Fahrzeugsicherheit wird üblicherweise in zwei Arten unterteilt — aktive und passive. Aktive Sicherheit bezeichnet die Systeme und Vorrichtungen, die einem Fahrzeug helfen, eine Kollision von vornherein zu vermeiden. Passive Sicherheit hingegen ist die Fähigkeit des Fahrzeugs, Leben und Gesundheit seiner Insassen zu schützen, wenn es tatsächlich zu einem Unfall kommt. Jedes moderne Fahrzeug stützt sich auf eine Kombination wichtiger passiver Sicherheitssysteme — darunter Sicherheitsgurte, Airbags und Knautschzonen —, um Verletzungen bei einem Aufprall zu minimieren.
Was passiert mit einem Auto und seinen Insassen bei einer Kollision?
Bei einem Frontalaufprall faltet sich das Auto zusammen und kommt abrupt zum Stillstand — doch die Insassen bewegen sich durch die Trägheit weiter nach vorne und schleudern auf Lenkrad, Armaturenbrett und Windschutzscheibe zu. Es mag den Anschein haben, dass im Fahrzeuginnenraum nicht genug Platz vorhanden ist, um eine gefährliche Geschwindigkeit aufzubauen, doch die dabei wirkenden Kräfte sind enorm. Die Verzögerung kann Dutzende von g erreichen und macht den Aufprall vergleichbar mit einem Sprung vom Dach eines Hochhauses.
Um Insassen bei einem schweren Unfall am Leben und unverletzt zu halten, muss ihre Geschwindigkeit so allmählich und sanft wie möglich abgebaut werden — ähnlich wie mehrlagige Matten verwendet werden, um Stürze aus großer Höhe abzufedern. Um dies in einem Fahrzeug zu erreichen, muss die Karosseriestruktur zwei scheinbar widersprüchliche Anforderungen gleichzeitig erfüllen: steif genug sein, um die Insassen zu schützen, und flexibel genug, um Aufprallenergie zu absorbieren.
Knautschzonen und die starre Sicherheitszelle
Moderne Fahrzeugkarosserien lösen diese Herausforderung durch eine zweiteilige Designphilosophie:
- Starre Fahrgastzelle: Der strukturelle Rahmen, der Fahrer und Beifahrer umgibt, ist so steif wie möglich konstruiert. Er besteht aus ultrahochfestem Stahl, und Verstärkungsstreben sind in die Türen eingebaut, um ein Eindrücken beim Aufprall zu verhindern.
- Programmierte Deformationszonen: Die vorderen (Motorraum) und hinteren (Kofferraum) Bereiche des Fahrzeugs sind so konstruiert, dass sie sich kontrolliert verformen, um Aufprallenergie zu absorbieren und abzuleiten, bevor sie den Fahrgastraum erreicht.
Dieser Ansatz ist eine relativ neue Entwicklung. Ältere Fahrzeuge verfügten über kein solches Ingenieursprinzip — die gesamte Karosserie verformte sich gleichmäßig, was bedeutete, dass die Fahrgastzelle genauso wahrscheinlich kollabieren konnte wie die Stoßstange. Heute ist es durchaus üblich, ein modernes Fahrzeug mit völlig zerstörter Front zu sehen, während der Fahrgastraum weitgehend intakt geblieben ist.
Auch der Motor stellt bei einem Frontalaufprall ein ernstes Risiko dar. Um zu verhindern, dass er in den Fahrgastraum gedrückt wird — was tödlich sein könnte —, verwenden moderne Fahrzeuge speziell konstruierte Motorlager und Spritzwandstrukturen, die den Motor im Falle eines schweren Aufpralls nach unten und weg von den Insassen lenken.
Heckaufpralle und Kopfstützen
Heckaufpralle bergen ihre eigenen ernsthaften Risiken — vor allem Schleudertrauma und Nackenverletzungen, die durch das plötzliche Zurückschnellen des Kopfes verursacht werden. Zwei Generationen von Kopfstützentechnologie wurden entwickelt, um diesem Problem zu begegnen:
- Standard-Kopfstützen: Begrenzen die Rückwärtsbewegung des Kopfes, um eine Überdehnung des Nackens zu verhindern.
- Aktive Kopfstützen: Bewegen sich in dem Moment automatisch nach vorne, wenn ein Heckaufprall erkannt wird, und bieten dem Kopf sofortige Unterstützung, wodurch gefährliche Bewegungen nahezu vollständig eliminiert werden.
Sicherheitsgurte: Das wichtigste passive Sicherheitssystem
Wenn es darum geht, Insassen bei einem Unfall zu schützen, ist kein System grundlegender als der Sicherheitsgurt. Aus der Luftfahrt übernommen, haben sich Sicherheitsgurte seit ihrer Einführung in der Automobilwelt erheblich weiterentwickelt. So verlief diese Entwicklung:
- Zweipunktgurte: Die frühesten Fahrzeugsicherheitsgurte hielten den Insassen über Bauch oder Brust an einem einzigen Spannungspunkt. Besser als nichts, aber weit vom Ideal entfernt.
- Dreipunktgurte: Das heute universell eingesetzte Design, das Aufprallkräfte gleichmäßiger über Brust, Schulter und Schoß verteilt und das Risiko von Wirbelsäulen- und inneren Organverletzungen erheblich reduziert. Die Kombination aus Wirksamkeit und Benutzerfreundlichkeit machte ihn zum weltweiten Standard für zivile Fahrzeuge.
- Mehrpunktgurte (4-, 5- und 6-Punkt): Im Motorsport eingesetzt, um den Fahrer unter extremen Bedingungen fest im Sitz zu halten — für den alltäglichen Fahrbetrieb jedoch zu einschränkend.
Moderne Sicherheitsgurte sind weit ausgefeilter als ein einfaches Band. Wesentliche Innovationen umfassen:
- Trägheitsrollen: Ermöglichen eine freie Gurtbewegung unter normalen Bedingungen, passen sich automatisch jeder Körpergröße an und erlauben dem Träger, seine Position bequem zu verändern — sperren jedoch sofort, wenn eine plötzliche Verzögerung erkannt wird.
- Pyrotechnische Gurtstraffer: Kleine Sprengladungen, die bei einem Aufprall zünden, den Gurt in Millisekunden straff ziehen und den Insassen fest in den Sitz zurückziehen, bevor die Aufprallkräfte einwirken.

Airbags: Die zweite Verteidigungslinie
Airbags sind wohl die zweitwichtigste passive Sicherheitserfindung nach Sicherheitsgurten. Das Konzept — einen gefalteten Beutel in einem Bruchteil einer Sekunde während einer Kollision aufzublasen — wurde erstmals 1953 patentiert, obwohl die Technologie für eine zuverlässige Umsetzung noch zwei Jahrzehnte auf sich warten ließ.
Wie funktioniert ein Airbag?
Der Schlüssel zur Wirksamkeit eines Airbags ist die Geschwindigkeit. Ingenieure testeten verschiedene Aufblasverfahren, bevor sie sich für ein pyrotechnisches System entschieden, das bis heute der Standard ist. So funktioniert es:
- Aufprallsensoren erkennen eine Kollision und lösen in Millisekunden einen elektrischen Strom aus.
- Der Strom erhitzt eine kompakte Tablette aus Natriumazid (NaN3) — eine kristalline Verbindung — auf über 330 °C.
- Das Natriumazid zersetzt sich schnell in Stickstoffgas und Natriummetall.
- Das freigesetzte Stickstoffgas bläst den Airbag in nur 0,025 bis 0,05 Sekunden (25 bis 50 Millisekunden) auf.
- Der Beutel federt den Insassen ab und deflationiert danach nahezu sofort, sodass er sich nach dem Aufprall frei bewegen kann.
Ein Nebeneffekt dieses schnellen Aufblasens in einem geschlossenen Raum ist ein starker Druckanstieg, der Trommelfellschäden oder eine Gehirnerschütterung verursachen kann. Hersteller begegnen diesem Risiko, indem sie die Entfaltungsgeschwindigkeit des Airbags begrenzen und Kissen mit relativ kleinem Volumen verwenden — je nach Person und Fahrzeuggröße verbleibt jedoch ein gewisses Restrisiko.
Eine kurze Geschichte des Airbags
Entgegen der verbreiteten Meinung stammen Airbags nicht von europäischen Luxusmarken. Mitte der 1970er Jahre rüsteten Ford und General Motors über 12.000 Fahrzeuge mit Airbag-Systemen aus — der ersten Großserieneinführung in der Automobilgeschichte. Diese frühen amerikanischen Airbags waren jedoch darauf ausgelegt, Sicherheitsgurte zu ersetzen anstatt sie zu ergänzen, was sich als katastrophal erwies. Ein Airbag entfaltet sich einem nicht angeschnallten Insassen mit 270–300 km/h entgegen, und dokumentierte Fälle von Halswirbelfrakturen, die durch den Airbag selbst verursacht wurden, veranlassten die Hersteller, diesen Ansatz aufzugeben.
Es war Mercedes-Benz, das in Partnerschaft mit Bosch das Konzept wiederbelebte und verfeinerte. Im Jahr 1980 war Mercedes der erste Hersteller, der Airbags als Serienausstattung in einem Serienfahrzeug anbot — der S-Klasse — mit einem entscheidenden Konstruktionsprinzip: Airbags müssen zusammen mit Sicherheitsgurten funktionieren, nicht anstelle von ihnen. Diese Erkenntnis verwandelte die Airbag-Technologie in das lebensrettende System, das wir heute kennen. Tatsächlich sind viele Fahrzeuge nach wie vor so konstruiert, dass Airbags überhaupt nicht auslösen, wenn der Insasse nicht angeschnallt ist.
Moderne Airbag-Systeme: Weit über das Lenkrad hinaus
Die heutigen Airbag-Systeme gehen weit über einen einzelnen Beutel im Lenkrad hinaus. Eine umfassende moderne Ausstattung umfasst typischerweise:
- Frontairbags: Für Fahrer und Beifahrer, zum Schutz vor Kopf- und Brustverletzungen bei Frontalaufprallen.
- Seitenairbags (sitzmontiert): In die Seiten der Vordersitze eingebaut, um den Rumpf bei einem Seitenaufprall zu schützen.
- Vorhangairbags: Werden vom Dachholm entfaltet, um die Köpfe von Vorder- und Rücksitzpassagieren zu schützen. Im Gegensatz zu Frontairbags halten Vorhangairbags den Druck mehrere Sekunden aufrecht, um während eines Überschlags Schutz zu bieten — und um nicht angeschnallte Insassen am Herausschleudern zu hindern.
- Knieairbags: Zunehmend verbreitet, schützen sie Knie und Beine vor dem Eindringen des Armaturenbretts.
- Rücksitz-Airbags: Einige Hersteller bieten mittlerweile auch Airbag-Schutz für Rücksitzinsassen an.
Die Zukunft der Airbag-Technologie ist ebenso vielversprechend. Ingenieure entwickeln Systeme, die Airbags Momente vor dem Erkennen einer Kollision auslösen können — und nicht erst während ihr —, um die Schwere des Aufpralls zu verringern. Sicherheitssysteme werden zudem darauf trainiert, individuelle Insassendaten (Körpergröße, Gewicht, Sitzposition) zu erkennen, um die Airbag-Entfaltung für jede spezifische Person auf dem Sitz zum Zeitpunkt eines Aufpralls zu optimieren.

Fazit: Passive Sicherheit funktioniert nur, wenn Sie sie nutzen
Egal wie fortschrittlich die passiven Sicherheitssysteme in Ihrem Fahrzeug sind — Knautschzonen, Gurtstraffer, mehrstufige Airbags, Vorhangairbags —, sie alle basieren auf einer einzigen grundlegenden Voraussetzung: dass Fahrer und alle Insassen angeschnallt sind. Ohne das sinkt die Wirksamkeit all dieser Technologien drastisch, und in einigen Fällen werden sie eher gefährlich als schützend. Legen Sie immer den Sicherheitsgurt an. Jede Fahrt, jedes Mal.
Dies ist eine Übersetzung. Das Original können Sie hier lesen: https://www.drive.ru/technic/4efb330700f11713001e337d.html
Veröffentlicht Januar 20, 2022 • 8 m zum Lesen