In manchen Ländern galt der Audi Q3 lange als Frauenauto — Statistiken zeigen, dass 70 % der Besitzer weiblich sind, meist um die 35 Jahre alt. Doch die neue, endlich auf der MQB-Plattform von Volkswagen aufgebaute Generation will ihre Zielgruppe erweitern. Da er sich die technische Basis mit dem Volkswagen Tiguan teilt, ist der neu gestaltete Q3 vielseitiger, erwachsener und — wie dieser Test argumentiert — überhaupt nicht mehr leicht nach Geschlecht einzuordnen.
Innenraum und Praktikabilität
Trotz der Neugestaltung zeigt der Q3 immer noch Anzeichen dafür, dass er für kleinere Haushalte konzipiert wurde:
- Keine Sensoren für freihändiges Entriegeln an den hinteren Türgriffen
- Die Öffnungen der hinteren Türen bleiben schmal
- Bei 1,85 m Körpergröße ist die Beinfreiheit hinten einem großen Fahrer ausreichend, aber knapp — keine echte Reserve
- Die Sitze lassen sich vollständig nach hinten schieben, hauptsächlich um Laderaumlänge freizugeben, nicht für den Passagierkomfort
Der Kofferraum ist ein Lichtblick: Der neu angeordnete Ladeboden ist geräumig, gut organisiert und verfügt sogar über ein verstecktes Staufach darunter. Die Ladehöhe sank um etwa 2,5 cm, bleibt aber mit 75 cm relativ hoch.

Außendesign: proportionalere Optik
Der neue Q3 ist in der Länge um fast 10 cm gewachsen und erreicht nun fast 4,48 Meter. Die zusätzliche Länge zahlt sich optisch aus — die leicht kopflastige, hoch-kurze Haltung des alten Modells ist verschwunden und einer ausgewogeneren, ernsteren Silhouette gewichen. Der minimalistischen Tradition von Audi treu bleibend, sind auffällige Stildetails rar, obwohl höhere Ausstattungslinien eine auffällige Lichtsignatur mit animierten Blinkern und Matrix-LED-Scheinwerfern bieten.
Einige eigenwillige Designentscheidungen fallen auf:
- Die Schweller bleiben sauber, versteckt hinter den unteren Türkanten
- Die Türen müssen mit festem, schwungvollem Zuschlagen geschlossen werden — laut Audi ein Nebeneffekt der verbesserten Geräuschdämmung
- Die inneren Türgriffe haben eine ungewöhnliche, nach unten geneigte Form — funktional, aber gewöhnungsbedürftig
Sitzposition und Ergonomie
Der längere Radstand (plus 7,7 cm) verbessert die Sitzposition spürbar. Die Lenksäule neigt sich um 4,5 Grad weniger als zuvor, sodass sich die Sitzhaltung nicht mehr wie in einem Transporter anfühlt. Der Fahrersitz bietet guten Seitenhalt, kann sich aber im Hüftbereich eng anfühlen — kurioserweise ist der Beifahrersitz geräumiger.
Ein paar Hinweise für alle, die ihren Q3 konfigurieren:
- Verzichten Sie auf das Lenkrad mit abgeflachtem Kranz — die Lenkradheizung gibt es nur mit dem serienmäßigen runden Lenkrad
- Die Rundumsicht ist insgesamt gut, unterstützt durch ungewöhnliche kombinierte Strahldüsen der Scheibenwaschanlage
- Das 360-Grad-Kamerasystem bietet exzellente Bildqualität, aber keinen Schutz vor Schmutzablagerung
Innenraumqualität und Technik
Das Interieur wirkt modern und hochwertig verarbeitet, ohne übermäßig kühl oder “technisch” zu erscheinen. Stoffeinsätze an den Armlehnen, vorn und hinten, verleihen eine Portion Wärme, und digitale Instrumente sind serienmäßig. Das optionale 12,3-Zoll-Digitaldisplay bringt zusätzliche Anpassungsmöglichkeiten und wirkt in echt besonders gut.
In der Mitte des Armaturenbretts sitzt Audis MIB-Infotainmentsystem (Version 2+), das schnell und intuitiv ist — allerdings leidet der Bildschirm unter deutlichen Spiegelungen, besonders wenn die Jalousie des Panorama-Schiebedachs geöffnet ist. Ein merkwürdiger Ergonomiefehler: Der Motorstartknopf sitzt auf einem größtenteils leeren Feld unterhalb der Hauptbedienelemente, als hätte das Designteam ihn vergessen.

Motorisierungen und Leistung
Derzeit stehen folgende Motorisierungen zur Wahl:
- Audi Q3 40 TFSI quattro — 2,0-Liter-Turbo, 180 PS, Allradantrieb
- Audi Q3 35 TFSI — 1,4-Liter-Turbo, 150 PS, Frontantrieb
Basierend auf den Verkaufszahlen der Vorgängergeneration wird erwartet, dass der Basis-35-TFSI deutlich weniger beliebt sein wird — etwa siebenmal weniger Käufer als beim quattro-Modell. Eine stärkere Motorisierung könnte letztlich noch folgen, wahrscheinlich aber nur bei der Coupé-artigen Sportback-Variante (ausgenommen der Hochleistungs-RS Q3).
Auf der Straße ist das Fehlen eines automatischen Start-Stopp-Systems ein willkommenes Detail, und die Beschleunigung bei Vollgas fühlt sich wirklich kraftvoll an. Das Gasannahme reagiert bereits beim ersten Pedaldruck scharf. Das Sechsgang-DSG-Doppelkupplungsgetriebe ist bei Teillast weniger beeindruckend und verharrt manchmal in einem hohen Gang, bevor es abrupt zwei oder drei Gänge auf einmal zurückschaltet. Die Bremsen zumindest vermitteln Vertrauen: Ein kurzes, festes Pedal liefert präzise, vorhersehbare Bremskraft.
Fahrverhalten und Fahrkomfort
Die Tests fanden in Italien bei mildem Wetter statt (etwa +15 °C bis +20 °C), doch die Testwagen waren mit Winterreifen ausgestattet, was einschränkt, wie definitiv sich über das Fahrverhalten urteilen lässt. Dennoch ist die optionale Lenkung mit variabler Übersetzung den Aufpreis wert — sie sorgt für präzises, logisches Einlenken, ohne dass man mehrmals von Anschlag zu Anschlag lenken muss. Was Wankneigung, Rückmeldung und allgemeines Kurvenverhalten angeht, fühlt sich der Q3 fast identisch mit seinem Bruder Tiguan an: gelassen, vorhersehbar und unverkennbar vom Charakter des Volkswagen-Konzerns geprägt.
Der Fahrkomfort lässt sich am besten als solide durchschnittlich für dieses Segment beschreiben:
- Das Fahrwerk ist straff, absorbiert kleine bis mittlere Unebenheiten aber besser, als es aussieht
- Adaptive Dämpfer werden auf diesem Markt nicht angeboten, obwohl ein tiefergelegtes Sportfahrwerk optional erhältlich ist
- Scharfkantige Schlaglöcher sind selbst mit der Standardausstattung noch deutlicher zu spüren als erwartet
- Die Geräuschdämmung im Innenraum ist exzellent, bei Autobahngeschwindigkeit ist nur Reifenrauschen wahrnehmbar

Ist der Q3 immer noch ein “Frauenauto”?
Nach einiger Zeit mit dem neuen Q3 fällt es schwer, in seiner Ergonomie oder seinem Charakter irgendetwas zu finden, das sich geschlechtsspezifisch liest. Dies ist ein ausgereifter, fähiger kleiner SUV — man könnte sogar sagen, eher ein “Männerauto” als zuvor, sofern dieses Etikett überhaupt noch etwas bedeutet. Das einzige echte Zugeständnis ist die Bodenfreiheit von 16,8 cm, die nur durch eine Kunststoffverkleidung am Unterboden geschützt wird. Um dies auszugleichen, hat Audi dem Drive-Select-Menü einen Offroad-Modus hinzugefügt, der die Schaltlogik und die Gaspedalkennlinie für leichten Geländeeinsatz anpasst.
Preise und Konkurrenten
Wenn sich der 180-PS-quattro so gut fährt, wie es auf dem Papier verspricht, ist er ein leicht zu empfehlendes Auto — man sollte sich nur auf den Endpreis einstellen, denn ein gut ausgestatteter Q3 wie auf den obigen Fotos kostet deutlich mehr, als die Grundausstattung vermuten lässt. Preisvergleiche mit dem lokal produzierten Tiguan sind angesichts des ungarischen Importstatus des Q3 schwierig, doch der Q3 behauptet sich durchaus gegen direkte Konkurrenten:
- BMW X1
- Mercedes-Benz GLA
Keiner der beiden Konkurrenten unterbietet den Q3 preislich deutlich. Dennoch dürfte dieser reifere, geschlechtsneutrale Q3 kaum zum durchschlagenden Verkaufserfolg werden — er ist aber ein insgesamt überzeugenderer kleiner SUV als sein Vorgänger.
Dies ist eine Übersetzung. Das Original können Sie hier lesen: https://www.drive.ru/test-drive/audi/5dcd0037ec05c4f138000110.html
Veröffentlicht Mai 25, 2023 • 7 m zum Lesen