert erzählte es von Menschen, die aus ausgemusterten Bussen und Lastwagen fahrbare Wohnhäuser machten, sowie von ihren sogenannten „Schöpfungen“. Einige dieser Abbildungen schafften es sogar in die Seiten von Autoreview — nicht jedoch der hier gezeigte Ford T.


Dieser besondere Ford T kam in dem Buch nicht vor, denn dort ging es um echte Wohnräume auf Fahrzeugfahrgestellen. Hier sehen wir dagegen ein typisches Werbefahrzeug, wie vor einem Jahrhundert sehr viele gebaut wurden — oft in genau jener verspielten Form, die das beworbene Produkt nahelegte.

In das „Haus“ gelangt man nicht durch die weiß beleuchtete Veranda, sondern indem man am runden Griff links oberhalb des Scheinwerfers zieht. Der Innenraum ist nur von der Gehwegseite zugänglich; die gegenüberliegende Tür hat außen keinen Griff und lässt sich nur von innen öffnen.
Ein Jahrhundert Werbung auf Rädern
Eine Schuhmacher- und Schneidereiwerkstatt montierte einst einen riesigen, naturgetreu gefertigten Lederschuh auf ein Autofahrgestell. Getränkeverkäufer — alkoholische wie alkoholfreie — versuchten mit unterschiedlichem Erfolg, ihre Werbefahrzeuge in Flaschenform zu bringen. Die Brauer von Budweiser begnügten sich nicht mit kleinen Gesten und dekorierten zwei oder drei Cadillac zu Schlachtschiffen, samt Ankern, Kanonen, Flaggen und Rettungsringen. In Litauen fuhr ein Chevrolet-Lastwagen in Fischform durch abgelegene Gegenden und verteilte an jeder Station keinen Fisch, sondern Seifenproben in Fischform. Die britischen Tabakhändler Carreras Ltd. schickten zur Einführung ihrer Marke Black Cat ein makellos weißes Fahrzeug auf die Straße, dessen Fahrer und Mitfahrer düstere Katzenkostüme trugen und ununterbrochen genau diese Zigaretten rauchten.


Der Innenraum ist mit zwei sehr hübschen kleinen Ansteckblumen geschmückt. Das Zweisitzersofa dagegen ist ganz gewöhnlich.
Warum ein Holzhaus in Portland, Connecticut
Hier handelt es sich um eine recht harmlose Werbung für ein holzverarbeitendes Unternehmen, das Baumaterialien für Privathäuser lieferte. Portland im US-Bundesstaat Connecticut ist keine hektische Metropole, sondern ein Stück „einstöckiges Amerika“, in dem die meisten Gebäude aus Holz bestehen. Und das, obwohl bis 1936 ein Steinbruch für braunen Sandstein der wichtigste örtliche Wirtschaftszweig war; der Stein wurde von dort nach New York, San Francisco und Boston sowie über den Atlantik nach England und Kanada geliefert. Die Einwohner Portlands bevorzugten jedoch traditionelle Holzhäuser. Für sie wurden mehrere mobile Häuschen gebaut, die statt auf den sprichwörtlichen „Hühnerbeinen“ auf Rädern standen. Sie fuhren durch die Straßen der Stadt und das Umland und warben für Bau- und Reparaturmaterialien.

Ein kokett wirkender Lampenschirm im Innenraum. Zwei Flügelmuttern rechts befestigen einen dekorativen, falschen Schornstein am Dach.
John Barry und die Aufschrift „KOMMT HERÜBER“
Hinter der Kampagne stand John Barry. Während der beschriebenen Zeit und noch viele Jahre danach leitete er Strong & Hale, deren Firmenzeichen die Rückwand des „Hauses“ bedeckt. Seine Kreativität war kaum zu übersehen. Neben den dekorierten Ford-Fahrzeugen war er für eine drei Meter hohe Aufschrift bekannt, die 1925 an einer Backsteinmauer am Connecticut River angebracht wurde: „KOMMT HERÜBER“ — eine Einladung an Zuwanderer, sich in Portland niederzulassen. Die Aufschrift existiert bis heute; sie wurde kürzlich restauriert, und das Flussufer wurde von dem Bewuchs befreit, der die Buchstaben verdeckt hatte.

Die „Eingangsgruppe“ ist mit der Sorgfalt eines Architekturmodells ausgeführt — sogar über der Veranda befindet sich eine funktionierende Laterne.
Was aus dem Unternehmen wurde
Barry ging davon aus, dass Neuankömmlinge private Häuser bauen würden und dafür sein Bauholz, seine Balken und seine Tischlerwaren — Tür- und Fensterrahmen und vieles mehr — benötigten. Er behielt recht: Strong & Hale überstand unter seiner unbeugsamen Führung sowohl die Weltwirtschaftskrise als auch den Zweiten Weltkrieg. John Barry starb 1958 im Alter von achtzig Jahren friedlich.

Drei Jahre nach seinem Tod wurde das Unternehmen von einem Konkurrenten gekauft, der bald darauf bankrottging. Heute geblieben sind die nostalgische Aufschrift, die nachts von Scheinwerfern beleuchtet wird, und dieses charmante, reich verzierte „Lebkuchenhaus“.


Das Dach des „Hauses“ ist mit nachgeahmten Dachziegeln bedeckt. Der Name des Werbekunden steht in großen weißen Buchstaben auf rotem Grund über die gesamte Breite der Rückwand.
Der Lebkuchen-Ford: die wichtigsten Fakten
- Was es ist: ein Werbefahrzeug — ein Ford-T-Fahrgestell mit Werbekarosserie, kein Wohnmobil
- Werbekunde: Strong & Hale, ein holzverarbeitender Betrieb, der Baumaterialien für Privathäuser lieferte
- Ort: Portland, Connecticut — eine von Holzhäusern geprägte Stadt, obwohl ein Braunsteinbruch bis 1936 der wichtigste Wirtschaftszweig war
- Dahinter stand: John Barry, der 1925 außerdem drei Meter hohe Buchstaben an einer Mauer am Connecticut River anbringen ließ, mit denen Neuankömmlinge nach Portland eingeladen wurden
- Innenraum: eine schlichte Zweisitzerkabine — die eigentliche Detailfülle befindet sich außen
- Später: Barry starb 1958 im Alter von achtzig Jahren; drei Jahre später wurde die Firma verkauft, und der Käufer ging bald darauf bankrott
Häufig gestellte Fragen
Ist das ein Wohnmobil? Nein. Es ist ein Werbefahrzeug. Echte Wohnhäuser auf Fahrzeugfahrgestellen gehören zu einer anderen Tradition — genau davon handelt das litauische Buch „Riedantys Namai“.
Wofür warb das Fahrzeug? Für Bau- und Reparaturmaterialien von Strong & Hale, einem holzverarbeitenden Betrieb in Portland, Connecticut.
Gab es wirklich Autos in Form von Schuhen und Schlachtschiffen? Ja. Eine Schuhmacherwerkstatt baute einen riesigen Lederschuh; Budweiser verwandelte zwei oder drei Cadillac in Schlachtschiffe; in Litauen fuhr ein Chevrolet in Fischform herum und verteilte Seife in Fischform.
Gibt es die Einladungsschrift noch heute? Ja. Die Aufschrift von 1925 wurde restauriert, und das Flussufer davor wurde freigeräumt, sodass die Buchstaben wieder gut zu lesen sind.
Foto: Sean Dugan, Hyman Ltd.
Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel können Sie hier lesen: Пряничный домик Ford Model T 1922 года в рассказе Андрея Хрисанфова
Veröffentlicht Februar 20, 2025 • 6 m zum Lesen