Die größten Autos der Geschichte müssen weder leistungsstark noch teuer oder selten sein — Citroën 2CV, Volkswagen Golf und Renault 5 beweisen das. Der Kia KX1 ist ähnlich bescheiden, doch die einzige Geschichte, in der er vermutlich auftauchen wird, ist Ihr Kreditrückzahlungsplan.

Was ist der Kia KX1 und wie passt er in den Markt?
Der KX1 ist im Grunde ein umbenannter Kia Stonic — ein Modell, das vor neun Jahren erstmals in Südkorea erschien — und wird heute in China unter dem Namen KX1 verkauft. Er ist ein enger Verwandter des einst äußerst beliebten Kia Rio und basiert auf derselben Plattform-DNA.
In China, wo das Auto umgerechnet rund 12.000 Dollar kostet, stehen Käufer vor demselben Dilemma — ein wenig mehr ausgeben und man landet bereits bei einem Chery Tiggo 7. Wenig überraschend sind die KX1-Verkäufe in China selbst nach lokalen Maßstäben bescheiden: irgendwo zwischen 600 und 800 Einheiten pro Monat.

Motor und Fahrleistungen: langsam und laut
In Korea wird der Stonic mit einem spritzigen 1,0-Liter-Turbomotor angeboten. Der KX1 für den chinesischen Markt bekommt diesen Luxus nicht — er besitzt einen 1,4-Liter-Saugmotor mit 100 PS, kombiniert mit einem CVT-Getriebe.
Auf dem Papier klingt das für ein nur 1.100 kg schweres Auto vernünftig. Der alte Hyundai Solaris und der Kia Rio mit 1,4-Liter-Motor waren vollkommen ausreichend. Beim KX1 sieht die Sache jedoch anders aus:
- 0–100 km/h dauern rund 15 Sekunden — selbst im besten Versuch
- Jedes Überholmanöver erfordert Vollgas
- Das CVT simuliert keine Gangwechsel — es hält den Motor konstant bei über 5.000 U/min, was für sehr wenig Vortrieb erheblichen Lärm erzeugt
- Schon das Einfädeln in einen innerstädtischen Verkehrsfluss mit 50 km/h verlangt tatsächlich Vollgas
Das Ergebnis ist ein ermüdendes Fahrerlebnis: viel Motorenlärm, wenig Vorankommen.

Geräusch, Dämmung und Verarbeitungsqualität
Die akustische Erfahrung im Innenraum lässt sich am besten mit dem Leben in einer unmöblierten Betonwohnung vergleichen — jedes Geräusch hallt durch die Kabine. Das scheint eine Besonderheit der in China produzierten Version zu sein und geht weit über bloße NVH-Abstimmung hinaus:
- Praktisch keine Schalldämmung in der gesamten Karosserie
- Blankes Metall in den Radkästen sichtbar, ohne Unterbodenschutz oder Korrosionsschutz
- Der Unterboden liegt frei und besitzt keine Schutzbeschichtung

Innenraum: Knöpfe, Gerüche und eine überraschend brauchbare Rückbank
Im Innenraum gibt es tatsächlich einige echte Pluspunkte:
- Eine großzügige Zahl physischer Tasten — mehr als in den meisten aktuellen chinesischen Autos zusammengenommen
- Ein ausgezeichnetes, gut geformtes rundes Lenkrad
- Klare, attraktive analoge Instrumente
Allerdings ist der Fahrersitz sehr hoch montiert, sodass größere Fahrer mit dem Kopf beinahe den Dachhimmel berühren und die Instrumente nur mit zusammengekniffenen Augen ablesen können. Zudem entwickelt der Innenraum einen unangenehmen Geruch, wenn sich die Kabine in direkter Sonne aufheizt — an warmen Tagen stark genug, um die Augen tränen zu lassen.
Eine echte Überraschung: Der Platz für Fondpassagiere ist besser, als die kompakten Außenmaße vermuten lassen. Hinter der eigenen Fahrposition kann man bequem sitzen. Die Rückseite der Vordersitzlehne hat weder Tasche noch Schutzabdeckung, sodass Fondpassagiere ihre Knie ohne schlechtes Gewissen direkt dagegen drücken können.

Handling und Chassis: ein Lichtblick in einem ansonsten faden Gesamtpaket
Hier kann sich der KX1 teilweise rehabilitieren. Dank seines geringen Leergewichts und der niedrigen Trägheit reagiert das Auto tatsächlich direkt und agil auf Lenkeingaben — besonders in Kurven.
Wichtige Fahreigenschaften:
- Die Lenkreaktion ist unmittelbar — Spurwechsel fühlen sich fast telepathisch an
- Das Untersteuern der Vorderachse ist minimal im Grenzbereich
- Das ESC-System ist zuverlässig und greift sinnvoll ein
- Das Auto belohnt Fahrer, die kurvige Straßen mögen

Allerdings gibt es bemerkenswerte Schwächen:
- Das ABS setzt sehr früh ein auf unebenen Flächen und braucht ungewöhnlich lange, um wieder loszulassen — wenn man den Bremsdruck nicht selbst reduziert und erneut aufbaut, können sich die Bremswege verlängern
- Das Fahrwerk ist straff und überträgt die meisten Fahrbahnunebenheiten direkt an die Insassen
- Geschwindigkeitsschwellen verursachen laute, harte Schläge von den vorderen Federbeinen beim Ausfedern
Manchmal fühlt sich das Auto nicht wie ein neun Jahre altes Modell an — sondern wie ein neun Jahre altes Einzelexemplar.

Alternativen, die eher eine Überlegung wert sind
Liegt Ihr Budget unter 26.000 Dollar, lässt der KX1 den Gebrauchtwagenmarkt sehr attraktiv erscheinen. Gemeint sind nicht müde Exemplare mit hoher Laufleistung — sondern wirklich gut gepflegte Gebrauchtwagen, die mit Sorgfalt gebaut wurden.
Der Lada Iskra mit CVT verdient als Neuwagenalternative ernsthafte Beachtung. Der Lada Vesta bleibt in dieser Preisklasse außer Reichweite, doch der Iskra ist hier konkurrenzfähig.
Am aussagekräftigsten ist vielleicht Folgendes: Ein Kollege kaufte kürzlich einen Peugeot 3008 mit etwas mehr als 100.000 km auf dem Tacho für dieselben 22.000 Dollar, die ein neuer KX1 kostet. Stellt man beide nebeneinander, ist der Kontrast deutlich — ähnliche Außenmaße in der Stadt und vergleichbare Parkfreundlichkeit, doch der Peugeot umgibt Sie mit einem wirklich hochwertigen Innenraum, bietet ein Panorama-Glasdach, das die Kabine mit Licht flutet, und liefert jene feinfühlige, nuancierte Lenkung, in der die Franzosen seit jeher besonders gut sind — selbst bei bescheidenen Autos mit Verbundlenker-Hinterachse.

Endgültiges Urteil: Für wen ist der Kia KX1 eigentlich gedacht?
Der KX1 ist am besten nicht als Hauptfahrzeug zu verstehen, sondern als Lernfahrzeug oder kurzfristige Zwischenlösung. Man kann damit üben, bis die Fahrprüfung bestanden ist — und ihn danach gegen etwas eintauschen, das hinter dem Lenkrad tatsächlich Freude bereitet.

Foto: Vladimir Melnikov
Dies ist eine Übersetzung. Den Originalartikel können Sie hier lesen: Kurzer Test des Kia KX1 Schräghecks (auch als Stonic bekannt und ein Verwandter des Rio)
Veröffentlicht Juni 26, 2026 • 6 m zum Lesen