Zwei der wettbewerbsfähigsten Mittelklasse-Limousinen auf dem Markt treten gegeneinander an: Der brandneue Kia K5 2.5 fordert den Dauerbestseller Toyota Camry heraus. Im Hintergrund lauert zudem der Hyundai Sonata – der Plattformbruder des K5. Anders als die Beziehung des Camry zu anderen TNGA-Modellen ist die Verbindung zwischen K5 und Sonata deutlich enger, vom Innenraumlayout bis zum Fahrverhalten. Dennoch schafft sich der K5 eine eigene Identität und positioniert sich klar gegen Toyotas Bestseller.
Vom Optima zum K5: Wie Kia die Dominanz des Camry herausforderte
Der Kia Optima erkämpfte sich still und leise seinen Platz im Mittelklasse-Segment und steigerte seinen Marktanteil von nur 4 % auf beeindruckende 34 % im Jahr 2019 – während der Camry souverän 45 % der Klasse hielt. Eine solche Dynamik verschwindet nicht über Nacht, und der K5 wurde entwickelt, um sie fortzuführen. Besonders bemerkenswert an Kias Geschichte ist die Fähigkeit, gerade in Abschwungphasen zu wachsen – eine Strategie, die sich immer wieder ausgezahlt hat. Der Camry ist jedoch kein leichter Gegner: Historisch gilt, je schlechter der Markt, desto größer Toyotas Anteil daran.

Motor und Getriebe: Wo der K5 2.5 technisch die Nase vorn hat
Kia setzte beim Antrieb des K5 ein klares Statement – global gedacht, statt für einzelne Märkte Kompromisse einzugehen. So schlagen sich die beiden Rivalen unter der Haube:
- Kia K5 2.5: Smartstream-2.5-Saugmotor (Theta-III-Familie), 194 PS, mit zusätzlicher Direkteinspritzung – 8-Gang-Automatikgetriebe (Eigenentwicklung von HMG)
- Toyota Camry 2.5: 181-PS-Saugmotor – bislang noch ohne Achtgang-Getriebe
Das Achtgang-Getriebe des K5 ist ein echter Vorteil in dieser Klasse und sorgt für eine geschmeidigere Kraftentfaltung sowie eine bessere Kraftstoffeffizienz über den gesamten Drehzahlbereich.
Design und Optik: Kühner koreanischer Auftritt vs. japanische Zurückhaltung
Der K5 ist optisch alles andere als unauffällig. Der markante Kühlergrill – offiziell „Tiger Smile” genannt – zeigt ein Wabenmuster, das an Haifischhaut erinnern soll. Das Ergebnis ist eine so auffällige Frontpartie, als hätte der Tiger den Hai verschlungen. Die nach hinten geneigte Grillform erinnerte unseren Beifahrer Robert an den legendären Mitsubishi Galant „Achte Generation”. Wie auch immer man es sieht: Stellt man einen K5 neben den Camry, verschwindet der Toyota förmlich aus dem Blickfeld.
Innenraumqualität und Technik: K5 liegt bei den Features vorn
Steigt man in den K5, befindet man sich sofort in einer Welt voller Technik-Features. Im Vergleich zum auslaufenden Optima und zum Camry wirkt die Kabine wie ein Technologiesprung nach vorn. Zu den wichtigsten Innenraum-Highlights zählen:
- Zwei 10-Zoll-Displays kombiniert mit intuitiven Touch-Bedienfeldern
- Fahrerorientiertes Cockpit mit zweistufiger, zum Fahrer geneigter Mittelkonsole
- Horizontale Designarchitektur mit hochwertigeren Kunststoffen als beim Sonata
- Ein gut verarbeitetes, sportliches Lenkrad, das nah am Fahrer positioniert ist
- Feste, stützende Sitze, die für Wachsamkeit und Fahrengagement sorgen
Der Innenraum des Camry erzählt eine andere Geschichte – nicht schlechter in der Materialqualität, aber merklich konservativer. Das Multimediasystem hinkt hinterher, und die Ausstattung wirkt schlichter. Beim Komfort hingegen kontert der Toyota: Man sitzt tiefer, und der weichere Sitz verteilt den Druck bei langen Fahrten gleichmäßiger.
Fahrkomfort und Geräuschentwicklung: Die Laufruhe des Camry bleibt der Maßstab
Der K5 verbessert sich gegenüber dem Optima bei Lenkpräzision und Karosseriekontrolle, doch das hat seinen Preis: Die Federung ist spürbar straffer. Im Alltag zeigt sich das so:
- Kia K5: Souveräner als der Sonata bei größeren Unebenheiten, überträgt aber mehr Straßengeräusche und Vibrationen in die Kabine – Bodenschwellen erfordern ein deutliches Abbremsen, um harte Stöße zu vermeiden
- Toyota Camry: Spürbar leiser und geschmeidiger, selbst auf denselben 18-Zoll-Reifen Bridgestone Turanza T005 A – ein komfortablerer Alltagsbegleiter

Leistung und Beschleunigung: Näher beieinander, als die Zahlen vermuten lassen
Auf dem Papier sollten die 194 PS des K5 2.5 dem Camry mit seinen 181 PS keine Chance lassen – doch der Praxistest zeichnet ein differenzierteres Bild. Der K5 lässt sich nicht aggressiv aus dem Stand beschleunigen, ganz gleich, wie die Pedale bedient werden, weshalb die angegebenen 8,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h reine Theorie bleiben. Die Racelogic-Messdaten ergaben einen tatsächlichen Wert von über 9,5 Sekunden. Der Camry hingegen erreichte trotz seines stark gedämpften Gasannahmeverhaltens beim Parallelstart seine offiziellen Werte und setzte sich nach einem kurzen anfänglichen Rückstand sogar leicht ab.
Wo der K5 wirklich glänzt, ist die Gaspedal-Präzision: Das Fahrpedal ermöglicht eine deutlich feinfühligere Dosierung als das vage, „gummiartige” Pedalgefühl des Camry.
Fahrverhalten und Dynamik: Sicher und berechenbar vs. lebendig und lohnend
Hier gehen die Philosophien der beiden Limousinen am deutlichsten auseinander.
Der Kia K5 setzt auf Vertrauen und Konstanz:
- Ruhige, berechenbare Lenkreaktionen bei allen Geschwindigkeiten
- Moderate Seitenneigung ohne Untersteuern an der Grenze
- Ausgezeichneter Grip dank Continental-Premium-Contact-6-Reifen
- Künstliches Lenkgefühl, das bei zunehmender Querbelastung überproportional zunimmt
- Ein leicht verständliches Fahrerlebnis – schon ab dem ersten Kilometer intuitiv beherrschbar
Der Toyota Camry ist das emotionalere Fahrerauto:
- Lebendige, kommunikative Lenkung mit echtem Feedback
- Schnell einsetzende Seitenneigung, die in einen natürlichen, progressiven Verlauf übergeht
- Hinterachse, die in Kurven aktiv mitarbeitet
- Anspruchsvoller bei zügiger Fahrweise, aber dafür lohnender
- Größeres Potenzial für versierte Fahrer, eine echte Verbindung zum Auto aufzubauen

Preise und Ausstattungslinien: Der Wert hängt davon ab, was Sie suchen
Der K5 trägt den Titel der größten Limousine seiner Klasse – wenn auch nur um wenige Millimeter – und ist zugleich in der Basisversion am günstigsten. Allerdings eignet sich die Einstiegsausstattung mit Klimaanlage und Kunststoff-Lenkradkranz wirklich nur für Flotten- oder Mietwagennutzung. Ein paar Preisdetails, die man kennen sollte:
- Die beliebte Ausstattungslinie 2.0 Comfort ist gegenüber dem auslaufenden Optima teurer geworden und verfügt über ein 8-Zoll-Multimediadisplay (Apple CarPlay/Android Auto werden unterstützt)
- Die Ausstattung Luxe ist die erste Stufe, bei der 17-Zoll-Räder für den 2.0-Motor verfügbar sind
- Die Ausstattungslinie GT Line – einst der Bestseller – ist deutlich teurer geworden, wodurch sich ihr Preis-Leistungs-Verhältnis schwerer rechtfertigen lässt
- Für dasselbe Geld wie die GT Line ist weiterhin der 245 PS starke Turbo-Optima GT erhältlich – wohl das spannendste Auto im gesamten Segment
Es lohnt sich außerdem, den K5 vor dem Kauf direkt mit dem Sonata zu vergleichen: Für einen kleinen Aufpreis bietet der Sonata 2.0 Comfort bereits serienmäßig 17-Zoll-Räder, was ihn in dieser Preisklasse zur potenziell besseren Wahl macht.
Fazit: Welche Mittelklasse-Limousine sollten Sie wählen?
Der K5 ist eine ausgereifte, rundum überzeugende Weiterentwicklung des Optima – technisch reicher, formal schärfer und dynamisch präziser. Er spricht besonders Käufer an, die vom Vorgängermodell umsteigen, oder solche, die auch Premium-Alternativen wie den Mazda 6 in Betracht ziehen. Der Camry wiederum bleibt aus gutem Grund der Maßstab im Segment: Er ist geschmeidiger, leiser, im Alltag komfortabler – und überraschenderweise auch engagierter, wenn man ihn fordert. Wer eine technikorientierte Statement-Limousine sucht, findet im K5 ein überzeugendes Angebot. Wer den ausgewogensten Allrounder der Klasse sucht, kommt am Camry weiterhin kaum vorbei.
Dies ist eine Übersetzung. Das Original können Sie hier lesen: https://www.drive.ru/test-drive/kia/toyota/5f32e268ec05c43668000004.html
Veröffentlicht September 29, 2022 • 7 m zum Lesen