Der Toyota Land Cruiser 300 und der Chevrolet Tahoe gehören zu den bekanntesten Großraum-SUVs mit Leiterrahmen auf dem Markt – und das aus gutem Grund. Beide bieten ernsthafte Geländetauglichkeit, geräumige Innenräume und leistungsstarke Motoren in hochwertigen Ausstattungspaketen. Aber welcher ist wirklich besser? Wir haben sie direkt verglichen, um es herauszufinden.
Außendesign und erster Eindruck
Treue Land-Cruiser-Fans wurden nicht enttäuscht, als die 300er-Baureihe erschien – auch wenn der geliebte V8 fehlte und das Fahrzeug im Vergleich zum Vorgänger etwas softer und eleganter wirkte. Das neue Modell präsentierte sich der Welt mit einem breiten Lufteinlass, der sich um den unteren Teil des markanten Kühlergrills zieht. Die meisten Außenkarosserieteile bestehen aus Aluminium und sitzen auf einem verstärkten GA-F-Rahmen und -Fahrgestell mit abgesenktem Schwerpunkt.
Der Land Cruiser 300 verlor 200 kg, behielt dabei aber nahezu denselben Fahrzeugumriss. Folgende Maßänderungen wurden vorgenommen:
- Länge um 15 mm vergrößert
- Höhe um 30 mm reduziert
- Breite und Radstand unverändert
Trotz des niedrigeren Dachs bleibt das Einsteigen komfortabel – ein Haltegriff an der A-Säule und ein breites Trittelement erleichtern den Einstieg, möglicherweise sogar mehr als beim Vorgänger der 200er-Baureihe.

Der Chevrolet Tahoe setzt dagegen auf ausdrucksstarkes amerikanisches Design und eine breitere Auswahl an Ausstattungslinien. Die RST Sport Edition rollt auf massiven 22-Zoll-Rädern, während die geländeorientierte Z71-Variante Folgendes mitbringt:
- All-Terrain-Reifen
- Unterfahrschutz
- Verbesserte geometrische Bodenfreiheit
- Freiliegender vorderer Abschlepppunkt
Fahrwerk und Plattformunterschiede
Sowohl der Tahoe als auch der Land Cruiser 300 basieren auf Leiterrahmen-Plattformen, unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Fahrwerksauslegung:
- Chevrolet Tahoe – MacPherson-Federbein-Einzelradaufhängung vorne
- Toyota Land Cruiser 300 – Unabhängige Doppelquerlenker-Vorderradaufhängung
Dieser Unterschied hat spürbare Auswirkungen sowohl auf das Fahrverhalten auf der Straße als auch auf die Geländeleistung, wie wir im Folgenden zeigen werden.
Innenraumkomfort und Fahrergonomie
Wer in den Land Cruiser 300 einsteigt, bemerkt sofort eine aufrechte, dominante Sitzposition. Das Lenkrad ist weniger geneigt als zuvor und lässt sich über einen größeren Bereich verstellen. Die Fahrposition hat sich gegenüber der 200er-Baureihe verbessert – der Sitz ist tiefer, die Beine sind weniger angewinkelt, und die Pedale werden gedrückt statt gestampft. Dennoch gibt es noch Verbesserungspotenzial:
- Die seitliche Sitzwangenstützung könnte fester sein
- Eine Sitzkissenverlängerung fehlt
- Eine vertikale Lendenwirbelstützenverstellung wäre wünschenswert
Der Fahrersitz des Tahoe ist in mehreren Bereichen einen Schritt voraus. Er sitzt tiefer, umschließt den Körper besser und bietet einen größeren Verstellbereich. Das Lenkrad ist aufrechter und ohne Kunstholzverkleidung, was das Fahren angenehmer macht. Die breite Mittelarmlehne ist ebenfalls besser positioniert. Der einzige ergonomische Kritikpunkt: Die Füße sind im Verhältnis zum Unterschenkel stärker angewinkelt – verstellbare Pedale würden Abhilfe schaffen, sind hier aber nicht erhältlich.

Infotainment und Technologie
Hier wird der Unterschied zwischen den beiden SUVs am deutlichsten. Das Multimediaangebot des Land Cruiser 300 ist je nach Ausstattungslinie uneinheitlich:
- Die Varianten 70th Anniversary und GR Sport erhalten ein modernes Breitbild-Display
- Die Comfort+-Variante muss mit einem älteren, trägen System mit niedriger Bildschirmauflösung und veralteter Grafik auskommen
- Positiv hervorzuheben sind ein gut positionierter Touchscreen, große lesbare Schriftarten und schnelle Bluetooth-Kopplung
- Die Lenkradheizung deckt nicht den gesamten Lenkradkranz ab
- Die Holzoptik wirkt für den Preispunkt minderwertig
Das Infotainmentsystem des Tahoe ist insgesamt klar überlegen:
- 10-Zoll-Touchscreen mit höherer Auflösung
- Schnellere Berührungsreaktion und flüssige Kartennavigation
- Kabelgebundenes Android Auto für stabile Smartphone-Anbindung
- Optionales Unterhaltungssystem für die Rücksitze als Zusatzausstattung verfügbar
- Bluetooth-Verbindung etwas langsamer, aber die Gesamtintegration ist ausgereifter

Platz für Rücksitzpassagiere und Alltagstauglichkeit
Für Rücksitzpassagiere hat der Tahoe einen klaren Vorteil in Sachen Komfort und Zugänglichkeit. Seine Vorzüge umfassen:
- Breitere hintere Türöffnungen für leichteres Einsteigen
- Niedrigerer Boden und optionale Luftfederung, die das Fahrzeug zum Boden absenkt
- Einzelsitze, die längs verschiebbar sind und sich in einem großzügigen Winkel neigen lassen
- Mehr Kniefreiheit – bis zu 130 mm Beinfreiheitsreserve bei einer Körpergröße von 175 cm
- USB-C-Anschlüsse und Getränkehalter gut erreichbar
Der Land Cruiser 300 bietet ebenfalls großzügigen Platz im Fond sowie eine Zweizonen-Klimaanlage im Vergleich zur Einzonen-Lösung des Tahoe hinten. Allerdings bleibt die zweite Sitzreihe für die Preisklasse in puncto Komfort hinter den Erwartungen zurück:
- Das Sitzkissen ist zu hart und liegt tiefer als ideal
- Die Rückenlehne ist flach, neigt sich jedoch
- Keine beheizten Rücksitze in der 84.000-Dollar-Ausstattung – nicht einmal im 72.000-Dollar-Basismodell

Motorleistung und Beschleunigung
Der Land Cruiser 300 ersetzt seinen alten Saugmotor-V8 durch einen biturbogeladenen V6-Benziner – mit überzeugenden Ergebnissen:
- 415 PS und 650 Nm Drehmoment
- 0–100 km/h in 6,9 Sekunden – ganze 2 Sekunden schneller als die 200er-Baureihe
- Kombinierter Kraftstoffverbrauch von 8,9 L/100 km
Die Fahrmodi prägen das Fahrerlebnis spürbar. Der Comfort-Modus bietet sanfte, vorhersehbare Gas- und Bremsreaktionen. Der Normal-Modus schärft die Gasannahme, während Sport S das SUV wirklich lebhaft wirken lässt – fast wie eine straffe Kupplungsverbindung zur Straße. Sport S+ ist für Neugierige vorhanden, sollte aber nur für kurze Experimente genutzt werden.
Das 10-Gang-Automatikgetriebe hält sich meist im Hintergrund, kann jedoch bei wechselnden Lasten ins Straucheln geraten – Getriebesuchen und spürbare Verzögerungen beim Herunterschalten sind gelegentliche Kritikpunkte. Ein leistungsstarker Motor kaschiert jedoch die meisten seiner Schwächen.
Der 6,2-Liter-V8 des Tahoe klingt großartig – bei 2.000–3.000 U/min tief und kehlig, bis hin zu einem bassigen Brüllen nahe der Drehzahlgrenze. Die Kraftentfaltung hält jedoch nicht ganz mit der Dramatik mit:
- 0–100 km/h in gemessenen 8,6 Sekunden – 0,6 Sekunden langsamer als der offizielle Wert
- Das Gaspedal wirkt im unteren Drittel des Pedalwegs gedämpft und träge
- Sport-Modus und höhere Drehzahlen verbessern die Reaktionsfreudigkeit, erreichen aber nie das Niveau des Land Cruiser
- Das 10-Gang-Getriebe schaltet langsam und kann bei Mehrfach-Herunterschalten unentschlossen reagieren
Oberhalb von 5.000 U/min erwacht der Tahoe endlich und belohnt entschlossenes Fahren. Bei Autobahngeschwindigkeiten über 120 km/h beginnt er jedoch zu wirken, als käme er an seine Grenzen – während der Land Cruiser bei 150 km/h und darüber hinaus gelassen und selbstsicher bleibt.

Fahrverhalten auf der Straße und Fahrkomfort
Der Tahoe hat in der Fahrdynamik auf der Straße echte Fortschritte gemacht – er fühlt sich nicht mehr an wie ein Lkw, der vorgibt, ein Auto zu sein. Wichtige Verbesserungen beim Fahrverhalten:
- Präzise Lenkung auf kurvenreichen Straßen mit selbstsicherem Hochgeschwindigkeitskurvenverhalten
- Der Sport-Modus strafft adaptive Dämpfer und Luftfedern und reduziert die Karosserieneigung spürbar
- Weniger Vibrationen durch ungefederte Massen im Vergleich zu früheren Generationen
- Bessere Energieaufnahme bei scharfkantigen Schlaglöchern
Hauptkritikpunkte sind ein Lenkrad, das sich in den Standardmodi unnötig schwer anfühlt und wenig Rückmeldung gibt, sowie eine Tendenz der Karosserie, auf unebenen Straßenabschnitten seitlich zu schaukeln.
Der Land Cruiser 300 ist beim sportlichen Fahren engagierter – mit präziserer Lenkreaktion, höheren Kurvengeschwindigkeiten und einem Stabilitätssystem, das vollständig deaktiviert werden kann. Allerdings neigt er sich in Kurven stärker und zeigt ausgeprägteres Längsnicken. Sein Sport-Fahrwerkmodus opfert Fahrkomfort mehr, als er das Fahrverhalten verbessert.
Auf normalen asphaltierten Straßen ist der Land Cruiser 300 spürbar unruhiger als erwartet – insbesondere bei mittelgroßen und großen Schlaglöchern, bei denen er ständig zum Rütteln neigt. Bei Geschwindigkeiten zwischen 15–20 km/h über Bodenwellen wird die Hinterradaufhängung für Rücksitzpassagiere besonders unkomfortabel. Positiv zu vermerken: Doppelverglaste Seitenscheiben und gut isolierte Radkästen sorgen für einen merklich ruhigen Innenraum.

Geländetauglichkeit: Hier trennt sich die Spreu vom Weizen
Hier erinnert der Land Cruiser 300 alle daran, warum er existiert. Im Gelände ließ er den Tahoe weit hinter sich. Seine Geländevorteile sind erheblich:
- Größere Bodenfreiheit und bessere geometrische Geländegängigkeit
- Permanenter Allradantrieb (im Gegensatz zum zuschaltbaren System des Tahoe)
- Alle drei Differentiale können manuell gesperrt werden
- Intelligentere Geländeelektronik mit großzügigeren Traktionseinstellungen
- Aufrechterhaltene Geschwindigkeiten von 60–70 km/h im Gelände, wo der Tahoe oberhalb von 40 km/h zu kämpfen hatte
Der Tahoe ist im Gelände durchaus keine Enttäuschung. Seine Luftfederung hebt die Karosserie bei Bedarf um 50 mm an und kann sie zum einfacheren Ein- und Aussteigen auf den Boden absenken. Wir fuhren ihn durch Sand, Schlamm und lockere Steigungen, ohne stecken zu bleiben – und sein abgesenkter Fahrwerkmodus erwies sich tatsächlich als nützlich, als es darum ging, den Land Cruiser zu bergen, nachdem er auf einem hohen, harten Bergrücken unter weichem Lehm kurzzeitig aufgesetzt hatte.
Dennoch sind die vordere Stoßfängerlippe und die hinteren Querlenker des Tahoe in ernstem Gelände anfällig, und das Anschlagen des Fahrwerks beim Ein- und Ausfedern ist ein klares Limit oberhalb von 40 km/h im Gelände.

Fazit: Welches Großraum-SUV sollten Sie wählen?
Beide SUVs haben für unterschiedliche Käufer starke Argumente. Hier ist die Zusammenfassung:
Wählen Sie den Toyota Land Cruiser 300, wenn Sie:
- Ernsthafter Geländeleistung und Zuverlässigkeit Priorität einräumen
- Permanenten Allradantrieb mit vollständiger Differentialsperre wünschen
- Autobahntauglichkeit auf langen Strecken bei hohem Tempo schätzen
- Ein stärker fahrerorientiertes Fahrverhalten auf der Straße bevorzugen
Wählen Sie den Chevrolet Tahoe, wenn Sie:
- Die meiste Zeit auf asphaltierten Straßen und in der Stadt fahren
- Einen komfortableren, besser ausgestatteten Innenraum für die Familie benötigen
- Besseres Infotainment, mehr Platz im Fond und serienmäßige Sitzheizung hinten wünschen
- Ein ausgefeilteres Alltagsfahrerlebnis zu einem wettbewerbsfähigen Preis bevorzugen
Der Land Cruiser 300 ist das Maß aller Dinge, sobald der Asphalt endet – ein echtes SUV in jeder Hinsicht. Doch für die meisten Familien, die 90 % ihrer Zeit in der Stadt oder auf der Autobahn verbringen, bietet der Tahoe das rundere, komfortablere und technologisch fortschrittlichere Gesamtpaket. Toyota wäre gut beraten, den Fahrkomfort zu verbessern und die Serienausstattung auf das Niveau des aufgerufenen Preises anzuheben.
Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel können Sie hier lesen: https://www.drive.ru/test-drive/chevrolet/toyota/6169a811c083e6637ae3a79e.html
Veröffentlicht März 17, 2022 • 9 m zum Lesen